Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD Raumfahrtnation Deutschland – Mit Forschung und Innovation made in Germany neue wissenschaftliche Durchbrüche schaffen

Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD Raumfahrtnation Deutschland – Mit Forschung und Innovation made in Germany neue wissenschaftliche Durchbrüche schaffen

22. April 2026·Sitzung 73··Als Markdown herunterladen

Zusammenfassung

Für diese Debatte liegt noch keine geprüfte Zusammenfassung vor. Die Rohdaten der Sitzung – Reden und Abstimmungen – findest du weiter unten.

Reden (15)

CDU/CSU

Sehr geehrte, liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir leben ja in einer Zeit des Umbruchs; aber wir leben Gott sei Dank auch in einer Zeit des Aufbruchs. Fast nirgendwo wird das deutlicher als in der Raumfahrt, und die Artemis-2-Mission war das beste Beispiel dafür. Kurz bevor die Kapsel im Mondschatten verschwunden ist, kurz bevor die Kommunikation zur Erde unterbrochen wurde – und jetzt wird es leider ein bisschen pathetisch, aber das darf auch mal sein –, sagte Astronaut Victor Glover: „[…] we’re still going to feel your love from Earth. And to all of you down there on Earth and around Earth, we love you, from the Moon. We will see you on the other side.“ Ich finde das großartig; denn das zeigt noch mal diesen Gänsehautmoment, den auch ich verspürt habe, weil noch nie Menschen weiter von der Erde entfernt waren. Und dass wir in einem Zeitalter leben, in dem wir das miterleben dürfen, ist ganz, ganz großartig, wie ich finde. Pathos ist das eine, aber das andere ist, dass der Weltraum längst auch zu einem großen Wirtschaftsraum geworden ist. Er ist zu einem Ort geworden, an dem wir auch unsere Sicherheit verteidigen. Unsere Zukunft wird eben auch im Weltall entschieden, und der internationale Wettlauf ist in ganz großem Gange. Wir werden ja immer gefragt: Warum macht ihr das eigentlich? Warum steckt ihr so viele Milliarden in die Raumfahrt? – Darauf kann man sagen: Wir wollen diesen Wettbewerb natürlich gewinnen. – China hat massiv aufgeholt, Nationen wie Indien sind mit am Start. Die Raumfahrt gewinnt enorm an Gewicht. Und deswegen ist es eben großartig, dass Artemis 2 so ein Riesenerfolg war für alle Beteiligten: für die NASA, für die Astronautencrew, für die internationalen Teams, aber auch für uns hier in Europa und in Deutschland. Wo stehen wir? Beim Raumschiff „Orion“ war ein wesentlicher Teil made in Germany, ganz viele Teile made in Europe, aber ganz viel made in Germany. Unser Servicemodul war essenziell für die Mission. Wofür war unser Servicemodul zuständig? Es war verantwortlich dafür, dass die Crew überhaupt atmen konnte, dass sie Wasser und Strom hatte und dass sich das Raumschiff überhaupt steuern ließ. Bei der Navigation im All vertraut die NASA auf einen Sternensensor. Wo kommt der her? Aus Jena! Da sind wir sogar Weltspitze. Das heißt, dank uns fliegt die NASA zum Mond. Natürlich gilt das auch umgekehrt: Dank der NASA fliegen wir zum Mond. Diesmal war viel Technik von uns an Bord, auch neue Technik, die erprobt wurde – wir haben vorhin in der Regierungsbefragung auch schon kurz darüber gesprochen –, Tacheles zum Beispiel. Das ist ein ganz kleiner Forschungssatellit, kaum größer als ein Handgepäckkoffer, gebaut von einem deutschen Start-up, das gegründet wurde von einer Frau, die als Kind mit ihren Eltern aus Sri Lanka geflohen ist. Jetzt schreibt sie von Berlin aus Raumfahrtgeschichte, und ich finde es ganz sensationell, dass sich genau diese Geschichten alle in einer Rakete wiederfinden. Die Start-up-Gründerin war sogar beim Start der Rakete in Cape Canaveral dabei. Ich durfte sie danach treffen und auch ihre Begeisterung spüren. Sie führt jetzt schon wieder weiter gehende Gespräche mit der NASA. Sie hat gesehen, wie ihr Satellit ins All geflogen ist – übrigens zusammen mit der ersten Frau auf Mondmission, der großartigen Christina Koch. Und auch daran zeigt sich, dass Artemis 2 auch ein weiblicher Erfolg ist. Ich finde es so schön, wie leicht Sie sich da immer triggern lassen. Man muss einfach das Wort „Frau“ sagen, und schon eskaliert die AfD-Fraktion. Es ist wirklich sensationell. Es mag schwer zu ertragen sein, aber Frauen gehören in der Raumfahrt dazu, bis hin zu den hervorragenden Astronautinnen, die wir auch in Europa und in Deutschland haben. Und sowieso gilt: Wir haben top ausgebildete Leute, die für die kommenden Missionen bereitstehen. Und wir haben auch die Zusage der NASA, dass bei den nächsten Mondflügen Europäer dabei sein werden. Zuallererst darf jemand aus Deutschland mit an Bord, und das ist eine ganz, ganz große Anerkennung. Frau Ministerin, erlauben Sie eine Zwischenfrage von Herrn Brandner aus der AfD-Fraktion? – Bitte. Vielen Dank, Frau Bär, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich will auf Ihre Unterstellung reagieren, es würde uns triggern, wenn Sie Frauen erwähnen, und dass es uns hier irgendwie auf die Palme bringen würde. Ich habe mal ein Zitat von Markus Söder vom CSU-Parteitag im Januar mitgebracht. Er sagte wörtlich – ich zitiere mal –: „Und jetzt haben wir auch ein Ministerium, und die Doro ist unsere Space-Ministerin. Das freut mich ganz besonders. […] Keine Frage, wir erwarten uns nicht viel von dir; aber viel Geld nach Bayern, liebe Doro, das wäre schön.“ Zitat Ende. Meine Frage: Hat es Markus Söder getriggert, dass Sie eine Frau sind, oder warum geht er so despektierlich mit Ihnen um? Also, jetzt machen wir erst mal den Faktencheck: Der CSU-Parteitag war im Dezember. Da fängt es ja schon mal an. – Das ändert natürlich alles. – Und ansonsten ist Markus Söder, genauso wie ich, aus Franken, und wir haben vielleicht ein anderes Verständnis, wie man miteinander im Spaß umgehen kann. Dass Sie es nicht verstehen, Herr Brandner, dass sich ein Ministerpräsident freut, wenn mal der ein oder andere Euro in sein Bundesland kommt, wundert mich nicht. Ich kann Ihnen sagen: Das geht allen 15 anderen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen genauso. – Ich weiß jetzt nicht, was das mit dem Thema zu tun hat. – Herr Brandner, das ist kein Zwiegespräch; ich bin jetzt dran. – Aber man sieht auf jeden Fall ganz deutlich, dass Sie von dem Thema keine Ahnung haben, da Sie jetzt Whataboutism hier in die Runde reinbringen. Schade. Setzen, sechs! Also noch mal für alle Zuhörerinnen und Zuhörer: Wir haben die Zusage, dass der erste Europäer, der zum Mond fliegen darf, ein Deutscher sein wird. Das ist großartig; denn auch die Ausbildung war hervorragend. Wer von unseren Astronauten das sein wird, wird sich dann entscheiden, wenn es um die konkrete Mission gehen wird. Unser Land ist auf jeden Fall in der Raumfahrt vorne mit dabei. Wir spielen international in der obersten Liga. Das heißt, man kann sagen: Wir sind eine Raumfahrtnation. Und wir haben noch viel Potenzial. Ich darf noch mal auf unsere Raumfahrtindustrie und vor allem auch auf unsere vielen Start-ups mit großartigem Know-how verweisen. Wir haben Isar Aerospace, wir haben HyImpulse und die Rocket Factory Augsburg, um nur mal einige zu nennen, die Raketen bauen. Viele wollen es ja immer noch nicht glauben, dass es auch deutsche Unternehmen ins All schaffen; aber Hypersonica hat schon den Beweis geliefert. Und wenn man jetzt auch noch sieht, was in der letzten Woche beim großen Space Symposium in Colorado Springs stattgefunden hat! Isar Aerospace kommt von dort zurück und sagt: Wir haben 50 Anfragen für Launches im Gepäck, 25 für den Bau von Spaceports. – HyImpulse aus Baden-Württemberg berichtet, dass sie als Start-up im September einen zweiten Flug planen. Und das wird ein kommerzieller sein; das heißt, sie haben auch Kunden, die ihnen ihre Fracht anvertrauen. Und bei Rocket Factory gibt es ebenfalls Interessenten, schon beim zweiten Launch Nutzlast mitzuschicken. Dabei steht der erste Start sogar erst noch aus; der ist für den Sommer geplant. All das zeigt, dass da ganz, ganz viel Vertrauen da ist, aber natürlich auch ganz viel Wertschöpfung, die durch unsere deutsche Raumfahrtindustrie möglich ist, liebe Kolleginnen und Kollegen. Für uns ist die Raumfahrt auch ein strategisch relevantes Forschungsfeld. Das ist auch Teil der Hightech Agenda Deutschland. Wir stellen allein in unserem Ministerium knapp 7,5 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode dafür zur Verfügung. Ich möchte mich beim Verteidigungsministerium bedanken; denn es kommen auch erhebliche Mittel aus dem Verteidigungsressort. Und jetzt geht es wieder um das Wie, nämlich darum, wie wir das Geld einsetzen. Und da sind wir beim Stichwort „New Space“, also einer neuen Art von Raumfahrt, die noch konsequenter auf die Privatwirtschaft setzt. So stärken wir die Raumfahrtindustrie bei uns am besten. Das ist nicht nur gut fürs Land, sondern das ist auch ganz wichtig und ganz entscheidend für unsere europäische Souveränität. Wir haben im November bei der ESA-Ministerratskonferenz die Weichen dafür gestellt, auch in Richtung Kommerzialisierung. Wir verfolgen den System-of-Systems-Ansatz. Was bedeutet das konkret? Das bedeutet, dass wir einheitliche Standards haben wollen, damit alles zusammenpasst, was aus Europa kommt – egal aus welchem Land und egal von welchem Hersteller. Damit werden wir stärker, damit werden wir unabhängiger. Das ist der Weg, den wir beschreiten müssen, und so können wir eben auch – ganz wichtig – an der Raumfahrtgeschichte mitschreiben. Ich habe ganz zu Beginn Victor Glovers Worte zitiert, die er sagte, kurz bevor das Raumschiff hinter dem Mond verschwunden ist. Es gab danach 40 Minuten gar keinen Kontakt zur Erde. Das soll in Zukunft anders sein. Und wer arbeitet daran, dass das in Zukunft anders ist? Ein Team an der TU Dresden beispielsweise arbeitet schon jetzt gezielt daran. Und am Ende kann dann so etwas herauskommen wie ein Verkehrsleitsystem, nur eben für den Mond. Und deswegen an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, stellvertretend für alle, die in diesem Bereich arbeiten: Ganz liebe Grüße nach Dresden! Denn so legt die Forschung von heute die Basis für die Raumfahrt von morgen. Und genau so muss es sein. Heute in der Regierungsbefragung haben wir, als es darum ging, wo im Haushalt Geld eingesetzt werden soll, mehrfach auch die Frage gehört: Wo sollen die Prioritäten gesetzt werden? – Und es ist von der einen oder anderen Seite versucht worden, Prioritäten oder auch Themenfelder gegeneinander auszuspielen. Das wollen wir nicht. Wir haben mit unserer Hightech Agenda Deutschland, mit unseren Schlüsseltechnologien, aber auch mit unseren strategischen Forschungsfeldern Schwerpunkte gesetzt – der Haushalt an sich ist ja immer auch ein Schwerpunkt –, und ich glaube, die Raumfahrt ist hier besonders wichtig. Abschließend möchte ich betonen, dass wir durch die Raumfahrt in der Wissenschaft auch ganz neue Wertekooperationen eingehen können, dass wir noch näher an Ländern wie Australien, Neuseeland, Kanada oder Japan dran sind und ganz eng mit der ESA und der JAXA zusammenarbeiten. Und das macht es eben aus. Raumfahrt verbindet, aber Raumfahrt macht uns auch stabiler, macht uns souveräner und, so hoffe ich natürlich, langfristig wirtschaftlich auch wieder so stark, wie es unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihrer großartigen Arbeit verdient haben. Ganz, ganz herzlichen Dank. Für die AfD-Fraktion hat jetzt das Wort der Abgeordnete Andreas Mayer.

