Befragung der Bundesregierung

21. Mai 2025·Sitzung 6··Als Markdown herunterladen

Zusammenfassung

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Reden (123)

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe gestern im Rahmen einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten des BKA, Herrn Münch, die Statistik über politisch motivierte Kriminalität in Deutschland vorgestellt. Ich will in diesem Zusammenhang auf einige Punkte eingehen. Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland hat im letzten Jahr einen Höchststand von über 84 000 registrierten Straftaten erreicht. Das ist eine enorme Steigerung zum Vorjahr und auch zu den Jahren davor. Wir stellen fest, dass bei den unterschiedlichen Phänomenbereichen, die identifiziert werden, der Phänomenbereich der politisch motivierten Kriminalität von rechts den wesentlichen Teil ausmacht, mit mehr als der Hälfte der registrierten Straftaten. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass es gerade heute wieder eine Aktion gegen eine rechtsextremistische terroristische Vereinigung gegeben hat. Der Generalbundesanwalt hat in Zusammenarbeit mit dem BKA, den LfV und mit weiterer Unterstützung aus den Ländern eine terroristische Vereinigung ausgehoben. Diese terroristische Vereinigung nennt sich „Letzte Verteidigungswelle“. Diese terroristische Vereinigung zeichnet sich dadurch aus, dass sie Brandanschläge verübt hat, unter anderem gegen Asylbewerberheime, weitere Brandanschläge geplant hat und sich letztlich zu gemeinschaftlichem Mord verabredet hat. Man sieht an dieser Stelle sehr deutlich, dass wir uns gegen diejenigen, die unsere demokratisch-freiheitliche Grundordnung angreifen, die das demokratische System zusammenbrechen lassen wollen, zur Wehr setzen und dass wir es schlichtweg nicht dulden, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass terroristische Vereinigungen in Deutschland an der Abschaffung der Bundesrepublik Deutschland arbeiten. Ich habe gerade auf die Uhr geschaut – ich rede noch weiter –, aber sie läuft nicht. Die Uhr läuft. Sie haben noch fünf Minuten, Herr Minister. Dann hat Ihre Kollegin aber nichts mehr. Von ursprünglich vier Minuten, die ich hatte, habe ich noch fünf übrig. Herzlichen Dank. Nein, nein, nein. Ich will nur kurz sagen: In der Addition haben Sie beide gemeinsam acht Minuten. Wenn man diese gerecht aufteilen wollte, also durch zwei, kommt man auf vier Minuten. Ich will der Kollegin Hubertz, die heute zum ersten Mal hier für die Bundesregierung vorträgt, natürlich die Chance geben, ausreichend Stellung zu nehmen. Ich möchte trotzdem noch auf die Situation, die sich im Bereich der Migration darstellt, eingehen. Ich habe gestern ein Gespräch mit dem Kommissar für Migration, Herrn Brunner, geführt, der in Berlin zu Besuch war. Dabei habe ich noch mal sehr deutlich gemacht, dass unser Interesse darin besteht, auf zwei Ebenen gegen die illegale Migration vorzugehen: Die eine Ebene ist die Europäischen Union. Es ist unser gemeinsames Interesse, dass das GEAS, das Gemeinsame Europäische Asylsystem, möglichst schnell in Kraft tritt, aber auch nachgeschärft wird, verbessert wird, optimiert wird. Wir haben unseren Kollegen in Europa und unseren Nachbarländern signalisiert, dass Deutschland dazu bereit wäre, auch im Rahmen von GEAS noch schneller und schärfer gegen die illegale Migration in Europa vorzugehen. Die zweite Ebene, um die es geht, betrifft die nationale Seite. Was können wir hier dafür tun? Ich habe noch mal sehr deutlich gemacht, dass diese Bundesregierung bereit ist, alle Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind für eine Begrenzung der illegalen Migration. Wir werden den Familiennachzug für subsidiär Geschützte umgehend aussetzen. Wir werden die sogenannte Expresseinbürgerung abschaffen. Wir werden dafür sorgen, dass die freiwilligen Aufnahmeprogramme, soweit möglich, beendet werden, und wir werden Straftäter umgehend nach Afghanistan und Syrien abschieben. Kurzer Hinweis: Die Zeit läuft gerade bei Frau Hubertz ab. Dazu gehört auch – liebe Kollegin, letzter Satz –, dass wir an den Grenzen verstärkt kontrollieren und – so haben wir es im Koalitionsvertrag vereinbart – stärker zurückweisen, auch bei Asylgesuchen. Ich will an dieser Stelle den Bundespolizistinnen und -polizisten, die da im Einsatz sind, herzlich dafür danken, dass sie jeden Tag dafür sorgen, dass wir gegen die illegale Migration noch stärker angehen als in der Vergangenheit. Auch das ist auf allen Ebenen mit unseren Nachbarn und auch mit der Europäischen Union abgesprochen. Deswegen: Herzlichen Dank dafür an die Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag ihren wertvollen Dienst tun! Danke schön. Die Frau Bundesministerin Hubertz hat jetzt noch zwei Minuten und zehn Sekunden. Bitte.

Verehrte Frau Präsidentin! Lieber Kollege Dobrindt! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Start-up-Gründerin bin ich es gewohnt, ein bisschen schneller loszulegen, und fokussiere mich hier auf ein paar frische Denkansätze – auf Pragmatismus und Skalierung –, die wir auch im Baubereich brauchen. In meiner Rede zur Regierungserklärung habe ich über drei Ts gesprochen, nämlich Tempo, Technologie und Toleranz. Der erste Punkt, Tempo, betrifft die Baugesetzbuchnovelle, die wir in den ersten 100 Tagen vorlegen werden – das ist dringend notwendig –, einschließlich des sogenannten Bauturbos. Wir müssen einfacher und schneller bauen, auch mithilfe des Gebäudetyps E. Zweiter Punkt: Technologie. Wir können einige Kosten einsparen, wenn wir seriell bauen, wenn wir KI nutzen, wenn wir modular bauen und wenn wir alle Innovationen, zum Beispiel aus dem Bundesforschungszentrum – hier wollen wir sozusagen ein Innovations-Hub fördern –, zur Verfügung stellen. Zur Toleranz gehört auch, dass wir bauen wollen, und nicht jeder sagt: „Überall, aber nicht in meinem Hinterhof.“ Wir werden, wenn wir mehr bauen, auch die Wirtschaft ankurbeln; denn die Bauwirtschaft ist die Lokomotive unserer Volkswirtschaft. Und gemeinsam mit Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich noch ein paar Kohlen ins Feuer werfen. Wenn wir über Wohnungen reden, dann müssen wir natürlich auch über den Markt reden. Das ist kein Markt wie jeder andere. Wir brauchen Regeln; wir brauchen die Mietpreisbremse. Und wir müssen dafür sorgen, dass wir in Städten wohnen, wo wir uns begegnen können, wo wir das Miteinander stärken und wo vielleicht der ein oder andere Angstraum eingedämmt werden kann. Beispiele dafür durfte ich letztens beim Tag der Städtebauförderung in Koblenz-Neuendorf besichtigen. Ich freue mich, mit Ihnen weitere Projekte in ganz Deutschland zu entwickeln, die beispielhaft zeigen, was geht, wenn wir Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung zusammendenken, wenn wir an einem Strang ziehen, wenn wir neu denken und wenn wir alle miteinander beherzt anpacken. Darauf freue ich mich, genauso wie auf Ihre Fragen, für deren Beantwortung ich ein bisschen mehr Zeit habe, als ich von Herrn Dobrindt für meinen einleitenden Bericht bekommen habe. Vielen Dank.

AfD

Vielen Dank. – Herr Innenminister, eines der größten innenpolitischen Probleme ist ja die ausufernde Zahl illegaler Migranten, die an der Grenze um Asyl nachsuchen. Nun war die niedrigste Monatszahl an Asylbewerbern letzthin 9 000. Das macht circa 2 000 pro Woche – einerseits. Andererseits wird berichtet, es seien jetzt an der Grenze in einer Woche 32 Asylsuchende zurückgewiesen worden. Man hört aus Berichten, dass die Bundespolizei sich auf Stichproben beschränkt. Es sind also gut 30 von gut 2000 Asylsuchenden – das heißt gut 1 Prozent – zurückgewiesen worden bei knapp 99 Prozent anscheinend erst gar nicht Aufgegriffenen oder nicht Zurückgewiesenen. Meine Frage: Dürfen die Bürger in diesen Zahlen die Wende bei der Bewältigung der Asylmigration erkennen, so wie sie die Union versteht? Ist das die Einlösung von Merz’ Wahlversprechen „vom ersten Tag an ausnahmslos alle“? Sie sind jetzt nicht dran, sondern der Minister – Bitte, Herr Minister.

Das, was wir gerade beschreiben, ist die Asylwende mit mehreren Maßnahmen. Und dazu gehört eben auch die verstärkte Zurückweisung an den Grenzen. Diese verstärkte Zurückweisung passiert, indem wir das eingesetzte Personal der Bundespolizei deutlich erhöhen. Bisher sind rund 11 000 Polizistinnen und Polizisten an der Grenze im Einsatz; wir werden diese Zahl um weitere 3 000 auf 14 000 erhöhen, um noch mehr Zurückweisungen zu ermöglichen. Die Daten, die wir bisher haben, zeigen auch deutlich, dass die Zahl der Zurückweisungen ansteigt, und zwar erheblich. Und zum ersten Mal weisen wir auch Menschen zurück, die Asyl beantragen. Die Zahlen, die Sie vortragen, beziehen sich auf Menschen, die schon vor Wochen oder Monaten nach Deutschland eingereist sind und jetzt in der Asylstatistik auftauchen. Deswegen sind diese Zahlen schlichtweg nicht mit dem, was zurzeit an der Grenze passiert, vergleichbar. Ich bedanke mich für die zeitliche Präzision. – Und Sie haben die Möglichkeit für eine Nachfrage. Bitte.

AfD

Herr Minister, ausgenommen von einer Zurückweisung sollen ja Angehörige vulnerabler Gruppen sein. Laut BAMF gibt es dazu ein Dutzend Unterkategorien. Wie wird die Zugehörigkeit an der Grenze rechtssicher festgestellt? Etwa Kranke: nur per Selbstauskunft oder per Attest? Von welcher vertrauenswürdigen Behörde? Etwa Minderjährige ohne Pass: per Selbstauskunft oder durch medizinische Altersfeststellung? Geschlechtsspezifisch Verfolgte? Wie geht das? Oder reicht generell schon die Behauptung, krank, minderjährig oder schwanger zu sein?

Vorausschickend noch mal: Die Polizistinnen und Polizisten, die heute an der Grenze ihren Dienst tun, leisten herausragende Arbeit, teilweise in Zwölfstundenschichten. Ich habe höchstes Vertrauen in diese Polizistinnen und Polizisten. Sie gehen mit der infrage stehenden Weisung des Bundesinnenministers sehr sorgfältig, genau und konsequent um. Deswegen: Weil ich Vertrauen in die Polizisten in Deutschland habe, weiß ich, dass sie an dieser Stelle das Richtige an der Grenze tun. Danke für die Antwort. – Für die Fraktion der CDU/CSU hat nun der Abgeordnete Herr Josef Oster das Wort.

CDU/CSU

Ich habe eine Frage an den Bundesinnenminister. Herr Minister, Sie haben in der letzten Woche, am 13. Mai, das sogenannte „Königreich Deutschland“ verboten. Als ich davon gelesen habe, war mein erster Gedanke: Da haben wohl einige zu viele alte Schlager gehört; wer wollte nicht schon mal König von Deutschland sein? Aber es ist kein Spaß, sondern es ist eine sehr ernste Sache. Und Sie haben sich dieser dann sehr konsequent angenommen. Was waren Ziel und Zweck dieser Maßnahme, Herr Minister?

Herr Kollege Oster, herzlichen Dank. – Die Reichsbürgervereinigung „Königreich Deutschland“ ist eine Vereinigung, die vom Umsturz geträumt hat, die einen Gegenstaat aufbauen wollte, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung Deutschlands gestellt hat und nach eigenen Angaben 6 000 Anhänger hat. Nach unserer Einschätzung sind es erheblich weniger; aber um die 1 000 werden es wohl gewesen sein. Diese kriminelle Vereinigung war nach ihrer Organisation darauf angelegt, ihre Anhänger auf betrügerische Art und Weise um ihr Geld zu bringen. Es gab beispielsweise eine Reichsbank, in der man sein Geld anlegen konnte, und es gab auch eine Reichsversicherungsanstalt, die angebliche Versicherungen an die sogenannten Anhänger verkauft hat. Danke für die Antwort. Diese Organisation hat den Umsturz in Deutschland vorbereitet, und deswegen wird sie bei uns verboten. Herr Oster, Sie haben die Möglichkeit für eine Nachfrage.

