Befragung der Bundesregierung
Zusammenfassung
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Reden (122)
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Erlauben Sie mir, zu Beginn des Jahres allen ein glückliches, gesundes und gutes neues Jahr zu wünschen. Eine Bitte, Frau Präsidentin: Beim letzten Mal habe ich deutlich zu lange geredet und deswegen der Kollegin Hubertz keine Zeit mehr gelassen. Das soll mir heute nicht passieren. Vielleicht können Sie mir deswegen nach vier Minuten einen Hinweis geben. Gerne. Sehr gut. Vielen Dank. – Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben Anfang des Jahres die Zahlen zur Migration im Jahr 2025 veröffentlicht. Heute möchte ich hier noch einmal darauf eingehen: Die Migrationswende wirkt. Wir haben einen deutlichen Rückgang der illegalen Migration zu verzeichnen. Im Verhältnis zum Jahr zuvor haben wir die illegale Migration um 51 Prozent gesenkt, im Verhältnis zu zwei Jahren davor um 66 Prozent. Das ist ein deutlicher Erfolg. Deswegen kann man sagen: Kontrolle, Kurs und klare Kante zeigen Wirkung. Wir gehen diesen Weg auch konsequent weiter. Wir haben nicht nur die Zugangszahlen deutlich gesenkt, sondern wir steigern auch die Zahl der Abschiebungen – übrigens auch in Länder, in die wir in der Vergangenheit nicht abgeschoben haben, wie beispielsweise Afghanistan und Syrien. Seit Dezember letzten Jahres werden Straftäter auch in diese Länder abgeschoben. Dazu gibt es Vereinbarungen sowohl mit Afghanistan als auch mit Syrien. Dies wird konsequent weiterverfolgt. Straftäter haben in Deutschland schlichtweg kein Bleiberecht, und deswegen werden diese Abschiebungen in den nächsten Monaten auch weitergehen. Die Migrationswende ist ein großer Erfolg. Herzlichen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen, die daran mitgewirkt haben! Ich habe am vergangenen Wochenende die Gelegenheit wahrgenommen, nach Israel zu reisen. Ich will Ihnen kurz darüber berichten: Ich habe einen Cyber- und Sicherheitspakt mit Premierminister Netanjahu in Israel unterzeichnet. Dieser Cyber- und Sicherheitspakt hat den Zweck, dass Deutschland und Israel im Bereich der Cyberabwehr und -sicherheit enger zusammenarbeiten. Wir hatten in der Vergangenheit schon eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Diese wollen wir weiter stärken. Das hat beispielsweise Auswirkungen auf den Aufbau des Cyberdomes. Israel hat große Erfahrungen, was Cyber Defense, was Cyberabwehr anbelangt. Davon wollen wir profitieren. Ich darf an der Stelle übrigens ein herzliches Dankeschön an die israelische Seite richten, die uns im letzten Jahr beim Aufbau der Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei unterstützt hat, indem uns israelische Technologie zur Drohnenabwehr zur Verfügung gestellt wurde. Wir bringen dort neben deutscher Technologie auch israelische Technologie zum Einsatz. Wir haben ferner vereinbart, dass wir auch die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte deutlich stärken. Ich darf sagen, dass mir das ein besonderes Anliegen ist. Im Bereich des Aufbaus des OSC, des Büros des Sicherheitskoordinators, der unter amerikanischer Führung steht und gleichzeitig von Kanadiern und Briten begleitet wird, hat es den dringenden Wunsch gegeben, dass es auch eine deutsche Beteiligung gibt. Hier werden Sicherheitskräfte, sowohl israelische als auch palästinensische Sicherheitskräfte, in einer Scharnierfunktion miteinander verbunden. Ich finde, es ist wirklich eine großartige Situation, wenn 80 Jahre nach dem Holocaust vonseiten Israels und anderer die Bitte an Deutschland herangetragen wird, dass beim Aufbau der Sicherheitsarchitektur und Sicherheitskräfte in palästinensischen Gebieten Deutschland eine Rolle übernimmt. Die Zeit ist um. Deswegen werden wir hier eine neu geschaffene Stellvertreterposition einnehmen, die wir mit dem bisherigen Präsidenten der Spezialkräfte der Bundespolizei besetzen. – Das war der Hinweis. Viereinhalb Minuten sind um. Ich nehme mir noch 20 Sekunden von Frau Alabali Radovan – Ja, jetzt aber ran. – und sage noch einen Satz. Wir wären soweit. Sorry dafür. – In Anlehnung an das, was wir in Berlin erlebt haben, meine Damen und Herren, sage ich: Beim Kampf gegen den Linksextremismus müssen wir deutlich aufrüsten. Ich habe die Entscheidung dafür bereits in der letzten Woche getroffen. Wir haben einen linksextremistischen Anschlag auf die Infrastruktur in Berlin erlebt. Das ist etwas, was nicht akzeptiert werden kann. Der Kampf gegen den Linksterror und den Linksextremismus muss deutlich ausgeweitet werden. Dafür habe ich die notwendigen Entscheidungen getroffen. Wir überlassen dem Linksterrorismus nicht das Feld, meine Damen und Herren. Ganz geklappt hat es nicht, die Zeit einzuhalten. Es bleiben noch zweieinhalb Minuten. Frau Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Frau Reem Alabali Radovan. Bitte sehr.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich wünsche Ihnen zunächst ein gesundes neues Jahr. Herr Kollege Dobrindt, das müssen wir noch mal üben. Ich würde sagen, ich habe erst mal was gut bei Ihnen dafür. Ich halte es kurz. In den letzten zwei Wochen haben wir erlebt, dass die Weltordnung wankt. Wir befinden uns in Zeiten von geopolitischen Umbrüchen, und wir müssen Antworten finden – auch in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Diese Antworten habe ich am Montag vorgelegt. Wir machen die deutsche Entwicklungszusammenarbeit strategischer, fokussierter und partnerschaftlicher. Ich freue mich, gleich bei der Befragung – hoffentlich – ein bisschen näher darauf eingehen zu können. Wichtig ist mir, dass wir vorangehen und dass wir verlässlicher Partner in der Welt bleiben. Dazu leisten wir mit der Reform einen Beitrag, indem wir die Themen fokussieren in den Regionen, die wir uns strategisch anschauen, indem wir unseren Verpflichtungen nachkommen, wenn es darum geht, Hunger, Armut, Ungleichheit in der Welt zu bewältigen, indem wir unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken und vor Ort in Krisenregionen unterstützen, aber auch beim Wiederaufbau, zum Beispiel in der Ukraine, in Syrien oder perspektivisch in Gaza. Das stärkt unsere Rolle in der Welt, und wir kommen unserer Verantwortung nach. Ganz herzlichen Dank. Jetzt haben wir sogar noch eine Minute gespart. Deshalb danke ich für diese Zusammenarbeit der beiden Minister und für ihre Berichte. Wir beginnen jetzt mit dem eigentlichen Frageteil. Ich will es kurz noch einmal erläutern: Die erste Fragerunde ist eine Fraktionsrunde. Der Fragesteller oder die Fragestellerin hat eine Minute Fragezeit, Antwort eine Minute, Nachfrage durch den Fragesteller oder die Fragestellerin 30 Sekunden, Antwort 30 Sekunden, keine weiteren Fragen, erst bei der zweiten Runde. – Das einfach noch einmal zu Beginn des neuen Jahres vor Augen geführt. Jetzt hat für die AfD-Fraktion Gottfried Curio das Wort. Bitte.
Vielen Dank. – Herr Minister, die Zahl der seit Regierungsübernahme an den Grenzen zurückgewiesenen Asylbewerber betrug stets nur etwa 2 Prozent der tatsächlichen monatlichen Neuanträge beim BAMF. Die Maßnahme ist also im Wesentlichen unwirksam. Laut offiziellen BAMF-Zahlen liegt bereits seit März die monatliche Zahl der neuen Anträge immer zwischen etwa 7 000 und 9 000. Die Entwicklung hat also nichts mit Regierungsmaßnahmen seit Mai zu tun, sondern vor allem mit dem Regimewechsel in Syrien Ende 2024. Nötig wäre der Widerruf der subsidiären Schutztitel sowie die Abschiebung der betroffenen knapp 1 Million Syrer, soweit nicht eingebürgert. Zwei Fragen. Trifft es zu, dass die Abschiebung der Syrer nicht fest und zwingend in den Koalitionsvertrag verhandelt wurde – Sie reden von Straftätern –, noch nicht mal deren subsidiäre Schutzbedürftigkeit aufgehoben wurde und Minister Wadephul die Abschiebung verhindert? Und trifft es zu, dass letztes Jahr nicht weniger Migranten in Deutschland waren, sondern via Asylantrag und Familiennachzug sogar über 200 000 neue kamen, also inzwischen mehr hier sind als im Vorjahr unter der Ampel? Bitte sehr, die Möglichkeit, zu antworten. Eine Minute.
Sehr geehrter Herr Kollege, erstens: Ihr Hinweis ist falsch. Die Zurückweisungen haben deutlich Wirkung gezeigt. Die Grenzkontrollen, die Verschärfung der Grenzkontrollen und die Zurückweisungen sind wesentliche Elemente der Migrationswende neben der Senkung der Pullfaktoren. Es wird allgemein auch so anerkannt, dass die Veränderung der Migrationspolitik in Deutschland mit der Auslöser ist, dass deutlich weniger illegale Migranten nach Europa kommen. Von daher ist dies ein großer Erfolg. Des Weiteren haben wir die Durchführung von Abschiebungen vereinbart, auch dass wir nach Syrien und Afghanistan abschieben. Das ist im Koalitionsvertrag vereinbart. Auch ist vereinbart, dass wir mit Straftätern beginnen. Wir schauen jetzt die Titel, die zurzeit beim BAMF herrschen, an. Wir haben mit Straftätern begonnen und machen jetzt mit alleinreisenden Männern weiter. Auch das ist eine Tatsache. Ich darf Ihnen aber auch deutlich sagen, – Danke sehr. – dass das, was wir zurzeit an Migration nach Deutschland erleben, im Wesentlichen damit zu tun hat, – Die Zeit ist abgelaufen. – dass wir einen Angriffskrieg Putins – Herr Minister. Schwierig. Die Zeit ist abgelaufen. – auf die Ukraine haben. Die Zeit ist abgelaufen. Ja, ist in Ordnung. Aber das ist ein wichtiger Punkt, Frau Präsidentin. Ja, es ist ganz viel wichtig in diesem Land. Ukrainische Flüchtlinge werden deutlich mehr. Ihre Zeit ist abgelaufen, Herr Minister. Das hat erheblich damit zu tun, dass Putin – Herr Minister, ich habe hier das Sagen. – seinen Angriffskrieg weiter verstärkt. An dieser Stelle haben Sie ein Problem. Herr Dobrindt, wir ziehen Ihnen gleich etwas von der Zeit ab. – Wir sind zu Beginn des neuen Jahres, daher kurz noch mal eine kleine Farbenlehre zur Erläuterung: Wenn es grün ist, ist es okay. Wenn es gelb wird, sollte man zum Ende kommen, und bei Rot ist definitiv Schluss. Bitte sehr. Sie dürfen 30 Sekunden nachfragen.
Herr Minister, „bei Rot ist definitiv Schluss“; das sollte man bei Koalitionsverhandlungen beachten. Die 100 000 Ukrainer hatte ich noch gar nicht mit drin. Wir haben allein 100 000 neue Asylanträge und Familiennachzug. Kanzler Merz kündigte an, ausnahmslos alle Asylbewerber an der Grenze zurückzuweisen, was anerkanntermaßen zu 98 Prozent nicht geschieht. Wir haben nicht die angekündigten null neuen Asylanträge, sondern über 100 000. Frage: Wollte nun der Kanzler die Wähler täuschen, oder sind Sie nicht in der Lage, seine Ankündigungen umzusetzen?
