Antrags der Abgeordneten Dr. Malte Kaufmann, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Marktbasierte Resilienz – Versorgung mit kritischen Rohstoffen durch wirtschaftsgetragene Strategien und Reservehaltung stärken
Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Malte Kaufmann, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Marktbasierte Resilienz – Versorgung mit kritischen Rohstoffen durch wirtschaftsgetragene Strategien und Reservehaltung stärken
Zusammenfassung
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Reden (7)
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Bürger! Wir alle wissen, ohne Rohstoffe keine Industrie und ohne Industrie kein Wohlstand. Deutschland war einmal ein Land, das aus Vernunft und Innovationskraft seine wirtschaftliche Stärke entwickelte. Zur Vernunft gehört natürlich auch, Risiken mit einem klaren Blick auf die Welt zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Im gestern vorgelegten Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen wird Ihnen, liebe Regierung, in jeder Hinsicht ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Das zieht sich auch in diesen Bereich hinein, den wir gerade diskutieren. Wir sehen den notwendigen Willen zu einer echten Wirtschaftswende nicht. Eine echte Wirtschaftswende, meine Damen und Herren, gibt es nur mit der AfD in Regierungsverantwortung. China hat sich in der Vergangenheit schon einmal entschieden, die Exportquoten für seltene Erden zu senken; das war im Jahr 2010. An den Märkten stiegen daraufhin in kürzester Zeit die Preise ins Unermessliche, und für kurze Zeit entstand ein Bewusstsein für die drohenden Folgen dieser enormen Abhängigkeit, allerdings ohne nennenswerte Folgerungen aller Bundesregierungen seitdem. Da ist viel versäumt worden. Heute stammen immer noch 65 Prozent unserer seltenen Erden von dort. Bei Lithium und Silizium sieht es kaum besser aus. Es ist also kein Randthema, sondern ein wichtiges strategisches Thema für unsere Industrie. Deswegen haben wir das Thema heute auf die Tagesordnung gesetzt. Diese Abhängigkeit ist nicht ein Ergebnis der Globalisierung, sondern diese Abhängigkeit, die wir im Laufe der Zeit aufgebaut haben, ist das Ergebnis der politischen Kurzsichtigkeit der letzten Bundesregierungen. Andere Länder – zum Beispiel die USA, aber auch Südkorea und Japan – haben sich längst auf den Weg gemacht und strategische Rohstoffreserven aufgebaut. Unser Antrag zielt auf eine solche marktwirtschaftliche Resilienz. Wir fordern in unserem Antrag erstens steuerliche Anreize, damit Unternehmen eigenverantwortlich Reserven aufbauen können, also nicht als Subvention mit der Gießkanne – es ist ja oft die aktuelle Politik hier, dass man alles Mögliche subventioniert –, sondern mit steuerlichen Anreizen als Investition in Versorgungssicherheit. Zweitens wollen wir die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden vertiefen, vielleicht auch unter Einbeziehung der Deutschen Rohstoffagentur, um dezentrale, branchenübergreifende Rohstofflager zu schaffen. Drittens müssen wir die Importabhängigkeiten reduzieren. Das heißt, wir brauchen Rohstoffabkommen mit weiteren Partnerländern. Wir haben ja heute Abend noch den Tagesordnungspunkt zu den Investitionsschutzabkommen mit Singapur und Vietnam und zum Rahmenabkommen mit Chile. Wir brauchen noch weitere solche Abkommen mit Partnerländern, die auf Verlässlichkeit statt Ideologie setzen. Viertens brauchen wir auch wieder vermehrt Exploration, also Rohstoffabbau, hier in Deutschland. Wir haben Erfahrungen – in Sachsen, im Harz, in Bayern –, wir haben das Know-how in Deutschland, aber nicht die Rahmenbedingungen. Bürokratische Genehmigungsprozesse, hohe Energiepreise und Investitionshemmnisse haben Projekte im Keim erstickt, und das muss sich ändern. Deshalb ist dieser Antrag ein Aufruf zu ökonomischer Vernunft. Dafür steht die AfD, und deshalb bitten wir um Ihre Unterstützung für den Antrag. Vielen herzlichen Dank. Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Fabian Gramling aufrufen und das Wort erteilen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer sich mit der Thematik schon länger beschäftigt, der erlebt in diesen Tagen ein Déjà-vu; denn bereits 2010 haben die Schlagzeilen in den Zeitungen gelautet: „Deutsche Industrie warnt vor Rohstoff-Engpass“, „Unternehmen bangen um ihre Rohstoffversorgung“, „Rohstoffmangel gefährdet die Existenz von Unternehmen“. 15 Jahre später stehen wir wieder da; die Lage ist nur viel dramatischer: Der globale Kampf um kritische Rohstoffe ist härter denn je, die Abhängigkeiten sind tiefer, die geopolitische Dimension ist heute schärfer, und die Folgen für unsere Sicherheit, für unsere Wertschöpfung, für unseren Wirtschaftsstandort sind größer. Statt unsere Lieferketten zu diversifizieren, haben wir uns in weiten Teilen zu lange auf andere verlassen. Das Ergebnis davon ist auch, dass wir in Deutschland das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz haben, und die Chinesen haben die Lieferkette. Es war bequem, auch für die Wirtschaft, diese Wertschöpfungsschritte auszulagern, sehr viel in eine Hand zu geben, und davon haben wir auch über Jahre profitiert. Kritische Rohstoffe sind mittlerweile zu unserer Achillesferse geworden. An der Versorgung mit Rohstoffen hängt unsere wirtschaftliche Stärke, hängen auch Millionen von Arbeitsplätzen. Deswegen müssen wir uns klarmachen: China bleibt nicht länger unsere verlängerte Werkbank, wie wir das in den letzten Jahren und Jahrzehnten hatten. China hat seine Dominanz auf dem Rohstoffmarkt über die Jahre strategisch geplant und auch umgesetzt – und übrigens nicht nur bei den Rohstoffen, sondern auch die Raffinerien, also die Rohstoffverarbeitung, liegen teilweise monopolistisch in chinesischer Hand. Was die Verteidigungsfähigkeit bei den Trump-Zöllen ausmachte, die Rohstoffversorgung, droht jetzt auch ein möglicher Hebel für die Chinesen gegenüber Deutschland und Europa zu werden. Darauf müssen wir eine Antwort finden; denn das kann für uns brandgefährlich werden. Ich möchte auch noch einen Schritt weitergehen und den aktuellen Fünfjahresplan von China mit seinen Zielen auf den Zukunftsfeldern Wasserstoff, Kernfusion, Quantentechnologie, KI, Mikroelektronik erwähnen. Der Wettkampf um die Technologieführerschaft darf nicht an der Rohstoffverfügbarkeit scheitern. China – das muss uns in Deutschland auch klar sein – scheut keine Mittel. Durch Beteiligungen an europäischen Unternehmen erhalten Akteure aus China aktuell Einblick in unsere Forschung und in unsere Entwicklung. Wir müssen uns diese Gefahr viel bewusster machen, und nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft und insbesondere die Wissenschaft sind hier gefragt. Deshalb ist es richtig, dass wir unsere Naivität ablegen und eine Kommission zur Überprüfung sicherheitsrelevanter Wirtschaftsbeziehungen zu China einsetzen; darüber werden wir ja direkt im Anschluss noch debattieren. Die Frage ist jetzt natürlich, was zu tun ist und wie wir uns resilienter aufstellen können. Ich glaube, da ist es ganz wichtig, dass wir erst mal schauen: Welche Partnerschaften bestehen? Und welche Partnerschaften können wir mit strategischen Partnern verstärken? Da können wir auch auf Länder wie zum Beispiel Japan schauen, die das in den letzten Jahren schon ganz gut hinbekommen haben. Wir müssen dabei auch mehr auf Afrika schauen – und das Ganze nicht mit Appellen und dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit einer klaren Strategie. Ich sage aber auch ganz klar, weil hier immer die Frage kam: „Wer war denn in den letzten Jahren an der Regierung?