Antrag

17 Beratung des Antrags der Abgeordneten Sandra Stein, Dr. Ophelia Nick, Dr. Anja Reinalter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Für ein Handwerk mit Zukunft Wirtschaft 2045 – Innovationen stärken, Zukunftstechnologien fördern, fairen Wettbewerb sichern

17 Beratung des Antrags der Abgeordneten Sandra Stein, Dr. Ophelia Nick, Dr. Anja Reinalter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Für ein Handwerk mit Zukunft Wirtschaft 2045 – Innovationen stärken, Zukunftstechnologien fördern, fairen Wettbewerb sichern

21. Mai 2026·Sitzung 80··Als Markdown herunterladen

Zusammenfassung

Für diese Debatte liegt noch keine geprüfte Zusammenfassung vor. Die Rohdaten der Sitzung – Reden und Abstimmungen – findest du weiter unten.

Reden (8)

Grüne

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist ein Land der Tüftlerinnen und Tüftler, der Macherinnen und Macher, ein Land, das in Werkstätten, auf Baustellen und in Backstuben geprägt wird. Das Handwerk hat dieses Land aufgebaut, und es hält unser Land bis heute zusammen. Denn Handwerk ist viel mehr als Arbeit. Es ist der junge Geselle auf der Walz. Es ist das Richtfest nach harter Arbeit. Es ist die Bäckerin, die nachts aufsteht, wenn der Rest des Dorfes noch schläft. Und es ist die Friseurin, die Familien seit dem ersten Haarschnitt kennt. Genau deshalb gehören die 5,6 Millionen Beschäftigten im Handwerk und ihre Betriebe auch ins Zentrum der Wirtschaftspolitik unseres Landes. Doch was erleben die Betriebe aktuell? Eine Bundesregierung, die Erwartungen weckt und sie anschließend enttäuscht. Ich möchte nur ein paar Beispiele nennen. Sie können es nicht mehr hören, und ich will es, ehrlich gesagt, auch nicht mehr fragen, aber wann kommt endlich die versprochene Stromsteuersenkung für alle Betriebe? Textilreinigungen, Friseursalons oder Kfz-Betriebe brauchen keine neuen Überschriften; sie brauchen endlich niedrige Stromkosten. Aber statt wirksame Maßnahmen zu finden, kommen Sie nachts schon mal auf die Idee, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten doch einfach 1 000 Euro steuerfrei auszahlen sollen. Das Einzige, was dieser Vorschlag beweist, ist: Sie haben keine Ahnung, was in den Betrieben dieses Landes abgeht. Und Selbstständige haben Sie komplett vergessen. Deshalb bleibt festzuhalten: Für Sie war dieser Vorschlag peinlich, und für alle anderen war es wohl ein Glück, dass der Bundesrat ihn gleich einkassiert hat. Und während Sie mit dem Sondervermögen eigentlich die Chance hätten, einen echten Aufschwung im Bau- und Ausbauhandwerk auszulösen, finanzieren Sie damit lieber Markus Söders Wahlgeschenke. Aber das größte Problem ist ein anderes: Sie unterschätzen das Potenzial des Handwerks. Handwerksbetriebe sind nicht nur Arbeitgeber und wichtiger wirtschaftlicher Anker von der Stadt bis ins Dorf. Sie sind Bildungsorte, Integrationsorte, Zukunftsorte. Hier lernen junge Menschen Verantwortung. Hier entstehen Aufstiegschancen. In Handwerksbetrieben funktioniert Integration nicht auf dem Papier, sondern im echten Leben. Deshalb sagen wir: Wer ständig vom Fachkräftemangel spricht, darf den Nachwuchs nicht im Regen stehen lassen. Deshalb wollen wir mehr Wohnheimplätze für Auszubildende schaffen. Wir wollen modernere Ausbildungsstätten. Wir wollen ein Mobilitätsbudget für Azubis, egal ob für das Dienstrad, das Jobticket oder den Führerschein. Und wir wollen endlich die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Denn ein Meisterbrief ist keine Bildung zweiter Klasse, er ist gelebter Aufstieg durch Leistung. Nicht zuletzt zeigt das Handwerk jeden Tag, wie Integration gelingt. Diese Bundesregierung zeigt leider immer öfter, wie man sie ausbremst. Während Betriebe händeringend Arbeits- und Fachkräfte suchen, kürzt die Bundesregierung Sprach- und Integrationskurse und schiebt Menschen, die einen Ausbildungsplatz haben, ab. Damit schaden Sie den Betroffenen, die sich in Deutschland eine Zukunft aufgebaut haben. Sie schaden aber auch den Betrieben, die dringend Personal brauchen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Handwerk ist vielseitig. Es ist modern und innovativ. Es verbindet Zukunft und Tradition. Ohne das Handwerk gäbe es keine Wärmepumpen im Keller, es gäbe keine handgemachten frischen Brötchen am Sonntagmorgen, es gäbe keine neuen Fenster im Altbau und keine starke regionale Wirtschaft. Wer den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken will, muss Politik für das Handwerk machen. Danke schön. Vielen Dank. – Zur nächsten Rede erteile ich das Wort der Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Gitta Connemann.