Sie versuchen hier wieder, vollkommen falsche Tatsachen zu erfinden. Es geht darum, dass wir nach wie vor an den Grenzen zurückweisen. Auch die Asylgesuche werden zurückgewiesen, außer vulnerable Gruppen. Das, was wir aber weiterhin erleben, ist Zugang nach Deutschland über ganz andere Wege, auch Asylanträge, die erst nach legalem Zugang nach Deutschland gestellt werden. Deswegen sind die Zahlen, die Sie hier darstellen, so nicht korrekt. Außerdem haben wir an die 20 000 Neugeborene von Asylbeantragern in Deutschland, – Danke schön. – die auch Asylerstanträge stellen. Auch das ist bei den Zahlen zu berücksichtigen. Danke sehr. – Wir fahren fort mit der nächsten Fraktion. Für CDU/CSU hat nun das Wort Herr Dr. Wolfgang Stefinger.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Es ist gut, dass wir heute mit beiden Häusern die beiden Themen diskutieren, da sich ja Entwicklungszusammenarbeit vor allem auch damit befasst, dass Menschen sich gar nicht erst auf den Weg machen müssen. Deswegen, Frau Ministerin, auch die Frage an Sie. Sie haben diese Woche den Reformprozess bzw. die Ergebnisse, die in Ihrem Haus erarbeitet wurden, vorgestellt. Welche Ziele verfolgen Sie konkret, und bis wann rechnen Sie mit einer kompletten Umsetzung des Prozesses?
Herzlichen Dank, Herr Abgeordneter. – Konkret gibt es vier Ziele: Das erste Ziel ist, Armut, Hunger und Ungleichheit zu überwinden. Das zweite Ziel ist, die Sicherheit zu stärken; das betrifft den ganzen Bereich Krisenprävention und Wiederaufbau. Das dritte Ziel ist, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken, insbesondere mit aufstrebenden Volkswirtschaften wie Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika. Das vierte Ziel ist, den Multilateralismus zu stärken, basierend auf unseren bilateralen Partnerschaften. Die letzten Tage haben ja sehr deutlich gezeigt, dass wir dem nachgehen müssen. Der Zeitplan ist, die Maßnahmen, die hohe Priorität haben, dieses Jahr umzusetzen und bestimmte Maßnahmen im Bereich Datenerfassung spätestens bis zum Sommer 2027. Sie haben die Möglichkeit für eine Nachfrage.
Zum einen freue ich mich über die positive Bewertung der Reform durch die GIZ und die KfW, nach dem, was ich bisher sehen konnte. Wir haben natürlich im Vorhinein mit den Organisationen gesprochen und Ideen gesammelt. Aber wir haben miteinander vereinbart, dass es mehr Wettbewerb geben soll. Dazu sind wir in der Koalition im engen Austausch. Dieses Ziel verfolgen wir weiterhin gemeinsam, und wir wollen in den nächsten Wochen konkret darüber sprechen. Danke schön. – Wir kommen nun zur Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Frau Abgeordnete Claudia Roth.
Danke schön, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, mit Ihrer Reform wollen Sie einen verstärkten Fokus auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und auf die Verknüpfung von Entwicklungs- und Sicherheitspolitik legen. Gleichzeitig sprechen Sie von weiteren Kürzungen im schon jetzt schwer ramponierten BMZ-Haushalt. Aber das bedeutet doch noch weniger Mittel für die wirklich großen, zentralen Herausforderungen der EZ, wie Gesundheit, wie Bildung, wie Kampf gegen Hunger und Armut, wie Klimagerechtigkeit, wie Stärkung von Zivilgesellschaften in dramatischen Zeiten eines Anwachsens autoritärer Regime. Wie stellen Sie sicher, dass die EZ nicht zu einem reinen Instrument nationaler Interessen wird und dass die Grenzen zur Außenwirtschaftsförderung nicht weiter verschwimmen, was ja dem entwicklungspolitischen Ansatz widersprechen würde? – Ich bin in der Zeit. Das betonen wir besonders. Danke sehr.
Liebe Frau Kollegin Roth, für mich steht fest – das ist klar, und das können Sie auch im Reformpapier sehen –: Oberste Priorität hat die Verfolgung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung der Agenda 2030. In der Reform bringen wir wertebasierte Entwicklungspolitik und interessenbasierte Entwicklungspolitik zusammen. Die geopolitische Situation, aber auch die von Ihnen zu Recht angesprochene Haushaltssituation haben diese Reform erforderlich gemacht. Ich will hier einmal ganz klar sagen, dass nicht die Reform Kürzungen beinhaltet, sondern dass im Zusammenhang mit der Konsolidierung des Bundeshaushalts, die immer noch ansteht, alle Ministerien angehalten sind, Einsparungen vorzunehmen. Das passiert unabhängig von der Reform. Aber mit der Reform stelle ich sicher, dass wir verlässlicher Partner bleiben, indem ich zum Beispiel einen Fokus auf die LDCs setze, die Least Developed Countries, die jetzt vor allem von Zuschüssen profitieren sollen, um eben Hunger, Armut und Ungleichheit zu bewältigen. Danke schön. – Es gibt die Möglichkeit einer Nachfrage.
Die USA haben sich nach dem Rückzug aus USAID jetzt auch aus weiteren 66 internationalen Organisationen komplett zurückgezogen. Sie haben das zu Recht kritisiert, zum Beispiel beim Rückzug aus UN Women und aus dem UNFCCC. Aber wie planen Sie jenseits Ihrer Kritik, jetzt darauf zu reagieren, finanziell oder eben auch durch inhaltliches Engagement?
Vielen Dank. – Durch die schmerzlichen Kürzungen, die wir in meinem Haushalt vornehmen mussten, sind wir nicht in der Lage, den Rückzug der USA aus den internationalen Organisationen zu kompensieren. Klar ist aber: Wir wollen ein verlässlicher Partner bleiben. Und wir versuchen gerade, unseren Beitrag in den Organisationen, die wirklich gute und großartige Arbeit leisten, wie zum Beispiel UN Women, aufrechtzuerhalten. Wir haben im Reformprozess auch ein System der Reform Champions mit vorgesehen Ich danke Ihnen sehr. – Dann kommen wir jetzt zur SPD-Fraktion, zur nächsten Hauptfrage, und Frau Abgeordnete Sanae Abdi hat das Wort. Bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Ministerin, der Angriff der USA auf Venezuela und die Drohungen gegen weitere Länder Lateinamerikas markieren eine schwerwiegende Eskalation, die die Stabilität in der gesamten Region bedroht und in diesem Kontext auch Fragen zur internationalen Zusammenarbeit aufwirft. Kolumbien zum Beispiel ist ein sehr wichtiger Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Wie bewertet die Bundesregierung die unmittelbaren Auswirkungen des Angriffs auf die umliegenden Staaten, und welche konkrete Rolle kann die Entwicklungszusammenarbeit in dieser Krisensituation spielen, um Stabilität, partnerschaftliches Vertrauen, aber auch regionale Kooperation zu stärken? – Vielen Dank.
Vielen Dank, liebe Frau Abgeordnete Abdi. – Die Situation in Südamerika macht mir große Sorge. Vizekanzler Lars Klingbeil hat genau das Richtige zum Angriff auf Venezuela gesagt. Wir unterstützen vor Ort die Anrainerstaaten, die in den letzten Jahren schon über 7,9 Millionen venezolanische Flüchtlinge aufgenommen haben, zum Beispiel Kolumbien, Ecuador und Peru. Dieses Engagement setzen wir bis 2028 fort. Wir legen aber insgesamt in dem Reformprozess einen neuen Schwerpunkt auf die Staaten Südamerikas, vor allem, wenn es um wirtschaftliche Zusammenarbeit geht, aber auch, wenn es um die Stärkung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie geht. Wir setzen auch auf die Zusammenarbeit mit den Regionalbanken vor Ort, die entscheidende Akteure sind, und auch dort können wir einen Beitrag leisten. Danke sehr. – Eine Nachfrage. Bitte.
Die Zeit will ich nutzen, um Ihnen noch mal die Möglichkeit zu geben, auszuführen, wie wir mittelfristig strategisch sicherstellen können, dass wir nicht nur die Stabilität fördern, sondern auch das aufgrund der Ereignisse verlorengegangene Vertrauen unserer Partnerländer zurückgewinnen. – Danke.
Vielen Dank, Frau Abgeordnete Abdi. – Wir haben gerade in den letzten Monaten einen sehr intensiven Austausch insbesondere mit Brasilien gehabt. Gemeinsam mit Umweltminister Carsten Schneider haben wir zum Beispiel bei unserem Engagement beim Regenwaldschutzfonds eine wichtige Zusage gehalten. Das war wirklich ein wichtiger Beitrag für die bilateralen Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland, aber auch für die gesamte Region. Und wir sind uns in der Bundesregierung einig, auch gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt, dass wir strategische Partnerschaften ausbauen müssen. Danke sehr. – Das Wort zur letzten Frage in der ersten Runde hat für die Fraktion Die Linke Frau Abgeordnete Clara Bünger. Bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Dobrindt, seit Wochen gehen Zehntausende mutige Menschen im Iran auf die Straße, und das Regime schlägt auf brutalste Weise gegen diese Menschen zurück. Berichten zufolge wurden Tausende Menschen umgebracht, und trotz des Internet-Shutdowns erreichen uns unvorstellbare Bilder. Herr Merz und Herr Wadephul haben das Regime verurteilt. Die SPD fordert jetzt einen Abschiebestopp. Werden Sie sich dieser Forderung anschließen, auf die Länder zugehen und einen Abschiebestopp im Rahmen des Länderaustausches fordern?
Frau Kollegin, lassen Sie mich erst mal sagen, dass wir in der Bewertung dessen, was da stattfindet, schockiert sein müssen. Wir haben keine Bestätigung für die Zahlen, aber wir können davon ausgehen, dass sie sehr nah an den realen Zahlen sind, auch was die Morde auf den Straßen dort angeht. Deswegen wäre es dringend geboten, dass wir auf der europäischen Ebene endlich dazu kommen, dass wir die Revolutionsgarde mit ihren Brigaden als Terrormiliz einstufen. Das wäre der erste wichtige Schritt an dieser Stelle. Und zum Zweiten. Da Abschiebungen in den Iran nur unter bestimmten Bedingungen und nur im Einvernehmen mit der dortigen Situation gelingen können, – Die Zeit ist leider wieder um. – haben sie in der Vergangenheit kaum stattgefunden und werden deswegen auch keine bedeutende Rolle spielen. Danke sehr, Herr Minister. – Sie haben die Möglichkeit zu einer Nachfrage.
Vielen Dank. – Ihrer Antwort entnehme ich, dass Sie sich nicht für einen Abschiebestopp einsetzen werden. Das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht aller mutigen Menschen, die im Iran für Freiheit und Demokratie auf die Straße gehen. Sie setzen hier eindeutig das falsche Signal. Sie stellen sich jetzt hierhin und stellen auf die EU-Ebene ab. Da muss man ganz klar sagen: Sie haben die Möglichkeit, einen bundesweiten Abschiebestopp einzuleiten. Dass Sie das nicht tun, halte ich für einen Riesenskandal. Danke sehr. Die Zeit ist abgelaufen. Sie sollten sich auch dafür einsetzen, dass es ein Bundesaufnahmeprogramm für gefährdete Iranerinnen und Iraner gibt. Das Wort hat der Minister. Bitte.