“: Es liegt eben auch an der Wirtschaft, sich hier einzubringen und zu engagieren. Es kann nicht sein, dass man nur abkassiert, sondern man muss auch seiner Verantwortung nachkommen. Das ist auch eine ganz klare Forderung an die Wirtschaft. Vorsorge kostet hier auch Geld; das ist klar. Die Wirtschaft kann sich aber nicht wegducken und die Vollkaskomentalität ausrufen. Wir müssen ganz klar auch die einheimischen Potenziale, die Potenziale im Inland, nutzen. Auch hier ist Mut der Politik gefragt. Ein Appell an alle an dieser Stelle: Mit dieser „Not in my backyard“-Mentalität werden wir hier nicht weiterkommen. Das gehört zur Wahrheit natürlich auch dazu. Natürlich müssen wir als Staat all diese Maßnahmen flankieren. Wir brauchen Regelklarheit, wir brauchen schnelle Genehmigungen, und wir brauchen auch die finanzielle Unterstützung. Genau das machen wir auch mit dem Rohstofffonds. Wenn wir die Lehren aus der Gaskrise ernst nehmen, die uns allen hier im Parlament noch sehr präsent sind, dann müssen wir sagen: Es ist jetzt Zeit, die Zeitenwende auch bei den kritischen Rohstoffen anzupacken. Deshalb brauchen wir verlässliche Partnerschaften. Wir müssen Potenziale im Inland stärker nutzen. Wir müssen stärker in Kreisläufen denken, und ja, auch die Wirtschaft muss, wie angesprochen, ihren Beitrag leisten. Wir dürfen den Fehler von 2010 nicht wiederholen, sonst werden wir in Zukunft ein böses Erwachen haben. Vielen Dank. Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Dr. Sandra Detzer das Wort erteilen.
Sehr verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei der Rohstoffversorgung ist es so: Wenn alles läuft, redet keiner darüber, und wenn es nicht mehr läuft, ist die Aufregung riesig. Das ist genau das Grundproblem, das ich am Anfang noch mal beschreiben will. Wir haben mit der strategischen Rohstoffpolitik und dem effektiven Risikomanagement in Bezug auf Rohstofflieferketten natürlich ein enormes volkswirtschaftliches Potenzial, um uns resilient aufzustellen. Umgekehrt ist es aber so, dass es im konkreten Einzelfall die Unternehmen betriebswirtschaftlich Geld kostet, diese Resilienz herzustellen, und dass Unternehmen eben zurückhaltend sind, diese Resilienz dann auch herzustellen. Genau das ist der Gap, den wir politisch überbrücken müssen: der zwischen der einzelbetrieblichen Realität und der volkswirtschaftlichen Resilienz. Das ist der Kern, um den es uns Grünen in der Sache geht. Jetzt bin ich ja froh, Herr Gramling, dass Sie wenigstens einmal an diesem Tag die Gaskrise erwähnt haben. Ich habe ja während Ihrer Rede in der wirtschaftspolitischen Debatte vorhin schon fast gedacht, Sie haben ganz vergessen, dass wir die Gaskrise damals mit dem Wirtschaftsminister Habeck in den Griff gekriegt haben. Und auch an dieser Stelle haben wir natürlich ganz genau hingeschaut. Es ist eben nicht so, dass die letzten Bundesregierungen untätig waren, sondern wir haben sehr wohl eine Bundesregierung gehabt, und zwar die letzte – namentlich mit Minister Habeck und seiner Staatssekretärin Franziska Brantner –, die erheblich in Rohstoffresilienz investiert hat, die uns gut aufgestellt hat und die wesentliche Schritte vorangegangen ist. Und es ist auch da wieder so, dass uns auch Europa extrem entscheidende Leitlinien liefert. Mit dem Critical Raw Materials Act, dem europäischen Rohstoffgesetz, sind die Ziele vollkommen klar umschrieben: Wir wollen 10 Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus dem Bergbau in der EU decken, wir wollen die Deckung von 40 Prozent des Bedarfs an Refinement-Rohstoffen, also weiterverarbeiteten Rohstoffen, aus der EU erreichen, wir wollen 25 Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen mit recycelten Rohstoffen aus der EU decken, und wir