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Grübeln statt Dübeln – liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, hätten Sie doch diesen Handwerkerrat beherzigt. Erst Nachdenken, dann Schreiben. Denn Sie legen einen Antrag vor, dem leider eines fehlt: das Handwerk. Das zeigt sich schon im ersten Satz – ich zitiere –: „Mit rund 5,6 Millionen Angestellten ist das Handwerk ein zentraler Stabilitätsanker unserer heimischen Wirtschaft.“ Angestellte? Auf Baustellen, in Salons, in Werkstätten arbeiten Gesellen, Meister, Helfer, Auszubildende, kurz: Handwerkerinnen und Handwerker. Aber Angestellte? Liebe Grüne, Sie haben offensichtlich das Handwerk mit dem öffentlichen Dienst verwechselt. Kennen Sie den Unterschied? Der Handwerker haftet selbst, nicht der Staat. Im Handwerk wird von montags bis samstags gearbeitet, manchmal auch sonntags wie bei unseren Bäckern. Für diese Betriebe und ihre Beschäftigten brauchen wir übrigens Flexibilität bei der Arbeitszeit entsprechend dem europäischen Rahmen. Und wir brauchen eine Öffnung bei der Sonntagsarbeitszeit. Gut, dass das im Koalitionsvertrag genau so verankert ist. Das gilt übrigens für viele Punkte in Ihrem Antrag: schon erledigt oder in der Mache. Einige Beispiele gefällig? Sie fordern die Unterstützung von Gründern. Topp! Wir liefern: mit neuen Gründerschutzzonen sowie im Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz. So haben auch Gründer und Start-ups eine Chance, überhaupt zum Zuge zu kommen. Bitte schön. Sie fordern den Rückbau von Bürokratie. Wir liefern, indem wir Praxischecks umsetzen, übrigens auch im Bereich der Schwarzarbeit. Wir haben dafür gesorgt, dass handwerkliche Fleischerbetriebe nicht mehr als Schwarzarbeitsbetriebe gelten. Damit fallen Dokumentations- und Meldepflichten weg, übrigens für 95 Prozent der fast 9 900 handwerklichen Fleischerbetriebe. Aber wer hat in der Debatte dagegengestimmt? Das waren die Grünen. Sie haben handwerkliche Fleischereien mit der Skandalfleischindustrie in einen Topf geworfen und waren bereit, Bürokratie für handwerkliche Metzgereien zu rechtfertigen. Das ist die Realität. Sie fordern eine bessere Finanzierung für überbetriebliche Bildungsstätten. Unsere Bundesregierung hat im letzten Jahr gut 55 Millionen Euro für diese Lernorte des Handwerks bewilligt. Das ist übrigens ein Plus von 37 Prozent gegenüber den Habeck-Jahren – plus 37 Prozent! Robert Habeck war trotz vollerer Kassen nicht bereit, in überbetriebliche Bildungsstätten zu finanzieren, übrigens auch nicht in eine Senkung der Stromsteuer für alle, die Sie jetzt fordern. Wo waren Sie eigentlich in den letzten drei Jahren Ihrer Regierungsverantwortung? Wo waren Ihre Appelle für das Handwerk? Sie waren nicht zu hören, als Milliarden Euro an Großsubventionen vergeben wurden wie für Northvolt. Das Handwerk blieb links liegen. Übrigens – ein weiterer Beweis –: Das Habeck-Haus wollte den Losgrundsatz faktisch abschaffen. Durch das vorzeitige Aus der Ampel schaffte es der Gesetzentwurf nicht mehr; aber das grün-geführte Wirtschaftsministerium war bereit, die Mittelstandsklausel für das Bauhandwerk faktisch auszuhöhlen. Auch das ist die Realität. Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“, das ist nicht nur ein Slogan. 1 Million Betriebe stehen für duale Ausbildung, für das Erfolgsmodell „Made in Germany“. Sie schaffen Werte. Sie halten Deutschland am Laufen. Und deshalb von dieser Stelle aus ein Riesendankeschön an alle Handwerkerinnen und Handwerker in diesem Land. Sie erkennen übrigens Pfusch nicht nur am Bau, sondern auch am Antrag. Oder um es anders zu sagen: Wer gar nichts kann, macht Farbe dran; aber keine Farbe hilft. Vielen Dank, Frau Staatssekretärin. – Manfred Schiller spricht als Nächster für die AfD-Fraktion.

