Bundestag würdigt Veteraninnen und Veteranen
Vereinbarte Debatte: Der Veteranentag – In Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit für den Einsatz unserer Veteraninnen und Veteranen für Frieden und Freiheit
Der debattierte anlässlich des Nationalen Veteranentags am 15. Juni über Anerkennung und Wertschätzung für aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten. Alle würdigten den Dienst der Veteranen. Strittig war vor allem, ob es bei symbolischer Anerkennung bleibt oder ob es mehr konkrete Hilfe etwa bei Traumata und Einsatzfolgen braucht.
Zusammenfassung
Worum geht es? Der führte eine vereinbarte Debatte zum zweiten Nationalen Veteranentag am 15. Juni. Veteraninnen und Veteranen sind alle Menschen, die in der Bundeswehr gedient haben oder dienen. In Deutschland gibt es rund 10 Millionen davon. Der Tag soll ihren Dienst sichtbar machen und Dank und Respekt ausdrücken. Die Positionen der Parteien: Im Grundton waren sich alle einig, dass Veteranen Anerkennung verdienen, besonders auch ihre Familien. SPD, CDU/CSU und Grüne betonten Sichtbarkeit, persönliche Begegnungen und die Belastungen von Auslandseinsätzen. Die AfD verlangte zusätzlich ein Verwundetenabzeichen und mehr Mittel gegen posttraumatische Belastungsstörungen. Die Linke warnte davor, militärischen Dienst zu verklären, und forderte statt Symbolik konkrete Hilfe wie Therapieplätze sowie Schutz für afghanische Ortskräfte. Was passiert als Nächstes? Es handelte sich um eine Gedenk- und Aussprachedebatte ohne einen Gesetzesbeschluss. Der zentrale Festakt war in Berlin geplant, dazu zahlreiche Veranstaltungen im ganzen Land.
Zentrale Argumente
KI-generiert- •Anlass ist der zweite Nationale Veteranentag am 15. Juni.
- •Deutschland hat rund 10 Millionen aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten.
- •Viele Veteranen tragen sichtbare oder unsichtbare Belastungen wie PTBS aus Einsätzen davon.
- •Streitpunkt: symbolische Anerkennung versus konkrete Versorgung und Hilfe.
- •Es ist eine Gedenkdebatte ohne Gesetzesbeschluss.
Reden (8)
Guten Morgen, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Veteraninnen und Veteranen! Am kommenden Nationalen Veteranentag richten wir unseren Blick auf die Frauen und Männer, die unserem Land in Uniform gedient haben, auf Menschen, die Verantwortung übernommen haben, auf Menschen, die bereit waren, für die Sicherheit und den Schutz unserer Gesellschaft einzustehen. Ich stehe heute voller Dankbarkeit vor Ihnen, dankbar für Ihren Einsatz, dankbar für Ihre Leistungen. Veteraninnen und Veteranen haben sehr unterschiedliche Lebenswege. Manche haben Jahrzehnte in der Bundeswehr gedient, andere einige Jahre. Manche waren im Auslandseinsatz, andere haben ihren Dienst in Deutschland geleistet. Sie alle verbindet, dass sie bereit waren, Verantwortung für unser Gemeinwesen zu übernehmen. Und dieser Dienst verdient Respekt. Wertschätzung zeigt sich nicht nur in Worten; sie zeigt sich auch in unserem Handeln. Sie zeigt sich darin, ob wir Veteraninnen und Veteranen zuhören, ob wir ihre Erfahrungen ernst nehmen, ob wir ihnen die Unterstützung geben, die sie benötigen, und ob wir dafür sorgen, dass sie auch nach ihrem Dienst die gesellschaftliche Anerkennung erfahren, die sie verdienen. Niemand darf nach Jahren des Dienstes das Gefühl haben, alleingelassen zu werden. Die Fürsorge für unsere Veteraninnen und Veteranen ist Aufgabe des Staates. Aber sie ist auch eine Aufgabe für uns alle. Sie beginnt in unseren Städten und Gemeinden, in Vereinen, Verbänden und Nachbarschaften. Dort, wo Menschen einander begegnen und füreinander einstehen, entsteht die Anerkennung, die unsere Veteraninnen und Veteranen verdienen. Der Veteranentag trägt dazu bei, diese Anerkennung sichtbarer zu machen. Er schafft Aufmerksamkeit für die Leistungen von Veteraninnen und Veteranen und stärkt das Bewusstsein dafür, dass Freiheit, Frieden und Sicherheit nicht selbstverständlich sind. In einer Zeit, in der wir wieder intensiver über Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt sprechen, ist dies wichtiger denn je. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie wird von Menschen gewährleistet, die ihr eigenes Wohl hinter das Gemeinschaftswohl gestellt haben – Menschen, die bereit sind und waren, Verantwortung zu tragen, oft unter schwierigen Bedingungen und mit persönlichen Entbehrungen. Viele Veteraninnen und Veteranen haben Belastungen erlebt, die sie noch lange nach dem Ende ihrer Dienstzeit begleiten. Manche tragen sichtbare Verletzungen, andere kämpfen mit den Folgen von Erfahrungen, die niemand sehen kann. Gerade deshalb darf unsere Anerkennung nicht auf einen einzelnen Tag im Jahr beschränkt sein. Vielen Dank. Noch ein Satz. Ein Satz. Kein Schachtelsatz. Nein, kein Schachtelsatz. – Eigentlich fehlt mir jetzt die Hälfte, aber egal. Das wäre technisch gesehen der Satz gewesen. Sie müssen wirklich zum Ende kommen, Frau Moll. Ich möchte zum Schluss noch auf den Wald der Erinnerung aufmerksam machen. Im Rahmen unseres Verantwortungsbewusstseins, welches wir als Abgeordnete haben, bitte ich darum, doch die Gedenkstätte unserer gefallenen Soldaten zu besuchen. Vielen Dank. Vielen Dank. – Für die nächste Rede erteile ich das Wort Hannes Gnauck für die AfD-Fraktion.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Kameraden der Bundeswehr! Der Veteranentag erinnert uns an eine Wahrheit, die in Zeiten des Friedens leicht aus dem Blick gerät: Die Freiheit unseres Landes, die Sicherheit unseres Volkes und die Handlungsfähigkeit unseres Staates beruhen nicht allein auf Gesetzen, Institutionen und politischen Entscheidungen. Sie beruhen vor allem auf Männern und Frauen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Entbehrungen und Härten zu ertragen und ihrem Land zu dienen. Veteranenpolitik ist mehr als Symbolik. Sie zeigt, wie ein Staat auf seine Krieger blickt. Die Bundeswehr und ihre Veteranen verdienen deshalb nicht nur Dank; sie verdienen die sichtbare Anerkennung einer Nation, deren Freiheit und Sicherheit sie schützen. Gerade in Deutschland sprechen wir ja oftmals über Ausrüstung, Strukturen und Haushaltsmittel. Wesentlich seltener sprechen wir über das Wesen des Soldatenberufes. Er gehört zu jenen wenigen Männern und Frauen, denen der demokratische Rechtsstaat die Anwendung von Gewalt ausdrücklich aufträgt. Kein Staat auf dieser Welt kann seine Bürger schützen, wenn er nicht bereit ist, seine Ordnung notfalls auch zu verteidigen. Wer Streitkräfte unterhält, muss auch den Mut besitzen, auszusprechen, wozu Streitkräfte existieren. Sie existieren, damit Deutschland verteidigungsfähig ist. Sie existieren, um mögliche Feinde abzuschrecken. Und sie existieren für den Fall, dass Abschreckung versagt. In diesem Fall geht es dann nicht mehr um theoretische Debatten hier im Deutschen Bundestag. Dann geht es darum, den Auftrag zu erfüllen und den Kampf zu gewinnen. Das ist der Kern des soldatischen Auftrags. Selbstverständlich tragen wir, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die Verantwortung für Verwundete, für diejenigen, die körperliche oder seelische Folgen ihres Dienstes tragen, und für diejenigen, die aus dem Einsatz nicht zurückkehren. Denn wir treffen die Entscheidungen, die die Soldaten letztendlich in die Einsätze führen. Wir verlangen von ihnen die Bereitschaft, Risiken auf sich zu nehmen und im äußersten Fall das eigene Leben für Deutschland einzusetzen. Es gibt keinen Dienst am Staat und Volk, der mit einer größeren persönlichen Verpflichtung verbunden ist, meine Damen und Herren. Der Soldat erfüllt seinen Auftrag in dem Wissen, dass dieser Verwundung, dauerhafte Folgen oder sogar den Tod bedeuten kann. Gerade die Bereitschaft, dieses Risiko bewusst auf sich zu nehmen und den Auftrag dennoch zu erfüllen, verleiht seinem Dienst seine besondere Ehre. Nicht das Opfer selbst begründet den Respekt, den wir unseren Veteranen schulden, sondern die Bereitschaft, es für das eigene Land in Kauf zu