Wir werben eindeutig dafür, dass wir die Revolutionsbrigaden auf die Terrorliste setzen. Das wäre unser Anliegen. Ich bin mir nicht sicher – das ist meine Frage an Sie –, ob Sie das auch in gleichem Maße unterstützen. Und ich sage noch mal deutlich: Wir haben in Deutschland ein großes Interesse daran, dass wir Straftäter abschieben, und deswegen bin ich nicht bereit, einen Abschiebestopp zu verhängen, durch den sich Straftäter dann auch noch davonmachen können. Damit beende ich die erste Fraktionsrunde, und wir machen weiter mit der Fraktion der AfD. – Das Wort hat Herr Abgeordneter Rocco Kever. Bitte sehr.
Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie setzen die feministische Entwicklungspolitik der Ampelregierung unverändert fort, obwohl diese von Kritikern innerhalb der Union – darunter auch dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein im Juni 2024 – als rein ideologisch motiviert und kontraproduktiv für die Beziehungen zu Partnerländern eingestuft wurde. Klein betonte in einem Interview mit „Focus Online“ explizit: „Die Ampel bedient damit ihr rot-grünes Parteitagsklientel, die Wortwahl ist den Leuten in Afrika aber eher zuwider. Durch die Ampel-Ideologie werden wir im Ausland nicht mehr ernst genommen.“ Er plädierte für „mehr kulturelle Sensibilität“, die der vorherigen Regierung gefehlt habe. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu, dass Ihre Politik weiterhin primär das rot-grüne Klientel bedient und damit einen klaren Widerspruch zu einer pragmatischen, interessengeleiteten Entwicklungspolitik darstellt, die deutsche Interessen im Ausland stärken sollte?
Herr Abgeordneter Kever, Frauen machen 50 Prozent der Weltbevölkerung aus, und daher bleibt die Entwicklungspolitik feministisch. Wer Krisen verhindern will, wer Ungleichheit verhindern will, der muss Frauen unterstützen. Frauen, Kinder und Jugendliche leiden am meisten unter den Krisen unserer Zeit, unter den Kriegen und den Konflikten, die wir erleben. Schauen Sie mal in den Sudan! Allein wenn Sie in den Sudan schauen: Dann noch zu sagen, es sei ideologisch, Frauen zu unterstützen, finde ich eine absolute Frechheit. Sie müssen sich mal die Realitäten vor Ort anschauen! Gerade in dieser Krise im Sudan sehen wir, dass insbesondere Frauen von Gewalt und von Hunger und Armut betroffen sind. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass wir weltweit speziell Frauen unterstützen. Eine Nachfrage? – Bitte.
Gut, Sie haben mir etwas unterstellt, was ich so nicht gesagt habe; deshalb habe ich noch eine Nachfrage. Da Sie die Fortsetzung der feministischen Entwicklungspolitik verteidigen: Halten Sie es angesichts globaler Hungerkrisen und anhaltender Armut gerade in Afrika wirklich für sinnvoll, an einer ideologisch geprägten Agenda festzuhalten, die Partnerländer nach Aussagen von Experten – wie gerade Volkmar Klein – eher abschreckt? Ist das nicht respektlos gegenüber den Menschen dort, die dringend pragmatische Hilfe benötigen statt westlicher Ideologieimporte, die ihre kulturellen Realitäten ignorieren?
Sie legen es sich immer so zurecht, wie es Ihnen passt; das ist immer sehr interessant. Natürlich müssen wir Frauen weltweit unterstützen. Das hat nichts mit Ideologie zu tun. Wie gesagt, Frauen leiden am meisten unter den Krisen, die wir zurzeit erleben. Deshalb werden wir natürlich weiterhin darauf achten, dass auch Frauen, Kinder und Jugendliche – ich setze übrigens auch einen starken Fokus auf Kinder und Jugendliche – vor Ort unterstützt werden. Das halte ich für absolut richtig, und ich werde davon nicht abkehren. Danke sehr. – Ich sehe zu diesem Fragenkomplex keine weiteren Meldungen, und so kommen wir zur Fraktion der CDU/CSU. Das Wort hat Herr Abgeordneter Marc Henrichmann. Bitte sehr.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Dobrindt, Sie haben sich sehr klar und deutlich zum linksextremistischen Anschlag hier in Berlin geäußert. Jetzt lesen wir in diesen Stunden vermehrt Berichte, dass man sich aus der Linkspartei – namentlich die Fraktionsvorsitzende – hinstellt und erklärt, man dürfe das aber gar nicht linksextremistisch nennen, weil es ja vermeintlich nicht erwiesen sei. Und wir lesen auch die etwas drollige Begründung, dass es ja die Linkspartei sei, die Gutes im Schilde führe, und das dann nicht zu einem linksextremistischen Anschlag passe – nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Deswegen vielleicht meine Frage zur allgemeinen Erhellung: Welche Anhaltspunkte liegen Ihnen, Ihrem Haus, der Bundesregierung für eine linksextremistische Motivation vor, und was unternehmen Sie sehr konkret gegen eben diese gewaltsame linksextremistische Zelle und gegen den Terror in diesem Land? – Danke schön.
Sehr geehrter Herr Kollege Henrichmann, ich bin ehrlicherweise überrascht von der Äußerung, die infrage stellt, dass man es in Berlin mit Linksterror und linksextremistischem Agieren zu tun hat. Um es mal sehr deutlich zu dem, was wir hier erlebt haben und wovon über 100 000 Menschen intensiv über Tage betroffen waren, zu formulieren: Diese Gruppe, die hier agiert, tritt auf wie Linksextremisten, sie spricht wie Linksextremisten, sie bekennt sich offen zum Linksextremismus. Ja, dann ist es auch Linksextremismus und nichts anderes! Deswegen würde ich dringend dazu raten, Relativierungsversuche in jegliche Richtung an dieser Stelle einfach zu unterlassen. Wir haben es mit einer linksextremistischen Bedrohung in Deutschland zu tun, die ansteigend ist, und die muss von unserer Seite bekämpft werden, meine Damen und Herren. Eine Nachfrage?
Vielen Dank. – Herr Minister, Sie haben die vielen Betroffenen – gerade die alten und kranken Menschen – gerade angesprochen, und jetzt geht es ja um die Frage, wie wir unsere Sicherheitsbehörden auch im Kampf gegen den Terror von links aufstellen. Über welche Befugnisse und Kompetenzen denken Sie nach? Was brauchen die Behörden? Und vor allem: Wo stehen wir? Was wurde vielleicht bis jetzt auch schon erreicht? Wo sind Erfolge zu sehen? – Danke schön.
Ich habe bereits in der letzten Woche – am vorvergangenen Montag – entsprechende Entscheidungen in meinem Haus getroffen. Wir müssen den Blick deutlich stärker auf den Linksextremismus richten. Das ist in erster Linie keine polizeiliche Arbeit, das ist eine geheimdienstliche Arbeit. Deswegen werden dort die Kräfte deutlich verstärkt. Zum anderen brauchen wir auch neue Ermittlungsmethoden. Das heißt, im Bereich der digitalen Ermittlungsmethoden werden wir auch aufrüsten, um uns im Kampf gegen diesen Linksterrorismus besser zur Wehr setzen zu können. Danke sehr. – Jetzt kommen wir in die Runde mit den Nachfragen. Ich lasse immer etwa drei bis vier zu, damit wir auch noch zu weiteren Fragen kommen. Das nur zur Information! Jetzt hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Linda Heitmann das Wort. Bitte sehr.
Sehr geehrte Frau Präsidentin, mein Name ist Mayra Vriesema; aber das ist so für mich auch in Ordnung. Ich habe auch eine Nachfrage an den Bundesminister Dobrindt. – Vielen Dank, dass Sie die Anschläge angesprochen haben. Ab vorletzter Woche mussten Hunderttausende Menschen in Berlin fast eine Woche ohne Strom auskommen. Währenddessen hat Ihr Parteikollege Kai Wegner Tennis gespielt. Wenn Sie jetzt hier den Kampf gegen Linksextremismus ansprechen: Mich würde interessieren, was Sie denn als zuständiger Bundesminister für den Schutz unserer kritischen Infrastruktur, beispielsweise auch im Hinblick auf Sabotageangriffe von russischer Seite, tun wollen. Das kommt mir in der Debatte zu kurz. Danke sehr. Die Zeit ist abgelaufen. – Bitte.
Sehr geehrte Kollegin, das erinnert ein bisschen daran, was ich in Veröffentlichungen gelesen habe: dass man bei den Grünen in Berlin nicht mehr von Linksterror reden will, sondern von Tennis. Terror statt Tennis: Darum geht es nicht. Es geht um Terror in diesem Land, meine Damen und Herren. Deswegen: Bitte auch nicht mit hybrider Bedrohung verwechseln! Die hybride Bedrohung ist real; aber hier reden wir von Linksterror. Den Zusammenhang an der Stelle können wir zumindest noch nicht nachweisen. Danke sehr. Ob es ihn an anderer Stelle gibt, werden wir ergründen. – Danke schön. Die Zeit ist abgelaufen. – Ich bedanke mich. Es gibt jetzt keine Kommentare zwischendrin, weil die Befragung der Bundesregierung weiterläuft. Jetzt hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion für eine Nachfrage Frau Abgeordnete Katja Strauss-Köster. Bitte.
Ich will an der Stelle nur ein kurzes Wort des Dankes an diejenigen richten, die sich in diesen Wochen engagiert haben: beim THW, bei der Bundespolizei. Es waren über 1000 Kräfte, die hier in Berlin unterwegs waren, die höchst engagiert gearbeitet und dafür gesorgt haben, dass viele Menschen hier in schwierigen Lagen versorgt wurden. Wir werden das KRITIS-Dachgesetz sehr schnell umsetzen; denn das beinhaltet auch die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der kritischen Infrastruktur. Danke. Für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Martin Hess das Wort. Bitte sehr.
Herr Minister, Sie haben jetzt vollmundig Maßnahmen angekündigt. Die Frage ist: Warum erst jetzt? Es gab bereits im September letzten Jahres einen linksterroristischen Anschlag mit ähnlichem Ausmaß: über 40 000 Haushalte über 60 Stunden ohne Strom. Wenn Sie damals schon mit der gleichen Entschlossenheit reagiert hätten, dann wäre dieser Anschlag vielleicht zu verhindern gewesen. Deshalb noch mal die Frage: Warum reagieren Sie erst so spät?
Wir reagieren schnell und eindeutig gegen diesen Linksterror. Alle Relativierungsversuche wehren wir ab. Was wir an dieser Stelle aufbauen müssen, ist Erkenntnisgewinn. Wir haben es mit mehreren Gruppen zu tun, die unabhängig voneinander arbeiten und die zurzeit ganz offensichtlich angereizt sind, in Deutschland Terroranschläge durchzuführen. Wir haben noch keine Erkenntnis darüber, wann und wie sie wieder zuschlagen werden. Ich sage Ihnen aber: Das ist mit eine der zentralen Herausforderungen. Danke sehr; die Zeit ist abgelaufen. Ja, wir reden über Rechtsextremismus und Extremismus in anderen Bereichen. Vielen Dank. Die Zeit! Rote Farbe! Auch Linksextremismus spielt eine zentrale Rolle und muss bekämpft werden. Eine abschießende Frage zu diesem Themenkomplex hat der Abgeordnete der AfD-Fraktion Herr Stephan Brandner. Bitte.
