Antrag

9 Beratung des Antrags der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Olympische und Paralympische Sommerspiele – Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen

9 Beratung des Antrags der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Olympische und Paralympische Sommerspiele – Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen

4. Dezember 2025·Sitzung 47··Als Markdown herunterladen

Zusammenfassung

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Reden (15)

CDU/CSU

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! „Ich erkläre die Spiele für eröffnet!“: Ich bin der festen Überzeugung, dass Millionen von Menschen in Deutschland, aber auch weit darüber hinaus diesen Satz unheimlich gerne in einigen Jahren anlässlich der Eröffnung der Olympischen und der Paralympischen Spiele in unserem Land hören würden. Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist mittlerweile 53 Jahre her, mehr als ein halbes Menschenleben, dass Deutschland das letzte Mal Austragungsort von Olympischen Sommerspielen – 1972 in München – war. Mir persönlich geht es so: Wenn ich in Südbayern unterwegs bin und ältere oder älter werdende Menschen treffe, werde ich immer wieder auf dieses Ereignis angesprochen. Viele hatten damals ein Mal die Gelegenheit, Zuschauer im Olympiastadion zu sein, die Leichtathletikwettbewerbe zu sehen, in der Olympiahalle die Schwimmwettbewerbe mitverfolgen zu können. Das sind Erlebnisse – auch wenn sie nur einen Tag betreffen –, die viele Menschen ihr Leben lang nicht losgelassen haben und begleiten. Was ist seitdem passiert? Deutschland hat sich siebenmal erfolglos um Olympische Spiele – Sommer- und Winterspiele – beworben. Aus unterschiedlichen Gründen sind all diese Bewerbungen gescheitert. Deutschland ist das einzige G7-Land, das in den letzten 50 Jahren nicht Austragungsort von Olympischen und Paralympischen Spielen war. Ich bin der festen Überzeugung: Es wird höchste Zeit für eine erneute Bewerbung. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bin auch der festen Überzeugung: Olympische Sommerspiele und Paralympische Sommerspiele in Deutschland wären nicht nur großartige Ereignisse für ein paar Tausend Athletinnen und Athleten, für Funktionäre, für Politiker, sondern böten auch in vielfältiger Hinsicht die herausragende Möglichkeit, unser Land wieder zusammenzuführen. Ich sage ganz offen: Gerade in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft immer weiter auseinanderdiffundiert, in der die Polarisierung – leider teilweise auch die Radikalisierung – in unserer Gesellschaft immer mehr zunimmt, könnte die Austragung solcher Ereignisse – Olympische und Paralympische Spiele – in besonderer Weise mit dazu beitragen, unser Land wieder zusammenzuführen und die Bevölkerung hinter diesem Ereignis zu vereinen. Und ich bin auch der Überzeugung – und ich glaube, das haben gerade auch die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris im letzten Jahr sehr eindrucksvoll bewiesen –, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele nichts von ihrer Faszination verloren haben. Ganz im Gegenteil! Ich glaube, es steht unserem Land auch gut zu Gesicht, dass wir uns als gastfreundliches, weltoffenes Land präsentieren und damit auch dem IOC ein Angebot machen. Ich glaube, gerade weil in der letzten Vergangenheit auch autoritäre Staaten bzw. sogar Diktaturen Austragungsorte von Olympischen und Paralympischen Spielen waren, wäre es auch ein Angebot an das IOC, dass mit Deutschland ein demokratisches, ein rechtsstaatliches, ein weltoffenes und gastfreundliches Land wieder Gastgeber von Olympischen und Paralympischen Spielen wird. Wir haben vier Konzepte, die auf dem Tisch liegen. Bis zum 26. September nächsten Jahres läuft der Prozess, und dann wird in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds entschieden, mit welchem Konzept, mit welcher Stadt wir uns bewerben. Ich sage ganz offen: Egal ob es München, ob es Köln, ob es Hamburg oder ob es Berlin wird – in jeder dieser Städte und Regionen können Olympische und Paralympische Spiele ausgetragen werden. Was aus meiner Sicht sehr wichtig ist: dass wir die Bevölkerung davon überzeugen, dass Olympische und Paralympische Spiele einen Mehrwert für uns alle, für die Gesellschaft, bringen, was die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur anbelangt, was insbesondere die Stärkung des Behindertensports anbelangt. Deswegen sind mir auch die Paralympischen Spiele in diesem Kontext so wichtig. Was die Themen „Barrierefreiheit“ und „Inklusion von Menschen mit Behinderung in den Sport und in unsere Gesellschaft“ anbelangt, sind Paralympische Spiele mittlerweile unverzichtbar und ein ganz enger Partner der Olympischen Spiele. Was aus meiner Sicht auch sehr wichtig ist: dass wir die Bevölkerung davon überzeugen, dass es auch insgesamt ein Mehrwert für unsere gesamte Gesellschaft ist, sich für Olympische und Paralympische Spiele zu bewerben. Ich bin der Münchner Bevölkerung sehr dankbar, dass vor etwas mehr als einem Monat ein klares Votum gegeben wurde. Zwei Drittel der Münchnerinnen und Münchner haben sich bei einer beeindruckenden Wahlbeteiligung von 42 Prozent für eine Bewerbung ausgesprochen. Das ist ein klares Signal. Das gibt der olympischen Bewegung in Deutschland insgesamt Rückenwind. Und ich bin der Überzeugung: Deutschland kann Olympische Spiele, Deutschland kann Sportgroßveranstaltungen. Gestern hat uns die UEFA den Zuschlag für die Fußball-EM der Frauen 2029 gegeben. Das ist auch ein schönes Ereignis. Deshalb: Lasst uns hier im Deutschen Bundestag ein großes Zeichen der Geschlossenheit senden, – Sie müssen zum Ende kommen, bitte. – wenn es darum geht, dass sich Deutschland endlich wieder einmal erfolgreich um Olympische und Paralympische Spiele bewirbt! Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Jörn König für die AfD-Fraktion.

AfD

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Sportler! Als wir, die Alternative für Deutschland, im Jahr 2017 in den Deutschen Bundestag einzogen, war eine unserer ersten Forderungen, endlich wieder Olympische Spiele, Sommer- wie Winterspiele, nach Deutschland zu holen. Wir haben die Forderung später mit konkreten Anträgen hier im Deutschen Bundestag unterlegt. Sie alle haben diese Anträge komplett abgelehnt. Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland sind schon über 50 Jahre her. In allen anderen G7-Staaten fanden in dieser Zeit zum Teil mehrfach Olympische Spiele statt: in den USA viermal, in Kanada dreimal, in Frankreich, Italien und Japan je zweimal und in Großbritannien immerhin einmal. Der deutsche lOC-Präsident Thomas Bach hat seine Amtszeit nach zwölf Jahren beendet. Sie, die verantwortlichen Sportpolitiker und Funktionäre, haben es tatsächlich geschafft, diese lange Amtszeit verstreichen zu lassen, ohne dass Deutschland Olympische Spiele bekommen hätte. Was für ein Armutszeugnis! Jetzt plötzlich die Kehrtwende: Die etablierte Politik will Olympische Spiele nach Deutschland holen. Es ist ja gut, dass Sie endlich AfD-Politik machen. Aber warum dauert das immer so lange, bis Sie es endlich auch einsehen? Zur Wahrheit gehört auch, dass Sie in den acht Jahren, die seit 2017 vergangen sind, Deutschland völlig runtergewirtschaftet haben. Es ist ein anderes Land geworden. Die illegale und völlig unkontrollierte Zuwanderung, die unsägliche Energiewende und die völlig falsche Priorisierung, dass Deutschland immer den Weltretter und Zahlmeister spielt, führten dazu, dass Deutschland heute eine verfallene und marode Infrastruktur hat. Deutschland wird inzwischen in vielen Bereichen vom Ausland einfach ausgelacht. Sie wollen aber trotzdem keine ernsthaften Reformen angehen. Sie machen einfach Schulden, nämlich in vier Jahren 1 Billion Euro. Und Sie hoffen irgendwie, dass das alles vorbeigeht. Dass diese Schulden den Euro töten werden, blenden Sie völlig aus. Wenn man das Ganze jetzt historisch betrachtet, dann muss man sagen, dass die DDR in ähnlicher Lage – völlig überschuldet und marode – plötzlich auch von Olympischen Sommerspielen, nämlich in Leipzig, anfing zu reden. Selbst diese historische Analogie wird von Ihnen gar nicht wahrgenommen. Bei der Infrastruktur nur ein Beispiel: Die Deutsche Bahn fährt oder fährt nicht. So genau weiß das eben niemand. Die österreichischen Fans haben bei der Fußball-EM nach ein paar Negativerlebnissen die Deutsche Bahn mit drastischen Fangesängen verhöhnt. Wie soll diese versagende Bahn jetzt auch noch zusätzlich die Olympiazuschauer sicher und pünktlich befördern? Die einstürzenden und gesperrten Brücken sind so peinlich, dass ich sie lieber gar nicht erst erwähne. Weiterhin haben wir heute große Probleme mit der inneren Sicherheit, auch als „Stadtbild“ umschrieben. Wir hatten schon 1972 bei Olympia ein Attentat von palästinensischen Terroristen; elf israelische Olympiateilnehmer wurden ermordet. Die Nachfolger dieser Terroristen werden heute sogar von den linken Parteien hier im Hohen Hause hofiert und unterstützt. Schlimmer noch: Es gibt sogar immer wieder deutsches Steuergeld für die Behörden in Gaza. Kurzum: Wir sollten erst mal kleinere Brötchen backen, und das sind Olympische Winterspiele. Deshalb haben wir unseren Antrag für die Winterspiele beigestellt. Diese kosten nur 100 Millionen Euro statt etwa 12 Milliarden Euro für Sommerspiele. Die Sportstätten sind vorhanden, Neubauten nicht notwendig. Das wäre eine Veranstaltung in der Größenordnung wie die European Championships, die mit sehr großem Erfolg 2022 in München stattfanden. Die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036 gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach Asien. Auch für die Sommerspiele 2040 und 2044 stehen schon Kandidaten auf der Liste, die das IOC gerne sehen würde. Deutschland steht da nicht mit an der Spitze. Trotzdem müssen wir uns auch für alle noch nicht vergebenen Olympischen und Paralympischen Sommerspiele kontinuierlich bewerben, wenn wir in Deutschland überhaupt irgendwann mal wieder Olympische und Paralympische Spiele bekommen wollen. Deshalb werden wir trotz aller Bauchschmerzen dem Antrag für Sommerspiele – Olympia wie Paralympics – zustimmen und die Bewerbung auch voll unterstützen. Wir bitten natürlich im Gegenzug genauso um Zustimmung zu unserem Antrag für Olympische Winterspiele. Sport frei und vielen Dank! Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Bettina Lugk für die SPD-Fraktion.