nehmen. Genau deshalb darf Veteranenkultur keine Opferkultur sein. Es braucht eine selbstbewusste Nation, die die Realität des Soldatenberufs weder verdrängt noch beschönigt. Frieden wird nicht allein durch gute Absichten bewahrt. Frieden wird bewahrt, wenn eine Nation die Fähigkeit besitzt, ihn auch zu verteidigen. Wir wünschen allen Kameraden am 15. Juni einen würdevollen Veteranentag. Doch nicht nur an diesem Tag könnt ihr stolz auf euch sein. Ihr und eure Familien, die Politik und unser Volk können jeden Tag stolz auf euch sein – vor allem aber jene Kameraden, die Schulter an Schulter mit euch gekämpft haben und gefallen sind. Denn niemand kennt euren Mut, eure Entbehrungen und eure Leistungen besser als sie. Sie mögen nicht mehr unter uns sein, doch ihr Geist bleibt mit uns. Und wenn Stolz die Sprache der Gefallenen wäre, dann würden ihre Stimmen heute am lautesten erklingen. Vielen Dank. Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Vivian Tauschwitz für die CDU/CSU-Fraktion.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Wehrbeauftragter! Liebe Ehrengäste! Liebe Soldatinnen und Soldaten! Liebe Kameraden und liebe Veteraninnen und Veteranen! Am 15. Juni begehen wir den Nationalen Veteranentag zum zweiten Mal. Dieser Tag ist mehr als ein Kalendereintrag. Er ist ein Tag des Dankes, ein Tag, an dem wir Menschen Anerkennung aussprechen, die unserem Land in Uniform gedient haben und immer noch dienen, und ein Tag, an dem wir sichtbar machen müssen, was hinter diesem Dienst steht. Denn hinter jedem Bürger in Uniform steht eine Familie, stehen Freunde und Bekannte und auch immer eine Geschichte. Deshalb gilt mein Dank heute nicht ausschließlich unseren Veteranen, sondern auch ihren Angehörigen und denen, die sie unterstützen. Sie tragen die Entbehrungen mit, sie übernehmen Verantwortung, und sie geben den Rückhalt, oft fernab jeder Öffentlichkeit und jeder Anerkennung. Vielen Dank dafür! Im Einsatz, auf Übung, aber oft im Alltag begegnen uns Soldatinnen und Soldaten und Menschen, die Verantwortung übernehmen, so wie zum Beispiel beim Tag der Bundeswehr. Ich möchte aus meinem Wahlkreis erzählen. Dort, in Munster, erlitt beim Tag der Bundeswehr der Sohn eines Bekannten einen schweren medizinischen Notfall. Soldatinnen und Soldaten, Sanitäter der Bundeswehr, waren schnell zur Stelle. Sie handelten professionell, schnell, ruhig und vor allem menschlich. Die Familie hat sich danach bei mir gemeldet und gesagt: Sprich ihnen bitte meinen Dank aus. – Die Mutter sagte, sie werde niemals diese Menschlichkeit vergessen, die ihr an diesem Tag entgegengebracht wurde. Genau das ist unsere Bundeswehr. Es sind Menschen, die Verantwortung übernehmen, Menschen, die helfen, wenn andere Hilfe brauchen, und Menschen, die für andere da sind. Der Tag der Bundeswehr macht dies deutlich. Warum ich ihn erwähne? Er war in aller Munde. Er war in der Presse. Wir haben die Standorte besucht. Der Veteranentag sollte genauso in der Öffentlichkeit stattfinden. Dafür werbe ich und hoffe auch, dass wir ihn als Parlament sichtbar machen. Der Veteranentag erinnert uns an den Dienst, an die Verantwortung, die auch wir als Parlament für unsere Soldatinnen und Soldaten und die Menschen dahinter tragen. Aber er erinnert uns auch daran, dass der Dienst in der Bundeswehr nicht immer gesund an Körper und Geist endet. Menschen, die durch ihren Einsatz, ihr Engagement und ihre Überzeugung Veteranen geworden sind, gehören ebenso in die Mitte der Gesellschaft wie die Aktiven, die es vielleicht noch nicht in der Form betrifft. Sie gehören also genau dahin, wo wir sind. Sie müssen sichtbar sein, und sie müssen gehört werden. Dafür müssen wir alle unseren Beitrag leisten. – Wir haben ein gutes psychosoziales Netzwerk. Aber hier geht es jetzt um die Soldatinnen und Soldaten und die Veteranen, und das sollten Sie respektieren. Dieses Wochenende finden außerdem die Invictus Games Germany in Düsseldorf statt. Dort kommen Soldatinnen und Soldaten und