wollen keine Importabhängigkeiten von über 65 Prozent von einem einzelnen Land haben. Da ist Europa fortschrittlich, und es ist auch schon damals, als dieser Act beschlossen worden ist, viel fortschrittlicher gewesen, als das oft in deutschen Debatten erschienen ist. Da bin ich der Europäischen Union sehr dankbar, dass sie vorangeht. Und ja, Japan ist ein gutes Beispiel. Ich bin froh, dass das Beispiel gefallen ist. Ich bin 2023 selbst für eine Woche dort gewesen, um mich zum Thema Wirtschaftssicherheit zu informieren, darüber, wie die Japaner es geschafft haben, die Rohstoffsouveränität in den Vordergrund zu stellen. Und es ist relativ klar, was da passiert ist: Sie haben eine sehr schlagkräftige Rohstoffagentur, die JOGMEC, die sich strategischen Projekten widmet und mit 12 Milliarden Euro enorm viel Geld zur Verfügung hat, um Rohstoffprojekte auf den Weg zu bringen. Es gibt in Japan ein eigenes Ministerium für Wirtschaftssicherheit, und ich habe damals aufgeschrieben – unter anderem im „Handelsblatt“ nachzulesen –, was Deutschland von Japan lernen kann. Das ist genau der Weg, den wir jetzt weiter beschreiten wollen, und es ist gut, wenn die Bundesregierung diesen Weg weiter für sich entdeckt. Dabei kann der Rohstofffonds, den wir letzte Legislatur aufgelegt haben, nur der erste Schritt sein. Deswegen ist unsere Forderung jetzt in den Haushaltsberatungen ganz klar die Aufstockung des Fonds. Das BMF, das Bundesfinanzministerium, muss jetzt endlich bei den Projekten die Risiken übernehmen. Da gibt es momentan noch Häuserstreitigkeiten. Die brauchen wir nicht. Klären Sie Ihre Streitigkeiten! Es ist wichtig, dass wir vorangehen. Und ganz wichtig ist, dass das Wirtschaftsministerium strategische Projekte anbahnt, so wie es Kommissar Séjourné momentan auf europäischer Ebene tut. Frau Kollegin. Denn es kann nicht sein, dass volumenstarke Projekte im Ausland ohne Deutschland stattfinden. Machen Sie da Ihre Hausaufgaben! Wir werden Sie weiter ein bisschen anschubsen. Herzlichen Dank.
Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich immer, wenn wir hier im Haus über Rohstoffe und die Rohstoffstrategie sprechen. Denn Rohstoffe – ich bin mir nicht sicher, ob das allen immer klar ist – stehen am Beginn jeder Wertschöpfungskette, und nur wenn wir eine sichere Versorgung hinbekommen, können wir überhaupt anfangen, über strategische Ansiedlungen, zum Beispiel einer Chipfertigung, einer eigenen Batteriezellfertigung oder einer Produktion von Permanentmagneten, zu sprechen. Deswegen passt es übrigens ganz wunderbar, dass wir beim nächsten Tagesordnungspunkt die Einsetzung einer Kommission diskutieren, die die wirtschaftliche Abhängigkeit von China ein bisschen konkreter unter die Lupe nehmen und analysieren soll – übrigens insbesondere im Bereich Rohstoffe – und vor allem konkrete Vorschläge vorlegen soll. Wir dürfen aber nicht warten, bis die Kommission ein Ergebnis erarbeitet hat. Wir müssen jetzt handeln. Wir handeln eigentlich auch schon die ganze Zeit, und zwar mit einem umfassenderen Ansatz. Auf europäischer Ebene haben wir den Critical Raw Materials Act. Da gibt es erste Projekte, und da ist ein guter Rahmen gesetzt. Wir werden sehr genau gucken, ob das hilft und ob wir konkret nachsteuern müssen; in einigen Bereichen deutet sich das ja an. Auf nationaler Ebene haben wir in der Ampel den Rohstofffonds eingesetzt, der jetzt endlich – konkret: in diesen Tagen – faktisch an die Arbeit geht. Gott sei Dank sind die Themen geklärt. Wir werden da aber noch eine Schippe drauflegen müssen, würde ich sagen. Wir haben aber glücklicherweise im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD eine Aufstockung der Mittel vereinbart. Wir werden im Prozess prüfen, ob der Fonds richtig konzipiert ist. Die Fördersumme von mindestens 50 