AfD

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Ministerin! Ich habe Ihnen sehr aufmerksam zugehört. Leider weiter nur Floskeln und Ankündigungen bisher, ohne konkrete Taten! Seit fast einem Jahr ist diese Bundesregierung im Amt, hat aber im Bereich der Raumfahrt nichts abgeliefert, und Sie haben offenbar keinen Plan, wie Sie diese Hochtechnologie voranbringen wollen. Auf meine schriftliche Frage nach dem Zeitplan für ein nationales Raumfahrtgesetz bekam ich kürzlich die nichtssagende Hinhalteantwort, dass derzeit ein Referentenentwurf erarbeitet werden würde. Das hören wir jetzt aber seit Wochen und Monaten, und Sie können noch nicht einmal eine Frist nennen, bis wann das passieren soll. Dabei hat Markus Söder, der sich seit Jahren mit dem Thema Raumfahrt in Szene setzen will, mit einer CSU-Raumfahrtministerin das gewünschte Ministerium bekommen. Doch selbst Söder war mal ehrlich und sprach: Wir erwarten uns nicht viel. – Das ist hart, aber wahr. Die Bilanz dieser Bundesregierung in Sachen Raumfahrt ist miserabel. Schon das Anberaumen einer Aktuellen Stunde dazu ist ein Eingeständnis des Scheiterns; denn es bedeutet ja, dass man kein konkretes Ergebnis, geschweige denn einen fertigen Gesetzentwurf vorlegen kann. Sie haben jetzt viel von Artemis geredet. Das war aber natürlich maßgeblich ein Erfolg der Vereinigten Staaten. Natürlich waren wir auch beteiligt, aber schon eher an einem geringeren Teil der Wertschöpfung. Es prägen gerade einfach andere Länder mit Meilensteinen die Raumfahrt. Das sieht jeder. Diese erfolgreiche Mondmission war natürlich auch ein großes Thema für meine junge Besuchergruppe vor zwei Wochen. Aber letzte Woche, also in der ersten Sitzungswoche nach dem Flug, kam dazu von den Regierungsfraktionen rein gar nichts. Und auch im zuständigen Ausschuss stand die Raumfahrt in dieser Legislatur bisher erst dreimal auf der Tagesordnung – und das auch nur, weil unter anderem wir das Thema auf die Tagesordnung gesetzt haben. Dabei ist Deutschland – das ist natürlich richtig – eine Raumfahrtnation. Ohne die großen Leistungen und Erfolge deutscher Erfinder, Ingenieure und Pioniere hätte es die Mondlandung 1969 nicht gegeben. Der Wettlauf ins All zwischen den USA und der Sowjetunion war von Deutschen maßgeblich mitgeprägt. Und auch heute haben wir Gott sei Dank noch innovative Unternehmen in der Raumfahrtindustrie in unserem Land, aber das eher trotz statt wegen Ihrer Politik. Wenn Sie überhaupt mal über Raumfahrt sprechen, dann geht es mehr um Regulierung, um noch mehr Regulierung, um mehr Bürokratie und darum, aufs Bremspedal zu drücken. Denn genau das droht mit dem Space Act der EU, der schon nächstes Jahr finalisiert werden könnte. Damit würde die EU mithilfe aller anderen Parteien in diesem Haus der Raumfahrtnation Deutschland faktisch eine Absage erteilen. Während es der ESA 2021 wichtig war, dass wir eine Zertifizierung für Gender Equality im Weltraum haben, mangelt es weiterhin massiv an Launch-Kapazitäten. Wir haben kaum eigene Raketen, sind bei KI, Big Tech usw. ziemlich abgehängt. Das Meme ist wahr: Die EU schreibt fest verbundene Plastikdeckel an der Flasche vor, und die anderen entwickeln währenddessen die Regelungstechnik, um Raketen wiederverwendbar zu machen. Es ist bei dieser innovations- und technikfeindlichen Politik daher auch kein Wunder, dass bei uns viel zu wenig Begeisterung für Raumfahrt aufkommt und die ganz großen Namen der Raumfahrtindustrie nicht aus Deutschland kommen. Es sind Menschen wie der Visionär Elon Musk und ihre privaten Unternehmen, die innerhalb weniger Jahre riesige Fortschritte für die weltweite Raumfahrt gebracht haben. Private Firmen wie SpaceX oder Blue Origin hatten 2025 mehr Raketenstarts als alle Staaten zusammen. Auch hier gilt: Wettbewerb belebt das Geschäft. Die Zahlen sind eindeutig: Letztes Jahr gab es 324 Launches, davon waren mit 165 mehr als die Hälfte allein von SpaceX – Europa insgesamt: 8 Starts. Allein beispielsweise Rocket Lab aus Neuseeland hatte mit 21 Starts fast dreimal so viel wie Europa. Die enormen Innovationen, die die staatlichen Raumfahrtbehörden völlig überrumpelt und weitestgehend in den Schatten gestellt haben, zeigen, dass auch in der Raumfahrt der Markt Ergebnisse liefert, während der Staat hinterherhinkt. Während wir in Deutschland und Bayern im Jahr 2026 immer noch über Funklöcher und zahlreiche Dörfer ohne Glasfaseranschluss reden, hat Elon Musk mit Starlink Internet an die abgelegensten Orte dieser Welt gebracht. Von den fast 14 000 Satelliten im All sind 9 300 von Starlink – mehr als zwei Drittel. Satelliten entscheiden über die Verteidigungsfähigkeit und damit über Sicherheit. Auch der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig die Technik aus dem Weltall für die nationale Sicherheit geworden ist und dass eine Politik, die die Raumfahrtindustrie ideologisch beschränkt, die eigene Sicherheit gefährdet. Schaut man sich die aktuellen Punkte des EU Space Act an, stellt man fest: Es geht wieder um Entmachtung der Nationalstaaten und ideologische Fesseln für die Raumfahrt. Dabei muss es doch unser Anspruch sein, in der Raumfahrt auf internationaler Ebene mithalten zu können. Wenn man sich in diesem Wettrennen allerdings die Beine selber fesselt, wird man verlieren. Und verlieren werden auch die deutschen Raumfahrtunternehmen, deren Standort damit nicht mehr wettbewerbsfähig sein wird. Was der Raumfahrtsektor daher am dringendsten braucht, ist eine umfassende und entschlossene Deregulierung. All die großen Erfindungen der Menschheitsgeschichte, die uns Wohlstand, technologischen Fortschritt und ein besseres Leben gebracht haben, kamen nicht mit staatlichen Dokumentationspflichten, Nachhaltigkeitsmanagement oder Meldepflichten. Wir brauchen Freiheit, Marktwirtschaft und Eigeninitiative, auch in der Raumfahrtpolitik. Vielen Dank. Für die SPD-Fraktion hat jetzt das Wort die Abgeordnete Dr. Carolin Wagner.