SPD

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute einen Antrag, der auf den ersten Blick ein sportpolitisches Anliegen ist, aber auf den zweiten Blick weit darüber hinausgeht: die deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Sommerspiele und damit die Bewerbung für das größte Sportereignis der Welt – ein Ereignis, von dem wir überzeugt sind, dass es unser Land bereichern und wichtige Impulse für den Sport, aber auch für unsere gesamte Gesellschaft liefern würde. Dass der Antrag heute von den Koalitionsfraktionen und von Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam eingebracht wurde, ist ein deutliches Signal, dass es fraktionsübergreifende Unterstützung für eine deutsche Bewerbung gibt. Deutschland hat seit den Spielen 1972 in München keine Olympischen Spiele mehr ausgerichtet, und das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her. Es ist wieder an der Zeit, zumal wir längst bewiesen haben, dass wir herausragende Großveranstaltungen ausrichten können. Diese Liste ist lang und beeindruckend, auch wenn man nur auf die jüngsten Ereignisse schaut: Da gab es die European Championships in München 2022, die Special Olympics World Games 2023 in Berlin, die Fußballeuropameisterschaft der Männer im vergangenen Jahr und in diesem Jahr die FISU World University Games in NRW und Berlin. Und aktuell erleben wir natürlich eine wunderbare Handballweltmeisterschaft der Frauen, die wir gemeinsam mit den Niederländern austragen. Die Veranstaltungen zeigen eindrucksvoll: Deutschland ist ein verlässlicher Gastgeber für internationale Sportgroßereignisse. Wir verfügen über Organisationsteams, die Erfahrung haben, und über Volunteers, die es immer wieder nicht lassen können, sich aktiv einzubringen und ehrenamtlich zu engagieren. Die Spiele sind das größte Sportereignis der Welt, ein globales Fest wie kein anderes, das für Vielfalt, für Begegnung und internationale Verständigung steht – also genau das Gegenteil von dem, wofür die AfD-Politik steht. Die Spiele in Paris haben eindrucksvoll gezeigt: Wettkämpfe am Eiffelturm, eine Eröffnungsfeier auf der Seine, mehr als 12 Millionen verkaufte Tickets, Millionen Menschen in den Fanzonen. Das war nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis, das Trainern, das Athleten, das uns allen im Gedächtnis bleiben wird. Paris hat die Spiele mitten in die Stadt geholt und damit mitten ins Leben – und das mit einem nachhaltig durchdachten Konzept. Genau das ist auch unser Anspruch bei dieser Bewerbung. Doch wir wissen auch, dass der Weg dorthin kein Selbstläufer ist. Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten sieben Bewerbungen abgegeben, und alle sind gescheitert – zwei davon an Bürgerentscheiden. Also kann eine Bewerbung nur erfolgreich sein, wenn sie nicht über die Köpfe der Menschen hinweg geplant wird, sondern wenn wir alle aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Das heißt konkret: frühzeitig informieren, transparent kommunizieren und vor allen Dingen ehrlich über Chancen und Risiken reden und zuhören. Dass die Begeisterung da ist, hat die Abstimmung in München gezeigt. Das ist im Übrigen keine Vorentscheidung für München, sondern das stärkt auch alle anderen drei Regionen bzw. Bewerberstädte mit Berlin, Hamburg und Rhein-Ruhr bzw. Köln. Wir haben vier sehr starke Bewerbungen aus allen Himmelsrichtungen – aus dem Norden, aus dem Osten, aus dem Süden und aus Westdeutschland –, und das macht deutlich, wie viel Kraft Deutschland in dieses Projekt investiert. Aber nun gilt es, auch international konkurrenzfähig zu sein, und dafür brauchen wir eine klare Entscheidung, mit welchem der vier Bewerber wir ins Rennen gehen. Der DOSB hat einen Zeitplan aufgestellt, mehrfach angepasst. Nun soll im Herbst im nächsten Jahr die Entscheidung fallen. An diesem Zeitplan müssen wir auch unbedingt festhalten; denn der Wettbewerb international läuft bereits, und wir dürfen uns nicht um uns selbst drehen. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen und viele Fragen zu finanziellen Kosten. Daher gehen die vier Konzepte, die uns vorliegen, weg von dem Gigantismus der vergangenen Jahrzehnte. Bereits Paris hat gezeigt, wie es besser geht, nämlich nachhaltig, bürgernah und mit bestehender sanierter Infrastruktur. Ein Kritikpunkt richtet sich oft gegen das IOC, und ich sage: Ja, das ist ein durchaus komplexer Partner. Ich bin wahrlich nicht bekannt dafür, dem IOC unkritisch gegenüberzustehen; aber wir wollen Olympische und Paralympische Spiele, die unsere Werte widerspiegeln – Werte wie Demokratie, Menschenrechte, Nachhaltigkeit, die Freiheit des Einzelnen und Meinungsfreiheit –, und dann müssen wir uns eben auch selbst bewerben. Denn in den vergangenen Jahren haben wir mehrfach politische Diskussionen geführt zu Arbeitsbedingungen oder Menschenrechtssituationen in anderen Gastgeberländern, in denen wir Sportgroßveranstaltungen verfolgen konnten. Nun ist es daher auch an uns, dem IOC ein attraktives Angebot zu unterbreiten. Die Paralympischen Spiele sind dabei unverzichtbarer Bestandteil. Sie stehen für Inklusion, sie stehen für Sichtbarkeit, für gesellschaftlichen Fortschritt, und sie zeigen, was möglich ist, wenn Barrieren abgebaut werden – und dies nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag. Und nicht zuletzt: Die Spiele können eine ganze Generation für den Sport begeistern – und auch das hat uns Paris vorgemacht –: mit Programmen für Bewegung in Schulen, mit neuen Impulsen für den Breitensport. Auch diese Chance sollten wir nutzen – für mehr Bewegung, für mehr Gesundheit und mehr Miteinander. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die SPD steht klar hinter den Bewerbungsbemühungen. Schon Olaf Scholz und die von ihm geführte Bundesregierung haben im vergangenen Jahr mit der Unterzeichnung des Memorandums of Understanding eine deutliche Aussage getroffen. Das aktuelle Kabinett hat sich klar positioniert, und nun ist es auch an uns als Parlament, klar Haltung zu beziehen. Denn es gilt: Wir wollen die Spiele. Wir stehen für Spiele, die Werte sichtbar machen und Menschen zusammenbringen, und für Spiele, die Athletenheimspiele sein können. Vielen Dank.