Danke schön. – Ich hake da noch mal nach: Zweifel daran, dass der Linksterror in Berlin Linksterror ist, wird ja auch aus Ihren Reihen gestreut. Wir denken an den Qualitätsschwurbler Kiesewetter, der das ja auch irgendwie Putin in die Schuhe schieben wollte. Packen Sie sich also erst mal an Ihre eigene Nase, bevor Sie auf andere zeigen! Aber meine Frage ist: Wann haben Sie Ihre Affinität zur Bekämpfung des Linksterrors entdeckt? Ich habe mal durchgeschaut: Die AfD ist seit 2017 im Deutschen Bundestag und hat über ein Dutzend Anträge eingebracht, Antifa und Linksterror in Deutschland zu bekämpfen. Sie haben immer dagegengestimmt, Herr Dobrindt. Warum jetzt plötzlich diese Hektik, dieser Aktionismus und dieser blanke Populismus, den Sie an den Tag legen? Ihre Zeit ist abgelaufen. Danke sehr. – Und jetzt kommt die Antwort. Bitte.
Ich bin mir nicht so ganz sicher: Was triggert Sie jetzt eigentlich so, wenn der Bundesinnenminister in Deutschland den Kampf gegen den Linksterror ausruft? Meine Damen und Herren, es ist erkennbar, dass der Linksterror zurück in Deutschland ist, und wenn der Linksterror zurück in Deutschland ist, dann werden wir ihn bekämpfen, weil wir ihm schlichtweg nicht das Feld überlassen. Wir schlagen zurück. Wir kommen zur nächsten Frage. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Dr. Irene Mihalic das Wort. Bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister Dobrindt, Sie haben es ja eben auch schon gesagt: Das ist ja wahrscheinlich nicht der erste linksextremistische Anschlag in Ihrer Amtszeit. Das Ereignis im September, bei dem über 50 000 Menschen 60 Stunden ohne Strom gewesen sind, ist ja eben auch schon angesprochen worden. Und auch zu dem Anschlag am 3. Januar hat sich wieder eine linksextreme Gruppe bekannt. Ich glaube, wir sind alle gemeinsam froh, dass jetzt der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen hat, und wir hoffen selbstverständlich auch, dass diese Täter sehr schnell gefasst werden. Ihre Aufgabe ist es ja, für den Schutz der kritischen Infrastruktur zu sorgen. Ich habe dazu eben nicht so wahnsinnig viel gehört. In der Anhörung im Innenausschuss gab es ja sehr deutliche Kritik, auch an Ihrem Gesetzentwurf. Deswegen frage ich Sie: Was sind denn nun, auch aus den Erfahrungen, Ihre konkreten Änderungsvorschläge, um den physischen und den digitalen Schutz der kritischen Infrastruktur zu verbinden, und finden Sie nicht auch, dass man sich endlich mal darum kümmern muss, die Schwachstellen zu identifizieren und abzustellen? Danke.
Frau Mihalic, zum Ersten. Es waren und sind zurzeit zwei KRITIS-Schutzgesetze in der Beratung im Parlament: das KRITIS-Dachgesetz und NIS-2. Beide Schutzgesetze hätten bereits in der letzten Wahlperiode verabschiedet werden können. Das ist Ihnen nicht gelungen. Ich würde mir an Ihrer Stelle an die eigene Nase fassen. Es ist Ihnen schlichtweg nicht gelungen. Das Zweite. Neben der Tatsache, dass wir das jetzt umsetzen, stellt sich doch auch die Frage: Was ist denn eigentlich mit den notwendigen Ermittlungsbefugnissen? Ermittlungserfolge gehen nur mit Ermittlungsbefugnissen, und deswegen brauchen wir dringend die IP-Adressen-Speicherung, den biometrischen Datenabgleich, wir brauchen die KI-gestützte Datenanalyse. Geben Sie mal eine Antwort darauf, ob Sie bei der Umsetzung all dieser notwendigen Ermittlungsmöglichkeiten mit dabei sind, um den Linksterror zu bekämpfen und damit auch den Schutz der kritischen Infrastruktur zu gewährleisten! Eine Nachfrage? – Bitte sehr.
Herr Minister, das Format heißt, glaube ich, „Regierungsbefragung“ und nicht „Oppositionsbefragung“. – Sie haben in diesem Zusammenhang – und wie ich übrigens finde, sehr zu Recht – von Terror gesprochen. Deshalb frage ich Sie: Wo waren Sie eigentlich, als die Hauptstadt von dem linksterroristischen Anschlag erschüttert wurde, bei dem mehr als 100 000 Menschen fünf Tage lang ohne Strom gewesen bzw. betroffen gewesen sind? Warum sind Sie nicht nach Berlin gefahren?
Herr Minister, es ist ja schon ein bisschen tragisch, dass Sie hier jetzt von den Steigbügelhaltern des Linksextremismus quasi angegriffen werden. Halten Sie Ihre ganzen Ankündigungen, dass Sie den Linksterror jetzt bekämpfen wollen, vor dem Hintergrund, dass Sie doch auf allen Ebenen mit den parlamentarischen Armen des Linksextremismus Mehrheiten suchen und „zusammenhubern“ müssen, wirklich für glaubwürdig? Das gilt im Bund, und das gilt auch in den Ländern. Können Sie den Menschen erklären, wie Sie da wirkungsvoll gegen Linksextremismus vorgehen wollen?
Verzeihung, aber das hat mir jetzt echt zu wenig Ernsthaftigkeit bei dem Thema. Wir reden darüber, dass sich in Berlin und möglicherweise auch in anderen Städten Gruppen aufmachen, um Infrastruktur zu stören, um direkt die Bevölkerung zu beeinflussen. Wir täten gut daran, hier in diesem Parlament daran zu arbeiten, dass wir gemeinsam gegen diese Linksterroristen vorgehen, anstatt hier gegenseitig Vorwürfe zu verteilen. Danke schön. Danke sehr. – Für eine Nachfrage von Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Leon Eckert das Wort. Bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Dobrindt, der Stromausfall betrifft ja ganz viele Bereiche Ihres Ministeriums. Im Zivilschutzgesetz ist vorgegeben, dass man einmal jährlich eine Risikoanalyse zur Zivilverteidigung an das Parlament gibt. Das ist im letzten Jahr nicht erfolgt. Ist es nicht aufgrund der Sicherheitslage gerade umso notwendiger, solche Vorgaben einzuhalten und dem Bundestag jährlich eine Risikoanalyse vorzulegen? Und wann kommt die vom letzten Jahr?
Die Risikoanalyse wird der Präsidentin übermittelt und dann entsprechend dem Parlament vorgelegt. Meines Wissens hat diese Übermittlung in dieser Woche stattgefunden. Ob sie schon angekommen ist, weiß ich nicht. Bei mir liegt sie noch nicht vor. Aber bei mir ist sie rausgegangen. Na dann, immerhin! Dann warten wir. – Ich bedanke mich. Es gibt eine weitere Nachfrage aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen. Marcel Emmerich. Bitte sehr.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich möchte noch mal nachhaken, Herr Minister Dobrindt, zur Frage, ob Sie in Berlin waren. Nach unseren Informationen waren Sie in Seeon bei der Klausurtagung Ihrer Landesgruppe. Deswegen meine Fragen an Sie: Wann waren Sie in Berlin? Wie haben Sie da beim Krisenmanagement unterstützt? Es ist ja eine Bundesangelegenheit. Es war der heftigste, längste Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg in unserer Bundeshauptstadt. Nach unseren Informationen war der Bundesinnenminister nicht zugegen. Da waren Kräfte des THW im Einsatz. Haben Sie sich vor Ort bei den Helferinnen und Helfern bedankt? Danke sehr. Die Zeit ist abgelaufen. Wo waren Sie? Wann waren Sie in Berlin? Herr Minister.
Herr Kollege, Sie können sich gern die Eingangsdaten und Ausgangsdaten in meinem Ministerium besorgen lassen. Der Zugang des Bundesinnenministers wird in aller Regel protokolliert. Von daher: Es hat Krisensitzungen hier in Berlin gegeben. Ich war da. In Seeon war ich auch. Auch das ist eine notwendige und dringende Veranstaltung, um in Deutschland dafür zu sorgen, dass wir mehr Sicherheit bekommen, meine Damen und Herren. Zur nächsten Hauptfrage. Wir kommen zur Fraktion der SPD, und Herr Abgeordneter Helge Lindh hat das Wort. Bitte.
Herr Minister, der 7. Oktober 2023 mit dem mörderischen terroristischen Anschlag der Hamas hätte eigentlich Ausgangspunkt einer Welle von Solidarität und Sensibilität für Antisemitismus sein müssen. Stattdessen erleben wir seitdem eine Welle aus unsäglichen Beschimpfungen, Beleidigungen und Herabwürdigungen von Jüdinnen und Juden in diesem Land. Wir hatten 2024 Höchstzahlen bei antisemitischen Straftaten und Straftaten mit Bezug zum Nahostkonflikt. Hinzu kommen Vorfälle wie der Anschlag auf den Brandenburger Antisemitismusbeauftragten. Gleichwohl hat die Bundesregierung Lehren gezogen in Bezug auf die Bekämpfung des heutigen Antisemitismus und auch Maßnahmen zum Schutz jüdischen Lebens umgesetzt. Nun zur Frage. Welche Schwerpunkte will das BMI in diesem und im kommenden Jahr bei der Umsetzung der Nationalen Strategie gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben setzen?
Sie haben vollkommen recht, und deswegen ist ein wesentliches Element des Cyber- und Sicherheitspaktes, den ich mit dem Premierminister Netanjahu am Wochenende unterschrieben habe, der Schutz von jüdischem Leben in Deutschland. Ich finde, dass das zwingend immer mit dazugehört, wenn wir mit israelischer Seite in Verhandlung treten. Ich habe ferner für den nächsten Monat mit dem israelischen Außenminister eine Veranstaltung in Berlin vereinbart, bei der wir alle zuständigen Antisemitismusbeauftragten, auch aus den Ländern, zusammenbringen, um gemeinsam mit der israelischen Seite auch darüber zu diskutieren, wie wir den Schutz von jüdischem Leben weiter stärken und unterstützen können. Das ist unsere Aufgabe, die wir wahrnehmen. Ihre Redezeit! Danke schön. Und ich bin sehr dankbar, dass wir das mit den Israelis gemeinsam aufsetzen können. Danke sehr. – Herr Lindh, Sie dürfen eine Nachfrage stellen. Bitte sehr.
Zum Zwischenruf der AfD, „Migration“: Ich halte das für ziemlich erbärmlich. Arbeiten Sie lieber mal Ihren eigenen Geschichtsrevisionismus auf! Meine Nachfrage an den Herrn Minister: Könnten Sie vielleicht noch etwas zum notwendigen Umfang der Maßnahmen sagen? Jüdische Gemeinden und Einrichtungen noch besser leider – das muss man ja sagen – schützen zu müssen, ist die eine Seite der Medaille, und die andere Seite der Medaille ist, jüdisches Leben und auch das Aufblühen jüdischen Lebens in Deutschland konkret zu fördern.
Die Schutzmaßnahmen werden, ohne das jetzt im Detail auszubreiten – das können Sie bestimmt nachvollziehen –, immer der Situation angepasst, auch verstärkt. Das findet auch in Absprache mit den jüdischen Gemeinden statt. Ich habe selber engen Kontakt mit einem Teil der jüdischen Gemeinden, und deswegen sind wir in einem guten Austausch auch darüber, was polizeilich notwendig ist. Wir haben auch die Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen im Haushalt noch mal verstärkt. Ich bin dem Haushaltsgesetzgeber übrigens sehr, sehr dankbar, dass er dafür die finanziellen Notwendigkeiten auch zur Verfügung stellt. Danke sehr. – Nun kommen wir zur Frau Abgeordneten Marlene Schönberger aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen. Bitte.