SPD

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Liebe Besucherinnen und Besucher! Das war ein Werbeblock für Elon Musk, wie Sie gehört haben. Das lässt sich die AfD-Fraktion hoffentlich wieder gut entlohnen, so wie bei vielen anderen Dingen auch. Das ist auch die Strategie der AfD: Alles komplett an die Wand werfen und schlechtreden, gute Sachen auf keinen Fall hervorheben, zum Beispiel, dass wir bei der ESA-Ministerratskonferenz im Herbst 2025 mit 5,4 Milliarden Euro am höchsten gezeichnet haben. Durch den Geo-Return-Mechanismus kommt dieses Geld in die deutsche Industrie. Dort werden Arbeitsplätze geschaffen. Das ist quasi eine direkte Investition hier vor Ort. Meine Damen und Herren, damit wären wir beim Punkt: Raumfahrt ist ein zentrales Anliegen deutscher Forschungs-, aber eben auch Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Der Erfolg zeigt sich darin, dass die Artemis-Mission, von der die Ministerin hier schon gesprochen hat, ohne deutsche Beteiligung gar nicht möglich gewesen wäre. Unter deutscher Beteiligung wurde das europäische Servicemodul mit gebaut und geliefert, das die Raumfahrtcrew mit lebenswichtigem Sauerstoff belieferte. Aber auch was die Energieversorgung, den Antrieb, die Kommunikation angeht: alles möglich durch dieses Servicemodul, gefertigt vor allem in Bremen, aber auch mit Beteiligung aus Augsburg und Ottobrunn. Ohne deutsche Beteiligung und die Zusammenarbeit mit der ESA könnte also keine weitere Artemis-Mission – und es werden noch weitere kommen, insgesamt vier bis zur Mondlandung – stattfinden. Bei Raumfahrt und Mondmission geht es auch nicht um Science-Fiction oder Symbolpolitik, sondern es geht, erstens, um Wissenschaft. Innovationen für das Leben auf der Erde werden hier auch entsprechend vorangetrieben. Es geht um Technologien, die für die Raumfahrt entwickelt werden, aber eben auch auf der Erde einen enormen Nutzen haben; wir haben schon davon gehört. Besonders im Bereich der erneuerbaren Energien könnten die Entwicklungen von Systemen zur Energiegewinnung im Weltraum Lösungen für nachhaltige Energieversorgung auch hier bei uns auf der Erde bieten. Es geht um ein breites Forschungsspektrum. Wir haben die Materialwissenschaften, die Kommunikationstechnologien, Medizin durch Raumfahrt. Technologien, die im Weltraum getestet werden, können zur Reduktion von CO2-Emissionen, zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen. Und es tun sich auch neue wissenschaftliche Perspektiven auf. Die Raumfahrt bietet Erkenntnisse, die in vielen wissenschaftlichen Disziplinen weitreichend Anwendung finden können. Zum Beispiel wurden GPS, medizinische Bildgebung und wasserdichte Materialien ursprünglich mal für die Raumfahrt entwickelt und sind heute bei uns nicht mehr wegzudenken. Es geht zweitens um Industriepolitik. Der Wettlauf zum Mond fördert Innovationen in verschiedenen technologischen Bereichen. Besonders im Bereich der Raumfahrttechnik, in der Materialwissenschaft und der robotergestützten Fertigung kann Deutschland weltweit führend werden. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups sind die wahren Treiber von Innovationen. Die Beteiligung an der Artemis-Mission sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern fördert auch das Wachstum zukunftsweisender Industrien. Wir wollen nicht, dass nur Großkonzerne profitieren oder deutsche Aufträge ohne Not an internationale Konsortien gehen. Die höchste Expertise findet sich oft in kleinen Unternehmen, und die sollten hier auch im Mittelpunkt stehen. Es geht auch um Standortpolitik. Deutschland muss sicherstellen, dass auch Zulieferer und spezialisierte Unternehmen an der Raumfahrt beteiligt sind. Raumfahrt bietet eben Chancen für den Arbeitsmarkt. Es sind gut bezahlte Arbeitsplätze, die dort entstehen oder schon gegeben sind, in einer Vielzahl von Bereichen: von Ingenieurinnen und Ingenieuren bis zum Techniker oder zur Technikerin. Es geht aber drittens auch um Sicherheitspolitik. Raumfahrt fördert wissenschaftliche und technologische Innovationen, die der ganzen Menschheit zugutekommen, und Raumfahrt hat eine geopolitische Dimension. Mondbasen können als militärische Präsenz verstanden werden. Der Mond könnte als strategischer Punkt für Weltraumwaffen und militärische Stützpunkte dienen, auch wenn der Weltraumvertrag von 1967 dies verbietet. Aber wir sehen ja in dieser neuen Zeit, dass sich manche Mächte gegebenenfalls nicht mehr an solche Verträge halten und welche Gefahren dann davon ausgehen können. Der Mond ist, wie gesagt, ein symbolträchtiger Ort. Sicherheitsaspekte werden als ein wichtiger Bestandteil künftiger Raumfahrtstrategien erachtet. Ich würde Raumfahrt auch lieber zivil verstehen. Mindestens China, die USA und Russland sehen das aber oft anders. Wir können uns nicht von Staatschefs, die wenig bis nichts von Demokratie halten, unser Leben gefährden lassen. Die Kosten wurden schon angesprochen. Nichtsdestotrotz ist hier der Geo-Return zu nennen. Andere Staaten machen es uns vor. Wir müssen in diesem Bereich aktiv mitarbeiten und am Ball bleiben. Artemis ist mehr als nur der Wettlauf zum Mond. Es ist die Chance, die Zukunft der Raumfahrttechnologie und -industrie mitzugestalten. Vielen herzlichen Dank. Wir fahren fort in der Debatte. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat jetzt das Wort die Abgeordnete Claudia Müller.

Grüne

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Elf Tage ist es jetzt her, dass Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen wieder sicher auf der Erde gelandet sind. Neun Tage fieberten Menschen auf der ganzen Welt mit den vier Astronautinnen und Astronauten mit – an den Bildschirmen, auf Social Media, im Netz, bei der Arbeit, in der Schule, kurz: immer und überall. Wir waren gefühlt dabei, und wir haben uns daran erinnert, dass Menschen nicht nur Kriege führen und unsere Umwelt zerstören können, sondern tatsächlich auch nach den Sternen greifen. Die Artemis-2-Mission hat uns daran erinnert, wozu unsere Spezies auch fähig ist. Umso bitterer ist es, dass die NASA nun mit der Streichung des Gateways ein sehr großes Fragezeichen an den Mondflug eines deutschen Astronauten macht. Für die deutsche Raumfahrt ist sehr zu hoffen, dass die Gespräche zwischen ESA und NASA hier positive Ergebnisse liefern – zum einen, damit die fast fertigen ESA-Module nicht als die teuersten Sondermüll-Maßanfertigungen in die Geschichte eingehen, und zum anderen, weil die Wirkmacht der Bilder eines deutschen Astronauten für die Sichtbarkeit des Themas hier nicht zu unterschätzen ist. Ich bin mir aber sicher, dass die deutsche Raumfahrt mit Frau Ministerin Bär jemanden an ihrer Seite weiß, die um die Wirkmacht solcher Bilder weiß und sich sicher mit Nachdruck hier engagieren wird. Gewiss, es läuft vieles spitze hinsichtlich der Raumfahrt hierzulande. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir eigene, autonome und verlässliche europäische Zugänge zum Weltraum brauchen. Die Bundesregierung, allen voran das Verteidigungsministerium, hat endlich auch die strategische Relevanz des Weltraums entdeckt und will in den nächsten Jahren bis zu 35 Milliarden Euro ausgeben. Und das BMFTR wird zum größten Geldgeber der ESA. Wir haben eine super innovative und vielfältige Start-up-Szene. Mit Isar Aerospace, Rocket Factory Augsburg und HyImpulse verfügt Deutschland über drei zentrale Start-ups im Bereich Trägerraketen. Und noch viel mehr junge Unternehmen tummeln sich auf dem Satellitenmarkt. Von den Wachstumsprognosen für den Raumfahrtsektor können andere Branchen gerade nur träumen. Doch nicht nur die schönen Coverbilder mit deutschen Astronauten sind in Gefahr. Der heimischen Raumfahrt drohen aktuell durchaus einige Stolperfallen. Wenn die Bundesregierung jetzt nicht aufpasst, stellt sie der Raumfahrt – und das ist ja immerhin eines der zentralen Aushängeprojekte dieser Legislaturperiode – selbst ein Bein; denn unsere Stärke hierzulande ist doch der lebendige Wettbewerb. Neben den Großen wie Airbus und OHB ist gerade diese lebendige Start-up-Szene unser großes Asset. Die Bundesregierung droht jedoch, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen; denn es ist zu befürchten, dass viele kleine und mittlere Unternehmen bei der Vergabe zentraler Projekte, wie zum Beispiel SATCOMBw, nicht zum Zuge kommen. Aber allein diese 35 Milliarden Euro des BMVg sind so viel Geld, dass das allein ein ganzes Ökosystem formen wird. Da müssen wir unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen klar mitberücksichtigen. Die Bundesregierung stellt jetzt die Weichen, ob wir in wenigen Jahren einen von wenigen Anbietern dominierten Markt haben oder einen Markt, der von einem lebendigen Wettbewerb, in dem Wirtschaftlichkeit und Ideenreichtum konkurrieren, geprägt sein wird. Und ja, wir wissen, es dauert ein bisschen, bis ein Ministerium ins Arbeiten kommt, besonders wenn neue Abteilungen aufgebaut werden. Aber der Raumfahrtbereich ist viel zu zentral. Zu viel passiert gerade, als dass sich das BMFTR hier wirklich noch mehr Zeit lassen kann. Wir warten sehnsüchtig auf die neuen Eckpunkte zum Nationalen Raumfahrtgesetz; denn parallel läuft auf europäischer Ebene der Gesetzgebungsprozess zum European Space Act. Hier habe ich eine sehr konkrete Bitte – und ich glaube, das teilen viele Kolleginnen und Kollegen –: Bitte achten Sie darauf, dass die nationalen und europäischen Regelungen gut ineinandergreifen und den deutschen und europäischen Markt sinnvoll regulieren und ihn nicht zwischen den Regulierungen zermalmen! Denn nur so werden wir sicherstellen, dass aus der Zeit von Ihnen, Frau Ministerin Bär, als Raumfahrtministerin nicht nur Bilder und schöne Worte in Erinnerung bleiben, sondern auch, dass die deutsche Raumfahrt wirklich nach den Sternen greifen kann. Und in dem Sinne: Live long und prosper! Für die Fraktion Die Linke hat jetzt das Wort die Abgeordnete Sonja Lemke.