Grüne

Herr Präsident! Frau Staatsministerin Schenderlein! Kolleginnen und Kollegen! Liebes Sportdeutschland! Das erste Mal Paralympische Spiele in Deutschland: die Agitos und die Olympischen Ringe gemeinsam; ein Zeichen der Vielfalt, ein Zeichen, wie unser Land ist. Und genau dieses Zeichen möchten wir setzen mit diesem interfraktionellen Antrag, um hier gemeinsam diese Bewerbung zu stärken. Ich glaube, jede und jeder von uns kennt Momente aus der olympischen und paralympischen Geschichte, die geprägt haben. Ich möchte euch mitnehmen nach Sydney 2000. Es war für mich ein sehr prägender Moment: Die olympische Flamme macht die letzte Runde im Stadion. Sechs Frauen waren es, die diese Fackel getragen haben, und am Schluss wurde die Fackel übergeben an Cathy Freeman, als erste Aborigine überhaupt. Sie lief die Treppe hoch, nahm die Flamme, und als sie in diesem Wasserbassin stand, entzündete sie damit das olympische Feuer, das eine ganze Nation vereint hat. Und ein paar Tage später holte sie eine Goldmedaille. Mit dieser Goldmedaille waren Grenzen auf einmal weg. Es war ein Zeichen der Versöhnung. Genau das sind Spiele, wie wir sie auch bei uns im Land möchten. Ein großer Moment ist immer, wenn die Teams der Geflüchteten, die Refugee Teams, am Einlauf der Nationen teilnehmen. Das sind Sportlerinnen und Sportler, die aus ihren Ländern geflohen sind, die ihr Land und ihre Freiheit aber im Herzen tragen und gemeinsam und vereint mit den Nationen einlaufen, um zu zeigen: Es gibt Zusammenhalt, sie sind in der Sportfamilie. Sie zeigen dem Land, das sie unterdrückt: Wir sind frei im Herzen, und als Sportlerinnen und Sportler tragen wir diese Idee gemeinsam in die Welt. – Und diese Idee muss man in einem freien Land, in einem demokratischen Land umsetzen, wie es das unsere ist, und nicht in autokratischen Ländern. Wir müssen eins tun: Wir müssen den Idolen von heute die besten Bedingungen geben, damit die Idole von morgen die beste Vorbereitung haben; denn die Kleinsten werden dann die Größten sein. Wir brauchen einen Schub, einen Booster für unseren Sport in Deutschland, für den Breitensport, für die Sportinfrastruktur, und das bringt diese Bewerbung auch mit sich. Wir bauen hier konsequent aus und stärken mit einer Bewerbung für die Sommerspiele auch den Wintersport, den nichtolympischen Sport, die ganze Sportvielfalt. Das ist auch unsere Aufgabe, und das setzen wir hiermit um. Ja, wir haben noch eine Aufgabe – es wurde schon angesprochen –, und diese Aufgabe heißt: erinnern und mahnen. Wir haben eine dunkle Geschichte. Aber wir können Spiele dennoch begleiten, indem wir erinnern, indem wir die Menschen mitnehmen und indem wir zeigen: Wir machen aus den Spielen wieder ein Sportfest des Friedens und des Miteinanders und vergessen gleichzeitig nicht, was unsere Verantwortung ist. Auch deswegen ist es sehr, sehr wichtig, dass wir die Spiele eng begleiten, und diese Bewerbung begleiten wir genauso eng. Es wurde eben schon angesprochen: Wir brauchen auch ein Mobilitätskonzept, das trägt. Wir brauchen Nachhaltigkeit, egal ob es um den Sportstättenbau oder um die Wirtschaftlichkeit geht. Genau dafür stehen wir, und deswegen begleiten wir diesen Antrag hier. Ich möchte mich wirklich noch mal für die gute Zusammenarbeit bei der Unionsfraktion und bei der SPD-Fraktion bedanken, durch die wir diesen Antrag gemeinsam hier vorstellen können. Wir werden die Beratungen sehr intensiv begleiten. Wir machen ein wunderbares Sportfest der Vielfalt und der Antidiskriminierung daraus. Deutschland ist ein freies Land, ein demokratisches Land. Genau diese Message tragen wir raus; denn hier ist kein Platz für Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung oder Rechtsextremismus. Hier ist Platz für ein Sportfest der Vielfalt und der Freude. Ich freue mich auf Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Danke.