CDU/CSU

Sie haben in Ihrem Eingangsstatement die gestern von Ihnen vorgestellte Statistik der politisch motivierten Kriminalität erwähnt, die eine deutliche Zunahme dieser Kriminalität ausweist. Das ist besorgniserregend. Sie nehmen das sehr ernst. Was planen Sie, was plant Ihr Ministerium angesichts der Zunahme dieser Kriminalität?

Wir haben es mit einer sehr vielfältigen Form der Kriminalität zu tun. Es sind leichte bis sehr schwere Straftaten zu verzeichnen. Und deswegen muss man auch mit verschiedenen Maßnahmen darauf reagieren. Uns geht es um eine Doppelstrategie. Wir wollen zum einen die Polizei mittels neuer Ermittlungsmöglichkeiten stärken, um dagegen vorzugehen. Zum anderen braucht es schlichtweg auch Strafverstärkungen an dieser Stelle. Wir müssen mit allem, was uns zur Verfügung steht, und mit maximaler Härte gegen Personen vorgehen, die sich schlichtweg gegen diesen Staat stellen. Dazu gehören auch alle neuen Möglichkeiten im Digitalbereich. Danke schön. 30 Sekunden einzuhalten, ist anspruchsvoll. – Jetzt hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Hanna Steinmüller das Wort.

Grüne

Danke, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin Hubertz, wir hätten gern mehr von Ihnen gehört. Ich hoffe, das war jetzt kein schlechtes Omen für die Zusammenarbeit in der neuen Bundesregierung. Sie haben gerade das Thema „Bauen, bauen, bauen“ angesprochen. Doch während die Bagger rollen, steigen auch die Mieten. Das belastet vor allen Dingen einkommensschwache Haushalte. Immer mehr Menschen müssen einen immer größeren Beitrag ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufwenden. Deswegen ist meine Frage an Sie: Was tun Sie neben dem Neubau gerade für einkommensschwache Haushalte, dass die Mieten nicht mehr so stark steigen, dass es wieder mehr bezahlbaren Wohnraum gibt und nicht immer mehr Menschen Angst vor Verdrängung haben müssen?

Kollegin Steinmüller, vielen Dank für die Frage. – Bauen bedeutet ja nicht immer nur Neubau; es kann auch Umbau bedeuten. Leerstehende Büro- und Gewerbeflächen können zu Wohnraum umgebaut werden. Neubau wollen wir auch kostengünstiger hinbekommen. Penthäuser haben wir genug. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Aber natürlich müssen wir uns auch den Markt anschauen. Es braucht neue Antworten. Zum Beispiel haben wir die neue Wohngemeinnützigkeit schon in der letzten Legislatur gemeinsam vorangetrieben. Daran können wir anknüpfen. Das Thema Mietrecht ist ein großer Brocken. Neben der Mietpreisbremse ist aber der Markt auch ein bisschen differenzierter anzuschauen. Es wird gerade in Berlin viel Humbug betrieben – Ihr Wahlkreis ist davon betroffen –, wenn zum Beispiel jemand eine Couch in die Wohnung stellt und sie dann als möbliert für 30 Euro pro Quadratmeter vermietet. Diesen Missbrauch und Wucher müssen wir verhindern. Meine Kollegin, Justizministerin Stefanie Hubig, hat das alles schon in petto. Sie arbeitet daran mit Hochdruck. Da müssen wir den Instrumentenkasten in Gänze öffnen. Sie haben die Chance für eine 30-sekündliche Nachfrage.

Grüne

Wir werden weiter darauf achten, dass im Mietrecht etwas passiert. Dafür sind Sie aber leider nicht zuständig. Von daher hake ich bei der neuen Wohngemeinnützigkeit nach, die Sie gerade erwähnt haben. In Ihrem Koalitionsvertrag steht, dass Investitionszuschüsse kommen sollen. Können Sie eine konkrete Aussage machen, wann sie kommen und in welcher Höhe, um gemeinnützigen Wohnungsunternehmen auch Planungssicherheit zu geben?

Die Investitionszuschüsse sind ein ganz zentraler Baustein, damit Bauen einfach auch attraktiv ist. Wir sind gerade in zwei sehr sportlichen Verfahren für den Haushalt 2025 und den Haushalt 2026. Die Gespräche dazu darf ich noch nicht vorwegnehmen. Aber ich habe das ganz oben auf meiner Liste. Damit wollen wir so schnell wie möglich loslegen. Wir kommen gern zu weiteren Beratungen in den Ausschuss und können uns dort alle miteinander noch mal konkret darüber unterhalten. Dann hat für die Fraktion der SPD Frau Abgeordnete Angelika Glöckner das Wort. Bitte.

SPD

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Ministerin Hubertz, ich begrüße sehr, dass Sie den beschleunigten Wohnungsbau in den Vordergrund stellen. Da würde mich konkret interessieren: Welche einzelnen Vorhaben sind vorgesehen, um den Wohnungsbau insbesondere dort, wo die Wohnungsmärkte sehr angespannt sind, tatsächlich voranzutreiben?

Danke, Frau Kollegin Glöckner, für Ihre Frage. – Wir wollen mit dem BauGB mehrere Maßnahmen einführen wie den Bau-Turbo, der nicht nur auf angespannten Wohnungsmärkten besonders gebraucht wird, sondern auch in anderen Bereichen. Um zu verhindern, dass Mietwohnungen in Eigentum übergehen, müssen wir den sogenannten Umwandlungsschutz stärken. Wenn wir über Beschleunigung sprechen, dann müssen wir alle hier im Bundeskabinett uns an die Nase fassen und zugeben: Wir sind einfach zu langsam, wir sind zu kompliziert, und wir müssen die Interessen und die Lagen zusammenbringen. Wir müssen die Planung allgemein beschleunigen; denn wir ersticken in diesem Land in Normen. Es wird eine gesamtheitliche Aufgabe dieser Bundesregierung sein, Deutschland wieder nach vorne zu bringen. Das merken wir dann im Bau, aber auch in anderen Bereichen. Als ich über Normen sprach, hatte ich schon kurz den Gebäudetyp E genannt. Das bedeutet einfaches, entbürokratisiertes Bauen, auf den Schnickschnack zu verzichten, dessen Mehrwert man auch nicht richtig spürt. Dann kommt man auch zu Baupreisen von 2 000 bis 3 000 Euro pro Quadratmeter anstatt wie jetzt zu 5 000 bis 6 000 Euro. Danke sehr. – Eine Nachfrage.

SPD

Der soziale Wohnungsbau wurde als eine sehr wichtige Säule für den Wohnungsbau generell dargestellt, aber auch für barrierefreien, bezahlbaren Wohnraum. Wie können Sie das aus Ihrer Sicht realisieren? Was sind die Vorhaben Ihres Hauses?

Der soziale Wohnungsbau macht einen großen Teil meines Haushalts aus. Wir haben 3,5 Milliarden Euro dieses Jahr dafür vorgesehen. Das wollen wir schrittweise verstärken; denn wir brauchen noch mehr bezahlbare Sozialwohnungen. Gerade viele gemeinwohlorientierte Unternehmen bewerben sich auf entsprechende Projekte in den Ländern. Das wollen wir fortsetzen und noch mehr sozialen Wohnraum bauen. Ich bedanke mich. – Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau Abgeordnete Katalin Gennburg das Wort.

Linke

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Ministerin, reden wir doch mal über illegale Ferienwohnungen. Durch die Umwandlung in solche Wohnungen geht Wohnraum massiv verloren und schießen die Mieten in die Höhe. Die spanische Regierung hat jetzt die Vermietung von 65 935 Wohnungen über das Onlineportal Airbnb gestoppt. Insbesondere aus größeren Städten und Tourismusregionen wissen wir, dass durch Airbnb und viele Ferienwohnungen Innenstädte veröden, dass die Mieten massiv steigen, dass Wohnungen verloren gehen und Zwangsräumungen an der Tagesordnung sind. Sie sagen immer: Bauen, bauen, bauen! – Mit Blick auf Airbnb und die Wohnraumkrise möchte ich wissen: Was tun Sie ganz konkret, um Zehntausende Wohnungen – es fallen ja auch hier in Deutschland tagtäglich Wohnungen aus der Vermietung heraus, weil Leute sie lieber über Airbnb vermieten – auf den Mietwohnungsmarkt zurückzuholen und sie als Mietwohnungen zu schützen?

Herzlichen Dank für Ihre Frage. – Ich kenne die Diskussion auch sehr gut aus meiner Heimatstadt Trier. Da hat sich der Stadtrat ganz konkret mit der Frage beschäftigt, wo das ermöglicht werden soll. Wir können das nicht alles von Berlin aus entscheiden. Wichtig ist mir als erster Schritt, das Vermieten von sogenannten möblierten Wohnungen zu verbieten, die eigentlich gar nicht möbliert sind, sondern dauerhaft zu Wucherpreisen vermietet werden. Eine Wohnung, in der eine alte Ikea-Couch steht und für die man 30 Euro und mehr pro Quadratmeter zahlt, hat einfach nichts mit gutgemeintem Vermieten von möbliertem Wohnraum zu tun. Das Airbnb-Thema müssen wir aber differenziert betrachten. Die Situation stellt sich je nach Stadt unterschiedlich dar. Aber nicht alles, was neu ist – das gilt für Innovationen generell –, ist auch schlecht. Ich selbst bin auch ab und zu gern in einer solchen Wohnung. Aber wir müssen natürlich schauen, dass es genug Wohnungen gibt und dass wir nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch in den Städten und auch im ländlichen Raum gewährleisten. Eine Nachfrage?

Linke

Ja. – Frau Ministerin, es ist schade, dass Sie in einer Airbnb-Wohnung wohnen. Ich war da schon mal im Urlaub. Aber was tun Sie konkret, um dieses Problems Herr zu werden? Sie haben darüber gesprochen, dass man den Umwandlungsschutz stärken muss. Wenn Leute Wohnungen kaufen, die vorher Mietwohnungen waren, und diese dann über Airbnb anbieten, dann müssen Sie doch eingestehen, dass wir dieses Problem nicht mit „Bauen, bauen, bauen“ lösen können.

Erst mal muss ich kurz klarstellen: Ich war schon mal im Urlaub in einer Airbnb-Wohnung. Jeder kann ja Urlaub machen, wo und wie er will. Ich freue mich, wenn jeder – vom Campingplatz bis zum Hotel – etwas für ihn Geeignetes findet. Natürlich ist „Bauen, bauen, bauen“ nicht die einzige Antwort. Deswegen habe ich eben skizziert: Wir brauchen den Umwandlungsschutz, der verhindert, dass ein Investor ein Mehrfamilienhaus kauft und dann seine privaten Interessen verfolgt und diese Wohneinheiten dem Wohnungsmarkt entzieht. Wir werden im Ministerium Ideen dazu entwickeln.

AfD

Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie haben vorhin gesagt, dass Sie auch einen Mietpreisdeckel einführen wollen. Wie sollen Sie denn Investoren dazu bewegen, zu bauen, wenn sie davon ausgehen müssen, dass sie Verluste machen statt Gewinne? Man baut ja privat, um Gewinne zu erzielen. Wie viele Milliarden wollen Sie denn eventuell an Subventionen ausgeben, damit mehr gebaut wird? Das kann nicht der Sinn der Sache sein. Wie möchten Sie preiswerter bauen, und wie wollen Sie dafür sorgen, dass private Investoren wirklich bereit sind, auch in den Bau zu investieren?

Zur Klarstellung: Ich habe nicht über den Mietpreisdeckel, sondern über die Mietpreisbremse gesprochen. Die haben wir schon. Die gilt – das finden Sie im Gesetz – nicht für Neubauten, und deswegen ist die Sorge der Investoren, die natürlich auch ich immer wieder höre – „dann baut doch keiner mehr eine Wohnung“ –, an der Stelle unbegründet. Was wollen Investoren? Verlässliche Rahmenbedingungen und ein gutes Umfeld, also dass sie hier schnell bauen können, dass wir die Rahmenbedingungen so setzen, dass das in diesem Land auch kostengünstig gelingt. Und dann kann man hier sogar als neuer Investor preisgünstig eine Wohnung bauen und findet sogar noch Mieterinnen und Mieter, die darin auch gerne und gut wohnen wollen. Haben Sie eine Nachfrage?

AfD

Ja, habe ich. – Der Staat ist für ungefähr 40 Prozent der Baukosten verantwortlich. Also, das ist die Staatsquote, die der Staat gerne hat, wenn gebaut wird. Jetzt meine Frage: Wie wollen Sie die Baukosten nach unten drücken, damit die Vorstellung von 15 Euro pro Quadratmeter wirklich umgesetzt werden kann? Bitte mal eine konkrete Antwort.