Linke

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Zuhörende! Anfang des Monats haben sich Menschen weiter von der Erde entfernt als jemals zuvor. Das ist eine Nachricht, die sicher viele hat innehalten lassen, selbst wenn man weiß, dass die Artemis-Mission vor allem ein Prestigeprojekt von Donald Trump ist, und selbst wenn man weiß, dass ihr wissenschaftlicher Wert begrenzt ist. Von der Raumfahrt geht eine unbestreitbare Faszination aus und immer auch ein Moment der Hoffnung und der Utopie. Der Blick von außen auf den kleinen blauen Punkt mitten in dieser gigantischen Leere macht uns immer wieder klar, dass wir nur diesen einen Planeten haben und dass wir alle im selben Boot sitzen. Das hat schon immer die Fantasie beflügelt, ein ganzes Literaturgenre hervorgebracht und unser Nachdenken über die Zukunft geprägt. Nur leider war die reale Raumfahrt nie ein Menschheitsprojekt. Als Menschen zum ersten Mal den Mond betreten haben, taten sie das, um die Fahne ihrer Nation zu hissen. Es ging nicht um das Wissen der Menschheit. Es ging um die Demonstration der eigenen Überlegenheit im Kalten Krieg. Und so ähnlich ist es auch beim neuen Wettrennen im Weltraum: Es kommt niemand in Frieden – und schon gar nicht für die gesamte Menschheit. Der Weltraum ist das neue militärische Betätigungsfeld. Es geht um einen strategischen Vorteil. Sage und schreibe 35 Milliarden Euro will die Bundeswehr in den nächsten Jahren in die militärische Raumfahrtarchitektur stecken. Das ist sechsmal so viel, wie Deutschland zur Europäischen Raumfahrtagentur ESA beiträgt. Es geht nicht um Wissenschaft, sondern um militärische Abschreckung. Das ist eine gefährliche Aufrüstungsspirale, die wir schnellstmöglich durchbrechen müssen. Jetzt sind es aber nicht mehr nur Nationen, die im Weltall gegeneinander antreten; es sind auch Milliardäre. Der reichste Mann der Welt hat inzwischen mehr Geld, als Deutschland in einem Jahreshaushalt zur Verfügung hat. Einige wenige konnten sich auf Kosten von uns allen so weit bereichern, dass sie jetzt nichts anderes mehr zu tun haben, als im Pimmelvergleich in die äußere Atmosphäre zu fliegen. Für sie hatte Raumfahrt noch nie etwas mit dem Wohle der Menschheit zu tun; für sie geht es darum, ihre Allmachtsfantasien auszuleben. Und wir lassen das zu – nicht nur, indem wir ihren unfassbaren Reichtum und die dadurch entstehende Machtkonzentration dulden, sondern auch, indem wir die moderne Raumfahrt von ihnen abhängig machen. Die SpaceX-Raketen sind inzwischen der Hauptweg ins All; die meisten Satelliten sind privat. Gerade Starlink macht jetzt schon einen Großteil der Satelliten im Erdorbit aus. Und die Kontrolle über diese Satelliten sorgt jetzt schon dafür, dass eine Einzelperson ganze Staaten erpressen kann und den Verlauf von Kriegen bestimmt. Anstatt dem etwas entgegenzusetzen, setzt die Bundesregierung in der Raumfahrt auf noch mehr private Akteure. Statt einmal darüber nachzudenken, was dort eigentlich passiert, setzt sie wieder nur auf ein Mehr und Weiter-so! Dabei stellen die Raumfahrtprojekte jetzt schon ein riesiges Problem dar. Jeder Raketenstart ist eine gigantische Belastung für das Klima und für die Umwelt. Die Anzahl der menschengemachten Objekte im All steigt in nie dagewesene Höhe. Starlink-Satelliten ziehen blinkende Streifen über den Nachthimmel. Frau Abgeordnete, würden Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion gestatten? Nein. – Diese Lichtverschmutzung behindert die astronomischen Beobachtungen von der Erde aus und zerstört damit ein Gemeingut, über das wir bis vor Kurzem noch nicht einmal nachdenken mussten. Mit der Anzahl der Satelliten steigt auch das Risiko von Kollisionen, und jede Kollision erzeugt neue Trümmer. Es droht eine Kettenreaktion, die den Orbitalraum mit Weltraumschrott füllt und jede weitere Raumfahrt unmöglich macht. Spätestens an dieser Stelle muss doch jedem klar sein: Es darf keinen Freifahrtschein für Privatunternehmen im Weltall geben. Der Zugang zum Weltraum und zu den Satellitennetzen müssen öffentliche Güter sein. Wir brauchen klare Regeln für die Raumfahrt. Der von der EU vorgelegte EU Space Act enthält immerhin erste Ansätze, aber er droht nicht mehr als eine symbolische Regulierung zu werden, nicht zuletzt deshalb, weil er den militärischen Bereich komplett ausklammert. Statt dort noch mehr Abstriche zu fordern, muss die Bundesregierung für verbindliche internationale Regeln zur friedlichen und gemeinsamen Nutzung des Weltraums eintreten. Denn wir waren doch schon mal weiter. Mit dem Weltraumvertrag von 1967 wurden Militärbasen im All international verboten. Es wurde ausgeschlossen, dass sich Staaten Himmelskörper aneignen, eine Klausel, die übrigens auch Privateigentum verhindert. Das ist doch der Weg, den wir weitergehen sollten: klare internationale Regeln, Projekte, die auf internationaler Kooperation beruhen, wie die ISS, wo russische, europäische und amerikanische Astronauten und Astronautinnen selbst nach dem Überfall auf die Ukraine gemeinsam stationiert waren. Wir sitzen alle auf demselben kleinen blauen Planeten fest. Und anstatt uns immer nur zu bekriegen, sollten wir das Beste daraus machen. Vielen Dank. Zu einer Kurzintervention darf ich das Wort an Dr. Kraft von der AfD-Fraktion übergeben.

AfD

Danke, Herr Präsident. – Keine Sorge, ich werde Sie nicht nach der DDR-Mondbasis fragen Sie standen hier vorne und haben auf die negativen Klimaauswirkungen von Raketenstarts hingewiesen. Können Sie mir zum Beispiel im Fall der Ariane 6, die mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff angetrieben wird und hinten einfach nur Wasserdampf ausscheidet, diese schädlichen Klimaauswirkungen darlegen, die Sie glauben wahrgenommen zu haben?

Linke

Wie wir alle wissen, hat es die AfD sowieso nicht so mit den Klimaauswirkungen. Uns ist klar, dass Sie den menschengemachten Klimawandel leugnen und Ihnen wissenschaftliche Fakten auch nicht so liegen. Es ist natürlich so, dass jeder Treibstoff Umweltauswirkungen hat und dass die Materialien, die dort ins All geschossen werden, und die verglühenden Satelliten Umweltauswirkungen haben, die wir jetzt noch nicht abschließend beurteilen können. Und da jetzt zu behaupten, es hätte keine Umweltauswirkungen, ist typisch für Sie. Von daher würde ich sagen: Sie sollten sich mal mit wissenschaftlichen Fakten befassen. Aber das hat ja bisher auch nicht geklappt. Als nächste Stimme in der Aussprache hören wir für die CDU/CSU-Fraktion Florian Müller.