AfD

Herr Präsident! Verehrte Kollegen! Liebe Landsleute! Man glaubt es tatsächlich nicht: Nachdem die Grünen die Deindustrialisierung Deutschlands schon so perfekt vorangetrieben haben, nimmt man nun die Selbstständigen, die Betriebe im Handwerk, den Mittelstand, das Herzstück unserer Volkswirtschaft, ins Visier. Der Bayerische Handwerkstag hat vor wenigen Wochen einen detaillierten Katalog über 60 Seiten vorgelegt und erklärt, in welchen konkreten Verwaltungsbereichen die Bürokratieentlastung notwendig und effektiv möglich ist. Hierzu kein Wort in Ihrem Antrag. Der Handwerkspräsident Jörg Dittrich sendet ganz aktuell in der Presse SOS und warnt vor der Todesspirale für den Mittelstand durch Steuererhöhungen für sogenannte Besserverdienende. Werte Kollegen, es ist bereits fünf nach zwölf. Die IHK Regensburg aus meinem Kammerbezirk schreibt in ihrem neuesten Konjunkturbericht: Eine fehlende langfristige Perspektive führt bei vielen Firmen mittlerweile zu einer spürbaren Resignation. – Wo soll denn das noch hinführen? Weitere Verschärfungen auf der Kostenseite entstehen durch absurde nationale und EU-Klimaschutzgesetze. Die daraus resultierende Bürokratie on top zwingt die Unternehmen dazu, Investitionen zu verschieben oder ganz zu unterlassen. Das haben diese Familienunternehmen und deren oft langjährige Mitarbeiter nun wirklich nicht verdient. Haben Sie sich denn wirklich ernsthaft mit den Sorgen und Bedürfnissen des Handwerks auseinandergesetzt? Offensichtlich nicht. Denn in Ihrem Antrag kommen weder die Begriffe „Steuerentlastung“ noch „unternehmerische Freiheit“ noch explizit „heimische Nachwuchsförderung“ vor. Stattdessen wollen Sie tatsächlich mehr Zuwanderung und mehr Geld für Sprach- und Integrationskurse. Wir müssen nicht in die Ferne schweifen, sondern endlich wieder das Potenzial vor Ort heben und stärken. Dazu gehört auch eine angemessene Familienpolitik. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland hat sich über Jahrzehnte bewährt, und es wurde in vielen Ländern der Welt bewundert und nachgeahmt. Schön, dass Sie wenigstens diese deutsche Tradition anerkennen und hochhalten! Nachdem Sie nun fast die ganze Industrie mit der Klimazange so gut wie zerstört haben, sollen nun Steuermilliarden in neue Ideologieprojekte und das sogenannte Klimahandwerk fließen. Damit soll nun auch das Rückgrat unserer Volkswirtschaft in die Planwirtschaft überführt werden. Haben Sie denn schon vergessen, dass dieses Sozialismusmodell noch nirgendwo funktioniert hat? Unsere Staatsquote überschreitet doch schon jetzt die 50-Prozent-Marke. Das Hauptproblem unserer Mittelständler im Handwerk sind nämlich die horrenden Energiepreise aufgrund Ihrer völlig fehlgeleiteten Energiepolitik – da schaue ich ganz besonders die Grünen an – und eben nicht ein Mangel an staatlichen Eingriffen. Mit günstigem Strom aus Kernkraft gäbe es überhaupt keine Notwendigkeit, Steuergeschenke zu verteilen, um Strompreise optisch zu senken. Sicher blitzen auch in Ihrem Antrag einzelne wenige Momente geistiger Klarheit hervor, wie zum Beispiel die Aufhebung des faktischen Sonntagsbackverbotes für Bäckereien, um sie etwa Backstationen in Tankstellen gleichzustellen, oder der kostenfreie Meisterbrief. Dieser ist allerdings überhaupt nichts Neues; denn genau das hat die AfD schon in der letzten Legislatur gefordert. Den Antrag haben Sie – genau Sie! – im April 2024 abgelehnt. Auf die Leistungen unseres Handwerks können wir stolz sein. Und wenn man den Unternehmen wieder Luft zum Atmen gibt, dann entsteht Wachstum und Wohlstand quasi von selbst. Vielen Dank. Für mich mit meinen 44 Jahren Berufserfahrung im Handwerk, davon 30 Jahre als selbstständiger Unternehmer, – Sie müssen zum Ende kommen. – ist Ihr Antrag eine glatte Enttäuschung. Der Antrag ist insgesamt abzulehnen. Herzlichen Dank. Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Daniel Bettermann für die sozialdemokratische Fraktion.