Millionen Euro pro Projekt erscheint mir persönlich zum Beispiel zu hoch. Warum prüft man nicht, ob man nicht auch zehn kleine Projekte à 5 Millionen Euro fördern kann? Das Ergebnis könnte ja auch sein: Lieber drei oder fünf gelungene kleine Projekte als am Ende ein großes gescheitertes Projekt. Ich glaube auch, dass die Förderung früher einsetzen muss, insbesondere dann, wenn das Risiko für die Unternehmen noch größer ist. Wir können es uns rohstoffpolitisch nicht leisten, dass Projekte nicht weiterverfolgt werden, weil Banken das Risiko scheuen. Aus dem gleichen Grund halte ich zum Beispiel die Idee eines Förderfonds für Explorationsvorhaben für sehr verfolgenswert. Exploration ist logischerweise zwingend notwendig, aber eben auch besonders risikoreich, was in der Natur der Sache liegt. Man braucht zielgerichtetes Handeln, auch bei dem Fonds, und man braucht natürlich immer auch sehr konkretes Wissen, zum Beispiel über die aktuelle Lage in dem Land oder in der Konstellation, in der man arbeiten will. Mit der BGR und der DERA haben wir in Deutschland hervorragende Expertise im Bereich der weltweiten Rohstoffversorgung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das BMWE zusammen mit involvierten Unternehmen eine Round-Table-Reihe zu kritischen und strategischen Rohstoffen etabliert, um die Lagen regelmäßig zu analysieren und Lösungsoptionen zu erarbeiten. Ich habe hier bereits 2022 angeregt, dass man bei der SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovationen, zum Beispiel eine Challenge „Unabhängigkeit vom Import kritischer Rohstoffe“ initiiert. Dann könnten alle Interessierten ihre Ideen einreichen, von Forschungsinstituten bis hin zum Hobbybastler in der Garage. Das dann offen formulierte Ziel würde ein ganz breites Spektrum von möglichen Beiträgen ermöglichen. Zum Beispiel hielte ich eine neue Fördermethode, um aus alten Abraumhalden kritische Rohstoffe zu gewinnen, für förderwürdig. Effiziente Recyclingtechnologie: förderwürdig. Neue Produkte, für die bisher kritische Rohstoffe gebraucht wurden, so konstruieren, dass sie mit weniger oder ohne kritische Rohstoffe auskommen: förderwürdig. Und natürlich hielte ich auch die Entwicklung neuer Materialien, die dieselben Eigenschaften haben wie kritische Rohstoffe und sie ersetzen können, für förderwürdig. Die Agentur hätte den Charme, dass sie offen für Ideen ist, die noch niemand im Kopf hat und die deswegen auch nie von einer aktuellen Förderrichtlinie berücksichtigt werden würden. Entsprechend erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, dass es bei der SPRIND aktuell die Tech Metal Transformation Challenge gibt, bei der die Rückgewinnung kritischer Metalle aus komplexen Abfallströmen untersucht wird – ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ich glaube, dass es sehr geschickt wäre, wenn wir in die öffentliche Auftragsvergabe einen Resilienzbonus mit aufnehmen würden. Dann wäre es für die Anbieter ein Vorteil, wenn sie regionale, europäische oder zumindest möglichst diversifizierte Lieferketten nachweisen könnten, auch wenn das im Einzelfall mit höheren Preisen verbunden ist. Ich glaube, wir müssen konkret darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn Deutschland oder die EU Verträge über die garantierte Abnahme zu kostendeckenden Preisen abschließen würde, die ein kalkulierbares Geschäftsmodell für die Gewinnung, die Verarbeitung und das Recycling von strategischen und insbesondere kritischen Rohstoffen ermöglichen. Wir müssen unbedingt darauf achten, dass wir den Fokus bei rohstoffpolitischen Debatten nicht nur auf kritische Rohstoffe verengen; denn auch die nicht kritischen können irgendwann kritisch werden und sind relevant. Ich glaube, es ist wichtig, dass die Frage Rohstoffgewinnung auch rechtlich ins überragende öffentliche Interesse gestellt wird und dass wir der Diskussion darüber nähertreten. Es gibt weiter viel zu tun. Es ist einfach falsch, sich auf den Markt zu verlassen und vielleicht nur einige Anreize zu setzen. Ich bin froh, dass wir in den letzten Jahren in dieser Debatte deutlich weitergekommen sind, und freue mich auf weitere Fortschritte und die weitere Diskussion. Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Antrag der AfD zur sogenannten marktbasierten Resilienz in der Rohstoffversorgung. Ja, die Sicherung kritischer Rohstoffe ist zentral für die Energiewende, für die Industrie, für unsere technologische Souveränität. Aber der Weg, den die AfD hier einschlagen will, ist natürlich der falsche. Sie wollen steuerliche Vorteile für Unternehmen schaffen, damit diese kritische Rohstoffe privat horten. Für uns als Linke ist klar: Das ist kein Resilienzprogramm, sondern ein Industriebonus ohne soziale oder ökologische Auflagen. Und das werden wir so nicht hinnehmen. Das schafft auch neue Risiken. Wenn Rohstoffe privat gehortet werden, bedeutet das nicht, dass automatisch die Versorgungssicherheit gegeben ist, sondern das öffnet die Tür für Preis- und Profitspekulation. Kurz gesagt: Wer heute einlagert, kann morgen teurer verkaufen. Versorgungssicherheit wird damit von Marktinteressen statt von öffentlicher Planung abhängig gemacht, wie es sich bei so einem wichtigen Feld eigentlich gehört. Wir haben in Energie- und Lieferkettenkrisen erlebt, wohin Marktgläubigkeit führt: zu Preisexplosionen, Unsicherheit und industriellen Standorten, die leiden. Ja, wir brauchen eine Diversifizierung der Lieferketten und internationale Partnerschaften. Aber Resilienz entsteht in erster Linie durch Kooperation, Nachhaltigkeit und soziale Standards, nicht durch bilaterale Deals und Lagerlogik. Aber die Frage der Förderung im Inland gehört differenziert gestellt. Die AfD verweist zwar auf Einbeziehung der Bevölkerung und Auflagen; was das für Auflagen sein sollen, das will ich mir bei der AfD gar nicht erst vorstellen. Entscheidend ist aber nicht mehr Abbau um jeden Preis, sondern ein konsequenter Ausbau der Kreislaufwirtschaft, eine starke Recyclingindustrie, transparente Lieferketten und verbindliche soziale und ökologische Standards in globalen Rohstoffpartnerschaften. Diese strategische Dimension fehlt in Ihrem Antrag. Die Linke steht für eine sozial-ökologische Rohstoffstrategie, die auf Recycling und Wiederaufbereitung setzt, Spekulationen verhindert, internationale Kooperationen auf Augenhöhe stärkt und Versorgungssicherheit durch öffentliche Verantwortung statt privatwirtschaftlicher Vorratskammern gewährleistet. Unser Ziel ist nämlich die Versorgungssicherheit mit staatlicher Verantwortung und klaren Prioritäten, nicht Rohstofflager in Konzernhand und steuerliche Vorteile ohne gesellschaftliche Gegenleistung. Vielen Dank. Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Dr. Saskia Ludwig das Wort erteilen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! In einer immer komplexeren industriellen Fertigung sind große Teile unserer produzierenden DAX-Konzerne, aber auch unzählige Mittelständler und Hidden Champions auf besondere Rohstoffe angewiesen. Einige davon sind aus vielen Teilen der Welt beziehbar und im Falle von Problemen bei der Beschaffung mehr oder weniger leicht zu ersetzen. Nicht so die seltenen Erden. Seltene Erden sind unverzichtbare Rohstoffe für viele Schlüsseltechnologien, die für die deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind: die Automobilindustrie, die Elektroindustrie oder auch die Rüstungsindustrie – um nur einige zu nennen. Aber es ist regelrecht ein Hunger nach seltenen Erden ausgebrochen, natürlich auch durch das Thema „erneuerbare Energien“. Aus diesem Grund ist es gut