Sie haben ja schon selbst auf den großen Anteil, den wir als Staat haben, hingedeutet. Da müssen wir durch diesen Wald durch und dürfen wirklich nichts aufeinander liegen lassen. In der letzten Legislatur hatten wir das Bündnis bezahlbarer Wohnraum, das über 170 Maßnahmen entwickelt hat, wo eben alle an einem Strang ziehen müssen. Bei den 15 Euro pro Quadratmeter müssen wir an andere Stellschrauben ran, nämlich an die sogenannten Finanzierungskosten. Hier kann der Staat mit seinem Baukasten an Garantien auch die gute Bonität zur Verfügung stellen und diesen großen Kostenblock runterbekommen. Es gibt eine Nachfrage des Abgeordneten Herrn Andreas Audretsch aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne

Vielen Dank. – In meinem Wahlkreis Neukölln wird massiv mit Wohnungen spekuliert. Menschen werden ganz häufig aus ihren Wohnungen vertrieben, um die Wohnungen zu sanieren und sie dann teuer zu verkaufen. In einem anderen Fall wird möbliert vermietet, um Mieten durch die Decke schießen zu lassen. Vor Ort tun wir alles, um das zu verhindern, und es wurde auch gerade untersagt, aber der Baustadtrat ist in einer Grauzone. Wann wird das ganz konkret geregelt? Der zweite Fall ist, dass die Frage des Vorkaufsrechts auch nicht mehr klar geregelt ist. Auch dort ist der Baustadtrat – Frage ist verstanden, – – vor Ort in einer Grauzone, – – und Zeit ist um. – und auch da brauchen wir eine klare Regulierung, – Zeit ist um, und deshalb kommt jetzt die Antwort. – dass das Vorkaufsrecht möglich ist. Wann kommt es? Herzlichen Dank. – Die Antwort, bitte.

Einige Vorhaben mietrechtlicher Natur haben wir im Koalitionsvertrag sehr konkret ausbuchstabiert. Aber wir haben auch miteinander vereinbart, dass es eine sogenannte Expertenkommission geben wird, die meine Kollegin Stefanie Hubig einsetzt. Die wird bis Ende nächsten Jahres noch mal konkrete Vorschläge erarbeiten und sich natürlich auch mit der Bandbreite der Problemlage, wie Sie sie gerade für Neukölln beschrieben haben, beschäftigen. Da gucken wir uns aber auch zum Beispiel noch mal das große Problem der Indexmieten an. Da werden all die Dinge adressiert. Wir alle sind hier konstruktiv gewillt, die beiden Interessen übereinanderzubekommen: einen starken Mieterschutz, aber auch Vermietende, die natürlich Lust haben, – Danke schön. – zu investieren und Wohnraum zur Verfügung zu stellen. 30 Sekunden bitte einhalten. Danke. – Jetzt hat die Abgeordnete Caren Lay von der Fraktion Die Linke das Wort.

Linke

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Sie haben gerade gesagt: Ja zur Mietpreisbremse, nein zum Mietendeckel. Letzteres finde ich sehr bedauerlich; denn der Berliner Mietendeckel war das einzige Instrument in den letzten Jahren, das den Mietenanstieg wirklich wirkungsvoll gestoppt hat. Das sind die Fakten: 3 Milliarden Euro an Einsparungen für Berliner Mieterinnen und Mieter. Die Mietpreisbremse hingegen wirkt nicht. Wie wollen Sie konkret nachbessern, damit sie den Mietenanstieg wirklich eindämmen kann? Das ist meine Frage.

Kollegin Lay, erst mal möchte ich widersprechen: Die Mietpreisbremse wirkt natürlich; denn wenn wir sie nicht hätten, dann hätten wir ganz andere Situationen überall im Land. Deswegen ist es auch dringend erforderlich, dass wir sie verlängern. Wir haben aber natürlich einen Markt, der Daseinsvorsorge bedeutet. Ein Dach über dem Kopf ist nicht wie ein Auto, das ich mir kaufe, oder ein neues Handy. Deswegen müssen wir uns anschauen: Wie schaffen wir mehr gemeinwohlorientierten Wohnraum? Stichwort „soziale Wohnungen“, die wir fördern, Stichwort „neue Wohngemeinnützigkeit“, aber eben auch dadurch, dass die Expertenkommission noch mal wirklich die ganze Bandbreite der regulatorischen Möglichkeiten auf den Prüfstand bringt. Danke schön. – Wir haben eine Nachfrage aus der Fraktion der AfD, vom Abgeordneten Marc Bernhard.

AfD

Frau Ministerin, bei der Mietpreisbremse sind sich die Experten einig, dass sie gar nichts bringt. Seit Einführung der Mietpreisbremse sind die Mieten in Deutschland – egal ob auf dem Land oder in der Stadt – im Schnitt um 45 Prozent gestiegen. In Städten wie Berlin beispielsweise sind die Mieten seit Einführung der Mietpreisbremse um über 100 Prozent gestiegen. Warum glauben Sie denn, dass sich jetzt mit der Fortsetzung der Mietpreisbremse daran etwas ändert? Was werden Sie tun, damit sie wirklich greift? Denn im Moment sind sich die Experten alle einig und die Zahlen sprechen ganz klar dafür, dass sie nichts bringt.

Ihre Experten finde ich sehr spannend. Denn das Problem ist nicht behoben; da stimme ich Ihnen zu. Aber die Mietpreisbremse ist ein ganz essenzielles Puzzleteil, damit wir überhaupt etwas gegen diese steigenden Mieten tun und den Preisanstieg dämpfen. Wir haben auch Bewertungen dessen. Wir sind ja kein Land, wo man sagt: Jetzt machen wir mal mit und mal ohne. – Es gibt aber auch die Betrachtung und die Berechnungen, die eben sagen: Die Mietpreisbremse wirkt. – Und dass Sie nicht immer an Fakten glauben, wundert mich jetzt auch nicht. Wir kommen zur nächsten Hauptfrage, damit wir auch mehrere Fragen durchbekommen. Ich bitte um Nachsicht, dass ich keine weiteren Nachfragen hierzu zulasse. – Jetzt hat für die Fraktion CDU/CSU Herr Dr. Jan-Marco Luczak das Wort.

CDU/CSU

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin Hubertz, ich möchte ganz gerne wieder zu Ihrem Geschäftsbereich zurückkommen und nicht nur zum Geschäftsbereich der Justizministerin sprechen. Ich möchte vorwegschicken, dass wir als Union es sehr begrüßen, dass eine Bauministerin sagt: Bauen, bauen, bauen! – Das ist aus unserer Sicht genau das, was wir brauchen: Wir dürfen uns nicht so stark alleine mit Regulierungsfragen auseinandersetzen, sondern wir müssen am Ende das Problem an den Wurzeln packen. Deswegen müssen wir die Märkte wieder in einen Ausgleich bringen, und deswegen ist Bauen das Richtige. Ich möchte darauf zurückkommen, dass Sie gesagt haben: Wir brauchen Tempo. – Das unterstreichen wir ausdrücklich. Den Wohnungsbau-Turbo haben Sie genannt. Da gab es ja schon Vorgängerideen, Entwürfe, die die Ampel entwickelt hatte. Wir haben im Koalitionsvertrag sehr klar gesagt, dass wir das in den ersten 100 – bzw. jetzt sogar 70 – Tagen, bis zur Sommerpause, bringen wollen. Wir sind der Auffassung: Es muss vor allen Dingen ein umfassender Bau-Turbo sein. Er muss maximale Wirkung entfalten. Das heißt, er muss bundesweit gelten, nicht nur auf den angespannten Märkten – das hatten Sie gerade schon angedeutet –, und er muss den Kommunen überlassen, zu entscheiden, was da genau gebaut werden kann. Deswegen würde ich mich freuen, wenn Sie noch einmal ganz kurz Ihre Ideen, Ihre Überlegungen skizzieren könnten, wann wir mit einem solchen Vorschlag rechnen könnten. Danke schön.

Danke, Herr Kollege Luczak. Wir sind jetzt gerade bei den vorbereitenden Maßnahmen, sodass wir schnell in die Ressortabstimmung und in die Frühkoordinierung gehen können. Also, da ist schon einiges geleistet. Der Kollege Bartol betreut das mit mir zusammen im Bauministerium, und auch wir wollen das maximal Mögliche. Wir müssen jetzt nicht irgendwie alles lange zurückhalten, was denn auch ginge. Wir wollen auf jeden Fall einen mutigen, proaktiven Ansatz wählen. Ich möchte aber jetzt hier noch nicht zu sehr aus dem Gesetzestext zitieren, um auch dem Prozess in der Regierung erst mal Raum zu geben. Wichtig ist aber: Das hat mehrere Facetten. Neben dem Bau-Turbo brauchen wir im BauGB auch noch ein paar andere Dinge, die Lärmregulierungen zum Beispiel: Wie nah darf eine Wohnung an einem Gewerbe oder an einem Volksfest sein? Wir müssen uns an der Stelle mal mit der TA Lärm beschäftigen und da dann auch pragmatisch lösen, womit sich alle mit Kenntnislage beschäftigen. Daneben ist natürlich auch das Thema Umwandlungsschutz direkt mit zu adressieren. Aber das BauGB bietet noch mehr. Deswegen machen wir irgendwann in der Legislatur einen zweiten Schritt. Danke sehr. Eine Nachfrage? – Bitte.

CDU/CSU

Sehr gerne. Vielen Dank. – Noch mal zurückkommend auf das Thema Tempo: Wir haben ja einen sehr großen Bauüberhang in Deutschland: viele Hunderttausend Wohnungen, wo wir Genehmigungen haben, wo aber nicht gebaut wird. Das hat vor allen Dingen auch etwas damit zu tun, dass in den letzten Jahren die Verlässlichkeit und Planbarkeit bei den Förderbedingungen nicht ausreichend gewährleistet waren. Deswegen ist für uns ganz wichtig – das haben wir im Koalitionsvertrag ja festgelegt –, dass wir den EH55-Standard wieder förderfähig machen wollen, damit eben möglichst schnell aus diesen Bauüberhängen tatsächlich auch Wohnungen werden, in denen die Menschen zu bezahlbaren Konditionen wohnen können. Danke schön, ist angekommen. Ich würde mich freuen, wenn Sie vielleicht kurz sagen könnten, wo wir da aktuell stehen.

Der Bauüberhang ist eine tolle Reserve; denn wir haben über 800 000 Baugenehmigungen, wo in großen Teilen der Bau einfach noch nicht begonnen wurde. Das heißt: Wenn die schnell angereizt werden können, haben wir richtig was gewonnen, weil alles Formale schon erledigt ist. Und den Prüfauftrag aus dem Koalitionsvertrag mit der Frage „Wie kann man das vielleicht auch finanziell anreizen?“ schauen wir uns jetzt gerade im Rahmen des Haushaltsaufstellungsverfahrens an. Ich lasse jetzt hierzu noch zwei Nachfragen zu. – Einmal von der AfD-Fraktion, Frau Abgeordnete Carolin Bachmann. Bitte.

AfD

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Frau Ministerin, wir sind uns einig, dass die steigenden Mieten zum sozialen Problem in Deutschland geworden sind. Sie reden jetzt hier über den Bau-Turbo. Und ja, wir sind uns einig: Es muss gebaut werden; denn es fehlen Wohnungen. Wir wissen aber auch, dass die Regulierung und die steigenden Baupreise zum Problem auf dieser Seite führen. Also, neues Angebot an Wohnungen schaffen ist ein Problem in Deutschland. Haben Sie sich mal darüber Gedanken gemacht, dass wir auch auf der Nachfrageseite – nach Wohnungen – operieren könnten? Danke. Die 30 Sekunden sind um. Denn wir haben beispielsweise die höchste Einwohnerzahl Deutschlands aktuell. Die 30 Sekunden sind um. Ich bitte die Bundesregierung, zu antworten. Also, was machen Sie für die Nachfrageseite?

Na ja, jeder, der gerne in unserem Land leben möchte und sich an unsere Spielregeln hält, der ist hier auch herzlich willkommen. Deswegen werde ich jetzt nicht die Nachfrage hier im Land kontrollieren oder in irgendeiner Weise steuern. Wer hier wohnt, hat auch ein Recht auf ein Dach über dem Kopf. Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Stephan Stracke das Wort.

CDU/CSU

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, Sie wollen ja beim Thema Bauen aufs Tempo drücken; das ist auch richtig. Dazu gehören ja auch eine Straffung und Vereinfachung der Planungs- und Genehmigungsverfahren, beispielsweise ein Verfahren für alle. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie denn gerade, um die Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich zu beschleunigen?