SPD

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor Kurzem war ich bei einer ganz spannenden Veranstaltung: „Erlebnis deutsche Brotkultur“ vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Mit einem abwechslungsreichen Programm wurde die Vielfalt unseres Kulturguts gefeiert. Es war ein toller Abend. Was bleibt, sind – neben vielen Erinnerungen und den letzten Bissen der mitgenommenen leckeren Brote – eine Reihe von Gedanken. Es ist das Wissen um die Besonderheit dieser Branche. Da ist eine Herzlichkeit, die in den Gesprächen und Begegnungen immer mit dabei ist. Das Handwerk zeichnet sich durch ein Maß an Zugewandtheit und Wärme aus, das guttut. Es ist mit über 130 Berufen einer der vielseitigsten Wirtschaftsbereiche in Deutschland. Die Menschen hier sind echte Anpacker. Millionenfach werden ihre Leistungen durch uns Bürger in Anspruch genommen, jeden Tag. Dieses Engagement ist beeindruckend. An all die Gebäudereiniger und Zahntechniker, all die Bäcker und Beschäftigten in der Maschinentechnik, im Bauhandwerk, im Sanitär-, im Klimahandwerk usw. möchte ich die Worte richten: Danke! Ihr übernehmt wichtige Verantwortung für unser Land. Ihr seid die Problemlöser der Nation, und ihr gebt der Jugend eine echte Perspektive. Keine andere Branche bietet mehr Ausbildungsplätze. Im Handwerk ist Machen angesagt. Apropos Perspektive. Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist das Handwerk der entscheidende Player. Durch die Transformation findet eine Veränderung der Berufsbilder statt, die Geschäftsfelder wegbrechen lässt und den Aufbau neuer Dienstleistungen erfordert. Und die Branche, was macht sie? Sie macht mit. Sie treibt Innovationen voran, sagt Ja zur Zukunft. Von dieser Offenheit für Neues und dem Mut für Veränderungen können, ja, müssen wir uns eine dicke Scheibe abschneiden. Dies gilt besonders in der Frage, wie wir das Handwerk besser und vor allem zielgenauer unterstützen können. Hohe Energiekosten, Abgaben und ein immer schwerer werdender Zugang zu Bankdarlehen zum Beispiel bereiten gerade kleinen Betrieben große Kopfschmerzen. Dazu kommt natürlich auch der Bürokratiedschungel. Es ist doch nicht erklärbar, warum eine Bäckerei, die zum Beispiel Schokokuchen herstellt und diesen an Cafés liefert, zur penibel genauen Erfassung und jahrelangen Speicherung der Abnehmerdaten verpflichtet ist. Das kann doch kein Betrieb leisten. Die Regierung greift mit der Modernisierungsagenda langjährige Forderungen des Handwerks auf und setzt damit die richtigen Akzente. Jetzt kommt es aber auch darauf an, dass Brüssel diesen Weg mitgeht. Die Verantwortung der Großbetriebe darf nicht auf unseren Mittelstand und das Handwerk abgewälzt werden. Entlastung entsteht am besten da, wo Betriebe Synergien nutzen können, wo sie, einfacher formuliert, Prozesse ganzheitlich denken und gestalten können. Wir brauchen also einen breiten und praktikablen Instrumentenkasten: Eine Senkung der Stromsteuer für alle wurde schon angesprochen – ja, das wollen wir –, befristet auf Energie sowie auf Grundnahrungsmittel. – Wir arbeiten daran. – Zu diesem Instrumentenkasten gehört auch ein einfacherer Zugang zu Kapital. Handwerksbetriebe sind übrigens meist Personengesellschaften. Das haben viele gar nicht im Blick. Relevant für sie ist die Einkommensteuer. Bei der Steuerreform muss deshalb natürlich besonders dafür Sorge getragen werden, dass kleine und mittlere Einkommen entlastet und die Handwerksbetriebe auch angemessen berücksichtigt werden. Unser Finanzminister wird hier ein