Veteranen sowie ihre Familien zusammen. Da geht es um gesellschaftliche Teilhabe, Mut, Zusammenhalt, aber eben auch um Sichtbarkeit. Dieses Sportereignis ist ein starkes Signal für unsere Soldatinnen und Soldaten und unsere Veteranen und verdient unseren Respekt. Ich freue mich, da mit vielen Kollegen anwesend sein zu dürfen. Am 21. Juni feiern wir den Veteranentag mit einer zentralen Veranstaltung hier in Berlin. Gleichzeitig gibt es viele Veranstaltungen in ganz Deutschland. Ich rufe dazu auf: Seien auch Sie Teil dieser Veranstaltungen, und zeigen Sie unseren Veteranen Ihren Respekt! Es muss keine Riesenveranstaltung sein; es reicht auch ein kleines Dankeschön. Diese kleinen Gesten sind immer herzlich willkommen. Auch in meinem Wahlkreis wird so eine Veranstaltung stattfinden. Ich möchte hier, stellvertretend für alle Organisationen, dem Veteranentreff Heidekreis danken, dass ihr das mit auf die Beine stellt. Eure Arbeit zeigt, was Menschlichkeit bedeutet. Ich danke euch sehr! Und auch danke an unsere Arbeitsgruppe, lieber Robin, liebe Claudia. Wir wissen, wir haben noch einiges vor uns; aber wir gehen das an und hoffen da auch ganz auf die Unterstützung dieses Parlamentes. Ich möchte heute vor allen Dingen unseren Veteranen Danke sagen. Danke für euren Dienst. Danke für eure Einsatzbereitschaft. Danke, dass ihr euren Beitrag für Frieden, Freiheit und Sicherheit leistet. Und danke an die Familien, die dies unterstützen. Dankbarkeit sollte auch dieses Parlament entgegenbringen – ohne in den letzten Reihen zu schlafen. Also: Aufwachen! Hier geht es um was Wichtiges. Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Robin Wagener von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Herr Wagener, Sie haben das Wort.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Wehrbeauftragter! Verehrte Gäste auf der Ehrentribüne! Ich begegne vielen Menschen in Uniform und vielen Menschen, die Uniform getragen haben – Menschen, die tief beeindrucken, und Menschen mit Geschichten, die berühren. Da ist der Mensch, bei dem ich während des Gesprächs merke, wie dankbar ich bin, dass er oder sie Verantwortung in der Bundeswehr übernommen hat – klarer Kompass, anpackend, mutig und immer im Dienst für die Verteidigung unserer Demokratie. Da ist der Mensch, der aus tiefer Überzeugung ukrainische Soldaten ausbildet und nur wenige Wochen später erfährt, dass viele von ihnen an der Front gefallen sind. Da ist der Mensch – groß, durchtrainiert, oft großflächig tätowiert –, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, dass er Dinge erlebt hat, die kein Mensch erleben sollte. Diese Menschen waren dabei, als ihre Kameraden brutal getötet wurden; sie wurden zum Teil selbst schwer verletzt – durch Sprengfallen, durch Feuergefecht, durch plötzliche Schüsse durchs Fenster. Menschen, die auch hier in Deutschland den Krieg im Kopf täglich durchleben müssen. Menschen, die wir nicht im Stich lassen dürfen. Ich begegne sehr vielen und sehr unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Motivationen. Aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie alle waren oder sind bereit, im Ernstfall ihr Leben für unser Leben in Freiheit und Demokratie zu riskieren. Gerade in einer Zeit, in der Krieg für viele Menschen in Europa wieder brutaler Alltag ist und in der Frieden auch für uns hier nicht mehr selbstverständlich ist, verdient diese Bereitschaft, im Ernstfall das eigene Leben für andere zu riskieren, mehr denn je Sichtbarkeit, Wertschätzung, Dankbarkeit. Wir alle wissen ja, dass es in unserem Land sehr unterschiedliche Meinungen über Wehrhaftigkeit und Pazifismus gibt. Und es ist vollkommen in Ordnung, dass es sie gibt und dass wir darüber streiten. Aber was definitiv nicht in Ordnung ist, ist, diese unterschiedlichen Meinungen auf dem Rücken der Soldatinnen und Soldaten oder mit Angriffen gegen sie auszutragen. Wir hier im Bundestag sind die Ansprechpartner in dieser Diskussion; denn die Bundeswehr führt unsere Entscheidungen