CDU/CSU

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesraumfahrtministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich finde, das war jetzt ein schöner Beitrag, um zu sehen, wie man die hohe Dynamik einer Branche, eines Industriezweiges, einer Schlüsseltechnologie sowie die Wertschöpfung und die Innovationskraft, die von privaten Unternehmen ausgeht, verunglimpfen kann. Da muss ich sagen: Wer das gegeneinander ausspielt, der denkt nicht sozial, der denkt nicht strategisch, der denkt, ehrlich gesagt, zu klein für die Herausforderungen dieses Landes, Frau Kollegin. Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben: Wir sind in einer schweren wirtschaftlichen Situation – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Wohlstand fällt nicht vom Himmel. Er entsteht durch Technologie; er entsteht durch Wertschöpfung; er entsteht durch Wettbewerbsfähigkeit. Und da ist Raumfahrt keine Nebensache, sondern Teil unserer wirtschaftlichen und sozialen Zukunft. Das ist, ehrlich gesagt, auch Ihr Denkfehler. Sie sagen: Wir müssen uns zwischen sozialer Verantwortung und industrieller Stärke entscheiden. – Dieser Gegensatz ist ausdrücklich falsch: ohne Innovation kein Wachstum, ohne Wachstum kein Wohlstand, ohne Wohlstand kein starker Sozialstaat. Das heißt: Wer Raumfahrt kleinredet, der redet nicht über kluge Prioritäten, der redet über weniger Souveränität, der redet über weniger Wertschöpfung und am Ende auch über weniger Verteilungsspielraum. Raumfahrt, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist keine Spielerei für gute Zeiten. Sie ist strategische Infrastruktur. Sie entscheidet mit darüber, ob wir in zentralen Zukunftstechnologien selbst handlungsfähig bleiben oder ob wir von anderen abhängig werden. Wir haben heute schon viel über die konkrete Anwendung und die strategische Bedeutung von Raumfahrt gehört, auch von der Bundesministerin. Wenn man aber schaut, was dahintersteht, dann sieht man, dass hinter diesen Raketenprogrammen und Abkürzungen Menschen stehen: Menschen, die gründen, die Verantwortung übernehmen wollen, Menschen, die aus Forschung Wertschöpfung machen. Es geht also um Gründerinnen und Gründer, die Mut haben und Risiken eingehen, neue Unternehmen aufzubauen. Es geht am Ende auch um junge Menschen, die sich fragen, ob sich technischer Ehrgeiz und Erfindergeist in Deutschland noch lohnen. Wir haben die Antwort der Linken dazu gerade bekommen. Sie wollen ausdrücklich, dass sich das nicht mehr lohnt. Deshalb liegt doch die eigentliche politische Botschaft in etwas anderem: Wenn wir über Raumfahrt reden, reden wir nicht nur über Technologie. Wir reden über Aufstiegschancen, über Gründergeist und über den Mut, etwas Neues zu schaffen. Raumfahrt hat übrigens noch eine weitere Bedeutung – das ist in der Debatte schon ein bisschen herausgearbeitet worden –, die wir bislang unterschätzen. Das ist die Begeisterungsfähigkeit. Diese Begeisterung ist mehr als Faszination. Sie weckt Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und sie bringt junge Menschen dazu, sich mit Physik, Daten, Software, Maschinenbau und Forschung zu beschäftigen. Wenn ich daran denke, dass sich heute das Nationale MINT-Forum trifft, dann muss ich sagen: Wer Raumfahrt stärkt, der stärkt am Ende die Begeisterung für MINT. Und damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Bildungsstandort Deutschland, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wenn wir wollen, dass sich mehr junge Menschen für Forschung, für Entwicklung und für Gründungen in Deutschland interessieren und am Ende Verantwortung im Bereich von Zukunftstechnologien übernehmen, dann müssen wir die Raumfahrt stärken. Wir dürfen sie nicht weiter kleinreden. Das bedeutet: Erstens. Wir müssen das hohe Tempo, das wir in der Raumfahrt haben, aufrechterhalten. Eine junge Branche darf nicht durch staatliche Trägheit ausgebremst werden, bevor sie überhaupt skalieren kann. Zweitens. Das bedeutet: so wenig Regulierung wie möglich, so viel Planbarkeit wie möglich. Wer mit Startfenstern plant, wer mit Investoren und Lieferketten arbeitet, braucht keinen Staat, der bremst, sondern einen, der ermöglicht. Drittens. Das bedeutet auch, dass wir den Staat stärker als Ankerkunden brauchen. Wer einen Markt aufbauen will, der muss Nachfrage schaffen. Das ist gerade dann wichtig, wenn es um Startkapazitäten und Kommunikation geht. Da kann der Staat der entscheidende Hebel sein; das ist Gott sei Dank auch im Koalitionsvertrag klar angelegt. Es ist entscheidend, dass alle Beteiligten ihre Verantwortung auch wahrnehmen. Viertens und letztens. Wir müssen Raumfahrt als das begreifen, was sie ist, nämlich als Industriepolitik, als Bildungspolitik, als Sicherheitspolitik und als Zukunftspolitik in einem. Entscheidend wird aber sein: Raumfahrt wird nur dann die dauerhafte gesellschaftliche Akzeptanz haben, wenn wir ihren Nutzen besser erklären. Menschen verbinden damit noch immer vor allem Raketenstarts und ferne Missionen. Sie müssen verstehen – wir müssen es ihnen erklären –, dass es kein Selbstzweck ist, sondern ein Werkzeug für Sicherheit, Innovation und Wohlstand. Deshalb: Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir uns Raumfahrt leisten können. Die entscheidende Frage lautet, ob wir es uns leisten können, bei einer solchen Schlüsseltechnologie nur Zuschauer zu sein. Wer heute in Raumfahrt investiert, der investiert nicht in Prestige oder schöne Bilder, sondern in Sicherheit, Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze, vor allem aber in die Fähigkeit eines Landes, die Zukunft nicht nur zu bestaunen, sondern sie auch selbst zu gestalten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns nicht nur staunen, lassen Sie uns in echt gestalten! Ich glaube, das können wir. Herzlichen Dank. Ich darf das Wort Stefan Schröder für die AfD-Fraktion erteilen.

AfD

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn man die Aktuelle Stunde hier im Hohen Haus verfolgt, dann fragt man sich unweigerlich: In welcher Realität bewegen Sie sich eigentlich noch? „Weltraumnation Deutschland“: Ich kann mir gut vorstellen, dass den Jusos alleine bei den Wörtern „Nation“ und „Deutschland“ schon das Dinkelbrötchen hochgekommen sein dürfte: groß, ambitioniert, fast schon pathetisch. Aber die Realität ist doch eine andere: Unsere Industrie steht unter Druck. Energiepreise sind ein Standortnachteil. Unternehmen wandern ab. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sich Leistung nicht mehr lohnt. Und genau in dieser Lage diskutieren wir über den Weltraum. Das ist kein Aufbruch; das ist Realitätsverweigerung. Aber wie heißt es so schön? Je schlimmer die Zeiten sind, desto größer muss die Ablenkung halt sein. Nicht ohne Grund hat man „Die Feuerzangenbowle“ 1944 gedreht. Aber das ist ein anderes Thema. Der Bürger fragt sich: Haben die da oben noch Bodenhaftung, oder sind sie gedanklich schon längst im Orbit angekommen? Der Mittelstand kämpft, die Handwerker kämpfen, der Landwirt erst recht. Und was liefern Sie? Auflagen, Kosten, Bürokratie und moralische Belehrungen. Gleichzeitig sprechen Sie aber von Innovation und Fortschritt. Das passt nicht zusammen. Sie reden von Raumfahrt, aber verhindern Innovation. Sie reden von Hightech, aber vertreiben Unternehmen. Und dann kommt der eigentliche Treppenwitz: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt präsentiert Studien über Lastenräder. Meine Damen und Herren, Lastenräder: euer Ernst? Während wir hier von der „Weltraumnation Deutschland“ sprechen, beschäftigt sich das führende Forschungsinstitut mit Transportfahrrädern – fast so, als hätte E. T. persönlich die Richtung vorgegeben: Nicht die Rakete hebt ab, sondern das Fahrrad, nur dass bei Ihnen nicht mal der Flug gelingt, sondern der Anspruch am Boden verreckt. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis Ihrer Politik. Denn Sie haben ein Klima geschaffen, in dem Forschung politisch gelenkt wird. Alles muss ideologisch sein. Das ist keine Technologieoffenheit, das ist Planwirtschaft. Und jetzt wird es interessant. Auf der einen Seite predigen Sie CO2-Neutralität bis ins Detail. Sie regulieren Heizung, Mobilität, Produktion. An den Flughäfen wird das Kerosin knapp, an den Tankstellen kostet der Sprit noch immer weit über 2 Euro. Auf der anderen Seite sprechen Sie über Raketenstarts und den Weltraum. Ein einziger Triebwerksstart verbraucht Zehntausende Liter Treibstoff und bedeutet teilweise – abhängig vom Treibstoff – enorme CO2-Belastungen. Das ist dann natürlich kein Problem. Wo ist Ihr Maßstab? Oder gilt Klimapolitik nur für Bürger und Mittelstand, aber nicht für Ihre Prestigeprojekte? Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe überhaupt kein Problem mit Raketenstarts, da diese einfach notwendig sind; ich habe aber ein Problem mit Ihrer Doppelmoral. Das eine CO2 wird verteufelt, das andere ist offenbar völlig normal und notwendig. Genau diese Doppelmoral ist das Problem: Ihre Politik ist selektiv und damit einfach unglaubwürdig. Raumfahrt bedeutet Wettbewerb und Freiheit, aber genau diese Freiheit haben Sie eingeschränkt. Statt zu entlasten, belasten Sie; statt zu ermöglichen, regulieren Sie. Und dann erklären Sie uns, Deutschland werde zur Weltraumnation. Das glaubt Ihnen doch niemand mehr. Die Menschen sehen die Doppelmoral. Dem Bürger sagen Sie: Verzichten. Dem Unternehmer sagen Sie: Zahlen, dokumentieren, transformieren. Und hier sprechen Sie von Fortschritt. Was denn nun? Entweder echte Technologieoffenheit mit weniger Bürokratie, bezahlbarer Energie und Vertrauen, oder Sie führen Ihren Klimakreuzzug fort. Dann hören Sie aber bitte auf, sich als Vorkämpfer für Innovation und Freiheit zu gebärden. Eines ist klar: Man wird keine Raketen starten, wenn am Boden die wirtschaftlichen Triebwerke schon abgewürgt werden. Man wird keine Weltraumnation, wenn man die industrielle Basis zerstört und schwächt. Deshalb ist die Aktuelle Stunde kein Aufbruch. Sie ist ein Ablenkungsmanöver, so wie „Die Feuerzangenbowle“ 1944. Und genau das durchschauen die Menschen im Lande längst. Recht vielen Dank. Für die SPD-Fraktion darf ich Oliver Kaczmarek das Wort erteilen.