Herzlichen Dank, Herr Kollege Stracke. – Wir müssen standardisierter werden, wir müssen einfacher werden. Und wenn wir uns das Land anschauen: Wir haben 16 Landesbauordnungen. In einigen Ländern wird schon total Gutes gemacht, wie zum Beispiel in Hamburg. Die haben den sogenannten Hamburg-Standard. Warum nehmen wir den nicht und sagen in der Bauministerkonferenz: „Den packen wir jetzt mal auf die anderen Bundesländer, und wir suchen Mitmacher“? Wenn wir über Standardisierung reden, geht es auch über die Digitalisierung, aber beim Umweltschutz auch über Kataster. Also, jedes Ressort muss wirklich gucken: Wo wird jetzt Zeit verbraucht, und wie kriegen wir möglichst schnell einen Entscheidungsprozess und die Probleme gelöst? Danke schön. – Wir kommen jetzt zur nächsten Hauptfrage, und das Wort geht an die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, an Marcel Emmerich.

Grüne

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich habe eine Frage an den Bundesinnenminister. Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt, am ersten Tag in Ihrem Amt haben Sie der Bundespolizei die Weisung erteilt, Schutzsuchenden die Einreise zu verweigern. Weder aus dem Text der Weisung noch aus öffentlichen Stellungnahmen ist bisher klar, auf welche Grundlage sich die Bundesregierung hierbei rechtlich stützt. Vor genau einer Woche haben Sie im Interview im „Morgenmagazin“ auf Artikel 72 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verwiesen und es damit gerechtfertigt. Ein paar Stunden später habe ich hier an Ort und Stelle den Kanzleramtschef Frei und den Vizekanzler Klingbeil gefragt, die sich ausweichend dazu verhalten haben und gesagt haben: Artikel 72 AEUV wird nicht benutzt. – Und das ist wirklich eine große Unklarheit, ein heilloses Durcheinander in dieser Frage. Haben Sie da jetzt einen Rechtsbruch ohne Rechtsgrundlage oder einen Rechtsbruch mit Rechtsgrundlage? Also, beziehen Sie sich auf Artikel 72 AEUV, ja oder nein? Danke. Die Frage ist angekommen, die Zeit ist um. – Bitte, Herr Minister.

Herr Kollege Emmerich, herzlichen Dank für die erwartbare Frage. Aber erster Hinweis: Warum haben Sie eigentlich meine Pressekonferenz damals am ersten Tag nicht angeschaut? Das wäre ganz interessant gewesen. Ich glaube, man kann es sogar noch nachholen. Da habe ich sowohl darauf hingewiesen, dass etwas vereinbart worden ist, was meine Weisung anbelangt, die an die Bundespolizei gegangen ist, was die Rücknahme einer alten Weisung anbelangt. Und auch da ist die Rechtsgrundlage klar formuliert. Wir beziehen uns auf nationales Recht, § 18 Absatz 2 Asylgesetz, in Verbindung mit Artikel 72 AEUV. Das ist da schon genannt worden in der Pressekonferenz. Daran habe ich auch danach nichts geändert, und dabei bleibt es. Diese Rechtsgrundlage ist bestehend, und die ist eigentlich doch nachvollziehbar, wenn man bereit ist, zuzuhören. – Herzlichen Dank dafür. Ich gebe Ihnen die Chance zu einer Nachfrage.

Grüne

Schön, also sagen Sie, dass die sogenannte Notlage gezogen wurde. Es liegt der Verdacht nahe, dass das Ihre Einzelmeinung ist und nicht die Meinung der Bundesregierung. Denn Ihre Kollegen im Kabinett haben anderes hier ausgesagt und auch der Regierungssprecher. Ich möchte aber noch auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen, nämlich die Belastung der Bundespolizei. Sie haben von Zwölfstundenschichten gesprochen. Wir haben auch jetzt die Situation, dass es da eine große Kündigungswelle gibt, eine hohe Belastung, Fortbildungen finden nicht mehr statt. Meine Frage an Sie: Ist Ihnen klar, dass Sie die Verantwortung dafür tragen, dass wir ein Sicherheitsrisiko bekommen? Und woher kommen eigentlich diese 3 000 neuen Stellen bei der Bundespolizei? Die Zeit ist abgelaufen. – Herr Bundesminister.

Erstens. Herr Kollege, da war jetzt in Ihrer Frage eine Unterstellung dabei, die ich natürlich zurückweise. Sie haben von einer Notlage gesprochen. Eine nationale Notlage gibt es hier nicht, sondern letztlich die Anwendung von nationalem Recht, eingebettet in europäisches Recht. Das ist das, was wir hier machen. Deswegen würde ich Ihnen empfehlen, auch bitte den Versuch der Missinterpretation hier mit einer nationalen Notlage schlichtweg nicht zu tätigen. Ich bedanke mich. Ich lasse jetzt drei Nachfragen zu. Für Bündnis 90/Die Grünen: Filiz Polat. Bitte.

Grüne

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich frage den Bundesminister des Innern. Apropos „europäisches Recht“: Der Bundesfachverband Minderjährigkeit verurteilt zu Recht die von Ihnen am 7. Mai angeordnete Zurückweisung schutzsuchender Menschen an den deutschen Grenzen, da Ihre Anordnung zwar Ausnahmen für sogenannte vulnerable Personen vorsieht – wie Minderjährige, Familien oder Schwangere –, aber nicht alle vulnerablen Gruppen erfasst, wie zum Beispiel Menschen mit Behinderung, – Die Zeit, bitte. – Betroffene von Menschenhandel oder Personen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige schwere Formen von Gewalt erlitten haben. Sie sind schon elf Sekunden drüber, bitte. Wieso haben Sie diese Gruppen ausgenommen? Herr Minister.

Frau Kollegin Polat, erst mal bin ich Ihnen dankbar, dass Sie darauf hinweisen, dass es uns ein wichtiges Anliegen war, dass wir bei der Anwendung von § 18 Absatz 2, den Zurückweisungen, vulnerable Gruppen an der Stelle ausgenommen haben. Ich halte das auch ausdrücklich für richtig an dieser Stelle. Wir nehmen unsere humanitäre Verantwortung wahr. Ich weise weiterhin darauf hin, dass die Polizei vor Ort das in einer hervorragenden, sensiblen Art und Weise macht. Alles, was mir an bisherigen Berichten dazu vorliegt, bestätigt, dass genau das passiert: dass die vulnerablen Gruppen hier von Zurückweisungen ausgenommen sind. – Herzlichen Dank. Danke sehr. – Das Wort zu einer Nachfrage hat jetzt Herr Stefan Seidler, fraktionslos.

Fraktionslos

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesinnenminister, auch an unserer nördlichsten Grenze zu Dänemark wird ja seit Ihrer Amtsübernahme verstärkt kontrolliert. Die Gewerkschaft der Polizei hat mitgeteilt, dass man diesen Aufwand nur noch wenige Wochen durchhalten kann. Es fehle den Kolleginnen und Kollegen an moderner Ausrüstung. Eine ähnliche Frage gab es eben schon. Deshalb jetzt noch mal meine Nachfrage: Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen und werden Sie ergreifen, um dieser Überlastung Ihrer Beamtinnen und Beamten entgegenzutreten? Und wie rechtfertigen Sie eigentlich die Verhältnismäßigkeit dieser Kontrollen an der dänischen Grenze?

Herr Kollege, die Kontrollen finden seit letztem Jahr bereits an allen unseren Grenzen statt, den Binnengrenzen zu unseren europäischen Nachbarn. Wir haben sie verstärkt, das heißt, auch gegenüber Dänemark finden diese Kontrollen statt. Wir sind im besten Einvernehmen übrigens mit den dänischen Kolleginnen und Kollegen, die ihrerseits ja die Kontrollen an der dänisch-deutschen Grenze vornehmen. Und deswegen ist es richtig, auch dort mit einer Polizeipräsenz dafür zu sorgen, dass Zurückweisungen theoretisch möglich sind. Ich muss aber dazu sagen, dass es nicht der Hauptfokus der Grenzen in Deutschland ist, – Danke schön. – aber auch da findet das statt. Zu einer Nachfrage aus der Fraktion der Linken hat der Abgeordnete Herr Ferat Koçak das Wort.

Linke

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Dobrindt, Sie haben ja Erfahrung mit dem Brechen von EU-Recht. Als Verkehrsminister haben Sie 2015 Regelungen zur Pkw-Maut vorgelegt und behauptet, das sei mit EU-Recht vereinbar. Es kam bekanntlich anders, und am Ende musste der Steuerzahler 243 Millionen Euro an einen österreichischen Mautbetreiber überweisen. Ihre Nachfrage muss sich auf die Frage beziehen. Neben dem materiellen Schaden durch das Mautdesaster verursachen Sie jetzt auch noch immateriellen Schaden durch den Rechtsbruch im Umgang mit Schutzsuchenden. Werden Sie diesmal zurücktreten, wenn die Gerichte bestätigen, dass Sie in Sachen Migration wieder EU-Recht verletzt haben?

Herr Kollege, herzlichen Dank. – Ich habe ja auf die Rechtsnorm verwiesen, die wir an dieser Stelle anwenden, möchte aber die Chance nutzen, den zweiten Teil der Frage, die ich nicht beantworten konnte, jetzt mit diesen 20 Minuten noch zu füllen. Nein, nicht 20 Minuten; ich muss Sie enttäuschen. Es sind Sekunden. Schade, Frau Präsidentin. Das wäre schön gewesen. – Dann: mit diesen 20 Sekunden zu füllen; jetzt sind es noch 10. Es geht schlichtweg darum, dass wir der Bundespolizei durchaus Zumutungen auferlegen, aber in engem Austausch mit ihr sind. Der Bundespolizeipräsident hat heute noch mal bestätigt: Die Bundespolizei ist in der Lage, alles Notwendige zu tun, – Danke sehr. – temporär, aber auch über einen längeren Zeitraum. Ich bedanke mich. – Ich darf jetzt, damit heute noch weitere Fragen drankommen können, zu einer nächsten Hauptfrage kommen und komme damit zur Fraktion der SPD. Frau Abgeordnete Sonja Eichwede hat das Wort. Bitte.

SPD

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister Dobrindt, wir haben im Koalitionsvertrag auch vereinbart, den Zivilschutz, also die zivile Verteidigungsfähigkeit unseres Landes, weiter zu stärken. Gerade angesichts der außenpolitischen, aber auch innenpolitischen Lage ist das sehr wichtig. Deshalb meine Frage: Wie sehen die Pläne Ihres Hauses aus, den Zivilschutz in Deutschland schnell und effektiv zu stärken? – Vielen Dank.

Vielen Dank. – Der Zivil- und Bevölkerungsschutz wird in dieser Wahlperiode eine der Hauptaufgaben im Sicherheitsbereich sein – übrigens eng vernetzt mit dem militärischen Schutz. Das ist etwas, was wir in der Vergangenheit so nicht gesehen haben und wofür auch nicht die Notwendigkeit bestand. Die Zeitenwende hat es mit sich gebracht, dass es hier richtigerweise eine neue Betrachtung gibt. Wenn wir jetzt über den Zivil- und Bevölkerungsschutz reden, dann wird klar, dass es uns um eine deutliche Stärkung derjenigen Organisationen geht, die dafür hohe Zuständigkeiten haben, beispielsweise des THWs und der Feuerwehren. Wir brauchen die notwendige finanzielle Ausstattung, damit es zu einer Modernisierung genau dieser Organisationen kommt. Ich werbe dafür, dass wir die Möglichkeit, die es gibt, auch außerhalb der Schuldenbremse Zivil- und Bevölkerungsschutz zu finanzieren, auch nutzen, um sehr schnell in eine Modernisierung genau dieser Organisationen – THW, Feuerwehr und andere – zu kommen. Sie haben die Möglichkeit zu einer Nachfrage.

SPD

Sehr gerne, Frau Präsidentin. – Herr Bundesinnenminister, wir haben auch einen großen Katalog an Sicherstellungs- und Versorgungsgesetzen, in denen durchaus Reformbedarf zum Schutz der Bevölkerung besteht. Sie haben hierfür die federführende Koordinierung. Können Sie uns sagen, wann hierzu Gesetzesreformen aus Ihrem Haus angedacht sind? Ich denke, es ist wichtig, hierauf eine Priorität zu setzen. – Vielen Dank.

Wir gehen hier, Frau Kollegin Eichwede, in die Abstimmung mit den Kolleginnen und Kollegen, um genau das zu ermöglichen: dass wir noch in diesem Jahr eine sehr schnelle parlamentarische Umsetzung erreichen. Das ist etwas, was in dem Gesamtkonzept eines Zivil- und Bevölkerungsschutzes auch dringend notwendig ist. Deswegen: Mein Anliegen wäre, dass wir uns im Herbst im Deutschen Bundestag damit befassen können. Eine weitere Nachfrage? – Herr Lukas Benner, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, bitte sehr.