Linke

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen von Union, SPD und Grünen! Wenn Sie sich so euphorisch für Olympische und Paralympische Spiele aussprechen, dann sollten Sie sich vorher erkundigen, wie es denn gerade um unsere zukünftigen Athleten steht. Diese zukünftigen Athleten sind unsere Kinder, und sie spielen teilweise auf kaputten Bolzplätzen oder schwimmen in maroden Bädern. Laut DLRG droht jedem siebten Bad in Deutschland die Schließung. Eines dieser Kinder wartet gerade jetzt vor der gesperrten Schwimmhalle in Osterburg – das liegt in Sachsen-Anhalt in der Altmark – und weiß nicht, ob es sein Training dort in der nächsten Woche absolvieren kann. Verstehen Sie? Wer Olympische Spiele will, fängt nicht bei Olympiaträumen an. Man fängt bei Investitionen für dieses und die anderen Kinder in Deutschland an, meine Damen und Herren! Damit sind wir auch schon beim Schulsport: In Ihrem Antrag nicht ein Wort dazu. Die jüngste ARD-Recherche zum Schulsport hat uns die Versetzungsgefährdung – Versetzungsgefährdung! – attestiert. Sportunterricht findet teilweise in Klassenräumen statt, wird in Grundschulen teilweise nicht mal von Fachlehrern unterrichtet, und die verbindliche dritte Sportstunde gibt es eigentlich nur auf dem Papier. Als ehemaligem Sportlehrer blutet mir das Herz. Und was erleben wir? Bei Bund und Ländern zeigt man gegenseitig mit dem Finger auf sich. Deshalb muss Schluss sein, meine Damen und Herren der Koalition und Frau Staatsministerin, mit dem Verschiebebahnhof der Verantwortungslosigkeit, den wir hier in Deutschland haben. Hier hätten Sie, meine Damen und Herren, ein riesiges aktuelles Betätigungsfeld, anstatt hier von Olympia zu träumen. Meine Damen und Herren, ich verstehe jede Stimme aus dem organisierten Sport, die mit aller Kraft und mit aller Leidenschaft dafür wirbt, dass diese Spiele zu uns kommen. Aber warum wirbt dieser Sport so mit dieser Kraft? Die Antwort ist einfach, aber auch deprimierend: weil die Olympischen und Paralympischen Spiele für den deutschen Sport mittlerweile der letzte Hoffnungsstrohhalm sind. Der Sport hofft auf Investitionen, die jahrzehntelang versäumt worden sind. Er hofft auf Infrastruktur, Trainingszentren und Sportstätten. Und ja, er hofft auf das, was Regierungen – auch unter Beteiligung von Ihnen, meine Damen und Herren von den Grünen – in den letzten Dekaden eben nicht gebacken bekommen haben. Deshalb sind wir als Linke auch so wütend auf diejenigen, die den Sport in eine solche Hoffnungsposition gedrängt haben. – Ich weiß, dass Ihnen das nicht gefällt. Schauen wir uns die Realität doch mal an: 31 Milliarden Euro Sanierungsstau in unseren Sportstätten – 31 Milliarden bundesweit! –, klamme Kommunen, deren Finanzierungsdefizit sich in den letzten vier Jahren auf rund 25 Milliarden Euro verfünffacht hat. Die Folgen: kaputte Infrastruktur, marode Sporthallen, geschlossene Schwimmhallen, Trainingsplätze teilweise aus den 70er-, 80er-Jahren. Und noch dazu das Highlight: Ihre Sportmilliarde, die trotz verbaler Finanzakrobatik nachgewiesen bis zum heutigen Tag nicht existiert. Das ist unglaublich, meine Damen und Herren! Und im Leistungssport geht es gleich weiter: Kaderathleten, die vielfach armutsgefährdet sind, Trainerinnen und Trainer, die weniger als Fachkräfte verdienen und mit befristeten Verträgen 60 Stunden pro Woche arbeiten, Olympiastützpunkte, die eigentlich das Rückgrat für den Leistungssport darstellen sollen, sind chronisch unterfinanziert. Das ist Ihre sportpolitische Bilanz, das ist Ihr sportpolitisches Versagen, meine Damen und Herren. Auch dieser Antrag wird daran nichts ändern, und das lassen wir Ihnen auch nicht durchgehen. Man braucht sich auch nicht zu wundern, wenn überall in Deutschland – in München, im Rheinland, in Hamburg und in der Hauptstadt – die Forderung nach „NOlympia“ um sich greift. In Berlin lehnen inzwischen – das muss man sich mal vorstellen – zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger eine Olympiabewerbung Berlins ab. Ich bin eigentlich ein glühender Verfechter der olympischen Idee; aber das ist mittlerweile die Realität. Deshalb gebe ich Ihnen einen guten Rat, meine Damen und Herren von der Koalition, aber auch von den Grünen: Bevor Sie sich auf den Weg zu einer deutschen Bewerbung machen, machen Sie Ihre Hausaufgaben, und erarbeiten Sie ein ganzheitliches Konzept für den deutschen Sport, das heißt eine echte Sportreform mit einer Symbiose zwischen Spitzen- und Breitensport, strategisch abgestimmt, mit geklärten Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern, einer stabilen dauerhaften Finanzierung sowie einer langfristigen Sanierungs- und Investitionsoffensive bei Sportstätten und nicht mit dieser Nebelkerze der Sportmilliarde! Erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen? Ja, gerne. Herr Abgeordneter Emmerich. Vielen Dank, Herr Präsident. – Vielen Dank, Kollege Görke, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben gerade gesagt, dass sich im ganzen Land „NOlympia“-Bewegungen gründen. Die Ablehnung in Berlin mag tatsächlich zutreffend sein; aber wenn man sich zum Beispiel die Zahlen in München anschaut, dann sieht man, dass es da eine hohe Wahlbeteiligung bei den Bürgerentscheiden und eine hohe Zustimmung zu Olympischen Spielen in München gab. Es ist also mitnichten der Fall, dass es hier eine Massenbewegung gegen Olympische Sommerspiele in Deutschland gibt. Die Bürgerinnen und Bürger in München sind gefragt worden und haben gesagt, dass sie das wollen, weil sie es nicht mehr akzeptieren, dass Olympische Spiele in Ländern wie China, Russland oder dergleichen ausgetragen werden, sondern sie sollen in einem demokratischen, freien und offenen Land wie Deutschland stattfinden. Und genau deswegen unterstützen wir als Grüne das. Herr Görke, bitte. Vielen Dank für diese Frage, Herr Kollege. – Also, ich war überrascht über die große Anzahl von Menschen, die gesagt haben: Nein! Das hätte ich in dieser Größenordnung gar nicht erwartet. Ich glaube, Sie kennen auch die Bedingungen dort vor Ort. Ich habe gesehen, mit welcher Werbemacht und welchen Geldressourcen dort gearbeitet worden ist. Darum ist dieses, sagen wir mal: Verhältnis der Abstimmung, das dort erreicht worden ist, wirklich sehr bemerkenswert, meine Damen und Herren. Ich will Ihnen sagen: Sie machen die Rechnung ohne die Bürger. Ich glaube schon, dass wir uns die Ergebnisse in Hamburg, im Rheinland und in Berlin anschauen müssen. Ich halte es für sehr schwierig, was der DOSB macht: dass man vier Regionen sich bewerben lässt und nachher drei Verlierer produzieren wird; auch das gehört zur Wahrheit. Ich finde das nicht redlich. Setzen Sie gerne Ihre Rede fort. Meine Damen und Herren von der Koalition und auch von den Grünen, Sie wollen Olympische Spiele in Deutschland? Dann qualifizieren Sie sich endlich dafür. Und wenn Sie einen Trainingsplan brauchen: Den halten wir als Linke natürlich für Sie bereit. Vielen Dank.

CDU/CSU

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Olympischen und Paralympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt: mit Milliarden von Zuschauern, mit Emotionen, mit sportlichen Höchstleistungen und weltweiter Aufmerksamkeit. Seit 1980 erlebe ich die Spiele auf unterschiedliche Weise: oft als Fernsehzuschauer, jetzt kommt’s: zweimal als Teilnehmer, jeweils mit Olympiasieg, und wie kürzlich in Paris und bald in Cortina als begeisterter Besucher vor Ort. Was ich jedoch noch nicht erlebt habe, sind Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Das soll sich nun, rund 70 Jahre nach den Spielen in München, ändern. Deutschland bewirbt sich um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Diese Bewerbung möchten wir mit unserem Antrag deutlich unterstützen und sichtbar machen. Der Antrag fordert unter anderem die weitere strukturelle, finanzielle und politische Unterstützung der Bundesregierung und die Ausrichtung weiterer Sportgroßveranstaltungen, wie zum Beispiel die Frauenfußballeuropameisterschaft, die gestern an Deutschland vergeben wurde. Vor allem aber soll der Antrag ein klares Bekenntnis des Bundestages zur Bewerbung der Spiele sein. Deshalb möchte ich noch einmal für möglichst hohe Zustimmung werben. Wir sehen, was Sport in diesem Land leisten kann: die WM 2006, die EM 2024, die European Championships in München, Die Finals in Dresden, die FISU World University Games, um nur einige zu nennen. All diese Ereignisse haben gezeigt, welche Begeisterung große Sportereignisse auslösen können und welches positive, weltoffene Bild von Deutschland in die Welt gesendet wird. Deutschland hat bereits gezeigt: Wir können Sportgroßveranstaltungen – erfolgreich, professionell und begeisternd. Meine Damen und Herren, wir haben mit Hamburg, München, Rhein-Ruhr und Berlin plus vier sehr gute Konzepte, und die Entscheidung des DOSB im Herbst 2026 wird sicherlich sehr eng ausfallen. Als Leipziger – das sei mir erlaubt – hoffe ich natürlich auf den Zuschlag für Berlin mit Leipzig. – Wenig Applaus. Ich werde aber, so wie ich es auch von allen Beteiligten erwarte, mit voller Kraft für diejenige Stadt oder Region kämpfen, die für Deutschland das Rennen macht. Es gibt selbstverständlich auch kritische Stimmen. Genannt werden hier unter anderem Aspekte wie Nachhaltigkeit, fehlende Sportstätten, fehlende Infrastruktur, hohe Kosten; wir haben es gerade gehört. Herausforderungen müssen natürlich klar benannt werden. Jedoch wünsche ich mir, dass wir die Chancen in den Vordergrund stellen und nicht die Risiken. Auch Menschen, die sich weniger für Sport interessieren, profitieren von Olympia. Olympische Dörfer werden so geplant, dass sie auch danach als Wohnraum genutzt werden können – ein wichtiger Beitrag zur Wohnungsknappheit in den Großstädten –, Besucherströme und Ticketverkäufe stärken die regionale Wirtschaft. Tourismus, Hotellerie, Gastronomie: Ganze Wertschöpfungsketten profitieren. Nicht zuletzt stärken Sportereignisse nachhaltig die Begeisterung für den Sport. Eine Studie zur Fußball-EM 2024 zeigt: Die sportliche Aktivität im Land ist deutlich gestiegen. Unsere Vereine haben mehr Zulauf, besonders dort, wo das Ehrenamt das Rückgrat bildet. Das ist wichtig für Gesundheit, für Zusammenhalt und für die Gesellschaft. Wir sehen, dass ein großer Teil der Bevölkerung dies genauso sieht und eher die Chancen als die Risiken in den Blick nimmt. Wir sehen auch eine breite Mehrheit in München; eine Mehrheit, die wir mit Sicherheit auch in Hamburg und Rhein-Ruhr haben werden. Wir senden ein klares Zeichen an das IOC: Wir wollen die Spiele! Damit diese Spiele in ihrer Gesamtheit ein Erfolg werden, muss natürlich auch der sportliche Erfolg stimmen. Mit dem neuen Sportfördergesetz und der Spitzensport-Agentur setzen wir einen wichtigen Impuls, um nachhaltig erfolgreich zu sein und Medaillen zu gewinnen. Wir machen Sportlerinnen und Sportler sichtbar und sorgen für breite Akzeptanz. 2040 steht der 50. Jahrestag der deutschen Einheit an. Dies wäre eine historische Gelegenheit, aus Deutschland ein kraftvolles Signal der Einheit zu senden. Der Sport verbindet über Grenzen, Kulturen und Generationen hinweg. Er kann nicht nur unser Land stärken, sondern Menschen weltweit zusammenführen. Ich werbe hier somit nicht nur für Olympia in Deutschland, sondern auch ausdrücklich um die Zustimmung zu unserem Antrag. Lassen Sie uns die Chance gemeinsam ergreifen! Vielen Dank. Vielen Dank. – Als Nächster spricht Lars Schieske für die AfD-Fraktion.