SPD

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Jetzt wollte ich eigentlich damit beginnen, mich dafür zu bedanken, dass hier so selten „Star Trek“ und andere Serien in der Diskussion genannt wurden, was meistens passiert, wenn man über Raumfahrt diskutiert. Dann kommt hier so eine Rede, die einem vorkommt wie aus einem Paralleluniversum; denn Sie haben nicht einmal über die Interessen gesprochen, die wir auf nationaler und europäischer Ebene haben und die sich mit Raumfahrt verbinden. Wir haben ein Erkenntnisinteresse, weil es uns als Forschungspolitikerinnen und -politiker natürlich interessiert, wie die Umgebung um unseren Planeten herum ist, welche Erkenntnisse wir daraus gewinnen können. Wir haben wirtschaftliche Interessen; das ist doch gerade deutlich zum Ausdruck gebracht worden, auch mit konkreten Beispielen. Wir haben Sicherheitsinteressen. Wer daran einfach vorbeidiskutiert, der will nicht wahrnehmen, welche Bedeutung Raumfahrt auch für unsere Wirtschaft hat, und der nimmt keine nationalen Interessen wahr. Es gibt viele Beispiele, die genannt worden sind. Ich will auch eins nennen. Der Astronaut Matthias Maurer hat bei seinem Aufenthalt 2022 auf der ISS 64 Betonproben angerührt, was in der Schwerelosigkeit eine große Herausforderung ist. Ziel war, herauszufinden: Wie härten Zement, Wasser und Sand ohne den Einfluss von Schwerkraft aus? In der Anwendung soll man Zement und damit eben auch den Ausstoß von CO2 sparen können, später vielleicht auch Bauwerke auf dem Mond errichten können; aber das ist eine weiter entfernte Anwendung. Wenn man sich das ansieht – federführend war das Institut für Massivbau an der Universität Duisburg-Essen, das sich vor allen Dingen mit der Stabilität und Nachhaltigkeit im Brückenbau beschäftigt, was ein Thema ist, das uns hier im Bundestag nachhaltig beschäftigt –, dann erblickt man darin eines von vielen Beispielen, das zeigt, welche zahlreichen Innovationen die deutschen Forschungsinstitute mit ihren Programmen, die sie entwickelt haben, hervorbringen, wie breit wir aufgestellt sind und welch großes Potenzial wir für die Beantwortung der Zukunftsfragen und damit auch für die Erhaltung des Wohlstandes in unserem Land in der Raumfahrt sehen. Das ist nicht die Lösung für alles. Aber daran einfach vorbeizureden, wird der Wahrheit überhaupt nicht gerecht. Bei der Raumfahrt ist es nun mal so: Die Verbindung zwischen Erkenntnissen und Anwendung ist kurz. Es wird so viel von Innovationsökosystemen gesprochen. Wir haben eine Landschaft in der Raumfahrt – sie ist hier auch schon angesprochen worden –, die uns Vorteile bringt, nämlich eine Dichte von Forschungsinstituten, von Hochschulen, die sich mit Raumfahrtforschung beschäftigen. Wir haben spezialisierte KMUs und Start-ups; die Ministerin hat in ihrer Rede zahlreiche über die Fläche des Landes verteilte Beispiele genannt. Und wir haben einen Faktor, der uns möglicherweise in nächster Zeit Vorteile bringt: Wir haben sinkende Kosten für die Transportinfrastruktur. Es wird einfacher und günstiger werden, Satelliten ins All zu befördern. Wenn wir das alles für die Nutzung unserer Interessen und Chancen im Weltall zusammenbringen, dann werden wir auch einen tatsächlichen Fortschritt erreichen. Wir begreifen Raumfahrt als internationales Projekt. Deutschland nimmt in zahlreichen Institutionen Verantwortung wahr. Wir sind der Sitz von vielen wichtigen Institutionen, der ESA beispielsweise, des European Astronaut Centre, das in Köln unter der Federführung des DLR geführt wird. Wir haben den Sitz des ESOC und denjenigen vieler anderer Institutionen. Wer wie die AfD nicht mitbekommen hat, dass Deutschland über 5 Milliarden Euro bei der ESA-Ministerratskonferenz im letzten Herbst gezeichnet hat, der verweigert sich einfach, wahrzunehmen, was die Bundesregierung an dieser Stelle schon auf den Weg gebracht hat. Wir setzen auf die europäische Vertiefung der Zusammenarbeit. Wir wollen sie, weil sie unsere technologische Souveränität stärkt und weil sie die strategische Autonomie Europas stärkt. Wir wollen sie auf weitere Staaten ausweiten, die unsere Werte teilen; denn die NASA bleibt natürlich ein unverzichtbarer Partner für uns. Insgesamt kann man sagen: Wir setzen deshalb auf die internationale Zusammenarbeit und die europäische Souveränität, weil wir das Weltall eben nicht den Interessen oder auch den Launen einzelner Milliardäre überlassen wollen, sondern wir wollen, dass die Staaten über die Nutzung des Weltalls entscheiden; da haben Ihre Ergebenheitsadressen an Elon Musk hier überhaupt keinen Wert. Wir wollen, dass die Staaten entscheiden. Das unterscheidet uns fundamental. Zuletzt: Deutschland, die Europäische Union, die NATO: Wir haben Sicherheitsinteressen. Alle, die im Ausschuss sind, haben sich in der Vergangenheit ja auch über die Sicherheitsbedrohungslage in nichtöffentlichen Sitzungsteilen informieren können. Deshalb will ich einmal hervorheben: Der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat erklärt, 35 Milliarden Euro bis 2030 in einer relativ kurzen Zeit für die Weltraumsicherheit auszugeben: für eine Struktur aus Satelliten, Bodenstationen und gesicherten Startfähigkeiten. Das löst massives Interesse in der Forschungscommunity aus. Alle, die dazu Gespräche führen, wissen, dass es da großes Interesse gibt. Das ist nicht nur der richtige Schritt in der Sicherheitspolitik. Das ist auch ein richtiger Schritt für die Forschung, wenn wir technologisches Know-how aus der Forschung miteinbringen können. Wir wünschen uns, dass aus dieser großen sicherheitspolitischen Initiative auch ein Schub für die Dual-Use-Forschung und damit für die Einbeziehung unserer Forschungsinstitutionen wird. Vielen Dank.

Grüne

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Artemis-2-Mission zeigt eindrucksvoll: Deutsche Forschung und Ingenieurskunst spielen international ganz vorne mit. Technologie aus Bremen, aus Jena, Beiträge des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt: All das ist Teil dieser Mission. Das ist kein Zufall: Das ist das Ergebnis von exzellenter Forschung, starken Unternehmen und einem einzigartigen Innovationsökosystem. Darauf können wir stolz sein. Aber – und das gehört genauso dazu – Stolz ersetzt keine Strategie. Ja, das neue Raumfahrtministerium hat dem Thema mehr Sichtbarkeit gegeben. Das ist extrem wichtig und gut. Doch Sichtbarkeit allein ersetzt keine Strategie. Was fehlt, ist eine klare Linie. Während aus dem Ministerium skeptische Signale gegenüber einem European Space Act kommen, wird ein nationales Raumfahrtgesetz angekündigt. Aber konkrete Eckpunkte? Fehlanzeige! Stattdessen gilt weiter ein Haftungsregime aus den 70er-Jahren, das private Investitionen ausbremst. So gewinnt man kein neues Raumfahrtzeitalter. Und noch grundsätzlicher: Wer heute in der Raumfahrt national denkt, wird international verlieren. Unsere Antwort kann nur sein: Europe united! Wir brauchen einen echten europäischen Ansatz. Wir brauchen einen einheitlichen Binnenmarkt, der es besonders den Start-ups und KMUs erleichtert, grenzüberschreitend zu wachsen und tätig zu sein. Wir brauchen gemeinsame europäische Regeln, gemeinsame Standards. Unsere Satelliten sind kritische Infrastruktur, sie steuern unsere Stromnetze, unsere Navigation, unsere Kommunikation. Der EU Space Act schließt eine gefährliche gesetzliche Lücke mit verpflichtenden Cybersicherheits- und Sicherheitsstandards für alle Betreiber kritischer Raumfahrtsysteme in Europa. Ein weiterer Punkt sollte uns allen wichtig sein: Wir haben den Weltraum in nur wenigen Jahrzehnten zu einer Müllhalde gemacht. Über 35 000 Trümmerteile rasen heute mit bis zu 28 000 Kilometer pro Stunde um unsere Erde, jedes einzelne davon ein potenzielles Geschoss. Ein einziger Zusammenstoß kann eine Kettenreaktion auslösen, die ganze Umlaufbahnen für Generationen unbrauchbar macht. Wissenschaftler nennen das Kessler-Syndrom. Wenn das eintritt, verlieren wir nicht nur Satelliten. Wir verlieren GPS, Wettervorhersage, Kommunikation, Erdbeobachtung. Das würde unser modernes Leben fundamental treffen. Der EU Space Act stellt hier erstmals verbindliche Regeln auf, und – das ist uns sehr wichtig – diese gelten auch für Nichteuropäer. Europa ist ein zu bedeutender Markt, als dass man ihn einfach ignorieren könnte. Und wer Zugang zu unserem Markt will, der hält sich an unsere Regeln. Genau darin liegt unsere Stärke. Trotzdem erleben wir in Deutschland immer noch zu oft nationale Alleingänge bei Regulierung, bei Forschungsprioritäten, bei Sicherheitsfragen. Das ist der falsche Weg. Wenn die Bundesregierung hier von Bürokratie spricht, dann handelt sie extrem naiv und fahrlässig. Wir erwarten von der Bundesregierung beim Thema Raumfahrt ein starkes Bekenntnis zu Europa, und zwar nicht nur in Sonntagsreden. Und noch ein Punkt wird oft unterschätzt. Raumfahrt ist fast immer Dual Use. Viele Technologien sind wissenschaftlich relevant, wirtschaftlich nutzbar und sicherheitspolitisch bedeutsam zugleich. Umso unverständlicher ist es, dass hier das Raumfahrtministerium und das Verteidigungsministerium nebeneinanderher arbeiten. Wenn der Kanzler seinen Strategiekreis für Technologie und Innovation, also das höchste technologiepolitische Beratungsgremium Deutschlands, einlädt, um über die Verteidigungsindustrie zu sprechen, und der Verteidigungsminister offensichtlich etwas Besseres zu tun hat, dann spricht das Bände. Wer es mit technologischer Souveränität ernst meint, kann sich solche Parallelstrukturen einfach nicht leisten. Lassen Sie mich zum Schluss klar sagen: Raumfahrt ist kein Selbstzweck. Sie schafft Wissen, sie schafft Innovation, sie stärkt unsere Sicherheit, und sie eröffnet wirtschaftliche Chancen. Genau deshalb braucht sie Prioritäten, und zwar klare. Wenn Deutschland eine starke Raumfahrtnation sein will, dann nicht durch Symbolpolitik, nicht durch nationale Eitelkeiten und nicht durch Verteilungskämpfe, sondern durch exzellente Forschung, kluge Innovationspolitik und ein klares Bekenntnis zu Europa. Vielen herzlichen Dank. Wir hören Dr. Hans Theiss für die CDU/CSU-Fraktion.