aus, die wir hier im Parlament demokratisch treffen. Auch deswegen haben wir Parlamentarier und Parlamentarierinnen eine besondere Verantwortung für unsere Soldatinnen und Soldaten. Deutschland hat über 10 Millionen Veteraninnen und Veteranen; das sind 10 Millionen aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten. Der zweite Nationale Veteranentag stellt diese Menschen und ihre Familien und Freunde in den Mittelpunkt; denn neben den Soldatinnen und Soldaten sind es auch die Familien und Freunde, die jeden Tag spüren, welchen Preis der Dienst in der Bundeswehr hat. Lassen Sie uns gemeinsam den diesjährigen Veteranentag zu einem besonderen Tag machen: ein Tag der Begegnungen, ein Tag, an dem Dankbarkeit sichtbar werden kann. Lassen Sie mich abschließend den Gästen auf der Ehrentribüne aufrichtig danken. Nicht alle konnten der Einladung folgen; einige sind nämlich bereits bei Veranstaltungen zum Veteranentag an unterschiedlichen Orten in der Republik gebunden. Darum an alle Abwesenden und Anwesenden, zum Beispiel an Frau Generaloberstabsarzt Schilling, an Sie, Kapitän Küttler, an Sie, Oberstleutnant Krause, an Sie aus den Verbänden, die sich mit so viel Engagement dafür eingesetzt haben, dass es diesen Nationalen Veteranentag überhaupt gibt, an Sie alle auf der Ehrentribüne, stellvertretend für so viele mehr, – Vielen Dank. – an Sie und Ihre Kameradinnen und Kameraden von Herzen: Vielen Dank für Ihren Dienst! Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Donata Vogtschmidt für die Fraktion Die Linke.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe anwesende Veteraninnen und Veteranen! Liebe Gäste! „Einfach Respekt.“ steht auf einer Postkarte zum diesjährigen Veteranentag. Und es ist richtig: Veteraninnen und Veteranen verdienen Respekt. Sie haben im Auftrag dieses Staates Dienst geleistet. Viele von ihnen waren Situationen ausgesetzt, die Menschen dauerhaft prägen können. Manche tragen körperliche Verletzungen davon, andere psychische Belastungen, die oft unsichtbar bleiben. Respekt und Heroisierung sind jedoch nicht dasselbe. Anerkennung darf nicht bedeuten, militärischen Dienst zu verklären oder Krieg und Auslandseinsätze zu romantisieren. Gerade in der sogenannten Zeitenwende ist diese Unterscheidung wichtig; denn mit jedem zusätzlichen Milliardenpaket für Rüstung wächst auch die Verantwortung gegenüber den Menschen, die die Folgen dieser Politik tragen. Wer so viel Geld für Waffen und militärische Fähigkeiten bereitstellt, muss auch für diejenigen einstehen, die im Auftrag des Staates gedient haben, künftig dienen werden oder aber auch dienen werden müssen. Wer mit einer posttraumatischen Belastungsstörung aus einem Einsatz zurückkehrt, braucht kein Fest; er braucht einen Staat, der ihm glaubt. Doch auch viele Betroffene erleben noch immer langwierige Verfahren und Kämpfe um Leistungen, die ihnen zustehen. Dabei steht die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland seit Jahren insgesamt unter Druck. Viele Menschen warten monatelang auf einen Therapieplatz. Wer psychische Einsatzfolgen ernst nimmt, darf Veteraninnen und Veteranen nicht an ein System verweisen, das ohnehin schon im Krisenmodus operieren muss und zukünftig, wie es scheint, vollends kaputtgespart wird. Besonders deutlich wird der Widerspruch auch bei den politischen Prioritäten. Für die Unterstützung traumatisierter Veteraninnen und Veteranen stehen Vereinen wie „Angriff auf die Seele“ und dem Bund Deutscher EinsatzVeteranen zusammen nicht einmal 2 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist nur ein Bruchteil der Kosten für einen einzigen neuen Leopard-Panzer. Machen wir uns nichts vor: Panzer haben eine Lobby, Traumata offenbar nicht. Wenn heute viel von Gesamtverteidigung und gesellschaftlicher Resilienz gesprochen wird, dann darf Sicherheit nicht allein auf das Militär reduziert werden. Zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft gehören auch Pflegekräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, im