Grüne

Vielen Dank. – Herr Minister, Sie haben das Thema Bevölkerungsschutz gerade schon angerissen. Wir als Abgeordnete wissen ja alle, dass das Thema in Deutschland vor allen Dingen vom Ehrenamt lebt. Und all die Millionen Ehrenamtlichen in Deutschland, die sich in diesem Bereich einsetzen, erwarten, dass wir endlich das Thema der Helfergleichstellung angehen. Wir haben hier immer noch eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Helferinnen und Helfer in verschiedenen Organisationen, und meine Frage ist, ob Sie gedenken, daran etwas zu ändern.

Herr Benner, ich kann Ihnen darauf keine abschließende Antwort geben, bin aber bereit, mir das im Detail anzuschauen. Ich kann Ihnen aber heute nicht sagen, inwieweit diese Unterscheidung bei den Helfern eine Grundlage auf einer Rechtsbasis hat oder ob es sich hier schlichtweg um unnötige Unterscheidungen handelt. Ich bin aber bereit, dem Thema entsprechend nachzugehen und dann auch Ihnen darüber zu berichten. – Herzlichen Dank. Nun hat die Möglichkeit zu einer Hauptfrage aus der Fraktion Die Linke Frau Abgeordnete Katrin Fey.

Linke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt, Sie betonen, die CSU unterscheide sich klar von der AfD. Doch wenn man sich Ihre Rede vom 16. Mai anschaut, wird dieser Unterschied zunehmend unklar. AfD: dauerhafte stationäre Grenzkontrollen an allen Außengrenzen Deutschlands. – Sie: Einführung zusätzlicher stationärer Grenzkontrollen mit über 1 000 Bundespolizisten und Zwölfstundenschichten. – AfD: Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte vollständig stoppen. – Sie: Ankündigung, den Familiennachzug für bestimmte Gruppen auszusetzen. AfD: Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan. – Sie: Wir werden nach Afghanistan und Syrien abschieben. – AfD: Einführung von Ausreisezentren oder Ausreisehaft zur schnelleren Abschiebung. – Sie: „Haft oder Heimflug“. Wenn ich das lese, klingt es so, als gebe es da keinen großen Unterschied. Ihnen wird ja auch häufig vorgeworfen, dass die Union bei der AfD abschreibt. Können Sie mir jetzt noch einmal deutlich den Unterschied – Danke. Die Redezeit ist abgelaufen. – zwischen Ihrer Migrationspolitik und der AfD erklären? – Danke schön. Herr Bundesminister.

Sehr geehrte Frau Kollegin, ich hoffe, Ihnen ist aufgefallen, woher der Applaus für Ihre Wortmeldung kam. Da möchte ich Ihnen an dieser Stelle einfach mal sagen: Überraschen tut mich diese Wortmeldung schon; denn wenn ich an die Nähe zu Putin denke, würde ich mal sagen: Sie haben Gemeinsamkeiten mit denen und wir nicht. Und dann würde ich Ihnen empfehlen, sich auch weiter damit zu beschäftigen. Die CSU ist eine proeuropäische Partei. Die Parteien der Mitte in diesem Parlament zeichnen sich dadurch aus, dass sie proeuropäische Parteien sind. Da kann man bei Ihnen Zweifel haben und bei denen sowieso. Sie haben jetzt nicht das Wort. – Sie haben eine Nachfrage. Bitte.

Linke

Sie bezieht sich noch mal auf die Rechtsstaatlichkeit zur Abschiebehaft. Der Rechtsbeistand für Geflüchtete soll abgeschafft werden. Das heißt, diese Menschen werden bei freiheitsentziehenden Maßnahmen nicht mehr anwaltlich vertreten, was ich als zutiefst rassistisch empfinde. Ich frage Sie: Wo ist hier die Rechtsstaatlichkeit? Wie stellen Sie sich das vor Gericht vor?

Wir werden diesen Rechtsbeistand in der Abschiebehaft abschaffen; das ist auch folgerichtig. Wer sich in Abschiebehaft befindet, hat alle rechtlichen Maßnahmen negativ durchlaufen und steht vor der Abschiebung, und deswegen muss die durchgeführt werden, meine Damen und Herren. Ich lasse zu dieser Hauptfrage drei Nachfragen zu. – Für die Fraktion der AfD hat Herr Stephan Brandner das Wort. Bitte.

AfD

Danke schön. – In der Ausgangsfrage ging es ja um Gemeinsamkeiten mit der oder Abgrenzung zur AfD, Herr Dobrindt. Im März 2018 haben Sie Ihren damaligen Parteichef Horst Seehofer verteidigt und wörtlich geäußert: „Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland“ – 20. März 2018. Und Sie haben gesagt, bei der Debatte über den Islam in Deutschland gäbe es einen Maulkorb. Wie steht der heutige Bundesinnenminister zu seiner Aussage aus dem Jahr 2018 – ich zitiere –: „Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland“?

Herr Brandner, es ist eine zulässige Aussage: Der Islam gehört zu Deutschland. Darf ich ausreden? Es ist eine zulässige Aussage: „Der Islam gehört zu Deutschland“, und es ist eine zulässige Aussage: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Ich will Ihnen an der Stelle unmissverständlich mitteilen: Menschen, die muslimischen Glaubens sind in Deutschland, die gehören auch zu diesem Land, wenn sie in dieser Gesellschaft gerne leben, sich integrieren wollen und mit uns leben wollen. Das ist unsere Haltung an dieser Stelle. Herr Brandner, es gibt jetzt keinen Dialog. – Für die Fraktion CDU/CSU hat jetzt Herr Abgeordneter Alexander Throm das Wort.

CDU/CSU

Herr Minister, die Kollegin der Linken hat ja auf angebliche Gemeinsamkeiten zwischen der CDU/CSU und der AfD verwiesen. Sie hat dabei insbesondere angeblich dauerhafte Grenzkontrollen benannt. Vielleicht können Sie einmal das Ziel und vor allem die Dauer von Grenzkontrollen darstellen; denn wir wollen die Freizügigkeit für die Freizügigkeitsberechtigten erhalten, gleichzeitig aber darauf drängen, dass dies nur im Rahmen des Notwendigen erfolgt.

Vielen Dank, dass ich noch einmal die Gelegenheit bekomme, darauf einzugehen. – Auch in dieser Frage war eine Unterstellung enthalten. Wir reden nicht davon, dass wir dauerhafte Grenzkontrollen an den Binnengrenzen Europas wollen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir wollen, dass Grenzkontrollen an den Binnengrenzen entfallen, indem wir das Migrationsgeschehen an den Außengrenzen der Europäischen Union bearbeiten. Für den Weg dahin brauchen wir die Binnengrenzkontrollen; aber langfristig müssen diese in Europa wieder entfallen. Es gibt jetzt noch eine Nachfrage: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Chantal Kopf, bitte.

Grüne

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundesinnenminister Dobrindt, Sie haben eben klargestellt, dass Sie sich auf Artikel 72 AEUV berufen. Da dieses Land ja nicht immer die besten Erfahrungen mit Ihrer freihändigen Interpretation von europäischem Recht gemacht hat, wollte ich noch mal nachhaken, auf welcher genauen Fakten- und Datenbasis Sie die Aktivierung von Artikel 72 AEUV hier in Betracht ziehen.

Schauen Sie, ich habe Ihnen die Normenkette noch mal verdeutlicht, weil ja Zweifel daran gehegt worden sind, ob ich sie genannt hätte; deswegen auch noch mal der Hinweis an dieser Stelle, um was es geht. Ich will Ihnen auch sagen, dass wir uns in unserer Debatte hier im Deutschen Bundestag in der letzten Woche genau darüber unterhalten haben. Ich habe davon gesprochen, dass Deutschland mit der Migration, die seit zehn Jahren in erheblichem Maße stattfindet, an vielen Stellen am Limit ist. Und dieses Limit rechtfertigt es schlichtweg, dass wir Maßnahmen ergreifen wie andere Länder auch. Österreich beispielsweise bezieht sich beim Aussetzen des Familiennachzuges auch auf den Artikel 72 AEUV. Deutschland tut das eben auch. Herzlichen Dank, Herr Minister. – Für die nächste Hauptfrage erteile ich das Wort dem Abgeordneten Martin Hess von der AfD.

AfD

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Minister, die Messerkriminalität in Deutschland nimmt stark zu. Im Jahr 2024 hatten wir 29 014 Delikte zu verzeichnen, das bedeutet 79 pro Tag. Es gab also alle 18 Minuten ein Messerdelikt. In der Folge sehen sich auch Polizeibeamte in ihrem Einsatzgeschehen immer häufiger mit Messertätern konfrontiert und sind aufgrund des Versagens des Pfeffersprays leider meist gezwungen, die Schusswaffe einzusetzen. Die Alternative für Deutschland fordert seit Jahren, dass auf diese Entwicklung reagiert wird und die Bundespolizei endlich mit dem DEIG, dem Distanzelektroimpulsgerät, umgangssprachlich „Taser“ genannt, ausgestattet wird. Ihre Vorgängerin von der SPD, Frau Faeser, hat sich dieser Ausrüstung beharrlich verweigert. Sie hat einen Prüfauftrag erteilt, obwohl die Unbedenklichkeit und die Effektivität des Tasers als Einsatzmittel längst nachgewiesen sind. Meine Frage an Sie: Werden Sie, notfalls auch gegen den Widerstand Ihres Koalitionspartners, der SPD, die Bundespolizei mit dem Taser ausstatten, und, wenn ja, bis wann konkret ist mit einer Ausstattung zu rechnen?

Erstens. Ich bin in einem engen Austausch mit unserem Koalitionspartner, und wir verständigen uns auf gemeinsame Projekte, die wir umsetzen wollen. So ist es auch in diesem Fall. Zweitens. Ich bin ein überzeugter Anhänger des Tasers. Ich bin der Überzeugung, dass der Taser eingesetzt und eingeführt werden soll. Wir werden das auch möglichst schnell tun, indem wir dafür sorgen, dass es in der Koalition eine Mehrheit für die Einführung des Tasers bei der Polizei gibt. Herr Hess, haben Sie eine Nachfrage? – Bitte schön.

AfD

Herr Minister, ich nehme zunächst erfreut zur Kenntnis, dass auch Sie die Auffassung der AfD-Fraktion teilen, dass Taser Bestandteil der Ausstattung der Bundespolizei sein müssen. Allerdings ist die Antwort, die Sie mir im Hinblick auf den zeitlichen Aspekt gegeben haben, natürlich nicht zufriedenstellend. Ich bitte Sie deshalb noch mal, darzustellen, mit welchem Zeithorizont bezüglich dieser Ausstattung grob zu rechnen ist: 6 Monate, 12 Monate, 24 Monate? Sehen Sie darüber hinaus, dass weitere Ausstattungsinstrumente erforderlich sind, insbesondere zum Beispiel stich- und schnitthemmende Schutzkomponenten?

Die Grundlage zur Einführung des Tasers wird in meinem Haus gerade vorbereitet. Ich kann Ihnen heute keinen zeitlichen Rahmen geben, wann das möglich sein wird. Der Hinweis, dass wir das umsetzen wollen, sollte für heute mal reichen. Zu Ihrem weiteren Hinweis, was die Ausstattung der Bundespolizei anbelangt, will ich Ihnen sagen: Wir haben größtes Interesse daran, dass die Bundespolizei gerade unter diesen Bedingungen die bestmögliche Ausstattung bekommt. Daran werden wir auch arbeiten. Ich sage aber: Bestmögliche Ausstattung ist das eine, maximale Rückendeckung aus der Politik das andere. Und das bekommt die Polizei von uns. Vielen Dank, Herr Minister. – Nachfragen liegen uns nicht vor. Damit kommen wir zu nächsten Hauptfrage. Für diese erteile ich dem Abgeordneten Stefan Seidler das Wort.

Fraktionslos

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Bundesinnenminister, es wird Sie nicht wundern, dass ich Sie zum Thema Minderheiten frage. Bereits in der Plenardebatte letzte Woche war es mir wichtig, die Zusammenführung der Minderheitenpolitik in Ihrem Haus anzusprechen. Grundsätzlich begrüße ich ja die Entscheidung, dass die Kulturförderung unserer nationalen Minderheiten aus dem Bundeskanzleramt ins BMI überführt wird. Bisher liegen mir aber keine Informationen vor, ob und in welchem Maße die Haushaltsmittel aus den Töpfen des BKM in Ihren Einzelplan überführt werden. Können Sie dazu etwas sagen? Und können Sie vielleicht auch sagen, ob das in gleicher Höhe vorgesehen ist, wie es bereits im Zuge der Aufstellung des Haushalts 2025 geschehen sollte?