CDU/CSU

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin Bär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Regierungskoalition greift nach den Sternen und betreibt zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes wirkliche „Weltraumpolitik“. Sie zeichnet Projekte für die Rekordsumme von 5,4 Milliarden Euro bei der ESA und macht Deutschland zur Weltraumnation Nummer eins in Europa. Sie hat zum Ziel, dass in den nächsten Jahren ein deutscher Astronaut als erster Europäer den Mond betritt. Das zeigt: Deutschland steht nicht mehr an der Seitenlinie und wartet auf die Einwechslung, sondern ist aktiver Spieler einer dynamischen internationalen Raumfahrtszene. Die Raumfahrt wird ein immer größerer Treiber von Forschung und Innovation. Klar ist aber auch: Wer vorne mitspielen will, braucht den politischen Willen, klare Prioritäten und verlässliche Rahmenbedingungen. Genau hier setzen wir an; denn Raumfahrt ist kein Selbstzweck. Besonders deutlich wird das im rasant wachsenden Ökosystem der Raumfahrtindustrie. Unternehmen wie Rocket Factory Augsburg und Isar Aerospace stehen für eine neue Generation von Raumfahrt made in Germany. Sie entwickeln Trägerraketen, schaffen hochwertige Arbeitsplätze und treiben wirtschaftliches Wachstum voran – und das mit internationaler Strahlkraft. Gleichzeitig dürfen wir eines nicht vergessen: Raumfahrt bringt ganz konkrete Fortschritte für das Leben der Menschen hier auf der Erde. Gerade auch in der Medizin zeigt sich das eindrucksvoll. Die Schwerelosigkeit und die extreme Umgebung bieten einzigartige Bedingungen, um Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln. Ein Beispiel aus der Krebsforschung. Tumorzellen wachsen in Experimenten unter Schwerelosigkeit besser in dreidimensionaler Form – ähnlich wie im menschlichen Körper. Das hilft, realistischere Modelle für Tests neuer Medikamente zu entwickeln. Ein anderes Beispiel ist die Erforschung von Alterungsprozessen. Astronauten zeigen im Weltraum deutlich schneller körperliche Veränderungen wie Muskelabbau und Knochenschwund. Das macht das All zu einem Zeitraffer für die Forschung an Krankheiten wie Osteoporose oder altersbedingten Herz-Kreislauf-Problemen. Oder die Immun- und Infektionsforschung: Im All verändert sich das Immunsystem deutlich. Wissenschaftliche Projekte untersuchen, warum Viren und Bakterien aggressiver werden können und wie der Körper darauf reagiert. Das sind einerseits wichtige Erkenntnisse für uns Menschen auf der Erde, aber sie sind andererseits auch besonders relevant für zukünftige Langzeitmissionen, etwa zum Mars. Und spannend wäre auch die Frage, ob es Viren im All gibt; dann würden wir von „Astrovirologie“ sprechen. Und schließlich das 3D-Bioprinting im All: In diesem besonders futuristischen Feld soll Gewebe in Schwerelosigkeit gedruckt werden. Ohne die störende Gravitation könnten in Zukunft komplexe Strukturen wie die „Niere im All“ stabiler entstehen als auf der Erde. Das wären konkrete Verbesserungen von Gesundheit und Lebensqualität dank Raumfahrt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, all diese Erfolge kommen nicht von ungefähr. Sie sind Ausdruck einer klaren politischen Prioritätensetzung. Ich nenne hier ausdrücklich unsere Bundesministerin Dorothee Bär und ihr Haus, die sich mit Nachdruck für die deutsche Raumfahrt einsetzen und dieses Zukunftsfeld entscheidend voranbringen. Vielen Dank dafür! Deutschland hat das Know-how, Deutschland hat die Unternehmen, und Deutschland hat die wissenschaftliche Exzellenz. Was wir brauchen, sind der Mut und die Vision, diese Stärken konsequent zu nutzen. Wir als CDU/CSU und SPD bringen genau diesen Mut auf. Vielen Dank. Wir hören für die AfD-Fraktion Nicole Höchst.

AfD

Herr Präsident! Frau Ministerin! Meine Damen und Herren! Am 1. April 2026 startete die NASA-Mission Artemis 2 die erste bemannte Mondumrundung seit über 50 Jahren. Deutschland steuerte den größten Einzelbeitrag Europas zu Artemis 2 bei und zeigt, was deutsche Ingenieurskunst leisten kann. Das darf man als Nation ruhig einmal stolz feiern. Diese Aktuelle Stunde aber soll Jubel für die Bundesregierung erzeugen, weil laut dem ARD-DeutschlandTrend Anfang April 2026 die Zustimmungswerte zu der religiösen Idee, die Bundesregierung mache gute Arbeit, bei nur noch 15 Prozent lag. Also jubeln wir hier für etwas, wofür deutsche Ingenieurskunst, Erfindergeist, Präzision etc. weltweit zu Recht Anerkennung erfahren. Mit der Bundesregierung hat das eher weniger zu tun. Ihr Griff zu den Sternen muss als das gesehen werden, was es ist: ein verzweifelter Griff der schwarz-roten Koalition zum allerletzten Strohhalm. Machen Sie sich ehrlich! Dieser Erfolg täuscht nicht darüber hinweg, dass Deutschland in der Raumfahrt insgesamt hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Der Grund dafür ist ein klares Zuviel an Staat. In den USA führte der Weg zurück an die Weltspitze über das Einkaufen fertiger Dienste bei privaten Unternehmen. Heute dominiert SpaceX den Markt. Im Jahr 2025 kamen allein 165 der weltweit orbitalen Raketenstarts von SpaceX – mehr als China, Russland und ganz Europa zusammen. SpaceX hat die Startkosten dramatisch gesenkt und die Innovation beschleunigt, Frau Ministerin. Privat schlägt halt Staat. Denn staatliche Programme erzeugen Bürokratie und Stillstand. Privates Unternehmertum schafft Wettbewerb, händelt geschickt Sprunginnovationen und somit den Transfer von Patenten und neuen Technologien an den Markt. Während wir hier jeden Euro für wissenschaftliche und technologische Unabhängigkeit erstreiten müssen, pumpt diese Regierung Milliarden ins Ausland, zum Beispiel 10 Milliarden Euro bis 2030 für grünes Wachstum nach Indien, also in ein Land, das selbst eine aufstrebende Raumfahrtnation ist. All dies und noch viel mehr geschieht, während bei uns die Energie- und Personalkosten exorbitant hoch sind und die eigene Zukunftstechnologie durch Planwirtschaft, politisch gefärbte Projektauswahl sowie unternehmensgründungsfeindliches Milieu bald im Keim erstickt wird. So bringt Deutschland keine PS auf die kaputten Straßen, meine Damen und Herren. Anscheinend muss so viel Geld wie möglich aus Deutschland herausgeleitet werden, egal wofür. Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Aber was ist der Plan, wenn das Geld weg ist? Das Sondervermögen ist schon so gut wie aufgebraucht. Frau Ministerin, bei uns herrscht weiter Old Space: hohe ESA-Beiträge, überbordende Bürokratie und Abhängigkeit von ausländischen Startplätzen. Bis heute fehlt ein nationales Raumfahrtgesetz. Deutsche New-Space-Start-ups werden systematisch ausgebremst. Während andere Nationen über Nutzungs- und Privateigentumsrechte auf dem Mond, dem Mars und Asteroiden nachdenken oder dazu sogar Gesetze erlassen, fehlen in Deutschland weiterhin die wirtschaftlichen Anreize für Bergbau und Kolonisierung. Es fehlt sogar die Diskussion dazu; wir denken noch nicht einmal daran. Trotz Glitter und Lametta muss heute wieder konstatiert werden: Wir als Deutschland hängen hinterher; wir rennen wieder hinterher. Frau Ministerin, das muss doch nicht sein. Was muss sich also ändern? Erstens: sofort ein schlankes nationales Raumfahrtgesetz verabschieden, das private Dynamik ermöglicht, statt sie zu ersticken. Das haben wir schon vorgelegt. Anfang Januar wurde das im Ausschuss von all Ihren Fraktionen abgelehnt. Zweitens: massiver Staats- und Bürokratieabbau. Vielleicht sollte der Staat einfach fertige Lösungen kaufen und mehr Risikokapital zulassen. Ein Offshore-Weltraumbahnhof in der Nordsee würde Unabhängigkeit schaffen. Drittens. Warum nicht eine konsequente Orientierung am Weltraumkapitalismus? Mehr private Freiheit, Technologieoffenheit und weniger Dirigismus. Meine Damen und Herren, Artemis 2 zeigt: Deutschland hat weiterhin Potenzial. Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei. Jetzt muss gehandelt werden. Per aspera ad astra, werte Kollegen. Vielen Dank. Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Joachim Ebmeyer das Wort erteilen.