AfD

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Idee, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen, begeistert viele. Sie weckt Stolz, Emotionen und den Traum, der Welt zu zeigen, wozu wir fähig sind. Ja, auch ich kann mich davon mitreißen lassen: Olympia verbindet, inspiriert, und vor allen Dingen motiviert es neue Generationen. Aber Begeisterung ersetzt keine Realitätsprüfung. Wer wie ich mit offenen Augen durch die Welt läuft, der weiß, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist. Jeden Tag sehe ich in Cottbus unseren Olympiastützpunkt: Anlagen, die zum Teil noch aus DDR-Zeiten stammen, Hallen, deren Bausubstanz seit Jahrzehnten unverändert ist, Trainingsräume, die zum Teil eher an Museumsexponate erinnern als an moderne Leistungszentren. Trotzdem, meine Damen und Herren, bringen unsere Sportler dort Leistungen hervor, die man eigentlich nur unter professionellsten Bedingungen erwarten würde. Wer einmal durch Cottbus läuft, kennt den Weg des Ruhmes vor dem Rathaus: eine ganze Straße voller Ehrentafeln mit Olympiasiegern und Medaillengewinnern dieser Stadt. Das ist der Beweis: Deutschland war einmal die Hochburg des Leistungssports, damals. Damals wurden Strukturen geschaffen, die Athleten trugen. Heute kämpfen viele von ihnen gegen veraltete Anlagen, fehlende Investitionen und unsichere Perspektiven. Sie holen ihre Medaillen nicht wegen der Rahmenbedingungen, sondern trotz der Rahmenbedingungen. Das verdient größten Respekt, aber das darf kein Dauerzustand bleiben. Der Antrag, den wir heute diskutieren, zeichnet jedoch ein rosiges Bild. Er spricht von Impulsen, Begeisterung und Chancen. Er verweist sogar auf eine OECD-Studie zu Paris, die von nachhaltigen Effekten, Infrastrukturverbesserungen und neuen Arbeitsplätzen spricht. Schön und gut. Aber in Deutschland? Eine Olympiabewerbung würde schätzungsweise 10 bis 15 Milliarden Euro verschlingen, während Studien gleichzeitig vor langfristigen Verlusten warnen – vor langfristigen Verlusten! Wo ist der konkrete Plan gegen Kostenexplosionen? Stattdessen lesen wir nur etwas von „angemessener finanzieller Ausstattung“. Das ist Schönreden, keine Strategie. Und dann muss man ja fast ironisch fragen: Soll unsere Olympiainfrastruktur so aussehen wie der BER – jahrelang verspätet, überholt und am Ende viel zu teuer – oder wie Stuttgart 21, der Bahnhof, der mittlerweile eher wirkt wie ein Dauertatort für Steuergeldverschwendung? Wenn das die Blaupause sein soll, dann gute Nacht. Aber auch bei der Sicherheit wird im Antrag großzügig beschwichtigt. Dabei hat uns die Realität längst eingeholt. Die Anschläge in Berlin 2016 und Magdeburg 2024, ein gezielter linksextremistischer Angriff auf Strommasten in Berlin mit einem 60-Stunden-Blackout: Olympia wäre ein Sicherheitsprojekt gigantischen Ausmaßes. Das muss man sagen, nicht umwinden. Und wie ist der Zustand unseres Sportsystems? 40 Milliarden Euro Sanierungsstau, Kommunen, die Hallen schließen müssen, Olympiastützpunkte, die finanziell kaum durchhalten, Trainer, deren Verträge nur bis Weihnachten reichen, und Leistungssportler, die schlicht keine Perspektive sehen und ins Ausland gehen: Lea Meyer in die USA, andere nach Frankreich, Italien oder Skandinavien. Sie gehen dorthin, wo man ihnen sagt: Wir kümmern uns um dich. Und dann die Wertschätzung in Deutschland. Deutschland zahlt für olympisches Gold 20 000 Euro, Frankreich 80 000 Euro, Italien rund 150 000 Euro, Singapur 1 Million Euro. Diese Unterschiede zeigen sehr deutlich, wie ernst andere Länder ihren Leistungssport nehmen – die deutsche Regierung offensichtlich nicht. Genau deshalb haben wir als AfD ein tragfähiges Zukunftskonzept präsentiert. 44,5 Millionen Euro zusätzlich für zentrale Sportmaßnahmen, 12 Millionen Euro für die Sanierung der Olympiastützpunkte, mehr feste Trainerstellen, bessere Verträge, klare Laufbahnen, ein Sonderfonds für Mütter im Leistungssport, damit Sport, Familie und Karriere verbunden werden können. Ein zehnjähriges Sanierungsprogramm mit 4 Milliarden Euro jährlich, um Hallen, Bäder und Vereine endlich wieder fitzumachen, und echte Barrierefreiheit – nicht nur auf dem Blatt Papier. Doch all das wurde von der Koalition, von den Grünen und – Herr Görke, im Gegensatz zu Ihrer Rede – auch von den Linken abgelehnt. Ihre Rede war damit sehr link. Das, meine Damen und Herren, wäre der Weg zu Olympia gewesen, ein Weg, der das Fundament stärkt, bevor man sich für das Leuchtturmprojekt bewirbt. Darum bleibt die Frage: Wer soll in Deutschland Olympia stemmen, wenn wir nicht einmal bereit sind, die Grundlagen des Sports zu sichern? Olympia kann ein Ziel sein – da gebe ich Ihnen recht –, aber erst, wenn wir uns ehrlich machen und unsere Athleten endlich die Bedingungen bekommen, die sie verdienen. Vielen Dank und Sport frei! Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Mahmut Özdemir von der SPD.