Nein, Herr Kollege, darauf kann ich Ihnen keine abschließende Antwort geben. Die Umsetzung des Organisationserlasses ist gerade in Arbeit, das heißt, sie wird zwischen den Häusern abgestimmt. Was das im Detail bedeutet, auch bezüglich der Finanzen, kann ich jetzt nicht vorwegnehmen. Die Bundesregierung ist in Abstimmung mit dem Finanzministerium gerade dabei, die Beratung der Haushalte 2025 und 2026 im Kabinett und dann im Deutschen Bundestag vorzubereiten. Sobald der Organisationerlass entsprechend der Vereinbarung umgesetzt ist, können wir auch über die Finanzzahlen bessere Auskunft geben als heute. Kollege Seidler, haben Sie eine Nachfrage?

Fraktionslos

Ja, ich habe eine Nachfrage. – Danke schön, Herr Minister, wir sind dann gespannt auf die Antwort. – Die vorläufige Haushaltsführung stellt viele unserer ehrenamtlichen Organisationen, auch die Minderheitenorganisationen, vor enorme Herausforderungen. In einem Rundschreiben des BMF vom Montag wird darauf hingewiesen, dass die im Rahmen des Haushaltsverfahrens zum ersten Regierungsentwurf gemachten Beschlüsse des Haushaltsausschusses verbindlich berücksichtigt werden sollen. Gilt das analog auch für die in Ihr Haus überführten Titel? Vielleicht können Sie dazu schon etwas sagen.

Nein, auch dazu kann ich an dieser Stelle keine Aussage treffen. Aber es werden zurzeit Bedarfe identifiziert, die im Haus dann nicht nur angemeldet, sondern im bilateralen Verfahren mit dem BMF besprochen werden. Ich darf deswegen auch die Gelegenheit wahrnehmen: Wir sehen dringendsten Bedarf bei den Integrationsprogrammen, die aus unserer Sicht für dieses Jahr nicht ausreichend mitfinanziert werden. Wir stehen deswegen in einem engen Austausch mit dem BMF, um sicherzustellen, dass ausreichende Finanzierungen dafür noch in diesem Jahr bereitgestellt werden. Danke, Herr Minister. – Für eine weitere Nachfrage erteile ich das Wort dem Abgeordneten Mirze Edis von der Linken.

Linke

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister, bei einem Gespräch mit Menschen aus der Politik hat Herr Merz mal gesagt, dass Sie vernünftige Menschen an den Grenzen nicht anhalten werden, nur die unvernünftigen. Wie unterscheidet man zwischen vernünftigen und nicht vernünftigen Menschen? – Danke sehr.

CDU/CSU

Herr Minister Dobrindt, Sie haben in verschiedenen Beiträgen gerade die hohe Wertschätzung gegenüber den Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei kundgetan. Ich glaube, wir sind uns in diesem Hause alle einig, dass sie in einer herausfordernden Situation große Arbeit leisten. Jetzt ist Wertschätzung das eine; Sie sind auch hingefahren; einer Ihrer ersten Termine im Amt war bei der Polizei. Das andere ist, eine moderne taugliche Rechtsgrundlage für die Arbeit der Bundespolizei zu schaffen, aber auch der Sicherheitsbehörden insgesamt. Deswegen die Frage: Was planen Sie konkret im Hinblick auf die Modernisierung der Grundlage für die Arbeit der Bundespolizei, aber auch für die Sicherheitsbehörden insgesamt in Deutschland?

Vielen Dank, dass Sie darauf hingewiesen haben, dass ich an einem meiner ersten Tage im Amt die Gelegenheit wahrgenommen habe, die Polizistinnen und Polizisten der Bundespolizei im Einsatz an der Grenze zu besuchen. – Ich darf darauf hinweisen, dass ich auf eine hochmotivierte Gruppe von Polizistinnen und Polizisten gestoßen bin, die ihren Dienst sehr gerne und aus Überzeugung tun und auch sehr dankbar sind, dass sie diesen Dienst so tun dürfen; und wir dürfen dankbar sein, dass sie den zum Schutz und zur Sicherheit der deutschen Bevölkerung tun. Sie haben es formuliert: Es geht auf der einen Seite um Wertschätzung. Auf der anderen Seite geht es darum, dass wir auch die notwendigen Rahmenbedingungen für die Polizistinnen und Polizisten schaffen müssen. Wir wollen das Bundespolizeigesetz reformieren. Das ist aus meiner Sicht dringend notwendig. Es ist von 1994. Daran sieht man, dass digitale Möglichkeiten damals noch gar keine Berücksichtigung finden konnten. Mit der vorgesehenen Modernisierung im Bundespolizeigesetz wollen wir die Nutzung digitaler Möglichkeiten einbauen, zum Beispiel die Nutzung von Quellen-TKÜ, von künstlicher Intelligenz bei Nachverfolgungen. Das ist das, was wir umgehend umsetzen wollen, um die Bundespolizei auf einen modernen Stand zu bringen. Herzlichen Dank. – Haben Sie eine Nachfrage? – Bitte.

CDU/CSU

Vielen Dank. – Stichwort „digitaler Raum“: Vieles hat sich verlagert. Sie haben Instrumente angesprochen; die IP-Adressen-Speicherung ist ein weiteres. Was konkret versprechen Sie sich in diesem Zusammenhang in Richtung Einsatzmöglichkeiten, aber vielleicht auch in Richtung Effizienzsteigerungen bei den Sicherheitsbehörden?

Auch die IP-Adressen-Speicherung ist ein wesentliches Element. Es ist allerdings ein Element, das im Bereich des BMJ angesiedelt ist. Aber wir befinden uns in enger Abstimmung mit dem BMJ über diese Frage; denn ich bin der Überzeugung, dass das ein dringend notwendiges Mittel ist, um dafür zu sorgen, dass wir Täter identifizieren können. Heute ist es oftmals das einzige Mittel und die einzige Möglichkeit, um Verbrechen im digitalen Raum nachzuverfolgen und aufzudecken. Deswegen ist das eine der notwendigsten Maßnahmen, die wir gemeinsam umsetzen sollten. Vielen Dank, Herr Minister. – Die nächste Nachfrage hat Konstantin von Notz, Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister, ich will noch mal nachhaken; denn der Kollege Henrichmann hat meiner Ansicht nach die Frage anders gemeint. Es geht um Cybersicherheit. Und die Frage ist: Was tun Sie für die Cybersicherheit? Die Union hat im letzten Jahr die Gespräche zur Umsetzung von NIS 2 und zur Erhöhung der Cybersicherheit leider verweigert. Jetzt sind Sie sehr spät dran. Die Hütte brennt lichterloh. Was tun Sie wann, um die Cybersicherheit in Deutschland endlich zu erhöhen?

Sehr geehrter Herr von Notz, meiner Erinnerung nach war es die vergangene Regierung, die es nicht geschafft hat, dass KRITIS-Dachgesetz umzusetzen. Von daher sind wir nicht spät dran. Wir sind sehr früh dran, das, was Sie versäumt haben, nachzuholen, und das ist genau die Aufgabe, die wir wahrnehmen. Herr von Notz, es sind keine weiteren Nachfragen Ihrerseits möglich. – Es gibt eine letzte Nachfrage; dann kommen wir zur nächsten Hauptfrage. Kollegin Mihalic.

Grüne

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Innenminister Dobrindt, ich will da noch mal nachhaken. Sie haben die Frage des Kollegen Konstantin von Notz nicht beantwortet. Er hat auf die noch nicht erfolgte Umsetzung der NIS-2-Richtlinie hingewiesen. Sie haben auf die vergangene Bundesregierung verwiesen. Aber jetzt sind Sie an der Regierung, und wir haben Sie gefragt, was Ihre Bundesregierung und was Sie ganz speziell als Innenminister dafür tun, beabsichtigen und bereits geplant haben, um die Cybersicherheit in Deutschland zu erhöhen, auch angesichts der Umstände, in denen wir uns befinden.

Vielen Dank für die erneute Nachfrage. – Ich habe sehr konkret mich darauf bezogen, dass es unsere Aufgabe ist, die Versäumnisse der Regierung, der Sie angehört haben, jetzt zu korrigieren. Sie hatten die Chance, Sie haben es nicht gemacht. Wir werden NIS 2 und KRITIS-Dachgesetz umsetzen. Wir sind im Haus schon in der Vorbereitung, das ins Kabinett und in den Deutschen Bundestag zu bringen. Das ist selbstverständlich. Sie hätten es machen können. Sie haben es nicht geschafft. Wir werden es umsetzen. Vielen Dank, Herr Minister. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Dafür erteile ich das Wort der Abgeordneten Sandra Detzer, Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne

Sehr verehrter Herr Präsident! Ich frage den Bundesminister nach der Bedeutung seiner Grenzkontrollen für den europäischen Binnenmarkt. Der europäische Binnenmarkt ist zweifelsohne die Topdestination für europäische Unternehmen. Sie befinden sich momentan in einer wirtschaftlichen Schwäche und sind darauf angewiesen sind, dass der Warenfluss funktioniert. Aber das tut er gerade nicht. Wir haben erhebliche Probleme an den deutschen Grenzen aufgrund Ihrer Politik. Ich frage Sie deswegen kurz und bündig: Warum gewichten Sie die Aspekte aus dem CSU-Parteiprogramm, aber auch die europarechtswidrigen Grenzkontrollen höher als die Interessen der deutschen Wirtschaft und der deutschen Unternehmen? Aus Ihren bisherigen Ausführungen zu den innenpolitischen Herausforderungen habe ich keine Antwort entnehmen können.

Sehr geehrte Kollegin, ich muss jetzt schon noch mal darauf hinweisen: Diese Grenzkontrollen wurden in der vergangenen Wahlperiode an allen deutschen Grenzen eingeführt. Zugegebenermaßen: Sie haben lange gebraucht, bis Sie verstanden haben, dass das ein notwendiges Mittel gegen die illegale Migration ist; aber Sie wurden von Ihnen – spät, aber immerhin – eingeführt. Das, was wir an dieser Stelle machen, ist, diese Grenzkontrollen jetzt zu verstärken. Diese Grenzkontrollen dienen dazu, illegale Migration zurückzudrängen. Sie dienen nicht dazu, den Binnenmarkt in irgendeiner Weise übermäßig zu stören. Vielmehr achten wir durch intelligente Maßnahmen sehr darauf, dass der Warenverkehr funktioniert. Wir haben zum Beispiel stichprobenartige Kontrollen eingeführt, die dafür sorgen, dass der Warenverkehr bestmöglich läuft, aber auch ein Optimum an Aufklärung bei der illegalen Migration stattfindet. Von daher haben wir das, was Sie eingeführt haben, schlichtweg verbessert. Frau Kollegin Detzer, eine Nachfrage?

Grüne

Da Sie die Bedeutung für die Wirtschaft nicht erwähnt haben, gehe ich auch nach Ihrer Antwort weiter davon aus, dass Sie Ihre anderen Interessen über das Interesse der deutschen Wirtschaft stellen. Deswegen möchte ich an der Stelle konkret nachfragen – Sie haben drei Maßnahmen skizziert –: Was werden Sie konkret unternehmen, um die Belastung für die deutsche Wirtschaft so gering wie möglich zu halten?

Wir sind in einem engen Austausch. Ich halte nicht sehr viel davon, dass man die politisch notwendigen Ziele, die diese Bundesregierung vertritt – auf der einen Seite illegale Migration zu bekämpfen, auf der anderen Seite Wirtschaftswachstum wieder zu ermöglichen –, gegeneinander ausspielt. Wir bringen das gut zusammen: Wir haben einen funktionierenden Binnenmarkt, und gleichzeitig gehen wir den Kampf gegen die illegale Migration an. Mich überrascht, dass diese Frage von Ihnen kommt. Nach drei Jahren Rezession ist Ihnen zur Stärkung der Wirtschaft nichts anderes eingefallen, als eine Ampel zum Bruch zu bringen. Deswegen ist es nicht sehr ernst zu nehmen, wenn Sie über Wirtschaftswachstum in Deutschland reden. Die nächste Nachfrage kommt von Sandra Stein, Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne

Herr Innenminister Dobrindt, da Sie die Frage meiner Kollegin nicht beantwortet haben, frage ich noch mal nach. Mir wird gerade aus dem produzierenden Mittelstand von großen Sorgen berichtet. Die Unternehmen machen sich Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Transportkosten sind schon jetzt eine enorme Belastung für die Unternehmen. Lange Standzeiten werden diese Transportkosten noch mal in die Höhe treiben. Wie rechtfertigen Sie diese Belastungen für den deutschen Mittelstand?

Meine Gespräche mit dem produzierenden Mittelstand zeigen ein anderes Bild: Es zeigt sich als Erstes ziemlich viel Hoffnung, weil man das Gefühl hat, mit einer neuen Wirtschaftsministerin in Deutschland könnte wieder etwas vorwärtsgehen. Und als Zweites. Ich wohne in einer Grenzregion, bin im engen Austausch aber auch mit allen anderen Ländern an unseren Grenzen, und deswegen kann ich Ihnen versichern: Ihre Bedenken sind unbegründet. Herzlichen Dank. Vielen Dank. – Zur nächsten Nachfrage erteile ich das Wort dem Kollegen Throm.