Danke, Frau Präsidentin. – Herr Innenminister, die iranischen Revolutionsgarden bedrohen auch hier in Deutschland jüdische und israelische Einrichtungen, daneben auch Exiliraner/-innen und Oppositionelle, und da ist es natürlich gut, dass die Bundesregierung jetzt verlautbaren lässt, dass sie einer EU-Terrorlistung der Revolutionsgarden nicht im Wege steht und sich darum bemüht. Davon abgesehen würde ich Sie gerne fragen: Wie viele Personen in Deutschland haben denn Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden? Und vor allem auch: Wann sprechen Sie ein nationales Betätigungsverbot aus? Danke sehr. Die Redezeit ist abgelaufen.
Ich kann Ihnen keine Auskunft darüber geben, wie viele Personen Verbindungen dazu haben; ich kann Ihnen das aber gerne nachreichen, falls es dazu entsprechende Erkenntnisse bei uns gibt. Klar ist, dass wir auch die Beobachtung dieser Szene gerade jetzt, in diesen Tagen, verstärken und genau betrachten, was dort passiert und ob irgendwas passiert. Das hat auch sehr viel mit der Beachtung dessen zu tun, was im Netz passiert. Auf jeden Fall ist unser Interesse daran ausgesprochen hoch. Aber wenn es um eine Terroreinstufung geht, dann ist die europäische Ebene die richtige. Danke sehr. – Ich sehe keine weiteren Nachfragen zu diesem Themenkomplex. Dann kommen wir jetzt zur Fraktion Die Linke, und Frau Abgeordnete Charlotte Neuhäuser hat das Wort. Bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, wie Sie richtig festgestellt haben, ziehen sich die USA aus der UN zurück, mit katastrophalen Folgen für Millionen von Menschen. Und Ihr Ministerium kürzt seine Mittel in Rekordstärke. Eine der größten humanitären Krisen findet derzeit in Gaza statt. Die israelische Regierung hat die Arbeit des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA faktisch beendet und die Registrierung für 37 internationale Hilfsorganisationen aufgehoben; auch deutsche Organisationen sind betroffen. Deshalb meine Frage: Wie positioniert sich die Bundesregierung zu dieser Maßnahme, und wie wird Ihr Haus die Arbeit deutscher Hilfsprogramme vor Ort sicherstellen? Denn Hilfe wird in Gaza dringend benötigt. – Danke.
Frau Abgeordnete, vielen Dank für die Frage. – Wir stehen weiterhin bereit, in den Palästinensischen Gebieten zu unterstützen: in der Westbank, in Ostjerusalem und perspektivisch auch stärker in Gaza. Die deutsche Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen die israelische Regierung darauf hingewiesen und auch unterstrichen, dass wir den Zugang für internationale Organisationen fordern, vor allem in den Gazastreifen. Das ist dringend notwendig; denn die Situation ist weiterhin katastrophal. Wir haben die Bilder gesehen von den Regenfluten, die die Zelte, die dort aufgebaut worden waren, teilweise überschwemmt haben. Gerade in Bezug auf Infektionskrankheiten ist es eine schwierige Situation. Wir als BMZ stellen zum Beispiel auch Übergangsunterkünfte über UNDP zur Verfügung, die nach und nach in den Gazastreifen kommen. Eine Nachfrage? – Bitte.
Liebe Frau Abgeordnete, es ist klar, dass wir weiterhin unterstützen wollen. Wir unterstützen ja auch mit den Übergangsunterkünften, die vor Ort auch ankommen. Trotzdem ist es gerade eine fragile Situation. Wir warten auf die Wiederaufbaukonferenz, die ursprünglich in Ägypten stattfinden sollte. Es gibt Gespräche, vor allem mit der US-Administration. Und wir stehen weiterhin bereit, gemeinsam, auch mit dem Auswärtigen Amt, da mitzuhelfen. Danke sehr. Die Redezeit ist abgelaufen. – Nun hat für eine weitere Frage der Abgeordnete Herr Dr. Wolfgang Stefinger das Wort. Bitte.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Sie haben gerade die UN angesprochen, auch UNDP. Inwieweit setzen Sie sich für Bonn als UN-Standort in Deutschland ein? Und in dem Zusammenhang auch die Frage: Halten Sie es nicht für angemessen, dass auch die UN-Organisation UNIDO, die für industrielle Entwicklung zuständig ist, ein gut aufgestelltes Büro in Deutschland hat?
Lieber Herr Stefinger, ich persönlich setze mich sehr für den UN-Standort Bonn ein. Ich habe erst kürzlich gemeinsam mit UN Women das Büro vor Ort mit dem Bonner Bürgermeister eröffnet. Das war wirklich eine tolle Veranstaltung. Wir im BMZ arbeiten daran, auch gemeinsam mit dem AA, den UN-Standort Bonn zu fördern, und freuen uns natürlich über weitere UN-Organisationen, die sich in Bonn ansiedeln. Wenn da Interesse seitens UNIDO besteht, dann können wir gerne darüber reden. Ich bedanke mich herzlich. – Es gibt jetzt einige Wortmeldungen. Ich habe vorhin gesagt, dass ich drei bis vier zulasse. Ich bitte um Nachsicht; denn wir wollen ja durchkommen. Auch wenn das zu Unmut führt: Wenn es zu viele Fragen gibt, dann kann ich nicht alle zulassen. Jetzt kommt eine weitere Nachfrage, und es hat für Bündnis 90/Die Grünen Schahina Gambir das Wort. Bitte sehr.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – UNICEF berichtet von einer Hungersnot in Gaza; die Kindersterblichkeit steigt dort deutlich an. Gleichzeitig kürzt die Bundesregierung Mittel für Ernährungsprogramme, beim Welternährungsprogramm sogar um 70 Prozent. Wie passt das mit der angekündigten Priorisierung von Ernährungssicherung in dem Reformplan des BMZ zusammen? Und wie können wir uns darauf verlassen, dass Sie in Zukunft nicht weiter kürzen, wenn wir zum Beispiel über Hungersnöte in Gaza oder auch im Sudan sprechen?
Liebe Frau Abgeordnete Gambir, zunächst einmal: Die Berichte der UNICEF sind wirklich schockierend. Wir müssen alle daran arbeiten, diese Situation zu verbessern. Deshalb habe ich im Reformprozess auch einen klaren Fokus auf das Thema Ernährungssicherung gelegt. Wir machen das nicht nur über das World Food Programme. Im Übrigen: Im parlamentarischen Verfahren ist es dank des Einsatzes der Koalitionsfraktionen gelungen, in diesem Bereich wieder etwas draufzulegen. Aber wir machen Ernährungssicherung nicht nur über das WFP, sondern auch in unserer bilateralen Zusammenarbeit und mit UNICEF. Ich wünsche allen ein gutes neues Jahr. – Johannes Volkmann von der CDU/CSU-Fraktion ist der nächste Nachfragende.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, ich habe eine Nachfrage zum Thema UNRWA. Es gibt ja durchaus eine Reihe von legitimen Zweifeln der israelischen Seite an der Mittelverwendung bei UNRWA. Deswegen meine Frage: Wie stellen wir sicher, dass deutsches Steuergeld über UNRWA nicht mittelbar zu einem Wiedererstarken islamistischer oder gar terroristischer Strukturen im Gazastreifen beiträgt? – Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter Volkmann. – Wir nehmen die Kritik und die Hinweise, was die Arbeit von UNRWA betrifft, sehr ernst. Und deshalb sind wir im ständigen Austausch mit UNRWA und haben Reformen gefordert. Diese sind mit dem Colonna-Report auch im Gange. Über 20 Reformpunkte wurden schon von UNRWA umgesetzt. Wir sind im ständigen Austausch und vermitteln das UNRWA als Bundesregierung ganz klar. Es gibt strenge Prüfmechanismen, die sicherstellen, dass das Geld nicht falsch verwendet wird. Aber gleichzeitig ist UNRWA aktuell immer noch der wichtigste Partner vor Ort. Es gibt keine Alternative zur UNRWA, wenn es darum geht, Menschen in Gaza zu unterstützen, – Die Zeit. – insbesondere in dieser schwierigen Situation. Dann darf ich das Wort der Kollegin Abdi, SPD, erteilen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, ich würde an der Stelle gern noch mal – Sie hatten es angesprochen – nachhaken in Bezug auf den Wiederaufbau in Gaza. Können Sie vielleicht sagen, an welcher Stelle es gerade ganz konkret hakt, dass wir da noch nicht weiterkommen? Und wie stellen Sie sicher, dass der Wiederaufbau nicht über die Köpfe der Palästinenserinnen und Palästinenser hinweg geschieht, sondern dass sie auch miteinbezogen werden? Wie sind Sie da im Austausch? – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Abgeordnete Abdi. – Der Wiederaufbau Gazas stockt gerade vor allem wegen der politischen Rahmenbedingungen, die auch für unsere Mittelverwendung wichtig sind. Für uns ist völlig klar: Wir müssen die politischen Prozesse kennen. Es geht vor allem um die Frage: Wer soll Gaza eigentlich verwalten? Es wurde jetzt – ich glaube, es war gestern oder heute früh – verlautbart, wer diese technische Verwaltung von palästinensischer Seite übernehmen soll. Wir warten aktuell auf die Wiederaufbaukonferenz, die stattfinden soll. Und vor allem warten wir auf die US-Administration. Dann darf ich Dr. Kraft von der AfD das Wort erteilen.
Danke, Herr Präsident. – Frau Ministerin, in den acht Jahren, die die AfD hier im Bundestag ist, stellen wir nicht zum ersten Mal die Frage nach der Integrität der UNRWA. Auch ich habe dazu schon mehrere Fragen an Ihre Vorgängerin gestellt. Jedes Mal ist uns versichert worden, dass es strikte Prüfmechanismen gibt, die sicherstellen, dass deutsches Steuergeld nicht in die Hand extremistischer Hamas-Leute kommt. Und deswegen stelle ich Ihnen die Frage: Wie kann es sein, dass diese strikten Prüfmechanismen in der Vergangenheit total versagt haben, die UNRWA absolut Hamas-verseucht ist, und warum sollte es beim nächsten Mal anders sein?
Herr Abgeordneter, die Aussagen, die Sie hier tätigen, sind vor allem Behauptungen. Wir nehmen natürlich die Hinweise der israelischen Regierung ernst und wahr und sind im Gespräch mit UNRWA. Es gibt den Colonna-Report, der einen Reformprozess von UNRWA vorsieht, der auch gerade stattfindet. Daran arbeiten wir. Aber es gibt keinen legitimen Beweis dafür, dass deutsches Steuergeld in Terroristenhände gelangt ist. Und zur letzten Nachfrage darf ich Jan Gesenhues das Wort erteilen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, Sie hatten vorhin angesprochen, dass Sie in der Zusammenarbeit mit den am wenigsten entwickelten Ländern das Thema „Hungerbekämpfung und Armutsbekämpfung“ priorisieren wollen. Wenn ich jetzt allerdings in das Reformpapier des BMZ reinschaue, dann sehe ich, dass in diesem Bereich der Klimaschutz nicht mehr auftaucht, obwohl es da ganz enge Zusammenhänge mit der Hungerbekämpfung gibt. Deswegen frage ich Sie: Spielt für Sie der Klimaschutz in der Zusammenarbeit mit den am wenigsten entwickelten Ländern keine Rolle mehr?