SPD

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Sprichwort sagt: Es ist besser, ein Lichtlein anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen. – Über meinen Vorredner und seine Fraktion kann ich nur sagen: Sie verfluchen die Dunkelheit in unserem Land, weil Sie sie brauchen. Sie brauchen die Dunkelheit. Sie zehren von dieser Dunkelheit. Sie wollen Deutschland in die Dunkelheit führen. Wir führen unser Deutschland in eine Zukunft, in eine bessere Zukunft. Denn wenn ich an eine olympische, an eine paralympische Bewerbung denke, dann habe ich die Schülerinnen und Schüler vor Augen, die heute bei uns sind, und die Vereinssportlerinnen und -sportler, denen ich zutraue, 2036, 2040 oder 2044 Schwarz-Rot-Gold zu tragen, mit dem Adler auf der Brust anzutreten, um für unserer Land Höchstleistungen zu erbringen. Das stelle ich mir vor, wenn ich an eine Bewerbung denke. Ich denke an die European Championships, an die Special Olympics, an die Europameisterschaften im Basketball, im Handball, im Fußball, und nicht zuletzt auch an die Universiade, also an die FISU World University Games, die Olympischen Spiele der Studierenden. Diese Sportgroßveranstaltungen müssen wir stärken; denn sie prägen unser Land und sorgen dafür, dass wir Sportdiplomatie in den Mittelpunkt stellen. Es sind Athletinnen und Athleten, die aus Ländern kommen, wo man über den jeweils anderen sagt: Mit denen ist nicht gut Kirschen essen. Aber als Athletinnen und Athleten sitzen sie nebeneinander und wetteifern im sportlichen Wettkampf miteinander. Es sind Schulen, es sind Verbände, es sind unsere Athletinnen und Athleten, die Trainer, die danach trachten, diese Sportgroßveranstaltungen in ihrem Land vor eigener Kulisse und damit sozusagen bei ihren Familien im eigenen Wohnzimmer durchzuführen. Gerade das macht Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland und auch den Zauber dieser Spiele aus. Wir brauchen Herz, wir brauchen Entscheidungen, wir brauchen Verlässlichkeit und Willen. Wir brauchen für die größte gesellschaftliche Bewegung in unserem Land mehr Herz, um die besten Trainingsbedingungen herzustellen, aber auch, um für Barrierefreiheit zu sorgen und den Breitensport mit seinen Sportstätten so zu ertüchtigen, dass am Ende des Tages wieder die Bestleistungen gerade aus dieser Breite hervorgehen. Wir brauchen dringend Entscheidungen, auf die wir hinarbeiten müssen; denn die höchste Form der Transparenz hat noch keine Akzeptanz gebracht. Wir brauchen einen stetigen, einen fortlaufenden Prozess, um auch Akzeptanz für Olympische und Paralympische Spiele im Land zu ermöglichen. Wir brauchen Verlässlichkeit: Verlässlichkeit im Finanzrahmen, Verlässlichkeit bei Sportstätten und Verlässlichkeit bei der Sicherheit dieser Spiele in unserem Land für all unsere Sicherheitsbehörden. Wir dürfen auch die Sicherheitsbehörden nicht vergessen, die bei den letzten Sportgroßveranstaltungen tagtäglich ehrenamtlich und hauptamtlich gemeinsam dafür gesorgt haben, dass viele Sportlerinnen und Sportler heitere Spiele erleben konnten. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass in Sportstätten investiert wird. Ich empfinde es teilweise als Treppenwitz der nordrein-westfälischen Landesregierung, die für die Olympiabewerbung mal mit der Rhein-Ruhr-Region, mal mit Köln um die Ecke kommt, Investitionen am Ende des Tages mittels Problemanzeige zu verhindern. So musste die Vorgängerregierung im Bund solche Hindernisse noch von der Piste kratzen, damit die Universiade im Land möglich wird. Sie müssen zum Ende kommen. Herr Präsident, wir brauchen Herz, und wir brauchen nicht nur den Willen, eine gute Bewerbung abzugeben, sondern auch den Willen für die beste Ausrichtung der Spiele für unser Land und für die Athletinnen und Athleten. Danke sehr. Vielen Dank. – Als Nächstes spricht Dr. Ophelia Nick für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Letzte Woche war ich in einem großen Sportverein vor den Toren von Berlin. Da habe ich Kinder gesehen, die gerannt und gesprungen sind und geturnt haben. Vor allen Dingen waren sie zusammen und saßen nicht allein vor dem Handy oder vor dem Computer. Und ich habe leuchtende Augen gesehen, Augen von Kindern, die von sportlichen Erfolgen träumen, vielleicht von einem guten Team oder sogar von Olympischen und Paralympischen Spielen; denn Olympische und Paralympische Spiele stehen für mehr als nur für Medaillen. Sie stehen für Träume, Vorbilder, Begegnungen und fairen Wettbewerb. Die Athletinnen und Athleten von morgen sind heute im Kindergarten, in der Grundschule, im Verein um die Ecke. Genau deshalb müssen wir Schulsportvereine und Bewegung im Alltag stärken. Die Spiele stärken den Breitensport. Und wir wissen: Bewegung ist kein Luxus, Bewegung ist Lebensgrundlage. Olympische und Paralympische Spiele können deshalb wichtige Impulse geben: sportlich, aber auch wirtschaftlich, kulturell, touristisch und vor allem gesellschaftlich. Hier wird Gemeinschaft gelebt. Ja, es gibt Herausforderungen in unserem Land. Aber lassen Sie uns dies nicht als Ausrede, sondern als Auftrag begreifen. Diese Bewerbung kann ein Katalysator sein für barrierefreie und energieeffiziente Sportstätten, für emissionsfreien öffentlichen Verkehr, für konsequenten Klimaschutz und für faire Arbeitsbedingungen, von denen alle profitieren. Lassen Sie uns gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, die allen in Sportdeutschland zugutekommen. So setzen wir neue internationale Standards für vielfältige, inklusive und klimaneutrale Spiele. Für uns Grüne ist klar: Diese Bewerbung braucht Werte: Vielfalt, Inklusion, Demokratie müssen ins Zentrum. Und sie braucht Verantwortung, Verantwortung im Bewusstsein unserer Geschichte von 1936 und 1972. Wie schon 2006 bei den Weltmeisterschaften muss gelten: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Wir unterstützen mit diesem Antrag nicht nur Träume. Wir geben ihnen einen Rahmen und stärken ein modernes Sportdeutschland für unsere Gesellschaft. Deshalb sind Olympische und Paralympische Spiele für unser Land wichtig. Sport verbindet uns Menschen – nicht nur hier fraktionsübergreifend. Sport verbindet Nationen. Sport kann Träume wahrmachen. Vielen Dank. Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist die Staatsministerin beim Bundeskanzler Dr. Christiane Schenderlein.

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe auf der Besuchertribüne Angehörige der Bundeswehr gesehen. Die Bundeswehr ist auch ein großer Unterstützer des Leistungssports. Seien Sie uns herzlich willkommen! Es ist großartig, zu sehen und zu hören, dass es in diesem Hohen Haus ein großes, fraktionsübergreifendes Team Olympia gibt. Heute über die Olympischen und Paralympischen Spiele zu sprechen, ist mir eine große Freude, und es passt hervorragend in die Zeit. Denn letzte Woche hat der Deutsche Olympische Sportbund bei der Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, Kirsty Coventry, den Eintritt in den sogenannten Continuous Dialogue, der ersten Stufe des Olympiabewerbungsprozesses, beantragt. Ich durfte als Vertreterin der Bundesregierung dabei sein. Es ging um mehr als das Überreichen eines formellen Antrages durch den Präsidenten des DOSB. Für mich war es vor allen Dingen die Gelegenheit, der Präsidentin des IOC glaubwürdig zu versichern: Wir, die Bundesregierung, stehen geschlossen hinter der Bewerbung. Und wir stehen an der Seite des Sports. Er entscheidet final über einen deutschen Olympiakandidaten und wird den auswählen, der international am meisten überzeugt. Ich konnte der Präsidentin die volle Unterstützung des Bundeskabinetts übermitteln; denn wir haben am 19. November das Olympiapaket mit einer nationalen Vision beschlossen. Mein Eindruck war: Das IOC und Frau Coventry erkennen diese politische Unterstützung an. Deutschland ist jetzt im internationalen Wettbewerb, ist jetzt offiziell Kandidat. Das wird vom IOC sehr ernst genommen. Man kann sagen: Wir haben als große Sportnation wieder Olympiabühne betreten. Der DOSB hat beim IOC nicht nur sehr überzeugende Konzepte aus vier Regionen vorgestellt. Deutschland hat die Grundbedingungen für eine erfolgreiche Bewerbung erfüllt. Im internationalen Rennen ist, wer als Land mit einer Stimme für eine Bewerbung spricht: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb war es so wichtig, dass der DOSB und auch ich zwei weitere positive gute Botschaften im Gepäck hatten. Erstens: über 66 Prozent Zustimmung der Münchnerinnen und Münchner für Olympische und Paralympische Spiele. Das zeigt doch: Mut und Zuversicht gehören zu Deutschland. Und das wird auch die anderen Bewerberregionen beflügeln. Frau Staatsministerin, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Die Linke? Ich würde gerne erst die Rede zu Ende halten. Bitte. Danke schön. – Und zweitens. Aus der Wirtschaft gibt es ebenfalls kraftvolle Unterstützung für die Bewerbung. Der DOSB hat bereits rund 40 Topunternehmen gewinnen können, die sich finanziell beteiligen, im kommenden Jahr allein mit über 3 Millionen Euro. Das ist ein starkes Signal aus der Wirtschaft, das beeindruckt. Meine Damen und Herren, heute wird der Bundeskanzler die politische Vereinbarung unterzeichnen, zusammen mit den Regierungschefs der vier Bewerberregionen und dem DOSB. Und heute stellt sich der Deutsche Bundestag mit diesem Antrag an die Seite des Sports und hinter die Olympiabewerbung. Dieser Antrag aus der Mitte des Parlaments ist ein wichtiges Zeichen. Und ich bin mir auch hier sicher, dass dies beim IOC wohlwollend gesehen wird; denn es unterstreicht ein weiteres Mal: Wir sind ein verlässlicher Partner und halten Wort – heute und in Zukunft. Ich möchte noch einmal betonen: Die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele ist nicht nur das wichtigste sportpolitische Ziel dieser Bundesregierung. Die Aussicht auf Olympia als Heimspiel ermutigt uns auch für die Zukunft. Konzentrieren wir uns mal auf die nächste Generation! Schauen wir auf die Olympioniken von morgen! Sie alle fangen klein an. Sie brauchen Zuversicht, Selbstvertrauen, Ermutigung und eine gute Förderung, die besten Trainerinnen und Trainer und eine erstklassige Infrastruktur. Wir sind eine leistungsfähige Nation, und wir können Großprojekte. Wir investieren mit Olympia in unser Land, und das wird Deutschland wieder voranbringen. Dafür haben wir auch das Vertrauen des internationalen Sports. Das sehen wir an der gestrigen Entscheidung mit der Vergabe der Frauenfußball-EM 2029 in Deutschland. Was für eine grandiose Nachricht! Auch das gibt Rückenwind für die Olympiabewerbung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir senden heute ein ganz wichtiges Zeichen der Geschlossenheit. Arbeiten wir weiter zusammen, um die Olympischen und Paralympischen Spiele nach Deutschland zu holen! Vielen Dank, Frau Staatsministerin. – Für eine Kurzintervention erteile ich das Wort der Abgeordneten Gennburg von der Fraktion Die Linke.