und richtig, dass wir heute über diesen Antrag debattieren. Sehr geehrte Frau Conrad, den Zusammenhang zwischen Marktwirtschaft, Planwirtschaft und explodierenden Preisen – ich glaube, darüber können wir noch oft genug diskutieren – sollte man doch irgendwann versuchen zu verstehen. Sehr geehrte Damen und Herren, zu Ihrem ersten Punkt des Antrages. Sie fordern, steuerliche Anreize zu schaffen, damit sich Unternehmen die benötigten seltenen Erden in Eigenregie auf Vorrat zulegen. Wir wissen selbstverständlich, dass gerade solche Unternehmen sich keine großen Lagerbestände anlegen, natürlich auch aufgrund unterschiedlicher Preise. Sicherlich denken Sie darüber nach, das steuerlich auszugleichen. Also, das ist ein breites Feld, und wir reden an dem Punkt auch nicht mehr über Marktwirtschaft und marktwirtschaftliche Anreize. Ich würde gerne den Punkt 2 in Ihrem Antrag überspringen und gleich zu Punkt 3 kommen. Hier beschreiben Sie in drei Stufen, wie Sie im Falle von Schwierigkeiten bei bilateralen Abkommen, die mit Ländern abgeschlossen werden sollen, eventuell für Ausgleich sorgen könnten. Unter Punkt b, also bei der zweiten Stufe, fordern Sie die Suche nach seltenen Erden bei uns in Deutschland. Ich finde, das ist ein absolut richtiger Punkt. Mein Kollege hat es beim Thema Lithium schon angesprochen: Wir haben entsprechende Vorkommen auch bei uns in Deutschland. Ich glaube, da haben wir einige Hausaufgaben zu machen; denn wir können uns tatsächlich unabhängiger machen, indem wir solche Vorkommen selbst heben. Es gibt da tatsächlich rechtliche Hürden. Darüber, wie wir diese entsprechend abbauen können, müssen wir auch in der Koalition diskutieren, um unsere eigene Resilienz weiter stärken zu können. Beim Thema Lithium reden wir von 0,4 bis 26,5 Millionen Tonnen. Das ist viel; aber es ist eben nur ein Punkt. Unter Punkt c, also bei der dritten Stufe, fordern Sie die Förderung der Forschung; auch ein richtiger Punkt. Eventuell könnten sogar seltene Erden im Labor synthetisiert werden. Auch das wäre eine Möglichkeit, sich unabhängiger zu machen. Das ist gut, und das ist auch unterstützungswürdig. Jetzt würde ich aber gerne zu Punkt 2 Ihres Antrages zurückkommen. Da schreiben Sie: „Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, […] die Zusammenarbeit mit branchenübergreifenden Wirtschaftsverbänden zu intensivieren, mit dem Ziel, dezentral organisierte Rohstoffreserven für besonders kritische Rohstoffe insbesondere leichte und schwere seltene Erden zu entwickeln;“ Dagegen kann man erst mal nichts sagen; das klingt sinnvoll. Jetzt schauen wir uns die Begründung dazu an. Und da heißt es: „Die Deutsche Rohstoffagentur […] der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe […] ist formell bereits mit der Bereitstellung von Marktanalysen und Beratung im Bereich der Rohstoffbevorratung ausgestattet. Ein Ausbau marktbasierter Bevorratung in der Privatwirtschaft kann durch diese bereits bestehende Struktur überwacht und kommuniziert werden.“ Meine Damen und Herren, Sie schreiben lang und breit über dieses sensible und wichtige Thema, was es auch ist. Wir haben im Ausschuss darüber gesprochen, dass sich der Nationale Sicherheitsrat intensiv damit beschäftigt, auch wegen des Verhältnisses zu China. Die Ansage aus China, seltene Erden nur noch gegen Geschäftsgeheimnisse austauschen zu wollen, ist natürlich nicht akzeptabel. Aber Sie wollen dann tatsächlich den Bestand dieser Rohstoffe in der Privatwirtschaft genau überwachen und auch kommunizieren. Ob das mit unserem Sicherheitsinteresse übereinstimmt, wenn es darum geht, unsere Rohstoffsicherheit zu gewährleisten, wage ich zu bezweifeln. Und aus diesem Grund lehnen wir diesen Antrag ab. Vielen Dank. Als letzte Stimme in der Aussprache hören wir Dirk Brandes von der AfD.
Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin überrascht, wie viel Einigkeit wir hier für unseren Antrag finden. Anscheinend haben wir nach Ihrer Auffassung das erste Mal fachlich, sachlich und auch handwerklich gut gearbeitet. Dafür möchte ich mich erst mal recht herzlich bei Ihnen bedanken. – Nach unserer Auffassung ohnehin. Meine Damen und Herren, ich möchte bzw. ich will, dass unser Deutschland wieder ein souveränes, von deutschen Interessen geleitetes Land wird. Deutschland – da sind wir uns einig – muss seine Rohstoffsouveränität konsequent zurückerobern; sonst verlieren wir nicht nur die Kontrolle über die Energie und über die Industrie, sondern am Ende auch über politische Entscheidungen, weil andere über die Rohstoffe der Welt alleine verfügen und wir hintenanstehen. Deutschland – das haben Sie auch erkannt – ist dramatisch abhängig von kritischen Rohstoffen. Über 3 000 Tonnen seltene Erden benötigen wir jedes Jahr; zwei Drittel davon kommen aus China. Der Bedarf wächst schneller als alle Recyclingmengen der Welt zusammen. Staaten wie China nutzen Exportkontrollen längst als machtpolitisches Mittel. Blicken wir den Realitäten ins Auge: Heute entscheidet nicht Deutschland, sondern Peking, ob unsere Lieferketten funktionieren. Andere Nationen handeln jetzt noch wesentlich entschlossener als Deutschland. Die USA investieren Milliarden in Rohstofflagerstätten und übernehmen, ja, auch staatliche Risiken zur Rohstoffsicherung. China recycelt, China fördert, China lagert und ist technologisch in der Aufbereitung längst Jahre voraus. Während andere Nationen alle verfügbaren Energiequellen sichern – da trennen sich jetzt unsere Wege –, sprengt Deutschland Kühltürme in Gundremmingen und erstickt Innovation mehr denn je in Bürokratie und Genehmigungsverfahren. Sie haben es bis vor Kurzem nicht geschafft, einen eigenen Rohstofffonds funktionsfähig aufzusetzen. Ich erinnere an meinen Eingangssatz: Ich möchte, dass Deutschland wieder ein souveränes, von deutschen Interessen geleitetes Land wird. Darum fordern wir in unserem Antrag – wo Sie, Frau Dr. Ludwig, anscheinend bei vielen Punkten auch mitgehen können; wir können uns darüber unterhalten – dezentrale Rohstofflager in Kooperation mit der Wirtschaft, bilaterale Rohstoffabkommen, neue Explorationen in Deutschland und eine massive Forschungsinitiative zu Recycling und Substitution. Souveränität entsteht nicht durch woke Weltenrettung, sondern durch Vorsorge und Realpolitik. Handeln wir endlich danach, auch hier auf der linken Seite – für und nicht gegen ein starkes, souveränes, industrielles Deutschland! Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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