Herr Abgeordneter, ich freue mich, dass Sie schon in das Reformpapier reinschauen konnten. Natürlich spielt Klimaschutz weiterhin eine sehr große Rolle im BMZ. Das schlägt sich auch im Papier nieder. Es geht in dem Kapitel zu den regionalen Schwerpunkten vor allem auch um die bilaterale Zusammenarbeit und um Themen, die wir jetzt stärker priorisieren und fokussieren. Aber Klimaschutz bleibt über alle Schwerpunkte hinweg natürlich ein wichtiges Feld. Und wir werden auch eine Reorganisation vorsehen. Es wird auch weiterhin eine Abteilung geben, – Die Zeit. – die sich vor allem um Klimathemen kümmert. Vielen Dank. – Dann darf ich die nächste Runde aufrufen und für die AfD-Fraktion Hans-Jürgen Goßner das Wort erteilen.
Herr Präsident! Herr Minister Dobrindt, am 30. Oktober sagte Außenminister Wadephul in Syrien, dort könnten wirklich kaum Menschen richtig würdig leben, wohingegen ein Sprecher Ihres Ministeriums zeitnah erklärte, man arbeite derzeit an Vereinbarungen mit Syrien, damit Rückführungen möglich wären. Minister Wadephul bekräftigte seine gegenteilige Position jedoch im November. Und am 19. Januar – das steht unmittelbar bevor – erwartet Kanzler Merz nun Staatsbesuch aus Syrien, um über Rückführungen zu sprechen. Meine Frage wäre: Verfügte Ihr Haus im Zeitraum vom 30. Oktober bis einschließlich 3. November über Erkenntnisse zur Situation in Syrien, die dem Auswärtigen Amt nicht vorlagen, und hat mittlerweile eine Einigung zwischen Ihrem Haus und dem Außenministerium stattgefunden, auf dessen Basis dann der Bundeskanzler in wenigen Tagen verhandeln kann? – Vielen Dank.
Der Außenminister und ich, wir sind uns vollkommen einig. Wir haben auch einen Koalitionsvertrag, in dem die notwendigen Regelungen getroffen sind. Wir schieben nach Afghanistan und Syrien ab. Wir beginnen mit Straftätern. Das ist etwas, was vereinbart ist. Genau das wird auch durchgeführt. Und auch da gibt es eine vollkommene Übereinstimmung zwischen dem Außenminister und mir.
Wir haben sehr deutlich gemacht, was unsere Interessenlage ist. Unser Interesse besteht darin, dass wir schwere Straftäter als Allererstes abschieben. Und möglicherweise geben Sie mir recht, dass unser deutsches Interesse darin bestehen muss, dass wir genau diejenigen, die schwere Verbrechen in Deutschland verüben, als Allererstes abschieben. – Danke schön. Herr Pauli.
Insgesamt haben im vergangenen Jahr Abschiebungen und Rückführungen in einer Größenordnung von um die 20 000 Personen stattgefunden. Nach Syrien und Afghanistan haben wir Ende Dezember zum ersten Mal mit Abschiebungen begonnen. Seitdem finden wöchentlich entsprechende Abschiebungen statt; das kann man auch der Presse entnehmen. Und diese Abschiebungen werden auch weitergeführt. – Herzlichen Dank. Zu einer weiteren Nachfrage darf ich dem Abgeordneten Goßner das Wort erteilen.
Ich glaube, dass bei denjenigen, die inzwischen nach Afghanistan und Syrien abgeschoben worden sind, auch entsprechend veröffentlicht worden ist, mit welchen Straftaten wir es zu tun haben. Das sind in aller Regel schwere Gewaltverbrechen. Und ich glaube, dass es einen großen Konsens in unserer Gesellschaft gibt, dass wir schwerste Straftäter schnell und umfassend abschieben. Das hat es in der Vergangenheit nicht gegeben. Diese Abschiebungen sind jetzt ermöglicht worden, auch die nach Afghanistan und Syrien. Das ist ein Meilenstein, der da erreicht worden ist. Die Kollegin Kaddor hat das Wort.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Bundesinnenminister, führende Wirtschaftsexpertinnen und Wirtschaftsexperten wie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, warnen, dass eine pauschale Abschiebung aller Syrerinnen und Syrer mit Schutzstatus – Menschen mit Arbeit und oft auch Familie – eine Rezession auslösen könnte. Jetzt haben Sie ja neulich öffentlich gesagt, Sie wollen auch diejenigen mit Schutzstatus abschieben, am besten jeden; das haben Sie gesagt. Also, nehmen Sie die sogenannte Migrationswende für eine Rezession sozusagen bewusst in Kauf? – Anders gesagt: Nehmen Sie eine Rezession in Kauf, nur damit Sie Syrerinnen und Syrer abschieben können?
Erstens, Frau Kollegin, bitte ich, die Unterstellung zu unterlassen, die Sie hier vorhin geäußert haben; denn diese Behauptung ist falsch. – Sie ist falsch. Zweitens habe ich deutlich gemacht: Wer in Deutschland Straftaten begeht, der hat eine Perspektive in seinem Heimatland. Wer in Deutschland arbeitet und für sein Auskommen aufkommt, der hat in Deutschland eine Perspektive. Das war das, was ich gesagt habe. Zu einer weiteren Nachfrage darf ich der Kollegin Nasr das Wort erteilen.
Ganz herzlichen Dank, Herr Präsident. – Herr Innenminister, auch ich hätte noch eine Nachfrage zum Thema Syrien; denn wir sehen ja jetzt wieder neuerliche Ereignisse in Aleppo. Es werden Menschen massakriert. Es ist nicht das erste Mal, seit Al-Sharaa, der Übergangspräsident, im Amt ist, dass Minderheiten in Syrien verfolgt und massakriert werden, seien es Drusen, seien es Jesiden, seien es Kurden, seien es Christen. Insofern würde ich mich sehr freuen, zu hören – das ist meine Frage an Sie, Herr Minister –: Sind Sie bereit, in dieser Debatte auch diesen Punkt mehr in den Fokus zu rücken und den Menschen nicht so eine Angst zu machen? – Vielen Dank.
Ich bitte um Verständnis, dass ich auch das zurückweisen muss. Es geht nicht darum, irgendjemandem Angst zu machen, sondern es geht hier schlichtweg darum, das Recht umzusetzen. Und dass Straftäter unser Land verlassen, sollte unser gemeinsames Interesse sein. Und wir werden, ja, auch darüber mit dem Premierminister Al-Sharaa bei seinem Besuch in der nächsten Woche reden: wie sich die Situation entwickelt und welche Möglichkeiten es für Rückführungen gibt, aber entsprechend auch über Unterstützung vor Ort. Die Ministerin hat vorhin angedeutet: Wir haben ein großes Interesse an Unterstützung vor Ort. Herr Minister. Beides gehört eben zusammen. Ich darf überleiten zur nächsten Frage und für die CDU/CSU Detlef Seif das Wort erteilen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Bundesminister, wir haben uns ja im Koalitionsvertrag verschiedene Ziele gesetzt, unter anderem das Ziel, die Migration zu ordnen, zu steuern und vor allen Dingen auch die irreguläre Migration zu begrenzen. Können Sie noch mal kurz darstellen: Was hat die Bundesregierung bisher in diesen Punkten unternommen? Und kann man schon Erfolge sehen?
Ganz herzlichen Dank für die Frage. Um noch mal darauf hinzuweisen: Das Programm, das im letzten Jahr von der Koalition abgearbeitet worden ist, ist im Koalitionsvertrag angelegt und hat die Migrationswende zum Inhalt. Die Migrationswende hat in erster Linie das Ziel, die Zahlen deutlich zu reduzieren. Die Reduktion der Zahlen ist gelungen – ich habe die Zahlen vorhin genannt –: Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir die Zahlen um 51 Prozent senken. Das ist ein Meilenstein, der nicht erwartet worden ist und der erreicht wurde, weil wir Entscheidungen getroffen haben, sowohl auf deutscher als auch auf europäischer Ebene: Pullfaktoren auf nationaler Ebene senken und Entscheidungen auf europäischer Ebene treffen, die die Migration insgesamt zurückdrängen und wieder Ordnung in das europäische Migrationssystem bringen. Das konnten wir Ende des letzten Jahres noch vereinbaren.
Dann habe ich noch eine Nachfrage. – Vielen Dank für die Ausführungen. Was sehr wohltuend war, Herr Minister, ist, dass Sie ab dem ersten Tag der Amtsausübung nicht nur national, sondern auch europäisch tätig waren. Ich denke an das Gipfeltreffen auf der Zugspitze, an das weitere Treffen in München, aber auch an die vielen Aktionen auf europäischer Ebene, an denen Sie beteiligt waren. Was ist denn im Bereich GEAS von der Bundesregierung auf den Weg gebracht worden, und was ist Ihre persönliche Agenda, aber auch die der Bundesregierung für 2026 im Bereich der Asyl- und Migrationspolitik?
GEAS ist im Prinzip die Neuordnung bzw. die Funktionsfähigmachung des europäischen Asylsystems, gekoppelt mit der Rückführungsverordnung und dem Solidaritätsmechanismus. Diese drei Dinge gehören zusammen. Wir haben sie verabschiedet; wir werden sie umsetzen. Sie müssen im Juni dieses Jahres mit Leben gefüllt werden. Dazu werden wir auch auf der europäischen Ebene jetzt noch schnell die Vorbereitungen treffen. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt. – Herzlichen Dank. Zu einer Frage darf ich Lukas Benner das Wort erteilen.
Vielen Dank. – Herr Minister, wir sind ja gerade beim europäischen Asylsystem. Sie haben sich persönlich auf europäischer Ebene dafür eingesetzt, das sogenannte Verbindungselement zu streichen. Dadurch soll ermöglicht werden, Menschen in sichere Drittstaaten abzuschieben – in Länder, mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben –, um da Asylverfahren durchzuführen. Mehrere Mitgliedstaaten der EU kritisieren das scharf; Frankreich zum Beispiel nennt das sogar illegal. Könnten Sie uns einmal erklären, wie diese Maßnahme Asylverfahren rechtsstaatlich irgendwie verbessern soll?
Frankreich nennt das nicht illegal. Im Gegenteil: Frankreich hat den notwendigen Entscheidungen in Brüssel Ende letzten Jahres zugestimmt, die es ermöglichen, dass wir Return Hubs in Drittländern einrichten. Frankreich wird Teil einer Gruppe sein, die dafür sorgt, dass diese Möglichkeit genutzt wird. In einer Gruppe von Willigen werden die notwendigen Vorbereitungen getroffen; das kann man nicht der Kommission überlassen. Deutschland wird dabei sein, wenn es darum geht, Return Hubs in Drittländern einzurichten. Ich darf Siegfried Walch für die CDU/CSU das Wort erteilen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister, ich komme ja aus einer Grenzregion. Die Grenzkontrollen sind natürlich Maßnahmen, die gewisse Härten und Erschwernisse für die Menschen in den Grenzregionen mit sich bringen. Trotzdem waren und sind sie zwingend notwendig, weil sie dabei helfen, dass die Asylwende gelingt, wahrscheinlich auch deswegen, weil Nachbarstaaten jetzt nicht mehr einfach Menschen zu uns durchleiten. Vielleicht dazu ein Satz von Ihnen. Und der zweite Teil der Frage: Was haben wir bzw. die Bundesregierung 2026 ganz konkret vor, – Ihre Zeit. – um die Asylwende weiterzubringen? – Vielen Dank.