Katastrophenschutz und in vielen weiteren Bereichen. Auch ihnen gebührt Anerkennung – nicht nur durch Applaus aus dem Fenster, sondern durch gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung. Und Verantwortung besteht schließlich auch für die Ortskräfte und zivilen Mitarbeitenden deutscher Auslandseinsätze. Viele von ihnen haben erhebliche persönliche Risiken auf sich genommen und leben bis heute mit den Folgen politischer Entscheidungen, die hier in Deutschland in diesem Haus getroffen wurden. Ich denke dabei vor allem an die vielen ehemaligen Mitarbeiter/-innen vor Ort, die nach ihrer Zwangsrückführung von Pakistan nach Afghanistan ernsthaft von Vergeltungsmaßnahmen bedroht sind oder diese bereits erfahren mussten. Herr Dobrindt, Sie waren es, der beinahe jede zweite Aufnahmezusage an die Ortskräfte zurückgezogen hat. – Einfach Respekt! Ein Veteranentag schafft Aufmerksamkeit; aber Aufmerksamkeit allein ersetzt keine Traumatherapie, keine Anerkennung von Einsatzschäden und keine bessere Versorgung. Wenn wir Veteraninnen und Veteranen wirklich anerkennen wollen, dann braucht es weniger Symbolpolitik und mehr konkrete Verantwortung – nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern auch an allen anderen Tagen. Vielen Dank. Vielen Dank. – Für die nächste Rede erteile ich das Wort Esra Limbacher für die Fraktion der SPD.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Soldatinnen und Soldaten! Der Veteranentag ist ein wichtiges, ja überfälliges Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung – Wertschätzung für all diejenigen, die sich mit ihrem Leben im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland für das Recht und die Freiheit unseres Landes einsetzen oder eingesetzt haben. Es geht um Millionen von Veteraninnen und Veteranen, und es geht um ihre Familien. Denn es stimmt ja: Hinter jedem Einsatz, hinter jeder sicherheitspolitischen Debatte in diesem Haus, hinter jeder Diskussion, die wir über die Bundeswehr führen, stehen immer Menschen – Menschen, die bereit sind, für unser Land Verantwortung zu übernehmen und dafür Entbehrungen auf sich nehmen. Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich über genau diese Menschen heute hier sprechen – Menschen wie ein Oberstleutnant aus meiner saarländischen Heimat, ein Soldat der Luftlandebrigade, stationiert in Saarlouis, ein verheirateter Familienvater mit zwei Kindern. Vor wenigen Wochen kehrte er aus seinem fünften Auslandseinsatz zurück. Sechseinhalb Monate war er in Bagdad im Irak eingesetzt. Ich will darüber sprechen, was für eine Belastung ein solcher Einsatz auslöst – nicht immer, weil es Verwundungen oder sonstige Belastungen danach gibt, sondern weil auch die Familie immer dabei ist. Allein die Ankündigung reicht schon; denn man weiß nicht, wann es wirklich losgeht. Man weiß auch nicht wirklich, wann der Einsatz zu Ende ist. Ich will darüber sprechen, dass sechseinhalb Monate für viele von uns eine überschaubare Zeit darstellen, aber für Familien eine Ewigkeit sein können. Im Einsatz selbst gehören Entbehrungen nämlich zum Alltag: die Trennung von den Liebsten, verpasste Geburtstage und Familienfeiern, verpasste Entwicklungsschritte der Kinder. Die Belastungen des Einsatzgebietes kommen noch dazu. Moderne Technik erleichtert den Kontakt nach Hause – das stimmt –; aber kein Bildschirm ersetzt die Umarmung der eigenen Kinder, kein Videoanruf ersetzt das gemeinsame Abendessen mit der Familie. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will darüber sprechen, dass es schlimme Schicksale von verwundeten und gefallenen Soldaten im Einsatz gibt. Aber mir ist es auch wichtig, die Geschichten und den Alltag der gewöhnlichen Einsätze hier sichtbar zu machen. Es sind Soldaten wie der saarländische Oberstleutnant und Familienvater, von dem ich gerade gesprochen habe, die ihren Beruf lieben, aber im Einsatz sehr viel opfern. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist der Veteranentag mehr als ein Tag der Erinnerung. Er ist ein Tag des Dankes, und er ist ein Auftrag an uns; denn Anerkennung darf nicht bei Worten stehen bleiben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, jede Soldatin, jeder Soldat trägt die deutsche Flagge an seinem Ärmel – nicht für sich selbst, sondern dafür, dass alle Bürgerinnen und Bürger auch in diesem Land frei leben dürfen. Sie müssen zum Ende kommen, Herr Kollege. Ich will an dieser Stelle allen Veteraninnen und Veteranen, allen Soldatinnen und Soldaten danksagen. Vielen Dank auch Ihnen. Unsere Anerkennung ist euch gewiss. Herzlichen Dank. Danke. – Der nächste Redner ist Jan Ralf Nolte für die AfD.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Veteranentag ist ein wichtiges Zeichen der Anerkennung für die Männer und Frauen, die sich bereit erklärt haben, Deutschland mit ihrem Leben zu schützen. Wir zeigen ihnen damit, dass wir das nicht einfach als selbstverständlich voraussetzen und dass uns auch bewusst ist, dass der Soldatenberuf eben kein Job ist wie jeder andere. Die AfD-Fraktion hat sich aber, auch schon bevor es den Veteranentag gab, immer wieder für die Interessen aktiver und ehemaliger Soldaten starkgemacht. Wir haben mehr Truppenpsychologen gefordert und mehr Mittel für die Behandlung von PTBS, weil eben nicht jede Verletzung, die ein Soldat aus dem Einsatz mitbringt, sichtbar ist und weil es immer wieder Soldaten gibt, die jahrelang wirklich schwer an den Dingen zu tragen haben, die sie im Einsatz erlebt haben. Und es ist ja der Deutsche Bundestag, der die Soldaten dorthin entsendet. Wir haben mehr Unterstützung für die Familienbetreuungszentren gefordert, weil die Familie – auch das weiß jeder Soldat – ein ganz wichtiger Kraftquell ist, auch dann, wenn man seinen Dienst fernab der Heimat leistet. Es ist natürlich auch für Familien nicht einfach. Die machen sich Sorgen. Die wissen nicht genau, was da eigentlich im Einsatz passiert. Und wenn ein Soldat versehrt oder – schlimmer noch – überhaupt nicht mehr nach Hause zurückkehrt, dann ist das natürlich für die Familien ein schwerer Schlag. Wir haben uns schon 2019 dafür eingesetzt – wir haben das hier im Deutschen Bundestag beantragt –, dass die Bundeswehr ein Verwundetenabzeichen bekommt. Denn es sollte selbstverständlich sein, dass jemand, der an Körper oder Seele verletzt wird, weil er diesem Land dient, ein sichtbares Zeichen der Anerkennung dafür bekommt. Alle anderen Fraktionen haben das damals abgelehnt. Man hat uns entgegenhalten, das sei ja nur Symbolik. Die Bundeswehr brauche so was nicht. Oder: Man könne kein Verwundetenabzeichen einführen, weil das historisch belastet sei. Die allermeisten unserer militärischen Partnerstaaten haben Verwundetenabzeichen. Nur den Bundeswehrsoldaten soll es offenbar vorenthalten werden. Umso mehr freue ich mich, dass gerade aus dem Kreis der Veteranen heraus diese Debatte wieder neu an Fahrt aufnimmt. Ich hoffe, SPD und CDU/CSU haben seitdem dazugelernt. Ansonsten können wir das auch gerne noch ein weiteres Mal hier im Deutschen Bundestag beantragen. Verhindern Sie nicht erneut die Einführung eines Verwundetenabzeichens in der Bundeswehr! Vielen Dank. – Der letzte Redner in dieser Aussprache ist Ralph Edelhäußer für die CDU/CSU-Fraktion.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Menschen in unserem Land, die bereit waren, alles hinter sich zu lassen, wann immer der Auftrag kam: ihre Familie, ihren Alltag, ja, auch ihre Sicherheit – Menschen, die in Einsätze gegangen sind, von denen sie nicht wussten, ob oder wie sie zurückkommen würden. Und viele von ihnen haben danach einfach weitergemacht, ohne großes Aufheben, ohne Erwartung auf Applaus. Aber eines dürfen wir als Gesellschaft niemals tun: diesen Dienst als selbstverständlich betrachten. Hinter den Begriffen „Veteranin“ oder „Veteran“ stehen Menschen, die Verantwortung übernommen haben – für unser Land, für unsere Gesellschaft, für unsere Bündnispartner, ja, für Frieden