gutes Konzept vorlegen. Wir müssen mehr Neues wagen. Machen wir es dem Handwerk nach! Warum nicht auch für Kleinbetriebe Schutzzonen einrichten: minimale Berichtspflichten, schnellere Vergabeprozesse, die mehr Aufträge einbringen? Dieser Weg ist von der Bundesregierung und der Koalition bereits beschritten worden. Ein Antrag sollte als genehmigt gelten, wenn die Behörde zum Beispiel nach wenigen Wochen nicht reagiert; Stichwort „Genehmigungsfiktion“. Das schafft Freiräume. Dann muss der Bäckermeister weniger Zeit für lästige Büroarbeit aufwenden und kann sich der Kreation toller Brot- und Backwaren oder auch der Betreuung seiner Kunden widmen. Ein wichtiges Stichwort ist auch: mehr Eigenverantwortung für Beschäftigte und flexiblere Regeln. Wer mehr arbeiten will, soll das auch dürfen. Das muss sich natürlich auch auf dem Gehaltszettel zeigen. Leistungstragende dürfen nicht unter die Räder geraten; das ist der wichtigste Grundsatz. Arbeit lohnt sich – immer. Auch die Reform der Sozialversicherungssysteme wird Abhilfe schaffen. Nicht zuletzt sagen wir Ja zur Zukunft durch ein Ja zur Digitalisierung. Sie birgt enorme Chancen. Das BMWE liefert mit dem ZIM-Programm zum Beispiel einen wichtigen Anschub. Einen Wendepunkt wird auch die Einführung der EUDI-Wallet im kommenden Jahr darstellen. Es ist die erste richtige digitale Identität, die wir bekommen. Dank ihr werden Behördengänge schneller und bürgerfreundlicher. Das nutzt auch Gewerbetreibenden. Der Mut für Veränderung braucht aber Verlässlichkeit und Stabilität. Die Betriebe erwarten hier zu Recht unsere politische Rückendeckung. Aus meiner Zeit als Lehrkraft in der Berufsausbildung bei der Kasseler Kreishandwerkerschaft weiß ich um die Bedeutung der Förderung junger Menschen und der Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Hier leistet das Handwerk einen ganz wichtigen Beitrag für die Ausbildung unserer jungen Menschen. Ich appelliere deswegen mit Nachdruck: Bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und den Berufsbildungsstätten darf nicht gekürzt werden. Die Finanzlage macht es erforderlich, dass wir uns jede Steuerbegünstigung noch mal anschauen. Wir sagen aber auch klar, dass alles, was wachstumsfördernd und beschäftigungssichernd ist, beibehalten werden muss. Es braucht eine sozial gerechte Ausgestaltung. Wie keine andere Branche bringt das Handwerk Menschen zusammen, und das über Bevölkerungsgruppen hinweg. Integration, Vielfalt, Teilhabe, Ausbildung – all das schafft das Handwerk. Soziales Miteinander und die Verständigung – all das kann das Handwerk leisten, wenn man es lässt und unterstützt. Es ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Das Handwerk ist auch demokratiestabilisierend, zum Beispiel im Hinblick auf den morgendlichen Besuch beim Bäcker. Für mich gibt es dort die Nussecke. Es ist ein kleines Ritual, das gerade inmitten der von Disruption geprägten Zeit ein gutes Gefühl vermittelt. Sorgen wir dafür, dass diese Branche die Rahmenbedingungen vorfindet, die sie braucht, um ihrer Arbeit gut nachgehen zu können, damit es den Handwerksbäcker um die Ecke auch morgen noch gibt! Das Handwerk braucht mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung. Das war übrigens auch die Kernmessage der Brot-Gala. Wie das geht? Indem wir mehr machen, indem wir zeigen, was geht, und weniger darüber reden, was nicht geht. Vielen Dank. Nehmen wir uns am Handwerk ein Beispiel, und machen wir! Vielen Dank. Vielen Dank. – Als Nächstes spricht Agnes Conrad für die Fraktion Die Linke.