Sie haben vollkommen recht: Unsere Nachbarstaaten haben kein Interesse daran, Transitländer zu sein, wenn Deutschland eine große Magnetwirkung auf die Welt hat. Deswegen haben wir diese Magnetwirkung deutlich gesenkt. Dazu zählen auch die verstärkten Kontrollen an den Grenzen. Anders als das vielfach befürchtet worden ist, haben unsere europäischen Partner dies ganz positiv aufgenommen und auch entsprechend unterstützt. Die Einrichtung von Return Hubs in Drittländern wird im Jahr 2026 eine große Aufgabe sein, die wir umsetzen wollen. Die nächste Frage stellt Leon Eckert.
Vielen Dank. – Lieber Herr Bundesminister Dobrindt, es wurde die „Erfüllung des Koalitionsvertrags“ angesprochen. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, einen Nationalen Krisenstab einzurichten. Es wird ja sehr viel Bürokratie aufgebaut im Bevölkerungsschutz. Und meine Frage ist: Was soll dafür dann vielleicht auch wieder abgebaut werden, sodass man vor lauter Gremien nicht verwirrt wird, und wie sehen denn die Pläne für diesen Nationalen Krisenstab aus?
Im Zentrum steht der Pakt für den Bevölkerungsschutz, und dieser Pakt für den Bevölkerungsschutz beschäftigt sich mit allen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor hybrider Bedrohung, vor Katastrophen. Und deswegen ist es zentral, dass wir nicht nur die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die der Deutsche Bundestag zur Verfügung gestellt hat – ungefähr 10 Milliarden Euro bis 2029 –, sondern dass wir auch die Verteilung und Umsetzung der Mittel organisieren. Und dafür ist die Grundlage der Pakt für den Bevölkerungsschutz. Die nächste Frage stellt David Gregosz von der CDU/CSU.
Herr Minister, Ihrer konsequenten Arbeit ist es zu verdanken, dass wir gemeinsam mit europäischen Partnern eine Migrationswende einleiten konnten. Wie schwierig das ist, wissen die meisten hier im Haus. Neben der europäischen Asylpolitik ist aber auch die Härte an unseren europäischen Außengrenzen ein wichtiges politisches Anliegen für uns. Deswegen würde ich gerne einmal gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf die europäische Grenzschutzagentur Frontex werfen. Wie stehen Sie zu den Aufwuchsplänen bei Frontex, und wie sehen Sie Deutschlands Rolle bei der Operation von Frontex an den Außengrenzen und bei der Strategie insgesamt? – Danke.
Ein wesentliches Element bei der Neuordnung des europäischen Asylsystems ist der Außengrenzschutz, gepaart mit der Funktionsfähigkeit des Dublin-Systems und dem neuen Solidaritätsmechanismus. Alle drei Elemente müssen funktionieren, und deswegen ist Außengrenzschutz auch ein zentrales Thema. Das geht nur mit mehr Frontex-Beamten. Die Europäische Union hat deutlich gemacht, wie sie Frontex ausbauen will. Ich bin der Überzeugung: Deutschland muss dabei maximal mit unterstützen. Wir haben Interesse daran, dass die Außengrenzen der Europäischen Union bestmöglich geschützt werden. Dann kann man auch Binnengrenzkontrollen wieder entfallen lassen. Für die letzte Frage in diesem Fragenkomplex darf ich der Kollegin Clara Bünger, Die Linke, das Wort erteilen.
Vielen Dank. – Herr Dobrindt, Sie haben die Migrationswende angesprochen, und ein Teil davon sind ja Ihre Zurückweisungen an der Grenze. Sie haben das großspurig mit einer Notlage begründet. Nach Artikel 72 AEUV würden die Voraussetzungen vorliegen, dass man diese Zurückweisungen an den Grenzen durchführen kann. Sie konnten uns hier im Plenum aber niemals die Voraussetzungen subsumieren. Sie haben gesagt: Es sind zu viele Menschen, die nach Deutschland kommen. Jetzt haben Sie gerade hier präsentiert, dass kaum noch Geflüchtete nach Deutschland kommen. Ich frage Sie: Können Sie mir jetzt sagen, ob diese Notlage noch besteht? Liegen die Voraussetzungen von Artikel 72 AEUV überhaupt noch vor? Frau Kollegin, die Zeit. Können Sie diese Zurückweisungen überhaupt noch durchführen?
Frau Kollegin, ich habe deutlich gemacht, dass wir eine Überforderung im Land haben. Diese Überforderung war an vielen Stellen offensichtlich, in besonderer Art und Weise bei den Kommunen. In den Schulen, in den Kindergärten, aber auch im Gesundheitssystem haben wir diese Überforderung deutlich gesehen, und deswegen waren diese Maßnahmen schlichtweg notwendig. Ich halte sie auch nach wie vor weiterhin für notwendig. Die Maßnahmen zeigen Wirkung. Aber illegale Migration ist nach wie vor vorhanden, und wir wollen die Zahlen weiter reduzieren. Ich darf zur nächsten Hauptfrage der Kollegin Gambir von Bündnis 90/Die Grünen das Wort erteilen.
Sehr geehrter Herr Dobrindt, Ende November haben Sie noch zugesichert, dass Sie die Aufnahmezusagen gegenüber den Ortskräften umsetzen möchten, weil Sie ihnen gegenüber – Zitat – „eine nachlaufende Verantwortung“ sehen, nur um Tage später circa der Hälfte dieser Menschen die Aufnahmezusage wieder zu entziehen. Meine Fragen lauten: Warum sollten Menschen noch zivile und militärische deutsche Kräfte im Ausland unterstützen, wenn die Zusagen der Bundesregierung nichts mehr wert sind? Wie geht das zusammen mit der Verantwortung Deutschlands? Und welche konkreten Schritte werden Sie unternehmen, um sicherzustellen, dass die Ortskräfte und ihre Kernfamilien im Fall der drohenden Abschiebung nach Afghanistan sicher sind, dass sie dort nicht bedroht werden, dass sie dort nicht angegriffen oder gar getötet werden?
Liebe Kollegin, ich habe schon mal deutlich gemacht, dass es sich hier um ein von der Vorgängerregierung geerbtes Problem handelt. Und ich habe deutlich gemacht, dass ich diejenigen, die eine rechtsverbindliche Aufnahmezusage haben, aufnehmen werde, aber umgekehrt diejenigen, die keine rechtsverbindlichen Aufnahmezusagen haben, auch keine Möglichkeit haben, nach Deutschland zu kommen. Was die Situation der Ortskräfte anbelangt, habe ich meine Position nicht verändert. Ich habe gesagt: Sicherheitsüberprüfungen müssen positiv durchstanden werden. Wenn die Sicherheitsüberprüfungen nicht positiv ausgehen, dann kann es auch keine Aufnahme in Deutschland geben.
Ich möchte meine Nachfrage an die Ministerin Alabali Radovan richten: Auf welcher fachlichen und sicherheitspolitischen Grundlage haben Sie ehemaligen afghanischen Mitarbeitenden der deutschen Entwicklungszusammenarbeit nach Jahren den Ortskräftestatus aberkannt, obwohl sie ihr Leben für Deutschland riskiert haben, obwohl sie unsere Streitkräfte und die zivilgesellschaftlichen Organisationen konkret unterstützt haben?
Sehr geehrte Frau Abgeordnete Gambir, es ist schon eine große Zahl an GIZ-Ortskräften nach Deutschland gekommen, und wir sind hier unserer Verantwortung nachgekommen. Aktuell steht noch eine Person aus, die sicherheitsüberprüft ist und die auch eine Aufnahmezusage hat. Innenminister Dobrindt hat es gesagt: Es gibt Fälle von Ortskräften, die eben die Sicherheitsüberprüfung nicht positiv bestanden haben, – Frau Ministerin. – und diese Personen wurden auch nicht nach Deutschland geholt. Ich darf die nächste Frage Robin Wagener von Bündnis 90/Die Grünen zuordnen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister Dobrindt, deutsche militärische Sprachmittler fürchten um die Sicherheit ihrer Angehörigen in Afghanistan, weil sie als deutsche militärische Sprachmittler zusammen mit der Bundeswehr gegen die Taliban gearbeitet haben. Ich hätte angenommen, dass Sie als Vertreter einer konservativen Partei meine bürgerlich-konservative Grundauffassung teilen, dass Menschen, die für die Bundeswehr tätig waren, unseren Schutz und unsere Treue als Staat verdienen. Ihr Schwerpunkt bei Afghanistan scheint eher in der Intensivierung der Kontakte zu den islamistischen Taliban zu liegen. Ich frage Sie: Sind Sie bereit, – Herr Kollege. – sich mit Vertretern der militärischen Sprachmittler zu treffen? Und was tut Ihr Ministerium, um die Sicherheit – Herr Kollege! – der Angehörigen dieser Kräfte zu garantieren?
Mein Ministerium ist mit allen Gruppen im Gespräch. Aber, lieber Herr Kollege, ich spüre da so ein bisschen einen vorwurfsvollen Unterton. Und ich muss Ihnen einfach noch mal sagen: Das ist ein geerbtes Problem. Stellen Sie bitte die Frage mal an sich selber, warum Sie dieses Problem in der letzten Wahlperiode nicht gelöst haben, sondern nur geschaffen haben, ausschließlich geschaffen haben. Wir erfüllen rechtsverbindliche Aufnahmezusagen. Und da, wo dies nicht zutrifft, haben wir auch keine Verpflichtung dazu, und deswegen werden wir sie auch nicht erfüllen. Bei Ortskräften erfüllen wir diese Zusage. Aber es gibt Sicherheitsüberprüfungen, und danach richten wir uns. Diese Sicherheitsüberprüfungen, die müssen positiv bestanden werden. Die Kollegin Kaddor hat die nächste Nachfrage.
Herr Präsident! Ich wiederhole jetzt die Frage, weil ich sie tatsächlich auch selber stellen wollte: Wie glaubhaft ist denn Ihr Kampf gegen Islamismus, wenn Sie die Taliban ins Land lassen, sie hier akkreditieren und sie ein Generalkonsulat in Bonn eröffnen lassen? Und da reicht mir nicht die Antwort: Das ist schon unter der Vorgängerregierung so gewesen. Also, mitnichten hat die Vorgängerregierung mit den Taliban verhandelt, geschweige denn sie hier akkreditiert und hier ein Generalkonsulat eröffnen lassen. Also: Wie glaubhaft ist Ihr Kampf gegen Islamismus, wenn Sie die größten Islamisten der Welt, die auch deutsche Soldatinnen und Soldaten getötet haben, dann hier reinlassen und mit denen verhandeln?
Es gibt zwei afghanische Beamte, die nach Deutschland gekommen sind, um dafür zu sorgen, dass die Identität der Personen, die Straftäter in Deutschland sind und abgeschoben werden sollen, überprüft wird. Ich kann nachvollziehen, dass Afghanistan vorher überprüfen will, dass diejenigen, die wir abschieben wollen, eine entsprechende Volkszugehörigkeit haben. Genau das passiert, nichts anderes. Das ist schlichtweg in unserem Interesse, weil es ermöglicht, dass Straftäter abgeschoben werden. Für die nächste Nachfrage hat der Kollege Emmerich von Bündnis 90/Die Grünen das Wort.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Es hilft Ihnen, Herr Minister Dobrindt, vielleicht kurz in der politischen Debatte, auf das Erbe zu verweisen. Aber das ändert nichts an der Frage: Was passiert mit den Menschen? Was ist die Verantwortung, die Sie jetzt tragen? Und was machen Sie jetzt mit diesen Menschen? Es gibt Ortskräfte. Sind davon alle, die nicht geholt worden sind, bei der Sicherheitsüberprüfung durchgefallen? Sagen Sie mal dazu etwas! Und was passiert mit all den Menschen, die das Angebot nicht angenommen haben oder möglicherweise doch angenommen haben und nun nicht nach Deutschland kommen? Welche Alternativen haben sie? Zwei Drittel der Personen, die Aufnahmezusagen bekommen haben, sind Frauen und Kinder. Herr Abgeordneter. Wollen Sie allen Ernstes diese Leute in die Hände der radikalen Islamisten – Die Redezeit. – in Afghanistan fallen lassen?