Linke

Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Dr. Schenderlein, schade, dass Sie meine Zwischenfrage nicht zugelassen haben. Ich habe Ihnen sehr gut zugehört. Alle haben einhellig gesagt: Die Infrastruktur in deutschen Städten ist so marode, dass eine Olympiabewerbung wie ein Strohhalm ist, wie ein Hoffnungsschimmer, dass man doch noch mal irgendwie was durchsaniert bekommt. Das hatte ja auch Herr Görke genau so in den Raum gestellt. Frau Schenderlein, wir beide kommen ja aus derselben Region. Ich bin gebürtige Sachsen-Anhaltinerin, eine Region, wo die Hoffnungen auf die großen Investitionen schon seit 30 Jahren immer wieder zerplatzen und die Menschen wirklich abgehängt sind. Wir sehen auch, dass genau diese Infrastruktursituation sich jetzt über das ganze Land ausbreitet. Jetzt bin ich Bundestagsabgeordnete für Berlin. Und in Berlin ist es ja so – Sie haben es mitbekommen –: Allein im letzten Jahr sind drei Brücken quasi zusammengebrochen. Vor diesem Hintergrund über Olympische Spiele zu diskutieren, nötigt mir folgende Frage ab: Wenn sich Berlin nicht mal als Bewerberstadt für die EM 2029 bereitgestellt hat mit der Begründung – übrigens eines SPD/CDU-Senats – zu hoher finanzieller Risiken für die Stadt, dann möchte ich von Ihnen wissen: Wer in dieser Bundesrepublik soll sich denn vor diesem Hintergrund der realen Finanzsituation der Städte überhaupt noch für Olympische Spiele bewerben, wenn die Kohle nicht mal für eine EM reicht? Vielen Dank. – Möchten Sie erwidern, Frau Staatsministerin? Wenn Sie erwidern möchten, haben Sie das Wort.

Vielen Dank für Ihre Frage. – Der Olympiabewerbungsprozess ist sehr umfangreich. Ganz viele Maßnahmen, die wir als Bundesregierung gemeinsam mit dem Deutschen Bundestag auf den Weg bringen, zahlen positiv auf die Olympiabewerbung ein. Dabei möchte ich vor allem die Sportmilliarde nennen, die wir in großen Teilen jetzt für den Haushalt 2026/2027 bereits beschlossen haben. Das sind über 700 Millionen Euro sowie zusätzlich 250 Millionen Euro für das Bäderprogramm. Und auch für den Leistungssport konnte ich 150 Millionen Euro zusätzlich bekommen. All das wirkt sich positiv auf die Infrastruktur aus. Wir investieren hier; denn mein persönliches Ziel ist es, dass sich die Infrastruktur und vor allem die Sportinfrastruktur im ganzen Land verbessert und dass wir damit auch für die Vereine vor Ort ein sichtbares Zeichen setzen und einen großen Schritt vorangehen. Olympia ist eine Zukunftsaufgabe, und es ist ein Hebel zur Modernisierung unseres Landes. Am Ende bewerben sich jetzt vier Regionen. Sie kämpfen dafür, sie investieren unglaublich viel. Auch Berlin investiert unglaublich viel in die Bewerbung. Deshalb bin ich guten Mutes. Der DOSB wird Ende nächsten Jahres auf seiner Mitgliederversammlung einen Vorschlag für das Konzept unterbreiten, welches vor allem international am vielversprechendsten ist. Vielen Dank. Vielen Dank. – Wir setzen die Aussprache fort. Der nächste Redner ist Thomas Korell für die AfD-Fraktion.

AfD

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir heute über eine deutsche Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele sprechen, dann sprechen wir über weit mehr als ein sportliches Großereignis oder zwei schöne Wochen Sportfest. Wir sprechen darüber, ob unser Land überhaupt noch in der Lage ist, ein solches Projekt zuverlässig, solide und verantwortungsbewusst zu stemmen. Deutschland ist eine Sportnation – auf dem Papier. Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich, trainieren Nachwuchs, halten Vereine am Leben. Unsere Athletinnen und Athleten verdienen beste Bedingungen – nicht marode Hallen, gesperrte Plätze und bürokratische Hürden. Gerade deshalb dürfen wir die Frage nach Olympia nicht leichtfertig behandeln. Eines ist klar: Die Menschen in diesem Land haben eine Stimme, und sie nutzen sie. Der Blick nach München zeigt das sehr deutlich. Die Bürger wurden gefragt, und ein überragender Teil sagt: Ja, wir wollen Olympische Spiele in Deutschland. Dieses Signal ist stark, und es zeigt: Die Bevölkerung ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn Politik endlich wieder transparent und ehrlich agiert. Olympia bietet Chancen. Es kann Investitionen anstoßen, die wir ohnehin längst hätten tätigen müssen. Moderne, sichere, barrierefreie Sportstätten und Infrastruktur, die dauerhaft genutzt wird, sind ein Impuls für den Nachwuchs und für den Breitensport. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Doch ebenso klar ist: Wir dürfen nicht wieder in die Muster verfallen, die dieses Land in so vielen Bereichen lähmen: keine ausufernden Kosten, keine jahrelange Verzögerung, keine bürokratischen Monsterprojekte, bei denen am Ende keiner mehr weiß, wer eigentlich verantwortlich ist. Die Menschen erwarten, dass ein solches Vorhaben solide geplant wird, dass bestehende Anlagen genutzt werden und dass nicht Milliarden versenkt werden, ohne dass am Ende etwas bleibt. Der Investitionsstau im deutschen Sport ist hausgemacht, und er ist enorm. Er ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse. Wenn wir uns um Olympia bewerben, dann tun wir das nicht trotz, sondern wegen dieser Probleme; denn es braucht endlich eine klare Prioritätensetzung. Sportinfrastruktur gehört zur Grundversorgung einer aktiven Gesellschaft. Olympia kann ein Motor sein, aber nur, wenn wir wieder lernen, Projekte effizient umzusetzen, Genehmigungsverfahren zu verkürzen, Verantwortung klar zu regeln, und wenn wir die Menschen im Land weiterhin einbinden. Akzeptanz entsteht nicht durch politische Belehrungen, sondern durch Ehrlichkeit und nachvollziehbare Entscheidungen. Wenn wir diese Bewerbung ernst meinen, dann brauchen wir ein Konzept, das für Deutschland taugt: finanziell solide, organisatorisch realistisch, ökologisch vernünftig und vor allem auf die langfristige Nutzung ausgerichtet. Wir brauchen keine Prestigeprojekte, keine teuren Luftschlösser, sondern Olympia, das den Bürgern gehört und das sie deshalb unterstützen. Deutschland kann Olympia. Die Menschen wollen Olympia. Die Frage ist, ob die Politik den Mut hat, den Weg freizumachen für ein modernes, effizientes und bürgernahes Konzept. Nutzen wir diese Chance! Vielen Dank und Sport frei! Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Aydan Özoğuz für die Fraktion der Sozialdemokraten.