CDU/CSU

Herr Minister, zunächst: Die Grünen sprechen offensichtlich mit ganz anderen Vertretern der Wirtschaft als wir. Ich bekomme sogar Lob für die Maßnahmen, die wir an der Grenze durchführen, insbesondere weil das Ganze auch so stattfindet, dass eben Rücksicht auf die Bedürfnisse genommen wird. Aber eine andere Frage – es geht um den sicherheitspolitischen Gewinn durch diese Grenzkontrollen; das beschäftigt uns neben dem Thema „irreguläre Migration und Grenzübertritt“ –: Welchen weiteren Vorteil haben denn die Grenzkontrollen, die bereits im letzten Jahr eingeführt wurden, Stichwort „Beifang“?

Im Rahmen der Grenzkontrollen stellen wir fest, dass es zu einem erheblichen Beifang kommt. Das heißt, es werden andere Straftaten aufgedeckt: Das ist im Bereich der Drogendelikte, das ist im Bereich des Waffenbesitzes, das ist im Bereich der nicht umgesetzten Strafbefehle, Haftbefehle. Man ist manchmal überrascht, was es alles an Aufgriffen dort an der Grenze gibt. Allein deswegen ist es notwendig, dass wir diese Kontrollen in der aktuellen Situation fortführen. Übrigens setzen auch unsere europäischen Nachbarn – es wird ja immer so getan, als sei Deutschland das Land der Grenzkontrollen – gerade jetzt auf die Verlängerung der Grenzkontrollen, auch deswegen, weil man hiermit gegen Kriminalität vorgehen kann, nicht nur gegen die illegale Migration. Herr Minister, aufgrund der Fülle der Nachfragen, die es jetzt noch gibt, würde ich noch eine zulassen und dann zur nächsten Hauptfrage voranschreiten. Konstantin von Notz hat das Wort.

Grüne

Herr Präsident! Herr Minister, zweite Regierungsbefragung, und Sie sagen: Bei den Grenzkontrollen mache ich eigentlich gar nichts anders als Nancy Faeser. – Das ist schon mal ganz lustig. Aber jetzt mal, um auf den Kern der Sache zu kommen: Wir haben Ihnen ja am Montag letzter Woche 18 Fragen gestellt. Sie haben bei praktisch allen die Fristen gerissen und haben das Parlamentsrecht, hier zu fragen, nicht ernst genommen. Und da wollte ich fragen: Ist das einfach der Holprigkeit Ihres Starts im Bundesinnenministerium geschuldet, oder liegt es daran, dass die Fragen doch etwas diffiziler sind, sodass Sie nicht in der Lage sind, die Fragefristen einzuhalten? Das hat nicht sehr viel mit der Hauptfrage zu tun, Herr Minister. Sie müssen das nicht beantworten.

Nein, aber es ist ja ein guter Hinweis. Also, wir wollen ja alle hier gut zusammenarbeiten, und deswegen: Fristen sollte man einhalten. Ich kenne aus meinem Haus nur die Bitte, dass man bei Ihnen um Verlängerung ersucht hat. Ich gehe mal davon aus – weil auch das ja hier zum guten Miteinander gehört –, dass man diese Verlängerung, wie üblich, zugesteht. Von daher glaube ich, dass wir das für mögliche weitere Fragen, die vielleicht im Laufe der nächsten Wochen und Monate von Ihnen noch kommen, dann so hinbringen, dass wir beide zufrieden sind. Herzlichen Dank, Herr Minister. – Die nächste Hauptfrage kann stellen Hendrik Bollmann, Fraktion der Sozialdemokraten.

SPD

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Meine Damen und Herren! Das Thema „Schrott- und Problemimmobilien“ spielt vor allen Dingen in Ballungsräumen, wie beispielsweise im Ruhrgebiet, eine erhebliche Rolle. Es vergiftet teilweise die Atmosphäre in Quartieren, manchmal in ganzen Stadtteilen. Jetzt ist deswegen dankenswerterweise im Koalitionsvertrag das Thema „Stärkung des Vorkaufsrechts für Kommunen“ verankert. Vielleicht, Frau Ministerin, könnten Sie skizzieren, welche Bedeutung das Ganze hat und in welcher Form das stattfinden würde.

Herr Kollege, Sie sprechen da ein ganz wichtiges Thema an. Wenn wir uns in Städten aufhalten, in Nachbarschaften, und uns dort umschauen, dann möchten wir, dass es schön ist und dass dort nicht Problem- und auch nicht Schrottimmobilien das Umfeld prägen. Deswegen ist es wichtig, dass wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben, dass wir das Vorkaufsrecht der Kommunen stärken. Es gibt ja jetzt auch schon ein theoretisches Vorkaufsrecht. Aber in der Praxis ist es eben sehr schwer, das dann auch umzusetzen, weil teilweise die Immobilie betreten werden muss. Und deswegen wollen wir dieses Recht stärken, sodass die Kommune auch zum Zuge kommt und dann eine Stadt entsteht, eine Nachbarschaft, in der man gut und gerne lebt. Möchten Sie eine Nachfrage stellen, Kollege? – Bitte.

SPD

Frau Ministerin, können die Mittel aus der Strukturförderung auch für die Aufwertung von Problem- und Schrottimmobilien genutzt werden?

Das ist eine sehr gute Idee. Da muss man sich im Einzelfall das Programm anschauen: Ist es ein europäisches, ist es ein nationales, ein regionales? Dabei sollte man sich ganz detailliert die Förderbedingungen anschauen. Wir unterstützen Sie gerne dabei, wenn Sie eine konkrete Frage zum Ruhrgebiet haben. Vielen Dank, Frau Ministerin. – Für eine weitere Nachfrage erteile ich das Wort der Kollegin Mirow.

Linke

Vielen Dank. – Da würde ich gerne nachfragen. Haben Sie denn vor, dieses kommunale Vorkaufsrecht zum Beispiel auch in Milieuschutzgebieten künftig zu stärken? Denn gerade dort sehen wir auch dringenden Handlungsbedarf.

Danke für Ihre Nachfrage. – Ja, das Vorkaufsrecht allgemein müssen wir stärken, und auch in den Milieuschutzgebieten haben wir das vor. Wir werden uns das mit den Schrottimmobilien gemeinsam anschauen, damit die Kommune einfach einen Baukasten hat, dort auch zu reagieren und proaktiv tätig zu werden. Vielen Dank. – Kollegin, Sie könnten auch, wenn Sie mögen, stehen bleiben; denn für die nächste Hauptfrage erteile ich das Wort der Kollegin Mirow von der Linkspartei. Frau Mirow, wenn Sie mögen, können Sie jetzt die nächste Hauptfrage stellen. Bitte.

Linke

Danke. – Meine Frage richtet sich an Ministerin Hubertz. Sehr geehrte Frau Hubertz, Wohnungslosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das dringend und entschlossen angegangen werden muss. Teilen Sie diese Einschätzung, und was planen Sie, um der steigenden Wohnungslosigkeit zu begegnen, gerade auch mit Blick auf die Dunkelziffer von wohnungslosen Menschen? Und wie wollen Sie insbesondere junge wohnungslose Menschen und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Wohnungslosigkeit, die allzu oft aus den Hilfsstrukturen herausfallen, künftig besser unterstützen?

Ich bin meiner Vorgängerin Klara Geywitz und dem Ministerium sehr dankbar, dass wir dies erstmals in der letzten Legislatur mit einem Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit adressiert haben. Wir verfolgen da den sogenannten Housing-First-Ansatz. Er besagt, dass jeder und jede die Möglichkeit eines Dachs über dem Kopf bekommen sollte. Wir müssen aber auch schauen, dass man gar nicht erst in der Wohnungslosigkeit landet, dass also eine Zahlung, die man verpasst, nicht zum Kündigen der Wohnung führt und dass dann eben der Hinauswurf auf die Straße der nächste Schritt ist. Das Thema „Wohnungslosigkeit von Jugendlichen und von Migranten“ ist eins, das wir ebenfalls in dem Aktionsplan adressieren. Da brauchen wir auch eine starke Zusammenarbeit, weil die Dunkelziffer oftmals gar nichts besagt. Da sprechen Sie etwas sehr Wichtiges an. Das ist etwas, woran wir arbeiten und worauf wir auch aufbauen werden. Herzlichen Dank. – Für eine Nachfrage erteile ich Ihnen ein weiteres Mal das Wort.

Linke

Vielen Dank. – Lassen Sie mich da nachhaken; denn es ist ja so, dass rund ein Drittel aller Menschen ohne Unterkunft keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, und gerade der von Ihnen angesprochene Nationale Aktionsplan sieht an der Stelle lediglich Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt vor, aber nicht in den Wohnungsmarkt. Und da wäre für mich die Frage, wie Sie diese Lücke künftig schließen wollen.

Für mich verdienen die Menschen Unterstützung, die sie wirklich brauchen. Ich kenne das zum Beispiel aus dem Benedikt-Labre-Haus in Trier – es wird von der Caritas betrieben; es liegt in einer Grenzregion –, wo vielen geholfen wird, die aus anderen Ländern kommen. Deswegen müssen wir Einrichtungen wie genau diese dabei unterstützen. Für Menschen, die so viele Probleme zu lösen haben, um wieder einen geregelten Alltag zu haben, ist der Eintritt in den Arbeitsmarkt vielleicht nicht direkt das erste Ziel. Herzlichen Dank. – Die nächste Nachfrage geht an Caren Lay, Linkspartei.

Linke

Viele der kleineren Maßnahmen im Nationalen Aktionsplan unterstützen wir; aber entscheidend wird es ja sein, ob es gelingt, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Investitionsprogramm, das beschlossen wurde, ist bisher aber kein Sondervermögen für bezahlbaren Wohnraum vorgesehen, obwohl es der Deutsche Mieterbund und auch die Gewerkschaften fordern. Werden Sie sich also dafür einsetzen, dass aus diesem Investitionsprogramm ein Sondervermögen für bezahlbaren Wohnraum geschaffen wird und deutlich mehr in sozialen gemeinnützigen Wohnungsbau investiert werden wird?

Ich bin unserem Kanzler und auch dem Vizekanzler und Finanzminister sehr dankbar, dass alle adressiert haben: Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Und wie wir das in welchem Programm wie lösen, das müssen wir jetzt in den Haushaltsberatungen miteinander hinkriegen. Wichtig ist, wir müssen massiv investieren. Wichtig ist, wir müssen mehr investieren. Vielen Dank. – Wir kommen zur nächsten Hauptfrage. Die geht an Marc Bernhard von der AfD-Fraktion.

AfD

Frau Ministerin, in Deutschland fehlen 800 000 Wohnungen. Eigentlich müssten jedes Jahr 400 000 Wohnungen neu gebaut werden. In den dreieinhalb Jahren, die Ihre Vorgängerin amtierte, ist die Fertigstellungsquote bei neugebauten Wohnungen jedes Jahr zurückgegangen: von ursprünglich 300 000 bei Amtsübernahme auf nur noch 150 000 bis 175 000, die in diesem Jahr erwartet werden. Jetzt ist meine konkrete Frage: Wie viele Wohnungen wollen Sie denn in den nächsten Jahren während Ihrer Amtszeit bauen? Und vor allem: Was werden Sie anders machen als Ihre Vorgängerin, um nicht auch an diesem Thema zu scheitern?

Ja, so richtig Lust habe ich nicht, darauf zu antworten. Wir haben ja in den letzten drei, vier Jahren nicht im luftleeren Raum Politik gemacht. Wir hatten Inflation, wir hatten die Energiepreiskrise, wir hatten Krieg in der Mitte unseres Kontinents. Deswegen ist es nicht richtig, dass wir eine Zahl in Stein meißeln und ihr vier Jahre hinterherlaufen, sondern wir brauchen regionale, wir brauchen bedarfsorientierte Prognosen. Und wir müssen so viel Tempo an den Tag legen, dass jetzt alles dafür getan wird, Bauüberhang abzubauen und schnell zu bauen, und wir müssen alles in die Waagschale werfen, damit wir bei den Zahlen wieder hochkommen. Und ich darf Sie beruhigen: Ganz so schlimm, wie Sie immer alles skizzieren, wird es dann auch nicht.