Wir haben in der Tat denjenigen, für die wir keine Aufnahmeoption sehen, ein Angebot unterbreitet. Das ist eine Kombination aus einem finanziellen Angebot und weiterer Unterstützung. Die Zahl derjenigen, die das angenommen haben, habe ich nicht parat, aber das liefere ich gerne nach. Ich finde, dass das eine korrekte Vorgehensweise ist gegenüber Menschen, denen eine andere Regierung fälschlicherweise Hoffnung gemacht hat. Die Ampelregierung hat fälschlicherweise Hoffnung gemacht. Wir können diese Menschen nicht aufnehmen; aber wir machen ihnen ein finanzielles Angebot, damit sie in Afghanistan – Herr Minister. – oder in einem anderen Land eine entsprechende Perspektive finden können. Für die letzte Nachfrage zu dieser Hauptfrage darf ich Herrn Abgeordneten Brandner, AfD, das Wort geben.
Danke schön. – Thema sind ja die Ortskräfte, also die Kräfte vor Ort, die die Bundeswehr in Afghanistan unterstützt haben und die um Leib und Leben bangen sollen. Zehntausende sind schon nach Deutschland eingeflogen worden. Wir haben gerade von Frauen und Kindern gehört, wobei ich mir gar nicht vorstellen kann, inwieweit die überhaupt Ortskraft sein konnten. Meine konkrete Frage, Herr Dobrindt: Wie viele Fälle sind der Bundesregierung bekannt, in denen tatsächlich Leib und Leben von Ortskräften oder deren Familien in Afghanistan bedroht oder geschädigt wurden?
Die Zahl ergibt sich natürlich dadurch, dass die Ortskräfte ihre Familienangehörigen, Frauen und Kinder, mitbringen können. Das hat auch eine entsprechende Logik. Aber klar muss sein: Man muss Ortskraft gewesen sein. Wenn man Ortskraft war, dann hat man vielleicht eine Personalnummer; man ist auf jeden Fall anderen bekannt, mit denen man gearbeitet hat. Diese haben auch eine Chance, nach Deutschland zu kommen. Das war in der Vergangenheit so, das ist auch aktuell so. Aber die Fälle wurden weitestgehend im letzten Jahr abgearbeitet. Die Fragezeit ist abgelaufen, Herr Brandner. – Ich darf für die nächste Frage Christoph Schmid von der SPD das Wort erteilen.
Sehr geehrte Frau Ministerin, ich komme noch mal auf die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen zurück, unter denen Sie und Ihr Haus Ihre wertvolle Arbeit leisten müssen. Sie haben vorhin schon die Durchführungsorganisationen erwähnt, mit denen Sie im ständigen Austausch sind. Aber was antworten wir denn den vielen engagierten kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen mit Blick auf die Zukunft ihrer Arbeit?
Ganz herzlichen Dank. – Die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die kirchlichen Träger, die privaten Träger und die Stiftungen spielen eine große Rolle in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das sehen wir auch daran, dass es uns trotz der schmerzhaften Kürzungen, die wir vornehmen müssen, gemeinsam in den Koalitionsfraktionen im parlamentarischen Verfahren doch immer wieder gelingt, gerade in diesem Bereich die Kürzungen so gering wie möglich zu halten. Kirchliche Träger und zivilgesellschaftliche Organisationen zum Beispiel sind für uns wichtige Partner vor Ort, gerade im Krisenkontext und in Regionen, wo wir sonst niemanden haben, der vor Ort ist. An dieser Stelle möchte ich auch einen ganz herzlichen Dank all diesen Organisationen ausrichten. Sie leisten unschätzbare Arbeit in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, und das wird auch so bleiben. Wir werden das weiterhin unterstützen.
Dazu eine Nachfrage. – Sie haben vorhin erwähnt, dass der von Ihnen angestoßene und vorgestellte Reformprozess mehr ist als nur eine Reaktion auf Kürzungen. Vielleicht können Sie hier noch mal darstellen, wo durch den Reformprozess Dinge abgefedert werden können, aber auch, wo für Sie tatsächlich das Ende der Fahnenstange erreicht ist, wo Sie tatsächlich keine weiteren Kürzungen mehr vornehmen können.
Es ist jetzt schon schwierig; das muss ich auch ganz klar sagen. Das gilt für die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe. Der Kollege Wadephul und ich sprechen uns immer gemeinsam für diese beiden Bereiche aus. Die Kürzungen insgesamt sind schmerzhaft, und wir sind schon sehr nah an der Grenze dessen, was noch vertretbar und möglich ist. Wir achten aber darauf, dass wir die Mittel insbesondere dorthin verlagern, wo sie am wirksamsten sind. Ich möchte, dass unsere Arbeit vor Ort zählt; deshalb priorisieren wir. Ich darf dem Abgeordneten Gesenhues das Wort erteilen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie auch in dieser drastischen Beschreibung deutlich machen, was die Kürzungen für die Zivilgesellschaft bedeuten, für die vielen Organisationen, die Entwicklungsprojekte durchführen, die auch Bildungsarbeit hier in Deutschland betreiben. Es kann aber doch nicht Ihre Strategie als Ministerin sein, nur auf das Parlament zu setzen, um diese Kürzungen noch ein Stück weit korrigieren zu lassen. Deswegen frage ich Sie: Was werden Sie innerhalb der Bundesregierung tun, um weitere Kürzungen abzuwenden? Und werden Sie weiteren Kürzungen im Kabinett Ihre Ablehnung erteilen?
Sehr geehrter Herr Abgeordneter, sicherlich haben Sie wahrgenommen, dass wir noch harte Haushaltsverhandlungen vor uns haben, gerade in diesem Jahr, und dass alle Ministerien angehalten sind, Einsparungen vorzunehmen; das hat der Finanzminister klargemacht. Ich sage aber auch ganz klar, dass wir als BMZ schon einen wesentlichen Beitrag zur Konsolidierung des Bundeshaushalts beigetragen haben und dass man jetzt auch woanders nachschauen muss. Ich darf dem Abgeordneten Johannes Volkmann das Wort erteilen.
Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Ministerin, eine Chance besteht ja auch darin, die Verwaltung effizienter aufzustellen. Vielleicht könnten Sie darlegen, wie wir im Zusammenhang mit dem Reformprozess einen Beitrag dazu leisten, die Personalkosten so zu senken, dass wir das 8-Prozent-Ziel, das wir im Koalitionsvertrag miteinander vereinbart haben, erreichen. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Das gibt mir die Gelegenheit, meine Ausführungen von vorhin zu vervollständigen. Teil des Reformprozesses ist auch eine Reorganisation des Hauses. Diese berücksichtigt natürlich auch die 8-Prozent-Vorgabe. Das heißt, es werden Referate dort, wo es Sinn macht, zusammengeführt. Wichtig bei dem Prozess insgesamt ist natürlich auch die Modernisierung der Verwaltung. Wir setzen stärker auf KI. All das ist Teil des Reformprozesses. Vielen Dank. – Ich darf jetzt zur letzten Hauptfrage überleiten und ankündigen, dass ich die Hauptfrage und Nachfrage zulasse und dann die Fragestunde aufrufe. Die Kollegin Kaminski hat das Wort.
Frau Ministerin, herzlichen Dank für Ihre bisherigen Ausführungen. – Ich möchte zu den Fragen vom Kollegen anmerken: Ich glaube nicht, dass man jemanden irgendwo auf der Welt satt macht, wenn man Verwaltungsstrukturen entschlackt, nur weil die Gelder fehlen. Ich glaube, das sind die falschen Mittel, um jemandem auf dieser Welt zu helfen. Nun zu meiner Hauptfrage. Mit dem UN80-Prozess wird eine umfassende Reformagenda der Vereinten Nationen beschrieben; wir haben häufig davon gelesen und gehört. Wie verhalten sich die Bundesregierung und vor allem das BMZ zu den Vorschlägen eines sogenannten Sunsettings und einer Integration von UNAIDS in andere UN-Strukturen? Es gibt ebenso Überlegungen zu einer möglichen Fusion des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen mit UN Women. Welche konkreten Verhandlungsziele verfolgt und welche roten Linien zieht die Bundesregierung dabei mit Blick auf Mandate, auf Governance, auf Finanzierung und Rechenschaftspflichten, um sicherzustellen, dass Effizienz und Strukturreform nicht zu einer politischen, inhaltlichen oder finanziellen Schwächung – Frau Kollegin. – eines menschenrechtsbasierten Ansatzes führen?
Vielen Dank, Frau Kollegin. Das sind sehr viele Fragen in einer Frage. – Grundsätzlich – wir können uns dazu gerne auch näher austauschen – unterstützen wir als Bundesregierung den UN80-Prozess. Das gibt mir auch die Gelegenheit, zu einer Strategie auszuführen, die wir im Rahmen der Reform verfolgen und neu auflegen: Wir möchten die UN-Organisationen, die reformbereit sind, die sich reformieren wollen und wirklich gute Arbeit leisten, mit dem Programm der sogenannten Reform Champions unterstützen, indem wir mehr Mittel in den Haushalt einstellen. Insgesamt sind wir im engen Austausch mit den Vereinten Nationen auch zu Fragen von Fusionen. Wichtig ist uns, dass das multilaterale System, dass die Vereinten Nationen nicht geschwächt werden; das ist klar. Und wir möchten, dass in diesem Prozess vor allem auch die Stimmen der Länder des Globalen Südens eine stärkere Rolle spielen. Frau Ministerin.
Frau Ministerin, nach dem Rückzug der USA aus internationalen Organisationen – wir haben mehrfach davon gehört; es wird immer schlimmer – betont die Bundesregierung immer wieder, dass sie die Vereinten Nationen stärken will – das haben Sie ausgeführt –, insbesondere den UN-Standort Bonn; dazu gab es auch schon Nachfragen. Wie passt denn dieser Anspruch mit den immensen Einsparungen zusammen, die gerade jene multilateralen Strukturen schwächen werden, auf die Sie sich zumindest rhetorisch berufen? Ich würde das noch verquicken mit der Frage von Herrn Volkmann: Ist der UN-Standort nicht eigentlich auch zu teuer, wenn die Kosten dafür bei uns in Deutschland vielleicht höher sind als an anderen Standorten? Lügen wir uns an der Stelle nicht in die Tasche, und ist aus solchen Erwägungen heraus der Standort Bonn nicht vielleicht doch gefährdet?
Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Ich glaube, die Bonner finden das nicht so gut, was Sie da gerade sagen. Gerade der UN-Standort Bonn ist ein attraktiver. Wir wollen gemeinsam in der Koalition Bonn als internationale Stadt stärken; dort kommen viele Organisationen zusammen. Und Bonn ist definitiv günstiger als New York und Genf. Wir wollen damit für die Vereinten Nationen auch ein Hub in Europa sein, weil wir trotz aller Kürzungen mittlerweile einer der größten Geber im UN-System sind.
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