Linke

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 5,6 Millionen Menschen im Handwerk. Ohne sie steht das Land still. Und trotzdem: Viele von ihnen arbeiten ohne Tarifvertrag für Löhne unter dem Durchschnitt. Das ist ein Widerspruch, den wir auflösen müssen. Der Antrag der Grünen benennt einige wichtige Baustellen: eine bessere Finanzierung der überbetrieblichen Ausbildung, kostenfreie Meisterbriefe, Azubi-Wohnheime. Wir unterstützen diese Punkte ausdrücklich. Aber es fehlt die entscheidende Perspektive, nämlich die derjenigen, die keinen eigenen Betrieb besitzen, sondern in einem Handwerksbetrieb beschäftigt sind. Deshalb möchte ich Ihnen heute sagen, was aus unserer Sicht auf der Tagesordnung zum Handwerk stehen muss. Das fängt bei einer der grundlegenden Fragen an: Was verdient jemand, der im Handwerk arbeitet? Was verdient eine Friseurin? 2 470 Euro brutto. Brutto! Das ist die tolle deutsche Handwerksausbildung. Verarmung per Gesellenbrief. Davon kann doch niemand richtig leben. Das ist nur möglich, weil im Handwerk die Tarifbindung besonders niedrig ist. Sie liegt bei kleinen Betrieben aktuell bei unter 30 Prozent. Und diese Betriebe dominieren das Handwerk. Die Linke fordert deswegen die konsequente Nachschärfung des Tariftreuegesetzes: niedrige Schwellenwerte, keine Ausnahmen, volle Einbeziehung von Subunternehmerketten. Denn wer öffentliche Aufträge bekommt, muss faire Löhne zahlen. Punkt! Betriebsräte im Handwerk sind die Ausnahme, nicht die Regel. Wir wollen Beratungs- und Vertrauensstellen der Gewerkschaften, an die sich Beschäftigte wenden können, wenn sie Unterstützung beim Aufbau eines Betriebsrats brauchen. Überstunden ohne Ausgleich und Wochenendarbeit sind im Handwerk Alltag. Dabei ist die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung längst Rechtslage. Wir fordern ihre verbindliche digitale Umsetzung mit wirksamen Kontrollen. Jede Stunde muss ausgeglichen werden – in Geld oder Freizeit! In den kommenden Jahren suchen Zehntausende Handwerksbetriebe eine Nachfolge. Zu oft übernehmen Finanzinvestoren mit den bekannten Folgen: sinkende Tarifbindung, wachsender Kostendruck, schlechtere Arbeitsbedingungen und der Abfluss von Devisen. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Novelle des Genossenschaftsrechts. Als Linke fordern wir hier verschiedene Maßnahmen, damit Beschäftigte ihren Betrieb selbst in die Hand nehmen können: als Genossenschaft in Belegschaftshand, demokratisch und regional verwurzelt. Das sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Mitbestimmung und sorgt für regionale Wertschöpfung. Vielen Dank. Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Hans Koller für die CDU/CSU-Fraktion.