AfD

Genau, irgendetwas Konkretes habe ich jetzt nicht gehört. Konkrete Maßnahmen wären einmal angesagt! Was wollen Sie jetzt eigentlich konkret tun? Eines ist doch klar: Warum wird in Deutschland nicht gebaut? Weil die Baukosten zu hoch sind. – Wir haben vorhin schon gehört, dass 40 Prozent der Baukosten staatlich verursacht sind. Und das sind im Wesentlichen: Energievorschriften, Dämmvorschriften und steuerliche Belastungen. Jetzt frage ich Sie: Was werden Sie in diesen Bereichen tun, um Bauen in Deutschland wieder bezahlbar zu machen? Und bitte konkret antworten und hier nicht irgendwelche wolkigen Märchen erzählen! Was werden Sie konkret tun, um an diesem Thema nicht genauso zu scheitern wie Ihre Vorgängerin?

Sie haben in den letzten 90 Minuten irgendwie nicht richtig zugehört. Wir haben hier über sehr viele sehr konkrete Maßnahmen gesprochen: vom Bau-Turbo bis zum Gebäudetyp E. Ich sage hier ganz klar für die Regierung, für mein Haus, aber auch für die Sozialdemokratie: Wir werden nie die Menschen und den Klimaschutz gegeneinander ausspielen. Denn es geht beides zusammen: ein nachhaltiges Bauen und ein bezahlbares Bauen. Daran können Sie mich am Ende meiner Amtszeit messen. Vielen Dank. – Es gibt eine erste Nachfrage von Michael Kießling, Union.

CDU/CSU

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie haben ja in Ihren Ausführungen zu Anfang der Regierungsbefragung das Thema „nachhaltiges Bauen/Bauen mit Holz“ herausgestellt. Wie sehen Sie das Potenzial des Holzbaus? Beim Wohnungsbau liegt der Anteil bei ungefähr 5 Prozent. Welche Auswirkungen könnte der Holzbau auf den mehrgeschossigen Wohnungsbau haben? Und natürlich auch: Wie stehen Sie zur Technologieoffenheit im Bereich des Materialeinsatzes?

Herzlichen Dank für die progressive Nachfrage, über die ich mich sehr freue. Es werden schon Hochhäuser aus Holz gebaut, zum Beispiel in Kaiserslautern. Aus Holz kann man alles bauen, sogar Feuerwachen. Aber wir dürfen uns, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, natürlich nicht auf ein Material versteifen. Es gibt viele nachwachsende Rohstoffe, die übrigens dann auch für die Landwirtschaft noch mal neue Erlösmodelle bieten. Deswegen sage ich: Wir müssen uns den kompletten Lebenszyklus anschauen, den kompletten CO2-Fußabdruck. Da hilft Holz natürlich gewaltig dabei mit, CO2 zu speichern und den Gebäudesektor, der ja noch kein großer Treiber bei der Dekarbonisierung ist, schrittweise klimaneutral zu gestalten. Und man kann schön und gerne in Holzhäusern wohnen. Vielen Dank. Die nächste Nachfrage kann Sylvia Rietenberg von Bündnis 90/Die Grünen stellen.

Grüne

Sehr geehrte Frau Ministerin, die Preise am Wohnungsmarkt steigen; das haben wir gerade schon gehört. Mich würde interessieren, was Sie vorhaben, dagegen zu unternehmen. Und da geht es ja nicht nur um die Baukosten, sondern auch die steigenden Bodenpreise stellen ein erhebliches Hemmnis dar. Welche Maßnahmen planen Sie also für eine Senkung der steigenden Bodenpreise?

Herzlichen Dank für Ihre Nachfrage. – In der Tat dürfen wir nicht nur über die Hülle und die Energie sprechen, sondern müssen auch über Grund und Boden sprechen, die einen sehr großen Anteil ausmachen. Mein Haus arbeitet an dem Thema Erbbaurecht/Erbpacht. Also: Muss ich eigentlich Grund und Boden per se besitzen? Oder können wir auch über Pacht durch kommunale Hand oder andere Stiftungen und Trägerschaften neue Modelle des Wohnens erarbeiten? Das ist ein sehr interessanter Ansatz, den ich auch weiter vertiefen und verfolgen will. Wir arbeiten zum Beispiel daran, dass unser Ministerium einen Mustererbpachtvertrag zur Verfügung stellt, damit sich nicht jede Kommune aufs Neue mit dem Thema beschäftigen muss. Vielen Dank. – Die nächste Nachfrage kann Wilhelm Gebhard von der Union stellen.

CDU/CSU

Herr Präsident! Herzlichen Dank, dass ich diese Frage stellen kann. – Frau Ministerin, erst mal merkt man, dass mit Ihnen ein neuer Drive in der Sache ist; darüber freuen wir uns. Viel Erfolg bei Ihrer Aufgabe! Aber ich habe noch mal konkret eine Nachfrage. Ich bin ein Kind des ländlichen Raums, und der ländliche Raum fehlt mir an dieser Stelle, wenn wir über sozialen Wohnungsbau sprechen. Der ländliche Raum bietet unglaublich viel Potenzial. Denn dort sind sehr viele Leerstände zu beklagen; das weiß ich aus meiner langjährigen Tätigkeit. Deshalb die Frage an Sie: Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie ergreifen, welche Förderprogramme, welche Anreizprogramme möchten Sie zum Beispiel gestalten, um tatsächlich den ländlichen Raum zu stärken, um auch das dortige Potenzial zu nutzen? Dann müssten wir auch weniger über sozialen Wohnungsbau in den Großstädten sprechen. – Danke.

Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie diesen Aspekt hier noch mal nach vorne bringen. Auch ich komme aus dem ländlichen Raum und weiß sehr gut, was Sie meinen. In den Dörfern gibt es ja die Situation: Es gibt ein Neubaugebiet und den Dorfkern, wo dann irgendwie keiner so richtig das Bauernhaus oder ein altes Gebäude übernehmen will. Deswegen haben wir das Programm „Jung kauft Alt“. Wir gucken uns gerade auch noch mal an, wie wir das ein bisschen besser anpassen und weiterentwickeln können. Städtebauförderung, das klingt immer sehr groß; aber sie adressiert auch die kleinen Regionen, die kleinen Gemeinden. Da kann man jede Menge machen, wenn es darum geht, wie das Miteinander organisiert wird. Die ländlichen Regionen werden also in meinem Haus nicht vergessen. Vielen Dank. – Die letzte Nachfrage zu diesem Themenkomplex hat Pascal Meiser für die Linksfraktion.

Linke

Vielen Dank. – Frau Ministerin, Klimaschutz und Wohnungspolitik müssen zusammengedacht werden. Wir haben momentan aber die Situation, dass die klimaschutzorientierte Sanierung des Wohnungsbestands zulasten der Mieterinnen und Mieter geht. Also die Mieten explodieren auch aufgrund der Umlagefähigkeit der entsprechenden Kosten. Können Sie garantieren, dass es im Zuge dieser notwendigen klimaneutralen Sanierung des Wohnungsbestandes nicht zu einer weiteren Erhöhung der Warmmieten kommt? Und was halten Sie davon, die Warmmieten entsprechend auf der Höhe zu deckeln, auf der sie sind, wenn es zu entsprechenden Modernisierungsmaßnahmen kommt, und die darüber hinausgehende Umlage der Kosten zu untersagen?

Wir haben noch vor, eine richtige Mammutaufgabe anzugehen, nämlich wie wir Vermieter dabei unterstützen, dass sie die Maßnahmen ausführen, aber die Mieter/-innen dabei nicht überfordern. Bei dem Heizungsgesetz, über das man viel schimpfen kann, finde ich, ist uns eine gute Sache gelungen: Wir haben zwar eine neue Modernisierungsumlage eingeführt, die haben wir aber bei 50 Cent gedeckelt. Grüße an Kevin Kühnert; der hat das für uns verhandelt. In diese Richtung müssen wir denken, damit die Kosten dann nicht zu einer Überforderung führen. Aber wir müssen natürlich auch Unterstützungsangebote machen, damit die Sanierung überhaupt angegangen wird. Und da brauchen wir kluge Ideen, damit beide Interessen dann auch zusammengeführt werden können und man nachher in einer gut sanierten Wohnung wohnt. Vielen Dank, Frau Ministerin. – Die voraussichtlich letzte Hauptfrage, die wir heute schaffen, kann Siegfried Walch für die Fraktion CDU/CSU stellen.

CDU/CSU

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Frage geht an den Bundesinnenminister. Ich bin sehr, sehr froh, dass mittlerweile illegale Migration konsequent bekämpft wird. Ich bin sehr froh, dass Extremismus aller Arten konsequent durch den Bundesinnenminister und die Bundesregierung bekämpft wird. Ich möchte aber auf einen Themenkomplex zu sprechen kommen, der in den letzten Jahren in Deutschland an Qualität und Quantität stark zugenommen hat – Stichwort „Clankriminalität in Deutschland“. Mich würde interessieren: Was hat das Bundesinnenministerium, was hat die Bundesregierung vor, und welche Prioritätensetzung genießt das Thema Clankriminalität? Wir müssen alles dafür tun, dass dieser Form der Organisierten Kriminalität in Deutschland der Boden entzogen wird und dass Deutschland hier wieder sicherer wird. Mich würden Ihre Ausführungen hierzu interessieren. – Vielen Dank.

Lieber Kollege Sigi Walch, herzlichen Dank dafür. – Die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und der Clankriminalität ist auch in dieser Wahlperiode eine der Hauptaufgaben in der Sicherheitspolitik. Uns geht es vor allem darum, dass wir die Möglichkeit haben, die Clankriminalität finanziell auszutrocknen. Wir haben ja die Situation, dass unglaubliche Summen an Geld durch kriminelle Machenschaften, durch kriminelle Energie generiert werden. Dadurch, dass wir in jedem Einzelfall von staatlicher Seite den Nachweis erbringen müssen, dass es sich hierbei um Geld handelt, das kriminell erwirtschaftet worden ist, haben wir oftmals die Schwierigkeit, dass diesen Systemen das Geld nicht entzogen werden kann. Deswegen werbe ich sehr dafür, dass wir eine Beweislastumkehr einführen und damit die Möglichkeit schaffen, den Clans, den kriminellen Banden ihre finanziellen Mittel zu entziehen. Das ist der empfindlichste Punkt, an dem wir die Clankriminalität treffen können, um gegen sie vorzugehen, wenn wir ihr die finanzielle Grundlage für ihr kriminelles Handeln entziehen. Herzlichen Dank, Herr Minister. – Haben Sie eine Nachfrage?

CDU/CSU

Lieber Herr Minister, es wurde ja schon die Frage nach der IP-Adressen-Speicherung gestellt. Die würde ich hier jetzt gerne noch konkret im Zusammenhang mit Clankriminalität anschließen: Welche Rolle spielt sie hier und wie wichtig ist sie, damit das Bundesinnenministerium handlungsfähig ist und hier Sicherheit herstellen kann?

Ich würde die Speicherung von IP-Adressen und die Quellen-TKÜ in einem Zusammenhang sehen. Es ist klar, dass wir hier mit normalen Ermittlungsmethoden im Bereich der Telekommunikationsüberwachung nicht mehr weiterkommen; die Clanstrukturen haben sich schon lange darauf eingestellt. Deswegen ist es auch ein zentraler Bestandteil des Kampfes gegen das Verbrechen, bei solchen kriminellen Strukturen die Quellen-TKÜ anwenden zu können und Zugriff auf IP-Adressen zu bekommen, um ein klares Stoppsignal zu setzen und zu zeigen: Wir gehen den Kampf gegen die Clankriminalität an. Herzlichen Dank. – Zu einer letzten Nachfrage in der heutigen Befragung der Bundesregierung erteile ich das Wort Marlene Schönberger, Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne

Sehr geehrter Herr Minister, im Kontext „Extremismus und Clankriminalität“ möchte ich noch mal über das bereits thematisierte Verbot des sogenannten „Königreichs Deutschland“ sprechen. Das war ein längst überfälliger Schlag gegen die sogenannte Reichsbürger- und Selbstverwalterszene. Das Weltbild dieser Szene ist zutiefst von Antisemitismus geprägt, und dieses Weltbild verbreitet sich in der ganzen Gesellschaft, bis weit in die Mitte hinein. Daher würde ich gerne fragen: Was plant die Bundesregierung, um gegen diese Verbreitung vorzugehen?

Vielen Dank auch für diese Nachfrage. – Ich habe gestern bei der Vorstellung der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität längere Ausführungen darüber gemacht, weil die Kriminalität in dem Bereich, den Sie angesprochen haben, also was Judenhass und Antisemitismus anbelangt, leider massiv steigt, übrigens sowohl im rechtsradikalen Bereich als auch in Bereichen des importierten Antisemitismus. Deswegen muss von uns immer das klare Signal ausgehen: Antisemitismus, egal welcher Art, egal aus welcher Richtung, hat in Deutschland keinen Platz und wird massiv bekämpft. Wir werden dafür sorgen, dass Menschen, die in Deutschland mit antisemitischen Straftaten auffallen, obwohl sie keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, dieses Land wieder verlassen müssen.

Redner nach Fraktion