CDU/CSU

Herr Präsident! Meine Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Mondmission Artemis 2 war ein großartiger Moment der jüngeren Raumfahrtgeschichte. Viele von uns haben in der Nacht den Livestream der NASA verfolgt, haben mitgefiebert, während draußen der Vollmond hell am Himmel stand. Und am nächsten Morgen konnte ich meinen Kindern erzählen: Die Rakete ist gestartet. Vier Astronauten sind auf dem Weg, den Mond zu umrunden. In den Tagen danach haben uns beeindruckende Bilder erreicht, Bilder von unserer Erde, wie wir sie sonst nicht sehen, und emotionale Geschichten von vier Menschen, die diesen Raumflug angetreten sind. Nach der erfolgreichen Mondumrundung sind sie sicher zur Erde zurückgekehrt. Was bedeutet das nun für uns in Deutschland? Diese Mission war ein Erfolg deutscher Ingenieurskunst; denn das European Service Module, gebaut in Bremen, war das Herzstück dieser Mission. Ohne dieses Modul kein Antrieb, keine Energieversorgung, kein Sauerstoff, keine Temperaturkontrolle! 20 000 Einzelteile, 12 Kilometer Verkabelung, 33 Triebwerke, das ist Hochtechnologie made in Germany, entwickelt unter Verantwortung der European Space Agency, umgesetzt gemeinsam mit der Industrie, insbesondere mit Airbus in Deutschland. Daran wird etwas sehr Grundsätzliches sichtbar: Deutschland ist ein Land der Ingenieure, ein Land der Forscher, ein Land, das Probleme nicht nur beschreibt, sondern auch technisch lösen kann. Und das zeigt: Deutschland ist eine Raumfahrtnation. Wir handeln in diesem Bereich nicht alleine. Die Europäische Union investiert insgesamt über 22 Milliarden Euro in Raumfahrtprogramme. Das ist ein klares Signal: Wir setzen auf Forschung, auf Innovation und auf technologische Souveränität. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der nächste große wissenschaftliche Durchbruch entsteht nicht nur durch spektakuläre Missionen zum Mond, er entsteht durch unsere Fähigkeit, Satelliten ins All zu bringen und dort dauerhaft zu betreiben. Denn Satelliten sind heute die Grundlage moderner Wissenschaft. Sie messen unser Klima, sie beobachten die Erde, sie liefern Daten für Forschung, Landwirtschaft, aber auch für Katastrophenschutz und unsere Sicherheit. Und sie sind unverzichtbar für moderne Kommunikation und globale Vernetzung. Mit Copernicus betreiben wir eines der weltweit leistungsfähigsten Erdbeobachtungssysteme. Mit Galileo verfügen wir über das präziseste Navigationssystem der Welt – mit nahezu 4 Milliarden Nutzerinnen und Nutzern. Wir reden umgangssprachlich immer vom amerikanischen GPS-Signal, auf unseren Smartphones zum Beispiel. Dabei sind es hochpräzise Navigationssatelliten der Europäischen Union, die uns tagtäglich ans Ziel navigieren. Mit IRIS2 bauen wir in der EU ein eigenes, sicheres europäisches Kommunikationsnetzwerk im All auf. Das ist kein Selbstzweck, das ist wissenschaftliche Exzellenz. Und das ist technologische Souveränität und die Grundlage für große Durchbrüche von morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Denn wenn wir mit eigenen Startmöglichkeiten, mit eigenen Satelliten und eigenen Daten vorangehen, dann können wir unabhängig forschen, Innovationen vorantreiben und im globalen Wettbewerb bestehen. Und auch hier gilt: Deutschland ist mittendrin. Raumfahrt findet statt in unseren mittelständischen Unternehmen, in unseren Forschungsinstituten, in unseren Zulieferketten. Der Ausbau des Standorts Köln, das Astronautenzentrum der ESA, all das schafft neue Wertschöpfung, neue Technologien und neue Arbeitsplätze. Dort, wo Branchen unter Technologiedruck stehen, etwa im Maschinenbau, in der Chemie oder bei Automobilzulieferern, entstehen neue Wertschöpfungsketten in Zukunftstechnologien wie der Raumfahrt. Raumfahrt ist mehr als Forschung und Wirtschaft. Raumfahrt ist auch Sicherheit und Resilienz. Mit unserer Weltraumsicherheitsstrategie sichern wir unsere Handlungsfähigkeit im All, zivil wie militärisch. All das zeigt: Raumfahrt ist Schlüsseltechnologie. Deswegen müssen wir diesen Weg konsequent weitergehen. Wir brauchen starke Forschungsprogramme und vor allem den Mut, schneller zu werden bei Entwicklungen, bei Anwendungen und bei neuen Geschäftsmodellen. Denn eines ist gewiss: Wer im All vorne ist, der ist auch auf der Erde vorne. Oder, ganz einfach gesagt: Wenn wir wollen, dass unsere Kinder auch morgen stolz erzählen können, was Deutschland kann, weil sie es selbst erleben, weil sie es selbst gestalten, vielleicht sogar selbst ins All tragen, dann müssen wir heute investieren in Forschung, in Technologie und in Raumfahrt. Herzlichen Dank. Als letzte Stimme in dieser Aussprache hören wir Stephan Albani für die CDU/CSU-Fraktion.

CDU/CSU

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Ich habe mich heute Morgen gefragt: Wie fange ich die letzte Rede in dieser Aktuellen Stunde zur Raumfahrt an, ohne dass die Hälfte gleich aufs Handy schaut? Lieber Oliver Kaczmarek, du hast Pech: Star Trek. Ich sehe schon: Die einen denken: Oje! – Die anderen denken: Na endlich! – Aber beide haben recht: Engage! Danke, muss sein, ist Pflicht. Raumfahrt, Star Trek: Allein das Träumen vom Weltraum hat die Wissenschaft schon zu allen Zeiten inspiriert. So hat bereits in den 80er-Jahren echte Wissenschaft fleißig zugesehen und diese Inspirationen nachgebaut, manches absichtlich, manches aus Versehen. Und manchmal fragt man sich ernsthaft, ob NASA, ESA und Co heimlich Folgen geschaut haben. Fünf Punkte sollen das illustrieren. Das Tablet. Picard lief in den 80er-Jahren auf der Enterprise mit einem flachen, leuchtenden Ding durch die Gegend, wischte darauf herum, las Berichte und seinen Lieblingsroman „Moby-Dick“ – ganz selbstverständlich. Das war 1987, 20 Jahre vor dem ersten iPhone. Die Leute daheim dachten: Wow, Zukunft! – Heute verschickt jeder seine Urlaubsfotos in einem Messenger. Ja, das iPad existiert, genauso wie das Samsung-Tablet, das „Moment, ich google das mal schnell“-Gerät. Wer hat es möglich gemacht? Unter anderem Jahrzehnte der Raumfahrtforschung. Nein, die Raumfahrt hat nicht das iPad entwickelt. Aber hier gab es die Notwendigkeit, Elektrochips und Ähnliches mit geringem Stromverbrauch zu bauen. Diese sind dann in diese Technologie hineingeflossen. Ein weiterer Punkt: der Universalübersetzer. In der Enterprise spricht jeder mit jedem: Klingonen, Vulkanier, dieses ölige Wesen, das keiner so recht versteht. Kein Problem, der Universalübersetzer regelt in Echtzeit. Heute haben wir Proppen in den Ohren, die uns in Echtzeit übersetzen. Das ist noch nicht perfekt; aber wir sind auf einem guten Weg. Ich habe es vor Kurzem mal mit Plattdeutsch versucht. Da ist noch einiges zu tun. Der Replikator: „Tea, Earl Grey, hot!“, Picard sagt es, die Maschine surrt, der Tee erscheint, fertig. Ich hätte das wirklich gern jeden Morgen. Haben wir es? Noch nicht! Aber wir haben jetzt schon den 3D-Drucker. Die Weltraummissionen nutzen diesen zum Beispiel auf der Internationalen Raumstation, um Ersatzteile herzustellen – in 400 Kilometern Höhe und ohne Lieferdienst. Das ist wie der Replikator, nur etwas langsamer. Tee kann man damit leider noch nicht machen. Aber ich sage es mal so: Geben Sie uns noch 20 Jahre und ein, zwei ordentliche Start-ups, dann geht das auch mit dem Tee. Medizin aus dem All, mein Lieblingsthema; das ist eben schon angeklungen. Astronauten können natürlich nicht zum Hausarzt gehen. Also hat man bereits vor Jahrzehnten Möglichkeiten geschaffen, Diagnosen auf große Entfernung zu ermöglichen. Und da Sie eben das DLR auf Lastenräder reduziert haben, möchte ich Ihnen sagen: Bei der D-2-Mission 1993 eingesetzte Sensoren wurden danach unter anderem von dem DLR für die Beobachtung von Frühchen in der Kinderklinik weiterentwickelt. Also wenn das mal nicht noch mehr davon ist! – Das machte es nicht nur 1993; das macht es bis heute. Kümmern Sie sich mal darum, und lesen Sie es! Dann haben wir die Forschung zum Knochen- und Muskelbau. Im All verlieren Astronauten rasend schnell Knochensubstanz, ähnlich wie bei Osteoporose. Die Gegenmaßnahmen, die man dort entwickelt und getestet hat, helfen heute Patienten auf der Erde ganz konkret. Oder Flüssigkeitsverschiebungen im Körper. Im All geht alles Richtung Kopf. Das hat dazu geführt, dass wir Herz-Kreislauf-Probleme oder Augenprobleme besser verstehen können. Kurzum: Raumfahrt ist kein Luxusprojekt und ist es zu keiner Zeit gewesen; es ist ein medizinisches Innovationslabor. Spock würde sagen: „Fascinating!“ Als Letztes die Crew. Und jetzt mal ohne Witz: Was Star Trek wirklich besonders gemacht hat, war dieses Bild: Menschen, Vulkanier, Betazoiden, ein Android – alle auf einem Schiff, alle mit einem Ziel. Unterschiedlicher geht es von den Völkern kaum, und trotzdem war es ein Team. Das ist das, was Raumfahrt zeigt. Hier war mir heute wieder viel zu viel Nationalismus. Denn am Ende hat es doch auch schon die ISS gezeigt: 16 Nationen, russische Raketen, amerikanische Kapseln, japanische Versorgungsschiffe, europäische Experimente. Artemis zeigt es jetzt im europäischen Kontext zusammen mit den USA: Menschen, die zusammen auf einer Station oder in einer Kapsel frühstücken, streiten, forschen und auf unseren kleinen, blauen Planeten herunterblicken. Das darf niemals enden. Das muss weitergehen. Das muss mit starker deutscher Beteiligung weiterentwickelt werden. Das ist die eigentliche Botschaft. Ich komme zum Schluss. Bleiben wir neugierig, bleiben wir mutig, und behalten wir immer ein bisschen Sternenflotte im Herz. In diesem Sinne: „Engage!“ Und falls jemand einen funktionierenden Replikator hat: Ich hätte gerne einen Grauburgunder mit Synthehol und ohne Alkohol. Danke schön.

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