CDU/CSU

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Frau Conrad, es ist eigentlich schade, sich an Ihrer Rede abzuarbeiten. Betriebe funktionieren sicherlich nicht so, wie Sie das hier beschreiben. So viel Lebensferne muss man eigentlich nicht mehr kommentieren. Meine Damen und Herren, wenn ich meine Arbeitnehmer nicht ordentlich bezahle und nicht ordentlich behandle, dann habe ich morgen niemanden mehr. Haben Sie schon einmal etwas von Arbeitskräftemangel und vielen anderen Dingen gehört? Sie sind weg von der Realität. Da ist es schade um die Redezeit. Liebe Grüne, Sie benennen in Ihrem Antrag viele Probleme sehr richtig, und wir unterschreiben vieles aus dem Antrag. Sie haben deutlich gemacht, welch großartigen Beitrag das Handwerk, welch fundamentale Bedeutung das Handwerk für unser Land hat: Wohnungsbau, Energiewende, viele andere Dinge, die ohne Handwerk alle nicht funktionieren. Das ist alles vollkommen richtig. Aber die Schlüsse und die Forderungen sind nicht ganz richtig. Ich nenne als Paradebeispiel wieder mal Bayern. Neben dem dualen Ausbildungssystem, das Sie hochloben – ja, das müssen wir erhalten –, haben wir an allen bayerischen Schultypen den Tag des Handwerks für die Schülerinnen und Schüler. Wir haben seit Jahren in Bayern den kostenfreien Meisterbrief. Das ist Wertschätzung, meine Damen und Herren. Wenn ich von Wertschätzung spreche, dann darf ich vielleicht die Grünen wieder einmal daran erinnern, dass sie meinen, wir hätten zu wenige Akademiker, zu wenige Studienabschlüsse. Wertschätzung beginnt in bildungspolitischen Debatten aber mit den Absolventen von Mittelschulen, von Realschulen und dergleichen, die dann im Handwerk arbeiten. Das ist echte Wertschätzung. Da wir von konkreten Maßnahmen sprechen, benenne ich einmal ein paar. Beginnen wir mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten; das Sonntagsbackverbot haben Sie hier exemplarisch genannt. Wir werden Sie an diese Debatten erinnern. Auch eine Erbschaftsteuerreform würde dem Handwerk wirklich helfen. Genau das sind die Hemmnisse, die wir haben. Ich kann Sie an die Rentenreform erinnern. Ich glaube, für so ein Hemmnis ist Ihre Redezeit mittlerweile nicht mehr ausreichend. Wir werden mit vielen Dingen das Handwerk mehr stärken. Das wird die Zukunft sein, meine Damen und Herren. Vielen Dank, Herr Koller. Wir brauchen mehr Handwerker und weniger Mundwerker. Herzlichen Dank. Vielen Dank, Herr Koller. – Nächster Redner ist Adam Balten für die AfD-Fraktion.

AfD

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Antrag ist schlicht paradox. Dieser beschreibt die Probleme Deutschlands, malt aber gleichzeitig ein grünes Goldlöckchenszenario und will anschließend die strukturellen Probleme mit abwegigen 36 Forderungen vertiefen. Haben Sie eigentlich schon mitbekommen, dass 500 000 Arbeitsplätze in den vergangenen drei Monaten abgebaut wurden? Ihre Agenda scheitert gerade an der Realität, meine Damen und Herren. Dieser Antrag zeugt davon, dass Sie weder die Ursache dafür begriffen haben noch zu Ihnen durchgedrungen ist, dass das Horrorklimaszenario, das Sie mit Ihrem Antrag zu verhindern gedenken, bereits im IPCC-Bericht revidiert wurde, und das ist verantwortungslos und gefährlich. Ich zeichne Ihnen jetzt mal ein alternatives Bild von der Zukunft auf Basis der aktuellen technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Drohnen sind die neuen Lieferdienste. Autonom fahrende Fahrzeuge sind der neue Standard. Kernenergie versorgt das Land und die innovative Industrie mit Energie. Gas und Öl sind günstig und werden nicht verteufelt. Individuelles Lernen und standardisierte Leistungserfassung verbessern den Bildungsgrad. Für genau diese gebildeten Fachkräfte wurden Arbeitsplätze nach der Kl-Revolution geschaffen. Sogar ausgestorbene Tierarten können wiederbelebt werden, liebe Grüne, mittels Gentechnik. Für viele Haushalte sind Haushaltsroboter so normal wie heutzutage der Waschtrockner. Deutschland ist nicht Teil dieser Welt. Deutschland hielt am Green Deal und der Klimaagenda fest. Deutschland ähnelt eher Argentinien vor dem Amtsantritt von Milei. Aber, immerhin ist es bis dahin sicherlich gelungen, nichtpupsende Kühe zu züchten. Minister Schneider will das ja aktuell so machen. Wissen Sie, wir könnten Teil dieser neuen Welt sein. Dafür müssen wir nur der Klimahysterie den Rücken kehren und die Fesseln der Bürokratie der EU ablegen. Die Innovationen und Zukunftstechnologien entstehen dann ganz von allein. Das ist auch gleichzeitig das Handwerk von morgen. Ja, ich weiß, Sie grinsen. Für Sie klingt das zu abwegig, und das, obwohl das Szenario, das ich beschrieben habe, in China bereits täglich gelebte und erlebte Realität ist. Trotzdem lehnen Sie das ab. Damit beweisen Sie nur eins, meine Damen und Herren: Führungsschwäche. Wir, die Alternative für Deutschland, sind bereit, Deutschland die Teilhabe am Fortschritt zu ermöglichen. Wir stehen zum Handwerk. Und deswegen werden wir gewinnen. Ihre grüne Politik wird bald ein Ende finden, und auch die peinliche Brandmauer wird diese nicht länger fortsetzen können. Vielen Dank. Vielen Dank. – Die letzte Rednerin in dieser Aussprache ist Vanessa Zobel für die CDU/CSU-Fraktion.