und Freiheit. Und genau deshalb ist der Veteranentag so wichtig – nicht als großes Symbol, sondern weil Anerkennung nicht selbstverständlich ist. In Deutschland wird über Veteraninnen und Veteranen kaum gesprochen. Viele hatten eher das Gefühl, erklären zu müssen, was sie eigentlich getan haben, statt dass einfach anerkannt worden ist, dass sie in unserer Bundeswehr gedient haben. Als stellvertretender Präsident des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr erlebe ich das immer wieder. Unsere 10 Millionen Veteranen erwarten keine großen Aktionen; aber sie erwarten zu Recht Respekt für ihren erbrachten Dienst. Und sie wünschen sich, dass dieser Dienst nicht vergessen wird. Allein rund 500 000 Soldatinnen und Soldaten waren seit Gründung der deutschen Bundeswehr in Auslandseinsätzen eingesetzt. Viele von ihnen waren in Afghanistan, in Mali, auf dem Balkan oder auch im Irak gefordert. Dort haben sie ihren Auftrag erfüllt – unter schwierigen Bedingungen, fernab von der Familie, fernab von ihrer Heimat. Und natürlich nimmt jeder aus solchen Einsätzen etwas mit zurück – an Erfahrungen, an Erinnerungen, aber auch an Belastungen. Die Einsätze dauern einige Monate; aber das, was man dort erlebt, begleitet viele das ganze Leben lang. Gerade deshalb ist es so wichtig und auch richtig, dass unser Land das mit dem Veteranentag sichtbar macht und einfach mal Danke sagt. Denn wer bereit ist, für unser Land im In- und Ausland zu dienen, Verantwortung zu übernehmen und im Zweifel auch persönliche Risiken auf sich zu nehmen, der verdient einfach Anerkennung, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Gerade die Reservistinnen und Reservisten leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Sie stehen mitten im Leben. Sie arbeiten in Unternehmen, engagieren sich in Vereinen und Verbänden, sind in Gemeinderäten aktiv und auch sonst ehrenamtlich engagiert. Und gleichzeitig bringen sie ihre Erfahrung und ihre Bereitschaft ein, Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Dieses Band zwischen der Bundeswehr und der Gesellschaft ist enorm wichtig – ich finde, heute mehr denn je. Ich finde deshalb auch den Gedanken hinter dem Veteranentag so wichtig: Begegnung statt Distanz, Gespräche statt Wegschauen, Sichtbarkeit statt Schweigen, mit Veranstaltungen in Städten und Gemeinden, mit offenen Kasernen – wie beim Tag der Bundeswehr –, mit Begegnungen zwischen Soldatinnen, Soldaten, Ehemaligen, Bürgerinnen und Bürgern. Denn alle Veteraninnen und Veteranen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft. Anerkennung darf nicht nur aus Worten bestehen. Dazu gehören auch – wir haben es schon ein paarmal gehört – gute Betreuung, Unterstützung bei Einsatzfolgen und Verlässlichkeit gegenüber denjenigen, die unserem Land gedient haben, egal wo und wie lang. Der Veteranentag sendet genau dieses Signal: Wir sehen euren Dienst, wir respektieren euren Einsatz, und wir sagen Danke. Vielen Dank.
Redner nach Fraktion
8 Redner insgesamt
Positionen
KI-generiertVeteranen verdienen sichtbare Anerkennung. Die AfD fordert ein Verwundetenabzeichen, mehr Truppenpsychologen und mehr Mittel gegen PTBS und kritisiert deren bisherige Ablehnung durch andere Fraktionen.
Der Veteranentag sei ein überfälliges Zeichen der Wertschätzung; Anerkennung dürfe nicht bei Worten bleiben. Auch Familien tragen die Belastungen der Einsätze mit.
Respekt ja, aber keine Heroisierung des Krieges. Statt Symbolpolitik brauche es konkrete Hilfe wie Traumatherapie, faire Verfahren bei Einsatzschäden und Schutz für Ortskräfte.
Die Bereitschaft, das eigene Leben zu riskieren, verdiene Sichtbarkeit und Dank. Meinungsstreit über Wehrhaftigkeit dürfe nicht auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen werden.
Der Dienst dürfe nicht als selbstverständlich gelten. Veteranen gehören in die Mitte der Gesellschaft; nötig seien Sichtbarkeit, gute Betreuung und Unterstützung bei Einsatzfolgen.
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