SPD

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Weil unsere Soldatinnen und Soldaten gerade angesprochen wurden, möchte ich ihnen an dieser Stelle nicht nur für ihren Dienst ganz herzlich danken, sondern auch darauf hinweisen, wie wichtig die Sportförderstellen bei Bundeswehr, Bundespolizei und auch beim Zoll sind. Vielen, vielen Dank erst einmal für Ihren Einsatz! Dass wir internationale Sportereignisse können, haben wir in den letzten Jahren gezeigt; das haben schon verschiedene Rednerinnen und Redner ausgeführt. Ich möchte aber noch mal betonen, wie großartig es ist, dass Deutschland den Zuschlag für die Frauen-EM 2029 erhalten hat. Wir malen uns schon die Fanmeilen aus, die Familienfeste; das wird ein richtig schönes Ereignis. Die Schweiz hat vorgelegt. Mindestens daran werden uns doch messen lassen wollen. Aktuell findet in Deutschland und den Niederlanden die Handball-WM der Frauen statt. Heute Abend spielt unsere Nationalmannschaft in Dortmund um den Gruppensieg. Wir drücken alle ganz doll die Daumen. Warum sollten und können wir uns darüber so freuen? Weil Sportveranstaltungen wie auch Olympische und Paralympische Spiele eine ganz außergewöhnliche Strahlkraft haben. Sie stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Offenheit, aber eben auch Leistungsbereitschaft; Leistungsstrukturen und Nachwuchsförderung können ausgebaut werden. Sie wecken Begeisterung für Sport, gerade auch für Randsportarten – auch das ist wichtig –, transportieren Werte wie Fairness, Gleichberechtigung und Inklusion und schaffen Vorbilder. Besonders schön ist, dass solche Ereignisse das ganze Land bewegen, von der jungen Nachwuchssportlerin bis zu vielen, vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern; denn die schaffen Räume für Begegnungen und Beteiligung. Also: Da kommt viel Schwung, ganz viel gute Laune. Und das ist eigentlich das Gegenteil von dem, was Sie von der AfD hier heute verbreiten, vielleicht auch nicht nur heute. Natürlich bieten solche Ereignisse wiederum die Chance – das wurde auch gesagt; ich möchte es betonen –, dass große Sportereignisse demokratisch, nachhaltig und sozial organisiert werden können. Der Weg ist durchaus länger, aber er ist eben demokratisch. Er bindet die Bevölkerung der Städte oder Austragungsorte ein, und das über die politischen Lager hinweg. Das ist ein ganz wichtiges Gut, das wir transportieren können. Viele Kritikerinnen und Kritiker von Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland sitzen jetzt vielleicht auf der Couch, mit der Fernbedienung in der Hand, und fragen sich: Muss das sein? – Ich sage: Ob es am Ende nun Hamburg, Berlin, München oder Rhein-Ruhr sein wird – lasst uns gemeinsam von der Couch aufstehen und alle mitziehen, lasst uns zeigen, welche Chancen es bietet, Gastgeber für die Welt zu sein, und wie viel Freude sich damit verbinden lässt. Daher unterstützen wir in unserem gemeinsamen Antrag mit Union und den Grünen den Bewerbungsprozess – Vielen Dank. – des Deutschen Olympischen Sportbundes um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Vielen Dank. Vielen Dank. – Der letzte Redner in dieser Aussprache ist Florian Müller von der CDU/CSU-Fraktion.

CDU/CSU

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Schülerinnen und Schüler! Liebe Soldatinnen und Soldaten! Wir können jetzt natürlich eines machen: Wir können diese Debatte missbrauchen, wie es heute passiert ist, alles schlechtreden, uns bequem zurücklehnen, alle Gründe aufzählen, warum das nicht klappt, warum das zu teuer ist, warum wir das nicht wollen, und in den Abgesang unseres Landes starten. Oder aber wir senden eine klare Botschaft: Ja zu Olympia, Ja zu den Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland! Die Faszination, die Sport auslösen kann – mit Ehrgeiz, mit Mut, mit Teamgeist –, die Träume auslösen kann, die größer als jede Sporthalle, jedes Stadion oder jede Region sind, führt doch zu dem Wunsch, einmal im Leben an Olympischen oder Paralympischen Spielen teilnehmen zu dürfen und sie auch ausrichten zu dürfen. Und an dieser Stelle beginnt die Verantwortung, die Verantwortung für die Politik. Denn wenn wir über Olympia reden, dann reden wir nicht nur über Sport, sondern auch darüber, ob wir in Deutschland noch den Mut und die Kraft haben, diese großen Träume in unserem Land realisieren zu können, aber vor allem auch realisieren zu wollen. Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland, das wäre doch ein Jahrhundertmoment, nicht nur, weil wir uns nostalgisch an 1972 zurückerinnern, sondern, weil wir nach vorne wollen. Deutschland kann Sportgroßveranstaltungen. Das haben wir 2006 bei der Weltmeisterschaft gesehen, das haben wir bei der EM 2024 gesehen, das haben wir auch bei den Special Olympics gezeigt. Aber jetzt sind wir an einem total wichtigen Punkt: Wir wollen diese Spiele. Sport und Politik haben hier doch eine klare Botschaft ausgesendet, ein enges Vertrauensverhältnis im olympischen Prozess gezeigt. Dieses Vertrauen – davon bin ich fest überzeugt – wird am Ende die Grundlage für unsere erfolgreiche Bewerbung sein. Jetzt geht es darum, das klar zu hinterlegen. Wir bewerben uns am Ende nicht als Region. Wir bewerben uns als gesamtes Land mit einem klaren Ziel: Wir wollen nicht nur mitspielen, wir wollen gewinnen. Und es gibt doch schon großartige Konzepte. Man spürt den wirklichen Willen, die Spiele nach Deutschland zu holen, egal ob nach Köln, Hamburg, München oder Berlin. Was mich zusätzlich begeistert, ist etwas ganz anderes: Alle Beteiligten, die sich heute bewerben, wissen, dass es hinterher nicht nur Spiele für sie sein werden, sondern Spiele für ganz Deutschland. Das ist der Teamgeist, den Team Deutschland an dieser Stelle schon zeigt. Was mich wirklich zuversichtlich stimmt, ist die Olympiabegeisterung – wir haben es bei der Abstimmung in München gesehen –, die wir schon jetzt in diesem Land haben. Das bedeutet natürlich auch, dass wir diese Spiele möglichst vielen Menschen zugänglich machen müssen: in den Stadien, in Hallen, auf den Fanmeilen. Die Athletinnen und Athleten, die dann nach Deutschland kommen werden, haben doch eines verdient: eine Bühne, die sie trägt, die sie inspiriert und zu neuen Bestleistungen anspornen kann. Das bedeutet, dass wir den Athletinnen und Athleten hier in Deutschland beste Bedingungen bieten werden: kurze Wege, moderne Unterkünfte, klare Strukturen. Jetzt ist hier schon viel über Infrastruktur gesprochen worden. Wir wollen keine Spiele der Superlative. Wir wollen Spiele der Vernunft, Spiele mit deutscher Bodenständigkeit; denn wir haben eine bestehende und auch ehrlicherweise starke Infrastruktur. Die können wir nutzen und da, wo es nötig ist, auch modernisieren. Und wir bauen dann neu, wenn es erforderlich ist und vor allem einen langfristigen Nutzen bringt. So sichern wir uns nicht nur den Rückhalt in der Bevölkerung, sondern auch eine starke Bewerbung. Dann können wir mit den Menschen über ihre Fragen sprechen und Kosten und Nutzen offen darstellen. Aber wir sollten uns in diesem Prozess nicht kleinreden; denn – das haben wir heute in dieser Debatte wieder gemerkt – wer nur Bedenken einsammelt, der gewinnt keinen Wettbewerb. Wir können heute den Mut und die Kraft entwickeln, ein neues deutsches olympisches Kapitel zu schreiben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Olympischen und Paralympischen Spiele bieten eine riesige Chance. Sie können ein gewaltiger Standortimpuls sein; Paris hat uns gezeigt, dass das möglich ist. Sie können ein Fest der Inklusion sein, ein Investitionsmotor und ein echtes Aufbruchssignal. Gerade in dieser Zeit, wo wir doch attraktiver werden wollen und wo wir im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, können wir zeigen, dass wir ein dynamisches, innovatives Land sind. Letzter Satz, Herr Präsident. – Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir müssen uns wieder zutrauen, große Dinge zu zeigen, und das können wir doch. Vielen Dank. Wir können zeigen, wer wir sind und was wir können. Der Sport tut es. Deswegen: Lassen Sie uns das nutzen! Das war ein langer Satz. Deutschland soll sich bewerben, Deutschland kann sich bewerben. Wir wollen diese Spiele. Lassen Sie uns gemeinsam darangehen! Herzlichen Dank.

Redner nach Fraktion