CDU/CSU

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Connemann, eigentlich ist alles gesagt: Vielen Dank dafür. Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt gemerkt, wie wichtig das Handwerk für uns alle ist? Wahrscheinlich weniger hier im Bundestag, sondern vielleicht heute Morgen unter der kalten Dusche oder wenn das Auto nicht anspringt oder wenn der Wasserhahn tropft. Genau dann merkt man plötzlich, wie selbstverständlich uns doch vieles geworden ist und wie wir es hinnehmen. Deshalb zunächst einmal Danke an die Grünen, dass wir heute ausführlich über Handwerk und Ausbildung sprechen dürfen. Aber noch ein kleiner Nachtrag dazu: Wir sind Wahlkreisabgeordnete. Meine Familie hat eine Kfz-Werkstatt. Zu sagen, dass wir quasi keine Ahnung haben, was im Wahlkreis und bei den Handwerkern passiert, ist definitiv nicht richtig. Unsere Handwerker bringen die Milliarden aus dem Infrastrukturpaket vom Papier auf die Straße. Sie stellen sich auf Dächer. Sie verlegen unsere Glasfaser. Sie bringen Autos wieder zum Laufen. Sie stehen nachts in der Backstube, damit wir alle am Sonntag frische Brötchen haben. Wenn Nora Seitz das hört – lieben Gruß an die Metzger –: Ohne Mettbrötchen geht es auch nicht. Ich muss zugeben, ich bin handwerklich nur so mittelbegabt. Gerade deshalb habe ich auch großen Respekt vor den Menschen, die mit ihren Händen echte Probleme lösen; denn wir sind auf das Handwerk angewiesen. Selbstverständlich. Aber genau da liegt ja gerade der Hase im Pfeffer. Unsere ganze Modernisierungsagenda basiert darauf, dass es draußen jemanden gibt, der sie umsetzt. Gleichzeitig gelten Ausbildung und praktische Berufe oftmals nur als Plan B. Man bekommt als Schulabgänger oftmals immer noch gesagt: Ohne Studium wirst du nichts. Das sind natürlich immer sehr persönliche Überlegungen. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Eine Ausbildung kann definitiv nicht schaden. Und machen wir uns doch ehrlich: Wo würden wir eigentlich stehen, wenn es in diesem Land nur noch Akademiker gäbe? Wir brauchen auch die Arbeit an den Werkbänken und in den Backstuben. Und viele Jugendliche begeistert doch genau das: abends sehen zu können, was sie den Tag über geschaffen haben. Es gibt so viele junge Menschen, die etwas mit ihren Händen aufbauen wollen. Gerade diesen jungen Menschen müssen wir zeigen: Ein Studium ist nicht der einzig richtige Weg. Das Handwerk bietet unglaublich viele Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Wir haben es gehört: 130 verschiedene Ausbildungsberufe. Kommen wir zur Bundesregierung. Durch das Gebäudemodernisierungsgesetz und den Bauturbo geben wir dem Handwerk positive Aussichten und hoffentlich volle Auftragsbücher an die Hand. Mit den Investitionen in die Infrastruktur schaffen wir Aufträge für den Mittelstand. Und by the way: Ich freue mich über jede noch so kleine Vorschrift, die wir gerade streichen – gemeinsam. Meine lieben Damen und Herren, ohne Handwerk läuft in diesem Land nichts. In diesem Sinne: Vielen Dank und frohes Schaffen.

Redner nach Fraktion